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Mein zweites Seedmatch-Investment: Mit so etwas habe ich nicht gerechnet

Morgen gibt es bei Seedmatch* ein neues Startup-Investment, über das ich beim Anschauen des Pitch-Videos ziemlich begeistert war. So habe ich mich näher damit beschäftigt und möchte meine Überlegungen dazu ausführlich darstellen.

Ganz wichtig: Ich bin kein Profi-Risikoinvestor und auch kein Profi in der Branche, in der sich das Unternehmen bewegt. Mein Beurteilungsprozess besteht zum einen aus ganz naiven und praktischen Überlegungen, zum anderen aus der Schätzung von Zahlen und daraus resultierenden möglichen Renditen.

Es geht um Heise Haus. Sie bauen ganz besondere Fertighäuser, die für (fast) jeden erschwinglich sein sollen. Die Häuser sind modular, hochwertig, online konfigurierbar und das – wie ich finde – beste Argument: Der Aufbau dauert nur einen Tag. Außerdem sollen sich die laufenden Kosten eines solchen Hauses für Heizung und Strom sogar auf Null senken lassen.

Nun meine Beurteilung des Investments.

Schritt 1: Pitch-Video

Nachdem ich mir das Pitch-Video in Ruhe angesehen, noch zusätzliche Fragen an die Firma gestellt und beantwortet bekommen habe, kann ich mir meine üblichen Fragen dazu beantworten.

Frage 1: Kann ich mit der Idee etwas anfangen? Interessiert sie mich?

Antwort: Ja, ich finde sie super.

Frage 2: Ist die Zielgruppe groß genug?

Antwort: Auf jeden Fall.

Frage 3: Traue ich den Personen die Sache zu?

Antwort: Das ganze Team wird im Video gezeigt und jeder kommt zu Wort. Ich habe den Eindruck, hier eine Truppe vor mir zu haben, in der jeder seine Stärken in die Waagschale wirft. Sie machen alle auf mich einen sehr engagierten Eindruck. Das ist für mich das Wichtigste. Außerdem lassen die Akzente, die ich bei zwei Personen heraushöre, für mich darauf schließen, dass sie wohl mit ihren osteuropäischen Geschäftspartnern in deren Sprache verhandeln können. Also auch auf diese Frage ein klares „Ja“.

Da hier kein „Nein“ dabei war, schafft es dieses Projekt in meine zweite Runde.

Schritt 2: Das Produkt

Natürlich werde ich mir nun zum Test nicht mal eben so ein Haus bestellen. Auf der Webseite sieht man, dass es ein Referenzhaus gibt, für das man einen Besichtigungstermin vereinbaren kann. Allerdings befindet sich das nicht bei mir um die Ecke, sondern in 91096 Möhrendorf. Also bleibt mir nur die Webseite, um einen Eindruck vom Produkt zu erhalten.

Diese ist sehr klar und übersichtlich gestaltet und enthält bereits einen funktionierenden Konfigurator, mit dem ich ein wenig herumgespielt habe. Ich beantworte diese Fragen also nun anhand dieser Eindrücke.

Frage 1: Ist das wirklich so gut, wie sie behaupten?

Antwort: Ja, ich glaube schon. Allerdings ist es so günstig auch wieder nicht. Auf der Startseite steht ganz groß „ab 60.814 €“. Aber es kommen noch die Kosten für Transport und Aufbau hinzu. Ich habe mich mal für das kleinste Haus durch den Konfigurator geklickt und überall die günstigste (Standard-)Auswahl getroffen. Bei den angegebenen 60.814 € kommt man vor Transport und Montage an. Aber insgesamt landet man bei etwas mehr als 81.000 €.

Wenn man ein größeres Haus wählt, landet man dann doch im Bereich, was ein „übliches“ Fertighaus wohl auch kostet.

Was mich dennoch überzeugt, ist die Einfachheit des ganzen Prozesses und die Tatsache, wie schnell das Haus aufgebaut sein soll. Kein nerviges Herumärgern mit einer Bautruppe, die aus lauter Subs besteht und wo am Ende niemand verantwortlich ist usw.

Also meine Antwort bleibt bei „Ja“.

Frage 2: Wie wird es bereits jetzt vermarktet? Schaffen sie es meiner Meinung nach, ihre Zielgruppe zu erreichen?

Das einzuschätzen fällt mir schwer. Wenn man allerdings den Aussagen über die genannten Planungsverträge und die Sales Pipeline glaubt, müssen sie es wohl schaffen. Verbesserungswürdig ist das Marketing aber bestimmt noch. Ich entscheide mich für ein vorsichtiges „Ja“.

Damit auf zur Runde drei!

Schritt 3: Zahlen, Fakten und Chancen

Es handelt sich hier wieder um ein sogenanntes Seed Investment. Das ist ein partiarisches Nachrangdarlehen. Die Rendite hängt zum Teil vom Ergebnis des Unternehmens ab und je nach dem Investitionsbetrag wird man daran beteiligt.

Aus dem VIB (Vermögensanlagen-Informationsblatt) ist zu entnehmen, dass ein Mindestinvestment von 250 € einem Anteil von 0,00370371% entspricht. Für Investments innerhalb der ersten Fundingwoche liegt er um 10% höher. Das entspricht also einem Anteil von 0,00407407%.

Die „Trostzinsen“ von 1% pro Jahr, die es gibt, wenn das Unternehmen überhaupt überlebt, sind bei einem Investment von 250 € mit 2,50 € pro Jahr nicht der Rede wert. Zur Minimallaufzeit, die etwa viereinhalb Jahre beträgt, kommen so also etwa 11 € bis 12 € zusammen.

Interessanter sind die Bonuszinsen, die es im Gewinnfall gibt. Diese entsprechen einem Anteil am bilanzierten Jahresgewinn in Höhe der persönlichen Investmentquote.

Ich habe mir die Prognosen von Heise Haus im geschützten Bereich von Seedmatch* angeschaut. Hier darf ich sie nicht veröffentlichen. Aber jeder kann sich einfach dort registrieren und die Zahlen dann einsehen.

Bevor ich jedoch meine möglichen Bonuszinsen schätze, stelle ich mir die Frage: Lohnt das Geschäft der Firma überhaupt? Wie sieht die Marge aus?

Nehmen wir die EBIT-Marge. Um diese zu ermitteln, setze ich das EBIT (Betriebsergebnis) zum Umsatz ins Verhältnis. Sinnvoll ist das erst ab Geschäftsjahr 2023. Für 2023 komme ich mittels der Prognosen auf gut 10%. Ich vergleiche das mit der EBIT-Marge einer herkömmlichen gut funktionierenden Baufirma. Zufällig habe ich gerade eine in meinem Levermann-Depot (siehe Experiment Levermann-Depot). Das ist HELMA Eigenheimbau. Hier beträgt die aktuelle EBIT-Marge 8%. Wenn Heise Haus also die eigenen Prognosen schafft, lohnt das Geschäft.

Nun zu den möglichen Bonuszinsen. Nur so viel: Für dieses und nächstes Jahr erwarte ich keine Gewinne und damit auch keine Bonuszinsen. Das wird wohl erst ab 2023 eintreffen können. Nehmen wir an, der Gewinn beträgt 3.000.000 €. Dann stehen mir Bonuszinsen entsprechend meiner Investmentquote zu. Das wären dann 3.000.000 € x 0,00407407% = 3.000.000 x 0,0000407407 = 122,22 €. Das ist bezogen auf mein Investment von 250 € eine Rendite von 122,22 : 250 = 0,489 = 48,9%. Selbst wenn nur die Hälfte oder ein Drittel herauskommt, ist das noch eine schöne Rendite. Möglicherweise lässt die sich noch weiter steigern.

Die dritte Rendite-Komponente besteht aus dem Bonuszins im Kündigungs- oder Exit-Fall. Im Kündigungsfall wird der Unternehmenswert als 0,8-facher Umsatz oder 6,6-faches EBIT berechnet. Es wird das Maximum von beiden Werten verwendet.

Ich darf hier keine Zahlen verraten, die nur im geschützten Bereich zu finden sind. Deshalb nur so viel:

Im Bereich „Übersicht“, der allen zugänglich ist, gibt es einen Rendite-Rechner. Dieser ist mit den Prognosen des Unternehmens für den frühesten Kündigungstermin vorbelegt. Wenn ich diese Zahlen für meine Kalkulationen verwende, verrate ich also keine Geheimnisse.

Für Heise Haus ist der Umsatz mit 63,9 Mio. € und das EBIT mit 9,5 Mio. € angegeben. Nun berechne ich den dazugehörigen etwaigen Unternehmenswert mit Hilfe der Faktoren 0,8 bzw. 6,6.

0,8 x 63,9 Mio. = 51,12 Mio.

6,6 x 9,5 Mio. = 62,7 Mio.

Mit dem größeren Wert, also mit 62,7 Mio. €, wird weitergerechnet. Mein Anteil an diesem Wert berechnet sich entsprechend meiner Investmentquote. Diese beträgt 0,00407407 %. Also sind das

62.700.000 x 0,0000407407 = 2.554 €.

Zu meinem Einsatz von 250 € kommt dabei also etwas mehr als das Neunfache hinzu. Die Rendite bei Kündigung beträgt damit also etwas mehr als 900%.

Selbst wenn weniger herauskommt, ist das sehr gut.

Überhaupt darf man diese Schätzungen nicht überbewerten. In der Realität kommt es ohnehin anders. Außerdem ist die Investmentquote auch nicht in Stein gemeißelt, denn wenn noch zusätzliches Geld aufgenommen wird, wird sie logischerweise etwas kleiner.

Diese Zahlungen sind nur Träume. Aber die können durchaus wahr werden.

Im Vergleich zu meinem anderen bisherigen Seedmatch-Investment (KERNenergie Store) sehe ich hier ein größeres Rendite-Potenzial, dafür aber auch ein größeres Risiko.

Trotzdem passt das für mich und ich werde also gleich morgen investieren.

Sonstiges

Ich hatte noch zwei technische Fragen zu den Häusern und habe sie heute am späten Vormittag im Dialog-Bereich an Heise Haus gestellt. Meine Fragen wie auch die Fragen von anderen Interessenten wurden nach wenigen Stunden kompetent beantwortet.

Die meisten Seedmatch-Projekte sind bei mir durchgefallen

Die meisten Projekte fallen gleich im ersten Schritt durch, d. h. bereits nach dem Ansehen des Pitch-Videos. Wenn ich etwas nicht verstehe oder mir nicht vorstellen kann, dass es Erfolg haben wird, nehme ich lieber Abstand davon.

Meine Gedanken, warum ich die meisten anderen letzten Seedmatch-Projekte nicht für investierenswert halte, kannst du hier nachlesen:

Seedmatch-Investments: Meine Beurteilung zu sämtlichen aktuellen Angeboten

Warnung

Die kann ich gar nicht oft genug wiederholen: Mit diesem Investment kann man seinen kompletten Einsatz verlieren. Also bitte nur Geld investieren, dessen Verlust zu verschmerzen ist. Ich investiere nur jeweils den Mindestbetrag von 250 € und werde maximal zehn derartige Investitionen tätigen.

Hier kannst du dir selbst ein Bild machen:

Mit * markierte Links sind Affiliate-Links. Für Abschlüsse darüber erhalte ich eine kleine Provision, die dich nichts extra kostet.

3 Antworten auf „Mein zweites Seedmatch-Investment: Mit so etwas habe ich nicht gerechnet“

Hi Petra,
ich lese Deine Finanzexperimente immer sehr gerne. Was Seedmatch angeht, muss ich sagen: Mit diesem Experiment bin ich fertig. Ich hatte vor einigen Jahren 5 gestreute Investments dort getätigt. 1 war „neutral“, 1 eine ordentliche Insolvenz (kann passieren) und 1 ein unordentlicher Bankrott – der Geschäftsführer ist aus ‚Krankheitsgründen‘ abgetaucht, die Firma war unerreichbar, Einschreiben kamen zurück mit dem Vermerk ‚Nicht zustellbar‘. Das Geld war damit nicht nur weg, sondern mangels ordentlicher Abwicklung auch noch nicht einmal steuerlich absetzbar.

Die verbleibenden 2 Investments waren als Firmen durchaus erfolgreich, dies hat mir als Erstrundeninvestor aber nichts genützt. Alle Verluste und Ausgaben wurden in den ersten Jahren angehäuft. Und sobald es rund lief und der Vertrag es zuließ, wurde man als Investor ‚Rausgeworfen‘ und im Auseinandersetzungsguthaben quasi „auf 0“ abgefunden.

Fazit als meine persönliche Lehre: Finger weg – und zwar vollständig. Die Möglichkeiten, hier Geld zu verlieren sind weit größer als zu gewinnen. Und die Verträge sind extrem zu Ungunsten der kleinen Laien-Investoren ausgelegt.

Hallo Thorsten,

da hoffe ich, dass du insgesamt nicht zu viel investiert hast.

Du bist auch nicht der einzige, der solche negativen Erfahrungen gemacht hat, und ich glaube dir auch und lasse deinen Kommentare gern als Warnung für interessierte Anleger zu. Bist du bereit, konkrete Firmennamen und Zahlen zu nennen?

Auf der anderen Seite steht aber der sogenannte Seedmatch-Funding-Index, nach dem bei breit gestreutem Investment über alle Projekte eine durchaus vorzeigbare Rendite herausgekommen sein soll. Aber dazu bekomme ich kein konkretes Zahlenmaterial, um das nachzurechnen, sondern nur „Begründungen“, warum diese Zahlen nicht herausgegeben werden.

Ich kann also nichts wirklich überprüfen. Ich denke aber, dass niemand in alle Projekte investiert hat. Das würde ich auch nicht tun. Aber nur fünf Stück halte ich auch für nicht repräsentativ.

Deshalb habe ich mir eine Anzahl von 10 vorgenommen. Ich denke schon, dass ich bestimmt auch mindestens ein schwarzes Schaf darunter haben werde, und ich bin auch bereit, mit meinem Test auf die Nase zu fallen.

Bin gespannt, ob alle erfolgreichen Projekte wirklich so unfair sind. Wie auch immer es ausgeht. Ich werde es öffentlich machen und zwar mit meinen konkreten Zahlen, wie viel ich herausbekommen habe – jeweils in Verbindung mit den einzelnen Firmen. Das kann mir niemand verbieten.

Hallo Thorsten, du schreibst:

„wurde man als Investor ‚Rausgeworfen‘ und im Auseinandersetzungsguthaben quasi „auf 0“ abgefunden.“

Wie lauten denn Vertragspassagen, die das „Rauswerfen“ ermöglichen?

Danke

Werner

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