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Investieren in JuicyFields: Im Handumdrehen reich mit medizinischem Cannabis?

Manchmal fallen mir beim Betrachten von Webseiten mit Investmentangeboten ziemlich abenteuerliche Geschichten ein. Eine davon möchte ich heute zum Besten geben. Sie drängte sich spontan in meinen Kopf, als ich mich mit JuicyFields.io beschäftigt habe. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt!

Gier frisst Hirn – eine fiktive Geschichte zu JuicyFields

Es war einmal ein Mann, nennen wir ihn V. Der wollte unbedingt tierisch reich werden. Also überlegte er sich: Was ist denn momentan der „heiße Scheiß“? Medizinisches Cannabis! Ja, coole Idee, dachte V und überlegte weiter. Was müsste man tun, um damit Geld zu verdienen? Man bräuchte Gewächshäuser, Pflanzen, Energie, Wasser und natürlich Arbeitskräfte, und dann noch die passenden Kontakte, um die Ernte zu verkaufen, und, und, und.

Och nö, dachte V, das ist irgendwie alles zu viel Aufwand. Da mach ich doch lieber was mit Internet. Und als er so durch die Weiten des World Wide Web surft und sich auf allen möglichen Seiten, die etwas mit Geldverdienen und Investieren zu tun haben, nach Inspiration umschaut, fällt ihm auf, dass überall von der „Crowd“ die Rede ist: Crowd Funding, Crowd Investing, Crowd Farming.

Warte mal, das ist es doch! So komme ich doch noch zu meinem Cannabis-Business: Crowd Growing! Jawoll! Ich gründe eine Firma, die so tut, als würde sie medizinisches Cannabis produzieren und dann gibt’s noch eine Webseite dazu, über die sich jeder daran beteiligen kann. So geben mir die Leute ihr Geld und ich muss nur dafür sorgen, dass es immer mehr und mehr Leute werden und ich – schwupps – mit einem Großteil der Kohle verschwinden kann.

Hhm, denkt sich V, inzwischen sind ja schon viele Fakes bekannt. Wie schaffe ich es, dass das Ganze glaubhaft wirkt? Zunächst einmal gründe ich eine GmbH in Berlin. So etwas ist doch super glaubwürdig. Die kann ich ja später in eine ausländische Firma, sagen wir eine B. V. in den Niederlanden, umwandeln und meinen Namen nehme ich dann auch raus und die Geldeinlage selbstverständlich auch. Wenn etwas, das mit Cannabis zu tun hat, den Hauptsitz in Amsterdam hat, schöpft doch niemand Verdacht.

Natürlich muss es ein Impressum geben. Wer kommt schon auf die Idee, die Adresse zu googeln und dann festzustellen, dass es sich um Shared Working Space handelt. Ich könnte auch Filialen in größeren Städten unter renommierten Adressen erfinden. Wer prüft das schon nach?

Ja, und dann muss noch ein großer Mitarbeiter-Stab auf die Webseite, möglichst international. Das kriege ich auch noch hin. Nett müssen die gucken und nicht zu businessmäßig aussehen. Und natürlich Partner-Farmen, irgendwo weit weg, wo sowieso keiner nachsieht. Vielleicht setze ich auch echte Cannabis-Produzenten auf die Seite, falls sich doch mal jemand dahin verirrt.

Die Webseite muss zwar seriös aussehen, aber auch nicht zu seriös, es ist schließlich was mit Cannabis. Da kann sich dann jeder registrieren und virtuell Pflanzen kaufen und nach einer vorgegebenen Erntezeit den Erlös aus dem Verkauf der Blütenernte bekommen. Es muss verlockend klingen.

Zunächst einmal darf die Einstiegshürde nicht zu groß sein. Also überlege ich mir ein Investmentmodell. Ich denke, ich biete vier „Pflanzenarten“ an, denen ich klingende Namen gebe, z. B. „Flash“, „Mist“, „Kush“ und „Haze“. Blitz und Dunst, das passt, hihi!

Die erste Sorte biete ich für 50 € pro Pflanze an. Ich brauche etwas, um das Vertrauen der Leute zu gewinnen, auch der ganz vorsichtigen. Wenn das mit den 50-€-Pflanzen gut funktioniert und sie merken, wie sich ihr Geld vermehrt, sind sie sicher bereit, auch mal eben 2.000 € auf einmal zu investieren. Dafür werde ich die anderen drei Sorten anbieten. V reibt sich die Hände.

So, nun muss ich mir noch über das angebotene Ertragsmodell Gedanken machen. Für die Variante „Flash“, also den Lockvogel, lege ich mal eben eine Laufzeit von 108 Tagen fest. Krumme Zahlen sind glaubwürdig. Nach dieser Zeitspanne kommen – je nach Ernte (grins) – 45 bis 55 g heraus, die dann für 1,50 €/g verkauft werden. So gibt es für die 50 € nach 108 Tagen irgendwas zwischen 67,50 € und 82,50 € zurück, naja, sagen wir 68 bis 83 € – mir doch egal, ist ja nicht mein Geld!

Screenshot zu JuicyFlash
Quelle: juicyfields.io

Ich werde auch wirklich auszahlen. Wird ja auch eine ganze Weile kein Problem sein, denn wenn das richtig läuft, kommen sowieso immer wieder neue Investoren hinzu. Da nehme ich einfach deren investiertes Geld und zahle damit diejenigen aus, die vorher schon investiert hatten.

Die anderen drei Pflanzensorten werden 2.000 € kosten. Natürlich müssen sie lukrativer aussehen als die Billigsorte, denn sonst kauft sie ja keiner. Andererseits soll es länger dauern, denn ich will die Erträge ja schließlich nicht aus eigener Tasche zahlen geschweige denn, aus einer echten Produktion. (Hämisch grinsend.)

Los geht’s mit der ersten „Premium-Sorte“. Natürlich muss die Ernte höher ausfallen als bei Flash und auch echt wirken. Und die Pflanze muss länger halten, so dass die Laufzeit für diesen „Kredit“ viel länger ist, sagen wir drei Jahre. Insgesamt 4 Ernten pro Jahr sind prima, das hält die Leute bei Laune. 150 g pro Pflanze könnten passen. Ich gebe wieder eine Spanne an: 150 bis 200 g.

Der Gramm-Preis muss auch hier etwas höher sein, denn es ist schließlich Premium-Qualität. Wie sieht es denn aus mit 2€/g? Das kostet mich viermal im Jahr jeweils zwischen 300 € und 400 €, naja eher in der Nähe von 300 €. So kann ich ein Jahr lang die Erträge aus den investierten 2.000 € selbst bezahlen und habe noch Geld übrig – für mich und meine Strohmänner. Feine Sache! Das Später ist mir egal. Ich verspreche dem Investor einfach, dass es 3 Jahre diese Erträge gibt, so bekommt er mindestens 3.600 € aus seinem 2.000 € Investment, denkt er zumindest.

Screenshot zu JuicyMist
Quelle: juicyfields.io

V schaut auf die Zahlen und kratzt sich am Kopf: In dieses Angebot würde ich nicht investieren, selbst wenn alles „echt“ wäre. Da würde ich mir doch lieber statt einer Pflanze für 2.000 € für das Geld 40 Pflanzen für je 50 € kaufen und dann den Ertrag reinvestieren. Ach, was soll’s, Gier frisst Hirn!

Dann baue ich noch zwei andere Angebote, die etwas lukrativer zu sein scheinen: Ernten, die zwar größer ausfallen, sowohl gewichts- als auch geldtechnisch, aber dafür seltener sind: dreimal pro Jahr und zweimal pro Jahr, wobei die Pflanze dann vier bzw. fünf Jahre hält.

Screenshot zu JuicyKush
Quelle: juicyfields.io
Screenshot von JuicyHaze
Quelle: juicyfields.io

Das Ding läuft sowieso keine vier bis fünf Jahre mehr, es sei denn, die Erträge werden immer wieder reinvestiert oder es finden sich immer wieder genug neue Investoren.

Als Zahlungsmethoden werde ich nur Kryptowährungen und Überweisung auf ein Konto in Zypern anbieten. Da kommt keiner ran und der Rückzug mit der Kohle geht dann ganz schnell, wenn das System zusammenbricht, die Firma Insolvenz anmeldet und die Webseite abgeschaltet wird.

Screenshot der Zahlungsmethoden bei JuicyFields: SEPA, bitcoin, ethereum, tether
Quelle: juicyfields.io

Ende gut, alles gut. Zumindest für V und seine Kumpane, denn das alles kann wohl keiner ganz allein hinbekommen.

Ist JuicyFields vielleicht doch seriös?

Wenn etwas zu schön klingt, um wahr zu sein, dann ist es das meistens auch: Zu schön um wahr zu sein! Ich sehe hier jedenfalls viele rote Alarmleuchten.

Natürlich bin ich nicht zu 100% sicher, aber JuicyFields ist meiner Meinung nach höchstwahrscheinlich ein groß aufgezogener Betrug.

Wenn die Sache soooo lukrativ und sicher ist, warum lassen sie dann überhaupt die Crowd investieren? Da müssten sich doch Millionäre und Milliardäre nur so darum reißen und dann müssten sie sich nicht mit den kleinen Bröckchen der Hobbyinvestoren zufriedengeben.

Sicher lassen sich auch fachliche Widersprüche finden. Dazu müsste ich mich jedoch in die Materie Cannabis-Anbau einarbeiten, die mich überhaupt nicht interessiert.

Werde ich JuicyFields trotzdem ausprobieren?

Die Seite, über die man in JuicyFields investieren kann, ist wahrscheinlich seit etwa März 2020 online. Es gibt auch schon einige Erfahrungsberichte auf Youtube von Investoren, die wirklich eine Auszahlung bekommen haben. Klar, denn das Ganze ist noch relativ neu.

Nun könnte ich mir überlegen: Wie lange wird das wahrscheinlich noch gutgehen? Wie kann ich bei meinem Test möglichst wenig einsetzen, mein Risiko minimieren und die Chance maximieren?

Die Lösungsidee

Wenn überhaupt, dann käme nur die Billigvariante „JuicyFlash“ in Frage. Wenn ich so etwas kaufe, spekuliere ich darauf, dass das ganze System noch wenigstens die nächsten 108 Tage, also ab heute bis Anfang Mai 2022, bestehen bleibt.

Ich rechne aber damit, dass es danach in absehbarer Zeit zusammenbrechen wird. Keine Ahnung, ob es sich dabei um einige Monate oder sogar um einige Jahre handeln wird. Der Zusammenbruch wird damit anfangen, dass es in den Accounts zwar noch die „Ernten“ gibt, aber dass echte Geldauszahlungen schwieriger werden, zuerst länger dauern und dann ganz ausbleiben.

Wenn ich möglichst wenig investieren, meinen Einsatz so schnell wie möglich wieder heraushaben und trotzdem noch weiter aus dem Spiel profitieren möchte, besteht die Lösung darin, heute drei Pflanzen zu je 50 € zu kaufen. So würde ich im schlimmsten Fall insgesamt 150 € verlieren.

Nach 108 Tagen gäbe es im positiven Fall eine Ernte von 3 mal 67,50 €, das sind insgesamt 202,50 €. So könnte ich 50 € für eine neue Pflanze im System lassen und 152,50 € wieder herausziehen.

So hätte ich nach 108 Tagen meinen Einsatz zurück plus eine Rendite von 2,50 €. Das entspricht 2,50 : 150 * (365 : 108) = 0,056 = 5,6% effektivem Jahreszins.

Die restlichen 50 € könnte ich in eine neue Pflanze stecken und dann, sofern auch das noch klappt, nach weiteren 108 Tagen die 17,50 € Gewinn auszahlen lassen und die verbleibenden 50 € wieder in eine neue Pflanze stecken. Das kann ich solange wiederholen, bis das System zusammenbricht.

Die Umsetzung

Ich lasse es sein!

Warum? Sonst bin ich doch auch nicht so risikoscheu.

Hier geht es nicht allein um meinen Gewinn im Vergleich zu meinem Risiko. Jemand anders würde dadurch um den Betrag, den ich hier gewinnen würde, und sogar noch um etwas mehr, betrogen werden. Das möchte ich nicht.

Ich habe kein Problem damit, Geld zu gewinnen, welches jemand anders verliert, aber derjenige muss vorher wissen, dass es sich um ein Glücksspiel handelt, und genauso die Chance haben, Geld zu gewinnen, das ich verliere. Sonst ist es nicht fair.

Ich möchte dieser Firma auch nicht meine Daten geben. Ich möchte nicht auf diese Kontonummer in Zypern überweisen, weil dann wahrscheinlich meine Kontonummer sichtbar wäre. Ich will nicht, dass diese Leute sie im Zusammenhang mit meinen sonstigen Daten bekommen.

Die hier verwendeten Bilder sind zwar echte Screenshots von JuicyFields, stammen aber aus einem Fake-Account. Ich habe dafür eine Wegwerf-E-Mail-Adresse verwendet und mir Namen und Anschrift ausgedacht.

Bessere Investments statt JuicyFields

Bessere Investments sind Aktien guter Unternehmen oder breit gestreute Aktien-ETFs. Das sind wirklich Beteiligungen an Unternehmen und nicht an Ponzi-Schemata. Wenn du mit ganz kleinen Beträgen das Investieren erst lernen möchtest, schau dir mal meine Challenge: Investieren aus dem Nichts an.

7 Antworten auf „Investieren in JuicyFields: Im Handumdrehen reich mit medizinischem Cannabis?“

Hallo Petra,
erstmal vielen Dank für die Mühe die Du dir mit Deinem Blog gibst. Ich lese hier immer wieder gerne.
Juicy Fruits ist eindeutig Betrug. Marihuana Pflanzen können nicht mehrfach im Jahr abgeerntet werden. Nach der Ernte müssen sie neu gepflanzt werden.
Viele Grüße
Joachim

Ja, so etwas dachte ich mir schon. Die „Pflanzen“ bzw. deren Ertragszyklen sehen für mich ziemlich „konstruiert“ aus. Dazu muss man kein Botaniker sein, um das zu erkennen.

Oh man, was für ein schlechter Blog. Ich bin seit zwei Jahren dabei. Es handelt sich um eine Dienstleistung, womit man jemanden beauftragt eine Pflanze zu pflanzen, zu düngen und Gießen, dann zu ernten, fermenterien, zu verpacken um dann zu verkaufen an medizinische Einrichtungen. Dafür gibt es diese Beteiligung am Verkauf der Pflanze.

Das ganze ist kein Betrug, sondern nennt sich Crowdgrowing. Gibt ja auch Crowdfarming, wo man sich auch mit Geld beteiligt, wo dann Obst und Gemüse angebaut wird.

Und ja nach 108 Tagen müssen die neu gepflanzt werden. Wenn man sich für eine neue Pflanze entscheidet.

Oder man nimmt die Dienstleistung für mehrere Jahre, wo man dann 2000 Euro bezahlt und dann wird während dieser Zeit sich dauerhaft drum gekümmert und geerntet und neu gesät usw.

Also erstmal besser recherchieren und nicht solch einen Quatsch schreiben.

Kann ich zu 100% bestätigen und war bereits vor Ort.
Kann JF also nach persönlicher Überzeugung von Scam- Verdacht frei sprechen!

Liebe Petra! Da stimme ich STIKO, dem schlauen Leser, zu. Ich empfehle Dir, Dich vorher besser zu informieren und zu belesen. Liebe Grüße!

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