Die Tücken der ETF-Einmalanlage

„Kauf einfach einen ETF auf einen breit gestreuten globalen Index, dann kannst du nicht viel falsch machen. Und überhaupt, was soll das ganze taktische Geplänkel mit dem Aufteilen der Einzahlungen? Hau einfach alles auf einmal rein, so arbeitet dein ganzes Geld gleich für dich, nichts liegt brach. Auf lange Sicht ist das immer prima und bringt eine gute Jahresrendite.“

Auch wenn das hier ein wenig salopp formuliert ist, oftmals wird ein derartiger Ratschlag gegeben, wenn es darum geht, dass jemand eine größere Summe mit möglichst wenig Aufwand langfristig anlegen will, um daraus ein schönes passives Einkommen zu erzielen. Und ja, man kann damit rechnen, dass die Aktienmärkte auf lange Sicht im Schnitt etwa 7% jährliche Rendite bringen. Also ist der obige Ratschlag nicht völlig verkehrt. Allerdings möchte ich ein wenig dazu anregen, das nicht einfach so nachzumachen, sondern unter Beachtung des geplanten Anlagezeitraums und der individuellen Risikotoleranz noch einmal darüber nachzudenken.

Langfristinvestment in die „industrialisierte Welt“

Zur Veranschaulichung verwende ich den MSCI World. Das ist ein Index über die größten Aktien der industrialisierten Welt. Insgesamt befinden sich darin momentan über 1.600 Werte aus 23 Ländern. Die USA ist sehr stark darin vertreten, denn es gibt dort nun einmal die meisten und größten Unternehmen.

Stellen wir uns also vor, jemand investiert eine große Summe auf einmal in einen ausschüttenden ETF, der den MSCI World ziemlich genau nachbildet. So wird er also in etwa den gleichen Kursverlauf verzeichnen und dazu Dividendenausschüttungen erhalten.

Hier der gesamte Verlauf des MSCI World Kursindex bis jetzt:

MSCI World Chart
(Quelle: onvista)

Vom 31.12.1969 bis jetzt, Anfang Dezember 2017, stieg der Index von 100 auf über 2.000 Punkte. Es handelt sich dabei also um eine Verzwanzigfachung innerhalb von rund 48 Jahren. Das ist gleichbedeutend mit einem jährlichen Zuwachs von im Schnitt 6,4%. Darin sind allerdings noch keine Dividendenzahlungen enthalten.

Der MSCI World wird für gewöhnlich als sogenannter Kursindex dargestellt, d.h. es gehen lediglich die Aktienkurse darin ein, Dividenden bleiben unberücksichtigt. Wenn man die Dividendenzahlungen bei der Ermittlung der jährlichen Rendite dieses Investments berücksichtigt (etwa zwischen 1 und 2% jährlich), kommt man auf eine Jahresrendite von 7 bis 8%, die mit einem derartigen Investment zu erzielen ist.

Solch ein langfristiger Chart erweckt immer den Eindruck, dass es am Anfang ziemlich glatt und unspektakuär verläuft und größere Schwankungen erst später kommen und dann „immer schlimmer“ werden. Das ist aber nicht so. Hier als Beispiel der Verlauf der ersten zehn Jahre:

MSCI World Chart
(mittels Excel aus historischen Daten auf monatlicher Basis erstellt)

Wie man sieht gab es schon innerhalb der ersten zehn Jahre einen Rückgang (Drawdown) um rund 50%, das angelegte Geld hätte sich also zwischendurch mal halbiert. Solche Zeiträume gibt es innerhalb des Verlaufes immer wieder. Ob man dann die Nerven behält, sich von den Dividendenzahlungen trösten lässt und die ganze Sache dann bis zur Erholung und darüber hinaus aussitzt, ist noch die Frage.

Währungsaspekte

Hinzu kommt noch, dass der MSCI World auf USD-Basis notiert wird. Wie sieht denn das Ganze im Vergleich dazu aus EUR-Sicht aus?

Ich betrachte dazu den Zeitraum von 1999 bis jetzt. Obwohl der EUR erst 2002 als gesetzliches Zahlungsmittel in Europa eingeführt wurde, wurde an den Börsen seit 1999 bereits in EUR notiert. Historische Wechselkurse für EUR-USD sind ab 1999 verfügbar. Deshalb habe ich diesen Zeitraum zur Betrachtung gewählt.

MSCI World Kursindex 1999 bis jetzt in USD

MSCI World Chart
(mittels Excel erstellt)

Auch wenn die Kurve stark schwankt, der Gesamttrend zeigt aufwärts. Hier ein paar Eckdaten:

Anfangswert rund: 1.162
Endwert rund: 2.069
Entwicklung gesamt (etwa 18 Jahre): +78%
entspricht pro Jahr etwa: +3,3%
mit Dividenden etwa: +5%

Die ungünstigsten Einstiege:

Zeitpunkt aufgeholt bis Dauer max. Drawdown bis dahin
Apr. 2000 Nov./Dez. 2006 fast 7 Jahre fast 50%
Nov. 2007 Jan. 2014 über 6 Jahre fast 50%

MSCI World 1999 bis jetzt umgerechnet in EUR.

MSCI World EUR Chart
(mittels Excel erstellt)

Schon der Gesamttrend sieht nicht ganz so freundlich aus wie in der Originalvariante in USD, denn bis 2009 geht es mehr abwärts als aufwärts. Nun auch hier die entsprechenden Eckdaten:

Anfangswert rund: 984
Endwert rund: 1.754
Entwicklung gesamt (etwa 18 Jahre): +78%
entspricht pro Jahr etwa: +3,3%
mit Dividenden wohl auch etwa: +5%

Trotzdem kommt für den gesamten Zeitraum ziemlich der gleiche Schnitt heraus. Das liegt daran, dass der aktuelle Wechselkurs EUR/USD in etwa dem von 1999 entspricht.

Jedoch gibt es einen besonders ungünstigen Einstiegszeitpunkt:

Zeitpunkt aufgeholt bis Dauer max. Drawdown bis dahin
Sep. 2000 Feb./Mrz. 2015 über 14 Jahre! fast 2/3

Nun kann man noch dagegenhalten, dass es während der gesamten Zeit ja noch die Ausschüttungen gab. Aber letzten Endes sieht man in seinem Depot doch die tiefroten Zahlen. Die angelegte Summe ist zwischendrin nur noch etwas mehr als ein Drittel wert! Wer hält das wirklich durch? Jemand, der z.B. eine größere Summe aus einer Lebensversicherung investiert hat? Sieht derjenige wirklich seelenruhig zu, wie seine Geldanlage zwischendurch von 100.000 auf etwa 34.000 EUR zusammenschrumpft?

Fazit

Die Statistik mag ja mit den jährlichen Steigerungsraten Recht haben. Aber nicht immer kommt etwas Praxistaugliches für jeden dabei heraus. Trotzdem halte ich ETFs für eine gute Möglichkeit zur passiven Geldanlage und werde das Thema in weiteren Artikeln über andere Herangehensweisen vertiefen.

Titelbild: Thorben Wengert / pixelio.de

9 Kommentare

  • Hallo Petra,
    mit den 7-8% pA. bist Du recht vorsichtig. Der DAX macht da ganz andere Sprünge und hat bis 9/11 eine jährliche Rendite von über 16% gehabt. Die Anschläge von 9/11, die DOT.COM-Blase und die Subprime-Krise haben die Rendite bis Ende 2016 auf 9,2% gedrückt. Seit der Wahl von Trump hat der Dax aber mächtig aufgeholt, und die Rendite schnellt nach oben. So hat der seit Jahresanfang 15,2% zugelegt, auf das Jahr hochgerechnet ergibt das die „übliche“ Rendite von 16,6%.

    Als aktiver Anleger beobachtet man den Markt und die Entwicklung seiner Wertpapiere. Es gibt dafür gute Indikatoren, die vor Kursrückschlägen warnen.
    Wie ich hier schon mehrfach schrieb, geht Verlustbegrenzung vor Renditechanchen. Dh. zuerst kommt das Risikomanagement (Stoppkurse) und erst danach die Gewinnziele (Zielkurse). Wobei man Letztere nicht zwangsläufig realisieren muss, sondern mit engeren Stoppkursen weitere Gewinne ansteuern kann. Stoppkurse sind eine gute Schadensbegrenzung und Risikominimierung für Wertpapiere.
    Wie Du ganz richtig erkannt hast, ist die Zeit, wo man Aktien kaufen, und nach Kostolany „Schlafmittel nehmen“ konnte mindestens seit 9/11 vorbei.
    Wenn ich Wertpapiere halte, und deren Wertentwicklung im Auge behalten muss, dann kann ich auch aktiv handeln, sonst schlafe ich, – ohne Schlafmittel-, vor dem Monitor ein.
    Jetzt sag aber bitte nicht „Hin und her macht Taschen leer“. Dieser Spruch hat nur bedingt seine Berechtigung. Man muss ja nicht sein gesamtes Portfolio alle 3 Wochen umwälzen. Man kann aber mit einem kleineren Teil seines Kapitals kurzfristige Chanchen wahrnehmen und/oder regelmäßig einzelne Papiere gegen Andere mit besseren Erwartungen auswechseln. Letzteres tust Du ja auch.

    Ich bin nicht gegen ETFs, aber ich habe Keine. ETFs sind breit gestreut, und ich selektiere lieber meine Favoriten und meide die tauben Nüsse. Wenn der Markt nicht gerade in einer Hausse steckt, kann man durch shorten der tauben Nüsse seine Rendite sogar steigern. Das mache ich gern mit Reverse-Bonus-Zertifikaten.
    Außerdem bin ich gern flexibel am Markt, weil sich die Marktchancen ständig ändern. Bei ETFs sind die Spreads größer als bei Einzelaktien und man zahlt bei jedem Einstieg den Spread als Prämie drauf.

    Mogli

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    • Hallo Mogli,
      vielen Dank für Deinen Kommentar, aber in meinem Artikel geht es einfach nur um eine nüchterne Untersuchung zu ETFs, also nicht um den DAX und auch nicht um aktive Geldanlage, sondern einfach nur ums passive Investieren. In diesem Kontext lote ich einfach mal ein paar Möglichkeiten aus.
      Gruß Petra

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  • Hallo Petra,

    lange schon verfolge ich deinen Blog. Heute mein erster Kommentar (weil ich sonst wohl nichts zu sagen hatte.) Ich finde Investitionen in ETFs eine gute Möglichkeit, um an dem Aufschwung eines Landes oder einer Branche zu partizipieren. Die Frage welche Branche oder welches Land gute Renditen in der Zukunft (also den nächsten 10-15 Jahren) liefern wird, kann über Bewertungskennzahlen wie dem Shiller-KGV, KBV, Dividendenrendite, etc. ermittelt werden (oder zumindest versucht). Bei starcapital hat man sich die Arbeit gemacht und versucht zu analysieren, welche Märkte hohe Folgerenditen erwarten lassen (http://www.starcapital.de/research/aktienmarktbewertungen). Diese Ergebnisse werden ca. alle drei Monate aktualisiert. Die Ergebnisse basieren auf der durchgeführten Studie, die ich sehr spannend finde (http://www.starcapital.de/files/publikationen/Reseach_2016-01_Aktienmarktprognose_Shiller_CAPE_Keimling.pdf). Was ist deine Meinung zu den Erkenntnissen? In welche ETFs investierst du?

    Gruß Michael

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    • Hallo Michael,

      für mich klingt es ja fast ein wenig, als ob Du irgendetwas mit StarCapital zu tun hättest, naja egal. Ist sicher ein ziemlich interessanter Ansatz, obwohl ich mich jetzt nicht sofort damit beschäftigen werde. Habe auch zu der Studie keine Meinung, weil ich sie nicht gelesen habe und auch in nächster Zeit mangels Interesse wohl nicht lesen werde.

      ETFs nutze ich selbst zu passiver Geldanlage für die Altersvorsorge. Dabei investiere ich über Sparpläne in ein Weltportfolio derart, wie es Gerd Kommer in seinem Buch beschreibt:
      Souverän investieren mit Indexfonds und ETFs. Hier ein LInk zu Amazon: http://amzn.to/2BVTGkC

      Ansonsten investiere ich vor allem in sorgfälitg ausgewählte Einzelaktien. Und als drittes und kleine Spielerei nebenher teste ich solche Dinge wie Levermann-Strategie und Magic Formula (Faulpelz-Formel) mal aus.

      Viele Grüße und gutes Gelingen!
      Petra

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  • Hallo Petra,

    mit StarCapital habe ich nichts zu tun (!). Ich hatte gedacht, dass du dich vielleicht für die Sachen interessieren würdest, weil eben genau auf die Frage eingegangen wird welche Märkte hohe Folgerenditen versprechen und welche Märkte hohe Rückschlagrisiken erwarten lassen. Ich hatte gedacht, dass damit durchaus Alternativen zum Investment in den MSCI-World-ETF bestehen, der für meinen Geschmack schon etwas zu sehr gehypt ist und durch die hohe Gewichtung der sehr hoch bewerteten US-amerikanischen Aktien ein gewisses Rückschlagpotential darstellt. Nun gut, ich wünsche bei der Aktienanlage ebenfalls viel Erfolg und hoffe mich hier nicht unnötig wiederholt zu haben.

    Grüße Michael

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  • Hallo Petra,

    auch ich lese deine Beiträge regelmäßig und bin sehr dankbar für deine Gedanken zu den verschiedenen Themen. Allerdings kann ich dir hier nicht ganz folgen, noch weniger seit ich gelesen habe, dass du Gerd Kommers Strategie kennst. Ich sorge übrigens genau wie du zu einem großen Teil mit ETFs fürs Alter vor und folge dabei seinen Empfehlungen.

    Dein Beitrag ist natürlich grundsätzlich richtig, jedoch möchte ich darauf hinweisen, dass die Empfehlung zu einer beliebigen Investition völlig unseriös ist, solange das zugehörige Risiko nicht betrachtet wird. Dieses Risiko sollte dabei möglichst genau anhand historischer Daten quantifiziert werden.
    Die Frage an jemanden, der z.B. durch eine Erbschaft zu EUR 100.000 gekommen ist, müsste also zuerst lauten: „Bist du für den Vorteil einer langfristig möglichst hohen Rendite bereit, das Risiko einzugehen, dass dein Vermögen vorübergehend auf 30% oder weniger zusammenschrumpft und sich erst in einigen Jahren davon erholt? Und bist du auch bereit, solche Rückschläge durchzuhalten ohne zu verkaufen?“ Wenige Menschen antworten darauf mit „Ja!“. Und je nach Risikobereitschaft sollte dann ein Teil des größeren Betrags in AAA-Staatsanleihen oder Tagesgeld (solange < EUR 100.000) gehalten werden und in einem festen Rhythmus rebalanced werden. Deine Beispiele aus der Vergangenheit sind richtig, trotzdem ist m.E. eine Empfehlung zu einer gestaffelten Einzahlung mit dem Ziel der vollen Investition in Aktien-ETFs genau die falsche Reaktion. Im Rückblick ist man natürlich immer schlauer. Was sollte man aber denn einem Freund Ende 2008 antworten, dem man Anfang 2003 wegen der vorangegangenen Erfahrungen empfohlen hatte, gestaffelt zu investieren und der schließlich im Sommer 2007 voll investiert war?
    Das einzige, wovon man den Anteil, den man bei einer passiven Strategie in Aktien-ETFs halten will, noch abhängig machen könnte, sollten meiner Meinung nach noch Fundamentaldaten sein, wie sie z.B. in den Fact Sheets zu verschiedenen MSCI-Indizes bei MSCI selbst veröffentlicht werden. Eine andere Datenquelle könnte StarCapital sein. Das ist ein Vermögensverwalter, der kostenlos einige seiner Recherche-Ergebnisse veröffentlicht und ein Ranking verschiedener Länder erstellt. Gar nicht unähnlich zu Susan Levermann, jedoch nicht auf Basis von einzelnen Unternehmen. Dies zu Michaels Verteidigung, es lohnt sich wirklich, das mal anzuschauen.

    Ich bin wirklich gespannt, welche anderen Herangehensweisen du in der Zukunft behandeln wirst!

    Nachtrag, weil ich gerade Michaels Antwort noch gelesen habe: natürlich würde ich auch ein bessere Diversifizierung empfehlen und Emerging Markets gehören unbedingt dazu.

    Viele Grüße
    Klaus

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  • Hallo Michael und hallo Klaus,

    Ja Eurer beider Argumente sind völlig korrekt und logisch, keine Frage. Ich wollte in diesem kleinen Artikel einfach mal mit einer Herangehensweise aufräumen, die immer mehr in diversen Blogs und Videos verbreitet wird. Es ist nichts weiter als eine kleine Betrachtung. Ich erhebe auch gar keinen Anspruch auf Vollständigkeit aller zu beachtenden Aspekte. Das hat der Herr Kommer in seinem Buch schon hervorragend dargelegt. Ich habe einfach mal ein Beispiel herangezogen und mit ein paar Zahlen untermauert.

    Und, Michael, ich bekomme andauernd irgenwelche „Guck dir mal dies und jenes an, was hältst du denn davon?“-Fragen und Mails verbunden mit x-seitigen Studien. Ich lasse mir nun einmal nicht gerne Hausaufgaben aufgeben. 😉 Vielleicht lese ich es ja doch, aber eben, wenn es mir gerade passt, und nicht, wenn jemand eine Antwort von mir dazu erwartet. So viel Querulantentum gönne ich mir. Nimm’s nicht persönlich.

    Viele Grüße
    Petra

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