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Beim Sparen geht es nicht um Geld

Während meines Studiums hatte ich einen Kommilitonen, der war ein richtiger Sparfuchs. Ich kannte ihn kaum, aber er besuchte manchmal die gleichen Lehrveranstaltungen wie ich. Dabei fiel mir auf, dass er oftmals auf sehr seltsamem Papier mitschrieb. Ja, es war in den 1990er Jahren, da hatte noch niemand einen Laptop und Skripte von den Vorlesungen gab es auch nicht.

Was war nun seltsam an seinem Papier? Er hatte keinen Collegeblock, sondern immer lose Blätter. Manchmal waren sie sogar bunt, mal gelb, mal lindgrün oder hellblau. So sprach ich ihn darauf an. Vielleicht hatte er ja einen Trick entdeckt, dass man das komplizierte Zeug besser versteht, wenn man auf bunte Zettel schreibt, wer weiß.

Seine Erklärung war verblüffend einfach: „Dieses Papier gibt es umsonst.“ Er zeigte mir, dass die Blätter auf einer Seite bedruckt waren, und zwar mit Werbung. Die andere Seite war leer. Es war gutes Papier und es ließ sich prima beschreiben. „Das sind diese Werbezettel, die überall rumliegen.“

Naja, wir Kinder aus dem Osten hatten schließlich eine Menge Konsum nachzuholen und waren damit wohl willige Zielsubjekte für Werbetreibende, die einfach ihre Angebote ausdruckten und diese dann stapelweise im altehrwürdigen Gebäude der Humboldt-Uni ablegten, wo immer es freie Flächen gab.

Prima, denn so brauchte ich von da an für meine Mitschriften auch kein Papier mehr zu kaufen. Ich konnte es einfach im Vorbeigehen mitnehmen. Nach und nach bekamen das immer mehr Studenten mit, und so war da als Nebeneffekt immer schnell aufgeräumt, zumindest die Werbestapel waren dann weg.

Noch heute verwende ich solche Notizzettel, z. B. von Blättern die sich trotz „Keine Werbung!“ in meinen Briefkasten verirren. Ab und zu liegt darin ein Zettel von einer Umzugsfirma, einem Handwerkerservice oder von einem Typ, der Autos kaufen will. Ich war schon kurz davor, ihn anzurufen und ihn auf die Fehler in seinem Text hinzuweisen, aber das ist eine andere Geschichte. Okay, bei solchem Zettelrecycling kommt keine große monetäre Ersparnis heraus. Für mich ist es einfach Achtung vor den Ressourcen.

Zurück zu meinem Studienkollegen aus der anfänglichen Geschichte. Der hatte noch mehr Spartricks auf Lager, mit denen er nicht hinterm Berg hielt. Durch die Anerkennung für seine Idee mit dem kostenlosen Papier wurde er wohl dazu beflügelt, immer wieder stolz von seinen neuesten Ideen zu berichten. An etwas Konkretes davon kann ich mich leider nicht mehr erinnern, sicher weil sonst nichts mehr dabei war, was ich unbedingt nachmachen wollte.

Irgendwann in einer Unterhaltung erzählte er mir, dass er Aktien hatte. Das war sogar noch in der Zeit vor dem Internet. Ich weiß nicht, was aus ihm geworden ist, aber auch wenn viele ihn oftmals belächelt haben, bin ich mir sicher, der hat so ziemlich alles richtig gemacht und besitzt bestimmt schon lange ein großes Wertpapierdepot sowie andere gewinnbringende Assets und die damit zusammenhängende Freiheit. Und genau darauf kommt es an.

Wer irgendwann weitgehend frei über die eigene Zeit verfügen möchte und diese nicht andauernd dafür aufbringen will, Geld verdienen zu müssen, kommt am Sparen nicht vorbei.

Also geht es beim Sparen im Endeffekt nicht um Geld, sondern um Zeit. Deshalb mag ich solche Spartipps am liebsten, die weder zusätzliche Zeit noch Einbuße an Lebensqualität kosten.

Eine Antwort auf „Beim Sparen geht es nicht um Geld“

Schöne Anekdote aus dem Leben, an einigen Stellen musste ich selber etwas schmunzeln. Wie es auch oft so schön heißt: Geld ist eine Möglichkeit Arbeitsleistung (Zeit) für einen späteren Zeitpunkt aufzubewahren/zu konservieren. Eigentlich interessiert uns nicht das Geld als solches, sondern die damit verbundene Erwartung an Kaufkraft und (Frei-) Zeit.

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