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Viereinhalb Jahre Experiment Levermann-Depot

Es war die mit Abstand turbulenteste Periode in meinem Levermann-Experiment – das letzte halbe Jahr. Mit dem Corona-Crash wurde die gesamte bisher erreichte Performance zunichte gemacht. Einen besseren Stresstest für diese Strategie kann man sich kaum vorstellen.

Inzwischen sieht es wieder etwas freundlicher aus. Alle zwölf Aktienpositionen konnten wieder aufgefüllt werden. Aber noch liegt mein Levermann-Depot hinter dem Benchmark-Depot aus zwei passenden ETFs ziemlich zurück.

Ich habe Chart und Tabellen um die neuesten Zahlen ergänzt.

Der Verlauf im Vergleich zum Benchmark-Depot

Wie man sieht, liegen die Linien des Levermann-Depots und des Vergleich-Depots während des Corona-Crashs ziemlich genau übereinander. Allerdings wurden die Aktien aus dem Levermann-Depot nacheinander „hinausgekegelt“. Zwischenzeitlich waren nur noch drei der zwölf Positionen besetzt.

Als das Benchmark-Depot sich bereits erholen konnte, mussten für das Levermann-Depot erst wieder neue Aktien mit Kaufpunktezahl gefunden werden. Das dauerte etwas. Dass neu gekaufte Aktien dann gleich nach oben schießen wie Raketen, ist äußerst unwahrscheinlich, und so hinkt das Levermann-Depot hinterher.

Das Benchmark-Depot ist ein Musterdepot, in dem das gleiche Startkapital von 12.000 EUR jeweils zur Hälfte in diese zwei ETFs gesteckt worden ist:

  • ISHARES CORE MSCI WORLD UCITS ETF (IE00B4L5Y983)
  • ISHARES MSCI EMU SMALL CAP UCITS ETF (IE00B3VWMM18)

Der eine investiert nach dem MSCI World Index und der andere in kleine Unternehmen aus dem Euroraum. Beides sind thesaurierende ETFs, Dividenden werden also darin sofort wieder angelegt.

Die Aktien dieser ETFs entsprechen in etwa meinem Aktienuniversum für die Levermann-Strategie. Deshalb ist dieser Vergleich sinnvoll.

Die aktuellen Zusammensetzungen beider Depots am 30.06.2020

Beide mit je 12.000 EUR Startkapital 2016 begonnen.

Mein Levermann-Depot

Levermann-Depot Übersicht 30.06.2020

Das Benchmark-Depot aus zwei ETFs

Die Transaktionen und deren Kosten

ZeitspanneKäufeVerkäufemit GewinnKosten EUR
Jan-Jun 161571260,44
Jul-Dez 161283207,40
Jan-Jun 17774161,62
Jul-Dez 17775164,63
Jan-Jun 1811126243,38
Jul-Dez 1810122218,90
Jan-Jun 1914112259,75
Jul-Dez 1911114210,08
Jan-Jun 2017174258,95
gesamt10492311.985,15

Inzwischen habe ich zwar mit meinem Levermann-Depot zu einem günstigeren Online-Broker gewechselt, aber dadurch, dass es in diesem Halbjahr so viele Transaktionen gab, ist es nicht billiger geworden. Aber sicher wäre es ohne den Wechsel noch teurer.

Die Performance

Hier ist das, was man im Chart am Anfang erkennen kann, noch einmal in Prozenten ausgedrückt.

Von Beginn an

Bis ZeitpunktLevermann-Depot2-ETF-Depot
Ende Jun 2016+0,6%+0,6%
Ende Dez 2016+28,8%+14,4%
Ende Jun 2017+55,2%+22,6%
Ende Dez 2017+62,9%+31,0%
Ende Jun 2018+49,4%+32,7%
Ende Dez 2018+25,1%+15,5%
Ende Jun 2019+36,0%+36,0%
Ende Dez 2019+57,0%+50,8%
Ende Jun 2020+9,1%+35,4%

6-Monats-Performance

ZeitspanneLevermann-Depot2-ETF-Depot
Jan-Jun 16+0,6%+0,6%
Jul-Dez 16+28,0%+13,7%
Jan-Jun 17+20,5%+7,1%
Jul-Dez 17+5,0%+6,9%
Jan-Jun 18-8,3%+1,2%
Jul-Dez 18-16,3%-13,0%
Jan-Jun 19+8,7%+17,7%
Jul-Dez 19+15,4%+10,9%
Jan-Jun 20-30,5%-10,2%

Realisierte Gewinne/Verluste inkl. Dividenden

Diese Zahlen geben die wirklichen Geldbewegungen im Levermann-Depot an. Steuern und Transaktionskosten sind darin berücksichtigt. Die Kurswerte der Aktien im Depot spielen dabei keine Rolle.

Zeitspannerealisiert innerhalbrealisiert gesamt
Jan-Jun 16-225,84 EUR-225,84 EUR
Jul-Dez 16+91,13 EUR-134,71 EUR
Jan-Jun 17+1.335,66 EUR+1.200,95 EUR
Jul-Dez 17+2.121,56 EUR+3.322,51 EUR
Jan-Jun 18+1.565,54 EUR+4.888,05 EUR
Jul-Dez 18-920,89 EUR+3.967,16 EUR
Jan-Jun 19-1.214,22 EUR+2.752,94 EUR
Jul-Dez 19+3.006,62 EUR+5.759,56 EUR
Jan-Jun 20-4.888,96 EUR+870,60 EUR

„Wie gewonnen, so zerronnen“, ist dazu der passende Spruch aus der Mottenkiste, insbesondere wenn man sich die letzten Zeilen der Tabelle anschaut.

Auf ein neues halbes Jahr! Spielregeländerungen?

Immer wenn ein halbes Jahr in diesem Spiel vorüber ist, denke ich über Nachjustierung der Spielregeln nach. Diesmal hatte ich mir überlegt, an den Kriterien zur Kursentwicklung zu schrauben.

Anstelle der Original-Kriterien zur Kursentwicklung über sechs Monate bzw. ein Jahr könnte ich eine relative Entwicklung betrachten, also die jeweilige Kursentwicklung mit der des dazugehörigen Index vergleichen und als positiv werten, wenn sie besser ist, bzw. als negativ, wenn sie schlechter ist.

Einige „Levermann-Strategen“ machen das bereits so und haben sicher während des Crashs nicht  so herbe Rückschläge wie in meinem Spiel gehabt.

Ich werde diese Idee für das nächste halbe Jahr dennoch nicht verfolgen. Das hat mehrere Gründe. Zunächst einmal müsste ich mir überlegen, wie ich mit den im Depot befindlichen Aktien, die aufgrund der bisherigen Regeln gekauft wurden, verfahre. Ich empfinde es als falsch, über ihren Verkauf aufgrund der neuen Regeln zu entscheiden. Also müsste ich für diese die alten Kriterien betrachten, für Neukäufe die neuen.

Solch eine Übergangsphase möchte ich nicht haben, insbesondere in der jetzigen, doch etwas speziellen Situation. Ich erhebe zwar mit meinem Experiment keinen Anspruch auf wissenschaftliche Korrektheit, aber so würde es mir doch zu chaotisch vorkommen.

Die Erfahrungen von anderen, die bisher mit diesem relativen Ansatz bessere Ergebnisse erzielt haben, sind mir einfach zu kurz, als dass diese Ergebnisse belastbar wären. Und zu guter Letzt spricht noch dagegen, dass ich mein Excel-Tool den neuen Gegebenheiten anpassen müsste, auch wenn das allein für mich kein Grund wäre.

Ich ändere also für das nächste halbe Jahr nichts an meinen Spielregeln. Die fünf Jahre werde ich also wie bisher vollenden, sofern mich keine „höhere Gewalt“ daran hindert.

Disclaimer

Also, wenn du der Levermann-Strategie nun immer noch folgst, ohne dir der Risiken bewusst zu sein, dann ist dir nicht mehr zu helfen.

21 Antworten auf „Viereinhalb Jahre Experiment Levermann-Depot“

Ich befürchte, dass sich langfristig das „Levermann-Konzept“ gegenüber einem schlichten ETF nicht wirklich rechnet – von den vielen Stunden Lebenszeit, die man für die levermannsche Auswahl aufwenden muss mal ganz abgesehen.

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Damit magst du recht haben, Meinhard. Aber anstelle nur zu befürchten oder mutmaßen, hatte ich mich dazu entschieden, dieses Experiment durchzuführen.
Auch wenn ich daraus keine allgemeingültige Gesetzmäßigkeit ableiten können werde, war bzw. ist es doch hilfreich, um mir mein eigenes Urteil zu bilden.

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Das ist auch wirklich sehr lobenswert!
Ich persönlich war eigentlich davon ausgegangen dass die Levermann Strategie zumindest nach 5 Jahren eine mehr oder weniger deutliche Outperformance gegenüber den beiden ETFs zeigen würde. Ohne dieses Experiment wüsste man dies jetzt nicht

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Hi,
Investitionen in Aktien sind immer risikobehaftet. Das sollte jedem bekannt sein.
Ich verfolge die Levermann-Strategie mit der relativen Kursentwicklung und habe meinen Höchststand vom 17.02. wieder eingestellt.
Ich bin nach wie vor von der Levermann-Strategie überzeugt.

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Nach dem 5-jährigen Experiment unterliegt die Levermann-Stretegie zumindest bisher deutlich den Vergleichs.ETFs. Vielleicht aber sind 5 Jahre auch viel zu kurz und sollte man eher in Dekaden denken. Langfristig ist es aber immer schwer mit vermeintlich gezielter Aktienauswahl den Index zu schlagen – das gelingt oft nur den wenigsten – vielleicht gehört die Levermann-Strategie auch dazu. Bis jetzt jedenfalls sieht es nicht danach aus.

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Ich bin nun fast 4 Jahre dabei. Aufgrund der ersten Erfolge hatte ich vor gut drei Jahren meine LV verkauft und den Ertrag auch mit der Levermann-Strategie angelegt. Eine sehr gute Entscheidung! Vielleicht hatte ich auch nur ein glückliches Händchen.

Wichtig ist doch nur, ein bis zwei gute Outperformer im Depot zu haben und strickt seine Regeln einzuhalten. Und dabei müssen es nicht mal alles Small Caps sein. Allein Apple hat sich in den letzten 52 Wochen rund + 85% entwickelt. Microsoft hat über 50% zugelegt. Wer dann noch mindestens einen sehr guten Small Cap im Depot hat, sollte m. E. den Index schlagen können.

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Das ist sehr mutig von dir, Matthias.
Die Sache mit den wenigen Outperformern ist mir auch schon aufgefallen. Ob man aber immer genügend davon erwischt, so dass die Nieten mehr als ausgeglichen werden, ist fraglich.
Da es bei dir richtig um etwas geht, drücke ich dir besonders die Daumen.

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Angesichts der hohen Volatilität sind fünf Jahre mit Sicherheit zu kurz, um eine gute Aussage zu treffen. Der Zustand der Über- und Unterperformance wechselt recht schnell. Das Problem dieser Strategie ist, dass sich die Wirksamkeit nicht nachweisen lässt. Man kann also dran glauben oder dran zweifeln.
Aber ich habe sie in echt ausprobiert und bin noch dabei und möchte die Erfahrungen nicht missen.

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Richtig. DIE EINE Levermann-Strategie gibt es ja auch nicht.

Und es wird auch keine Garantie geben, dass eigens überlegte Entscheidungen, auch wenn sie von Frau Levermann zur Auswahl gegeben werden, erfolgreich sein werden.
Es wäre doch auch zu langweilig, wenn eigene Fehler durch andere ausgeschlossen würden 🙂

Mir macht es nach wie vor Spaß. Und den wünsche ich auch allen anderen Investoren!

Gefällt 1 Person

Ich verfolge ebenfalls Levermann und fahre sehr erfolgreich damit. Leider wurde in diesem Blog der Kauf von Cliq Digital verpasst. Allein diese Position hätte für eine deutlich bessere Performance gesorgt.

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Hallo Joel,
da stimme ich dir uneingeschränkt zu. Glücklicherweise habe ich Cliq Digital am 09.04. (mit mittlerweile + 100 %) und am 04.06. (mit inzwischen + 52%) gekauft.
Bei Nvidia bin ich am 24.03. eingestiegen. Daraus sind nun + 66 % geworden.
Weiterhin viel Erfolg!

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Thank you for doing this experiment. I came across this strategy on the meetinvest website and then discovered your blog. It is interesting to see the result. In my limited experience, all these strategies which provide a better return are more volatile than the index. So when the market is going down the portfolio will do much worse than the index and vice versa. Question is if how we can protect ourselves in those bad years.

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If you look at meetinvest and the success of the Levermann strategy there you’ll find that meetinvest uses also many small Caps worldwide at their local markets around the world. For a private investor this is not possible to deal 24×7 and many markets are not accessible for us. This is at least my explanation for the performance difference in Meetinvest and other Live depots. Levermann obviously works worse in developed markets and the developed markest seem to be more correlated to each other.

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Hallo,
nach drei Jahren und drei Monaten konnte ich eine Performance von 85,9% erzielen. Das sind immerhin über 25% pro Jahr.
Ich bin nach wie vor von meiner Levermann-Strategie überzeugt und wünsche allen viel Erfolg!

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