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Aktienfinder oder Aktien.guide – Welches Tool ist besser?

Ich gebe zu: Das ist eine dumme Frage! Die Antwort hängt von deiner persönlichen Anlagestrategie und von deinen Anforderungen an ein gutes Tool ab.

Während der Aktienfinder sehr viele Wirtschaftsdaten und eine Reihe Bewertungskennzahlen über lange Zeiträume besonders übersichtlich grafisch aufbereitet und dazu noch zahlreiche Filter- und Rankingmöglichkeiten zur Verfügung stellt, hat sich der Aktien.guide* auf einfach zu erfassende Scoring-Systeme (punktebasierte Bewertungen) spezialisiert, die jedoch ebenfalls auf einer Menge Daten beruhen.

Der Aktienfinder ist besonders für Dividendeninvestoren wie mich interessant und ich bin nach wie vor Aktienfinder-Fan.

Den Aktien.guide habe ich bisher nur als Zusatzspäßchen für mein Levermann-Experiment 2.0 verwendet, indem ich die darin angebotenen Levermann-Bewertungen mit meinen eigenen verglichen habe.

Aber seit kurzem wird im Aktien.guide auch ein Scoring-System für Dividendeninvestoren angeboten. So wird dieses Tool auch für meine Hauptanlagestrategie interessant.

Anstelle die Frage nach dem besseren Tool zu beantworten, möchte ich heute zeigen, wie sich beide Tools in Kombination verwenden lassen, um sehr gute Dividendenaktien zu finden.

Inhalt

Das Dividenden-Scoring-System vom Aktien.guide

Im Aktien.guide* gibt es seit kurzem als drittes Bewertungssystem ein Dividenden-Scoring. Die Aktien, die darin mindestens 12 von 15 möglichen Punkten haben, sind die sogenannten Topscorer und werden in einer täglich aktualisierten Liste präsentiert.

So hat man gleich eine Reihe von Vorschlägen für gute Dividendeninvestments. Aber statt blind auf irgendwelche Punktesysteme zu vertrauen, sollte man schon der Nachprüfbarkeit wegen verstehen, was dahinter steckt. Das ist dort aber ganz transparent dargestellt.

Das System richtet sich nach einer Strategie aus dem folgenden Buch:

Cool bleiben und Dividenden kassieren. Mit Aktien raus aus der Nullzins-Falle*

(von Christian W. Röhl und Werner H. Heussinger)

Übrigens sehr lesenswert, da alles darin ziemlich unterhaltsam präsentiert wird.

Kurz zusammengefasst geht es in dem Buch darum, dass die besten Dividendenaktien solche sind, die jedes Jahr attraktive Ausschüttungen an die Aktionäre liefern, diese möglichst von Jahr zu Jahr steigern, das Ganze über einen langen Zeitraum, und sich diese Zahlungen aus den Gewinnen leisten können.

Der Aktien.guide hat diese Anforderungen in ein System aus fünf Kriterien gegossen. Für jedes gibt es 0 bis 3 Punkte. So hat jede Aktie zwischen 0 und 15 Punkten. Ab 12 Punkten gilt eine Aktie als besonders gut und landet in besagter Topscorer-Liste.

Die fünf Dividenden-Kriterien des Aktien.guide

Ich beschreibe kurz die Kriterien und zeige deren Berechnung gleich an einem Beispiel.

Dazu nehme ich eine Aktie aus der aktuellen Dividenden-Topscorer-Liste, und zwar Pfizer (ISIN: US7170811035). Die Zahlen stammen von heute, also dem 02.06.2021.

Aktuelle Dividendenrendite

Sie wird in Prozent angegeben und setzt die letzte jährliche Dividende pro Aktie zum letzten Schlusskurs ins Verhältnis.

Beträgt die aktuelle Dividendenrendite mindestens 5 %, gibt es dafür 3 Punkte. Für mindestens 3,5 % gibt es 2 Punkte und für mindestens 2 % gibt es 1 Punkt.

Pfizer hat für das Jahr 2020 insgesamt 1,53 USD pro Aktie ausgeschüttet. Der gestrige Schlusskurs (vom 01.06.2021 an der NYSE) war 38,50 USD.

Damit beträgt die aktuelle Dividendenrendite

1,53 : 38,50 = 0,0397 = 3,97 %

Dafür gibt es 2 Punkte.

Dividendenrendite 10 Jahre

Zu deren Berechnung wird der Durchschnitt der jährlichen Dividenden pro Aktie der letzten 10 Jahre zum Durchschnitt aller Schlusskurse der letzten 10 Jahre ins Verhältnis gesetzt. Damit wird eine Art geglättete Rendite über 10 Jahre berechnet. (Anmerkung: Im o. g. Buch wird dafür nur ein Zeitraum von 5 Jahren angesetzt, aber das ist Geschmackssache.)

Die Werte für 3, 2 bzw. 1 Punkt sind: mind. 3 %, mind. 2 % bzw. mind. 1 %

Rechnet man alle Dividenden von Pfizer für 2011 bis 2020 zusammen und teilt diese Summe durch 10, kommt man auf 1,179 USD. Das wird im Aktien.guide korrekt gezeigt und lässt sich mit Hilfe des dazu dargestellten Diagramms zur Dividendenentwicklung nachprüfen. So sieht das aus:

Diagramm zu den Dividendenzahlungen aus dem Aktien.guide

Der durchschnittliche Schlusskurs der Pfizer-Aktie über die letzten 10 Jahre bis einschließlich 01.06.2021 ist mit 31,8358 USD angegeben. Um das nachzuprüfen, müsste man sich die entsprechenden historischen Daten beschaffen. Diesen Aufwand betreibe ich nicht, aber nach grobem Drüberschauen über einen 10-Jahres-Chart in USD halte ich diese Zahl für realistisch.

So kommt man für die Dividendenrendite 10 Jahre auf

1,179 : 31,8358 = 0,0370 = 3,7 %

Dafür gibt es 3 Punkte.

Payout 3 Jahre

Diese Quote sagt aus, welcher Anteil der Gewinne der letzten drei Geschäftsjahre als Dividende an die Aktionäre ausgeschüttet wurde.

Liegt diese Quote zwischen 25 % und 75 %, gibt es dafür 3 Punkte. Liegt sie noch zwischen 20 % und 80 %, gibt es 2 Punkte. Liegt sie stattdessen noch zwischen 15 % und 85 %, gibt es 1 Punkt.

Pfizer hat für die letzten drei Geschäftsjahre (2020, 2019 und 2018) pro Aktie Dividenden von

1,53 USD + 1,46 USD + 1,38 USD = 4,37 USD

gezahlt.

Demgegenüber stehen Gewinn pro Aktie (2019, 2018 bzw. 2017) von

2,87 USD + 1,87 USD + 3,52 USD = 8,26 USD

Die daraus berechnete Ausschüttungsquote (Payout 3 Jahre) beträgt

4,37 : 8,26 = 0,5291 = 52,91 %

Somit bringt dieses Kriterium 3 Punkte.

Kontinuität

Hier wird überprüft, über wie viele Jahre das Unternehmen zuletzt Dividende gezahlt und diese gegenüber dem Vorjahr nicht gesenkt hat.

War das in mindestens den letzten 10 Jahren der Fall, gibt es 3 Punkte. Für mindestens 8 Jahre gibt es 2 Punkte. Für mindestens 5 Jahre gibt es 1 Punkt.

Im Diagramm etwas weiter oben sehen wir die Dividendenzahlungen der letzten 10 Jahre. Sie sehen aus wie an einer Schnur leicht nach oben gezogen. Im Jahr 2010, das im obigen Diagramm noch fehlt, wurden pro Aktie 0,74 USD ausgeschüttet. Also wurde die Ausschüttung auch von 2010 auf 2011 nicht gesenkt. Somit besteht die Kontinuität schon seit mindestens 10 Jahren.

Also bekommt Pfizer auch für dieses Kriterium 3 Punkte.

Wachstum 5 Jahre

Das Wachstum 5 Jahre bezeichnet das durchschnittliche jährliche Dividendenwachstum (Compound Annual Growth Rate) der vergangenen fünf Geschäftsjahre.

Die Vorgaben für 3, 2 bzw. 1 Punkt sind: mehr als 10 %, mehr als 5 % bzw. mehr als 0 %

Pfizer hat für 2020 pro Aktie 1,53 USD Dividende gezahlt. Vor fünf Jahren, also für 2015 waren es noch 1,14 USD. Berechnen wir die Gesamtsteigerung über 5 Jahre:

1,53 : 1,14 = 1,342105

Innerhalb von fünf Jahren wurde die Dividende also um 34,21 % gesteigert.

Uns interessiert das jedoch heruntergerechnet auf die jährliche Steigerung.

Dazu müssen wir die fünfte Wurzel aus obigem Faktor ziehen:

Das Ergebnis: 1,060614

Wenn wir den Startwert von 1,14 fünfmal hintereinander mit diesem Faktor multiplizieren, was einer Verzinsung mit 6,06 % pro Jahr entspricht, kommen wir bei 1,53 an.

Also ist das (auf ein Jahr heruntergerechnete) Wachstum 5 Jahre für die Dividende von Pfizer 6,06 %.

Dafür gibt es 2 Punkte.

Dividenden-Score

Dieser berechnet sich als Summe über die fünf Kriterien.

Für Pfizer ist das

2+3+3+3+2 = 13

Betrachtungen im Aktienfinder

Nun schaue ich mir die Aktie im Aktienfinder an, natürlich nur, sofern sie dort gelistet ist. Ich bin ganz ehrlich, ich beachte zuerst überhaupt diejenigen Aktien, die es auch im Aktienfinder gibt. Mit der Zeit wurden immer weitere Aktien zu diesem Tool hinzugefügt, so dass es jetzt bereits über 1.500 sind.

Hier die Diagrammdarstellung zu Gewinnen, Cashflows und Dividenden für Pfizer:

Diagramm aus dem Aktienfinder

Das sieht insgesamt ziemlich gut aus und bestätigt im Wesentlichen den sehr guten Score.

Nur einige Kleinigkeiten fallen mir dabei auf, wenn ich per Mouse-over die einzelnen Zahlen betrachte:

Der Gewinn pro Aktie ist für 2017 mit nur 2,12 USD angegeben und nicht mit 3,52 USD (siehe Kriterium Payout 3 Jahre). Das liegt daran, dass im Aktienfinder die Effekte der Trumpschen Steuerreform beachtet werden. Der Aktienfinder hebt sich damit übrigens von den meisten anderen Finanztools ab.

Diagramm aus dem Aktienfinder mit angezeigten Zahlen zu 2017 für Pfizer

Der Gewinn pro Aktie ist im Jahr 2020 mit 1,17 USD wieder gesunken. In der Berechnung zum Payout 3 Jahre im Aktien.guide findet dieser Wert noch keine Beachtung. Würde man Gewinn pro Aktie über die Jahre 2018 bis 2020 anstelle von 2017 bis 2019 in die Berechnung einfließen lassen, käme für Payout 3 Jahre heraus:

4,37 USD : (1,17 USD + 2,87 USD + 1,87 USD) = 4,37 USD : 5,91 USD = 0,7394 = 73,94 %

Aber das ist kein Beinbruch, denn das liegt sogar noch in dem Bereich, für den es 3 Punkte gibt.

Im Aktienfinder sehe ich auch, dass die Dividende von 2009 auf 2010 gesenkt wurde. Damit erfüllt das Kriterium Kontinuität die Bedingung für die 3 Punkte (über die letzten mindestens 10 Jahre keine Dividendensenkung) geradeso.

Im Aktienfinder kann ich mir außerdem den freien Cashflow (braun dargestellt) einblenden lassen und ich sehe Gewinnschätzungen für die nächsten Jahre. Hier stelle ich fest, dass der Gesamttrend weiterhin gut aussieht und dass die Dividendenzahlungen unter dem freien Cashflow liegen, was mir sehr gut gefällt.

Als wichtig empfinde ich zusätzlich eine langfristig gesunde Bilanz. Das heißt, ich möchte etwas über die Schuldensituation des Unternehmens wissen. Dafür gibt es im Aktienfinder ebenfalls eine sehr nützliche Darstellung. Für Pfizer sieht sie so aus:

Diagramm aus dem Aktienfinder zur Verschuldung von Pfizer

Diese wirkt selbst dann noch gesund, wenn ich mir die Treasury Stocks und den Goodwill wegdenke.

Was mich im Aktienfinder zusätzlich interessiert, ist der sogenannte Dividenden-Turbo. Ich betrachte dabei am liebsten einen 5-Jahres-Korridor für die Dividendenrenditen. Für Pfizer:

Darstellung des Dividenden-Turbo aus dem Aktienfinder

Wie man sieht liegt die aktuelle Dividendenrendite in der oberen Hälfte des Korridors. Das bedeutet, dass sie gemessen an der ansonsten bei dieser Aktie „üblichen“ Dividendenrendite recht hoch ist.

Fazit für mein Beispiel

Durch den Aktienfinder sehe ich den schönen Dividenden-Score aus dem Aktien.guide für die Pfizer-Aktie bestätigt.

Es ist kein Zufall, dass ich gerade die Pfizer-Aktie als Beispiel gewählt habe. Vor kurzem hatte ich nämlich Pfizer für meine Challenge Investieren aus dem Nichts ausgewählt. Die Idee dazu hatte ich tatsächlich durch einen Blick in die Dividenden-Topscorer-Liste des Aktien.guide gefunden und mit dem Aktienfinder gegengecheckt.

Natürlich würde man für eine „Nichts-Challenge“ keine solchen Premium-Tools benutzen. Aber auf Pfizer hätte man auch so kommen können. Das hätte vielleicht nur etwas länger gedauert. Vielleicht aber auch nicht, je nachdem wie viel Mühe man sich bei der Aktienauswahl gibt.

Ich habe Pfizer jedenfalls in größerer Stückzahl auch in mein Hauptdepot aufgenommen, denn die Pharma-Branche konnte darin noch Zulauf gebrauchen.

Zum Aktien.guide* und zum Aktienfinder gibt es auch kostenlose Varianten, mit denen sich das Ganze testen lässt.

Disclaimer

Das hier ist keine Anlageberatung und auch keine Handlungsempfehlung, sondern lediglich meine persönliche Meinung.

Mit * markierte Links sind Affiliate-Links.

2 Antworten auf „Aktienfinder oder Aktien.guide – Welches Tool ist besser?“

Hallo Petra,

danke für den Vergleich der beiden Tools! Was mir aber bei beiden fehlt ist eine Backtest-Möglichkeit um die einzelnen Kriterien zu testen. (Ich nutze dafür Portfolio123, welches leider auch nicht kostenlos ist). Denn dann sieht man, dass viele Dividenden-Aktien eine Falle sind und in den letzten 20 Jahre nicht besser performt haben (die Ausschüttungen eingerechnet) als andere Aktien. Gerade, weil sie Dividenden zahlen, kaufen viele Retail-Investoren und Dividenden-Fonds/ETFs die Aktie und halten den Preis künstlich hoch – das verdirbt künftige Preissteigerungen. Mit dem Payout-Ratio lassen sich tatsächlich die besseren Dividenden-Aktien finden als mit der Höhe der Dividenden (oder auch der Historie). Denn das Payout-Ratio zeigt ja an, ob das Unternehmen noch genügend vom Gewinn für künftige Investition einbehält. Und von diesem Gesichtspunkt ist Pfizer sicher attraktiver als viele andere Dividenden-Aktien (auch die Allianz mit einem Payout von 50%).
Gerade wenn man auf den Vermögensaufbau aus ist, sind Dividenden meiner Meinung nach eher hinderlich. Diese hätten eher noch im Falle einer Rente durch die regelmäßigen und meist kursunabhängigen Ausschüttungen Vorteile.

Viele Grüße

Es gibt verschiedene Qualitäten von Dividendenaktien. Wer nicht nur auf die Dividendenrendite schaut, wird überwiegend performante herausfinden. Dafür sorgen vernünftige Auswahlkriterien. Aber das habe ich ja in meinem Artikel ausführlich beschrieben und noch ausführlicher und übrigens mit einem langen Backtesting belegt, findet man das in dem verlinkten Buch von Christian W. Röhl.
Allerdings ist meine persönliche Meinung zum Backtesting allgemein: So etwas ist nur ein Modell, das die Wirklichkeit nur unzureichend abzubilden vermag.

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