Ein besch…eidener Deal

Sparen ist prima! Je mehr man spart, umso mehr kann man investieren. Manchmal habe ich aber den Eindruck, dass das Sparen an sich bei einigen Zeitgenossen der eigentliche Inhalt ist. Okay, jedem Tierchen sein Pläsierchen! Ich will hier wirklich niemanden lächerlich machen oder von seinem Wege abbringen. Ich möchte nur einmal ein paar Gedanken zum Thema „Couponing“ los werden und einen eigenen Versuch beschreiben.

Das Couponing kommt – wie kann es anders sein – aus Amerika. Dort gibt es schon seit vielen Jahren in Zeitschriften und Werbebroschüren Rabatt-Coupons, die man ausschneiden und beim Einkaufen bestimmter Produkte einlösen kann. Nun sind findige Konsumenten auf die Idee gekommen, solche Dinge gezielt beim Kauf von Angebotsware einzusetzen, so dass ein besonders günstiger Endpreis herauskommt, oder man mitunter sogar gar nichts für bestimmte Produkte bezahlen muss.

Inzwischen funktioniert das auch bei uns. Es gibt neben Coupons in Werbebroschüren sogar spezielle Internetseiten, wo man immer die neuesten Coupons findet. Dann gibt es darüber hinaus noch Apps mit digitalen Coupons. In Facebook-Gruppen wird darüber diskutiert und sich gegenseitig Tipps gegeben. Dort werden dann auch die „Trophäen“ präsentiert. Ich gebe zu, dass ich das nur weiß, weil ich solch einer Gruppe beigetreten bin. Ich war neugierig und wollte das ausprobieren, sofern das „Ersparnis-zu-Aufwand-Verhältnis“ vernünftig ist.

Also habe ich dort ab und zu mal hineingeschaut, ob es etwas gibt, dass ich für mich nutzen kann. Und dann fand ich DEN Tipp: Zewa-Toilettenpapier gab es diese Woche sowohl im Kaufland als auch bei Rossman für 1,99€ je acht Rollen im Angebot, während man sich bei Couponplatz einen 0,50€-Rabatt-Coupon ausdrucken konnte. Oh, was haben sich die Mitglieder der Facebook-Gruppe darüber gefreut! Naja, nur 1,49 € für acht Rollen Lokuspapier fand ich auch nicht schlecht. Also, Coupon ausgedruckt, ausgeschnitten und eingesteckt. Als ich dann abends bei Rossmann vorbeikam, nichts wie rein und eine 8er-Packung unter Einlösung des Coupons eingekauft. (Mehr hab ich mich nicht getraut.) Ja, hat geklappt — nur 1,49 € bezahlt. Billiger als beim Discounter, wo acht Rollen 1,95 € kosten. Guter Deal? Keineswegs! Denn auf den Rollen von Aldi sind jeweils 200 Blatt, von Zewa nur 150 Blatt. Das Aldi-Papier ist sogar dicker als die Markenware. Die Aldi-Rollen sind strammer gewickelt und darum viel schwerer. Die Küchenwaage hat’s bestätigt. Gut, ich gebe zu, manchmal artet mein Forscherdrang etwas aus. Aber soweit, dass ich aufgerollt und nachgemessen hätte, ging er dann doch nicht. Also bietet das liebevoll ausgesuchte und mit Coupon eingekaufte Markenpapier nur etwa 3/4 von dem, was das Discounter-Papier leistet. Fair wäre also ein Preis von 3/4 des Discounter-Preises, womit wir bei 1,46€ wären. Was lerne ich daraus: Gut, dass ich mich nicht mit dem Markenpapier eingedeckt habe! Und vor allem brauche ich auch keinen zusätzlichen Platz im Vorratsschrank zu belegen, denn der Discounter-Preis gilt regulär.

Auch die „Guck mal, das hab ich umsonst bekommen“-Facebook-Beiträge der letzten Woche bringen mir irgendwie nichts. Was soll ich mit Katzenfutter? Ess ich nicht! Oder massenweise Schokoriegel? Das würde doch meine ganzen Fitness-Bemühungen wieder zunichte machen. Ja, wer Verwendung dafür hat, für den passt es, ich geb’s zu. Ich gebe auch zu, dass ich vor kurzem eine Menge Waschpulver unter Verwendung von Coupons günstig auf Vorrat gekauft habe. Ich finde es auch OK, den einen oder anderen Coupon auszunutzen, wenn man das entsprechende Produkt ohnehin kaufen würde. Deswegen werde ich auch weiterhin mal ab und zu dankbar in die Couponing-Gruppe schauen, sofern sie mich da jetzt nicht wegen dieses Artikels rausschmeißen, aber ein „Extrem-Couponer“ werde ich wohl nicht.

Titelbild: Tony Hegewald / pixelio.de

11 Kommentare

  • Man könnte glauben, ich wäre des Namens wegen schon ein Freund des Couponings und der Rabattschlachten. Tatsächlich verschwende ich nicht viel Energie auf das Sparen beim Einkaufen. Die Prospekte von Aldi und Co. landen bei mir ungelesen im Müll. Im Laden überschlage ich dann. Ich kaufe eher die Hausmarken als „die Marken“.

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    • Als ich den Artikel geschrieben habe, kam mir auch die Assoziation mit Deinem „Künstlernamen“, grins. Deshalb passt es total gut, dass Du hier gleich kommentierst. So nebenbei, warum hast Du Dich eigentlich Couponschneider genannt? Schneiden im Sinne von Ignorieren? 😉
      Auf das Thema bin ich eher zufällig aufmerksam geworden und wollte es nicht gleich abtun, ohne es mal auszuprobieren. Ich kaufe auch nach wie vor die Discounter-Hausmarken, denn die sind auch nicht schlechter, oftmals sind sie sogar vom gleichen Hersteller wie die teureren Marken. Ich glaube, dass das Couponing heutzutage nur ein Ersatz für das Jagen und Sammeln ist.

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  • Die Extremsparer setzen das Kosten-Nutzen-Verhältnis nicht mehr an, da geht es nur noch ums sparen.
    Toilettenpapier abwiegen, Blätter rechnen und überlegen, ob es tatsächlich was bringt, ist der einzig sinnvolle Weg.

    Ich amüsiere mich immer, wenn die Kollegen erzählen, sie sparen 2 cent pro Liter Sprit bei dieser oder jener Tankstelle. Zusätzliche Fahrstrecke, Fahrzeit, Wartezeiten werden da ignoriert. Letztendlich hat man bei der Tankfüllung 1 € gespart. WOW, das reist es raus. Ich bin da wohl zu rational.

    Beim Sparen frage ich mich auch immer, ob es Sinn macht. Aber Börsianer scheinen da eh manchmal etwas anders zu ticken.

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    • Naja, eigentlich habe ich doch meistens besseres zu tun, als Toilettenpapier abzuwiegen, das war auch nur mal für meinen Selbstversuch.
      Ich kaufe auch weiterhin vor allem beim Discounter die Eigenmarken. Da braucht man sich die Mühe mit Coupons oder irgendwelchen Rabatten oder Payback-Zeug gar nicht erst zu machen. Zusätzlich spart man eine Menge Zeit, weil das Sortiment überschaubar und man so viel schneller mit dem Einkaufen fertig ist als in so großen Märkten. Die Zeit, die man da spart, zahlt sich schließlich auch aus.

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  • Toller Blog!
    Ich habe ein Ziel auf das ich hinspare, demzufolge ist jeder nicht ausgegebene Franken (Euro) ein gesparter Franken, ich kaufe also nur was ich wirklich benötige, kaufe sehr viel bei Aldi, aber nicht Alles, da muss man abwägen, als Single kann ich sowieso keine 5kg Säcke Reis kaufen, ich hab inzwischen mein „System“ gefunden das sich bewährt hat. Couponing gehört nicht dazu.
    Hier ein Artikel aus dem Handelsblatt:

    http://www.handelsblatt.com/unternehmen/handel-konsumgueter/nielsen-studie-warum-schnaeppchenjagd-gluecklich-macht/13763380.html?nlayer=News_11252000
    .

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    • Ja, der Artikel aus dem Handelsblatt trifft die Sache. Ich kann mir auch nicht vorstellen, dass die Extrem-Couponer wirklich sparen. Sie kaufen riesige Vorräte, die wieder irgendwo untergebracht werden müssen. Ich finde, das ist eine zusätzliche Belastung. Meine Vorräte sind überschaubar und so geartet, dass ich meistens nur das in Reserve habe, das ich demnächst brauche. OK, Ausnahmen bestätigen die Regel, wenn ich wirklich mal auf ein nützliches Angebot zukomme. Aber das ist höchst selten.

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  • Hallo,
    Dein Artikel hat mich wirklich zum Schmunzeln gebracht, danke dafür!
    Frage mich nur ob man beim Sparen auch zu weit gehen kann…wieviel Zeit geht in die Recherche und Organisation von Couponing, gerade, wenn nur Kleinbeträge gespart werden. Will ich die Zeit der gewonnenen finanziellen Freiheit, tatsächlich damit verbringen. Also jedem natürlich sein Spass, aber ich würde es mal hinterfragen 😉
    Mehr zum Thema Sparen und finanzielle Freihet unter https://meinefinanziellefreiheit.com

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  • In Amerika kann man definitiv mehr damit erreichen. In den Laden rein, für 400 Dollar einkaufen, 2 Dollar zahlen.. In Deutschland trifft es, wie du sagst, vor allem Markenprodukte. Deswegen kaufe ich nur dann nach mehr, wenn ich zufällig im Laden stehe und sehe, dasd z.B. die Butter reduziert ist. Man muss zudem ja noch den Zeitaufwand den 50 Cent gegenrechnen.

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    • Ja, ich glaube bei den Amis ist es schon fast ein Muss, Coupons zu verwenden. Ich finde es aber trotzdem Wahnsinn. Ich bin inzwischen auch aus den Facebook-Gruppen zum Couponing wieder ausgetreten, weil es mich genervt hat.

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