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Aktien-Investment

Verkaufsentscheidungen

Aktienverkäufe sollten genauso gut überlegt sein wie Aktienkäufe. Darum möchte ich heute ein paar Gedanken dazu zusammentragen. Eines ist wichtig. Verkäufe sollten in die Anlagestrategie passen. Meine Strategie besteht aus Value Investing. Also schreibe ich aus dieser Sicht.

Möglichst kein Verkauf im Minus

Für manchen spekulativen Anleger mag das nicht die richtige Herangehensweise sein, für mich aber schon. Es passt zu der Art und Weise, wie ich meine Aktien auswähle. Ein wichtiger Grundsatz für mich lautet: Keine Aktie ohne Dividende. Selbst wenn die Dividende nach meinem Kauf gesenkt werden sollte, handelt es sich um positive Rendite. Der schlimmste Fall, dass die Dividende zwischendurch mal ausfällt, kann natürlich vorkommen. In einem gut gestreuten Depot ist aber auch das zu verkraften.

Verkauf zur Korrektur eines Irrtums bei günstiger Gelegenheit

Was ich damit meine, kann ich am besten an einem Beispiel erklären. Ende Februar 2014 habe ich eine ansehnliche Position K+S-Aktien gekauft. Meine vorher durchgeführte Analyse brachte mich zu dem Schluss, dass diese Firma für eine dividendenstarke Langfristanlage geeignet sei. Die Entwicklung von Gewinnen, Umsätzen, Eigenkapital und vor allem Dividende sah über Jahre hinweg gut aus. Die Dividende bewegte sich schon seit mehr als acht Jahren immer so um die 40% vom Gewinn. Das KGV lag zum Kaufzeitpunkt sogar unter 10. Würde die Situation nur in etwa so bleiben, ergäbe das eine schöne Dividendenrendite.

Was passierte dann? Der Gewinn ging zurück. Das kann passieren, kam nicht völlig unerwartet und war auch für den Langfristtrend nicht wirklich dramatisch. Der Kurs gab daraufhin ein wenig nach, was aber auch nicht so gravierend war. Allerdings senkte das Management von K+S die Dividende drastisch von 1,40 EUR auf 0,25 EUR. Auf eine E-Mail-Anfrage an die entsprechende Stelle bei K+S erhielt ich eine nichtssagende Antwort, so in etwa: Ja, wenn es irgendwann besser passt, gibt es vielleicht auch wieder mehr Dividende. Ende April, also kurz vor der mickrigen Dividendenzahlung, war die Aktie in meinem Depot wieder im Plus. Prozentual zwar nur minimal, aber so, dass bei einem Verkauf nach Abzug der Spesen noch ein klein wenig übrig bleibt. Also habe ich die Gelegenheit beim Schopfe gepackt und ohne Schaden wieder verkauft. Das Geld habe ich dann in andere Papiere gesteckt, die seitdem besser gelaufen sind und auch mehr Dividende gebracht haben. Ein paar Tage nach meinem Verkauf hätte ich zwar mehr herausgeholt. trotzdem war diese Entscheidung im Nachhinein betrachtet völlig richtig. Seitdem gab es bis vor kurzem, wo ja fast alles gestiegen ist, also erst rund ein Jahr nach dem Kauf, keine solche Gelegenheit zum Ausstieg im Plus mehr. Ob die Dividende dieses Jahr wieder auf das Niveau von vor zwei Jahren erhöht wird, kann mir nun egal sein.

Hier zur Illustration der Kursverlauf von K+S seit meinem Kauf. Kauf bzw. Verkauf habe ich eingezeichnet:
K+S Kurs

Verkauf bei hohem Kursgewinn einer Aktie, die kein Langfrist-Investment mehr ist

Die Situation: Ich habe eine Aktie vor ein paar Jahren als Langfrist-Investment gekauft. Sie hat gute Dividendenrenditen gebracht. In den letzten Jahren hat das Unternehmen aber unter dem Strich immer weniger verdient. Die Dividendenrendite war aber trotz Senkung noch ganz in Ordnung. Im letzten Geschäftsjahr wurde wieder etwas mehr verdient als im Vorjahr. Die Dividende wird jedoch nicht erhöht. Die allgemeine Situation an den Börsen ist optimistisch, so dass in letzter Zeit fast alles schön gestiegen ist. Das Plus in meiner Position ist gemessen an der zu erwartnden Dividendenrendite der nächsten Jahre recht groß. Genau diese Situation hatte ich in dieser Woche bei der Axel Springer AG. Die Aktien hatte ich Ende November 2010 gekauft. Der Gesamttrend beim Gewinn sah damals vielversprechend aus:
Axel Springer EPS bis 2009

Zwar mit Ausrutschern war es ein eher aufwärts weisender Trend. Eine recht hohe Eigenkapitalrendite sprach ebenfalls dafür. Die Bewertung zum Kaufzeitpunkt war in Ordnung. Die Dividendenzahlungen der darauffolgenden Jahre waren erfreulich. Allerdings sank der Gewinn mehrere Jahre in Folge. Selbst nach dem besseren Ergebnis des letzten Jahres ist der Kurs meiner Meinung nach nun viel zu hoch.
Axel Springer EPS 2008 bis 2014

Das KGV3 (auf Basis des Gewinn-Durchschnitts der letzten drei Jahre) liegt schon über 25. Das ist normalerweise noch kein Signal zum sofortigen Verkauf, mahnt aber zur Aufmerksamkeit. Allerdings hätte es etwa zehn Jahre gedauert, um meinen jetzt erzielbaren Kursgewinn aus den Dividendenzahlungen zu erhalten. Also fiel meine Entscheidung für den Verkauf. Ein Kursgewinn von rund 55% nach viereinviertel Jahren und dazu eine jährliche Dividendenrendite von um die 4% ist ein respektables Ergebnis.
Hier ein Bild vom Kursverlauf während meiner Haltedauer:
Axel Springer Kurs

Über einen weiteren Kursanstieg nach meinem Verkauf werde ich mich nicht ärgern, denn man schafft es selten, zum Höchstkurs zu verkaufen. Genausowenig, wie man es schafft, zum Tiefstpunkt zu kaufen. Wie es hier weiter geht, kann mir egal sein, denn ich habe einen schönen Gewinn realisiert. Diese Einstellung ist für das Treffen der richtigen Entscheidungen genauso wichtig wie die Analyse der Fakten.

Verkauf eines mittelfristigen Investments, das sein Kursziel erreicht hat

Ein Investment, für das ich von vornherein eine mittelfristige Haltedauer von etwa 1 bis 3 Jahren geplant hatte, ist positiv verlaufen. Es hat sich für mich jedoch nicht zu einem langfristigen „qualifiziert“. Ein Beispiel dafür ist Vodafone. Gekauft im Dezember 2012, verkauft im Februar 2014 mit einem Kursgewinn von gut 30% auf EUR-Basis. Hier der Kursverlauf von meinem Kauf bis jetzt. Kauf und Verkauf sind eingezeichnet:
Vodafone Kurs

Zwischendurch gab es zweimal Dividendenzahlungen, im August 2013 und im Februar 2014, jeweils zwischen 2 und 3% Rendite. Warum habe ich kein langfristiges Engagement daraus gemacht? Ich empfand die Aktie zu dem Zeitpunkt als ziemlich hoch bewertet. Der Gewinn ist stark eingebrochen, und die Gewinnentwicklung sah mir über längere Zeit noch nicht gut genug aus. Außerdem ist mir die Branche für langfristige Geldanlage nicht „langweilig“ genug. Hier die Gewinnentwicklung:
Vodafone EPS bis 2013

Der umgekehrte Fall kommt auch vor, also dass ich eine Aktie als mittelfristiges Investment geplant hatte, und sich das Unternehmen dann so gut entwickelt hat, dass ich es auf „langfristig“ hochgestuft habe. In dem Fall verkaufe ich trotz eines besonders hohen Kurszuwachses nicht. Ein Beispiel dafür ist Daimler. Ende April 2013 habe ich aufgrund günstiger Bewertung und guter Dividende gekauft.
Die Gewinnentwicklung bis dahin sah so aus:
Daimler EPS bis 2012

Schon nach einem Dreivierteljahr war diese Position mit einem dicken Plus in meinem Depot. Ich war schon fast bereit, den Gewinn mitzunehmen, wartete aber noch das Jahresendergebnis ab. Der Gewinn war gestiegen. Ich sah aufgrund dieser Daten weiteres Steigerungspotenzial und die schönen Dividenden. Also hielt ich weiterhin mit der Absicht, auf „langfristig“ einzustufen, wenn sich die Situation weiter festigen würde. Vor kurzem gab es wieder Zahlen. Der Gewinn wurde weiter gesteigert. Das KGV ist noch relativ günstig. Obwohl das Plus hier bereits mehr als 120% beträgt, verkaufe ich noch nicht. Die Dividende ist ebenfalls erhöht worden.
So sieht die Gewinnentwicklung der letzten Jahre aus:
Daimler EPS bis 2014

Mein bisheriger Kursverlauf:
Daimler Kurs

Verkauf wegen Geldbedarfs

Dafür habe ich selbst kein Beispiel. Aber es liegt auf der Hand. Wenn ich eine bessere Investment-Gelegenheit als Aktien habe, kann ich dafür Aktien, die sich idealerweise im Plus befinden sollten, verkaufen. Was man unbedingt vermeiden sollte, sind Aktieninvestments ohne vorher finanziellen Schutz aufgebaut zu haben. Denn dann kann es vorkommen, dass man in einer Notsituation Verluste realisieren muss.

Fazit

Das soll zum Thema Verkaufsentscheidungen genügen. Als Fazit daraus würde ich folgendes formulieren: Überstürzter Ausstieg ist genauso unangebracht wie unüberlegter Einstieg. Die Entscheidungen sind wie immer subjektiv. Ob man im speziellen Fall richtig gehandelt hat, weiß man immer erst hinterher.

Optimal wird es ohnehin so gut wie niemals laufen. Beim Value Investing wird man nach und nach immer mehr größere Positionen in langfristigen Engagements halten und Dividendenerträge kassieren.

Und wieder der übliche Nachsatz: Dieser Artikel ist keine Anlageberatung.

3 Antworten auf „Verkaufsentscheidungen“

Ich stelle mir vor einer Verkaufsentscheidung grundsätzlich zwei frage.
Die erste Frage lautet: Würde ich diese Aktie heute wieder kaufen?
Die zweite: Was kann ich für die Zukunft von der Aktie erwarten?
Wenn ich beide Fragen negativ beantworten muss, verkaufe ich die Aktie.
Die Herangehensweise nur Aktien zu kaufen die eine (hohe) Dividende bieten kann ich nur unterstützen, wie ich auch den gesamten Artikel sehr interessant fand.

Bei Axel Springer habe ich auch so gehandelt. Es hat einfach genug für einen Verkauf gesprochen. Zudem war / ist die Dividendenrendite historisch niedrig. Und eine Erhöhung gab es ja nicht.
Wie ich versuche die richtigen Zeitpunkte für einen Kauf oder Verkauf von Dividendenaktien zu ermitteln habe ich mal in einem Gastartikel für ein schweizer Portal zusammengefasst.
http://business24.ch/2015/04/13/warum-es-bei-der-auswahl-von-dividenden-aktien-auf-den-richtigen-zeitpunkt-ankommt/
Wie findest du Mattel aktuell? Liegt genau im Beuteschema! Wenn man davon ausgeht, dass der zweitgrößte Spielzeughersteller der Welt mit dem neuen Vorstand die Kurve bekommt, dann ist ein langfristiger Kauf ein musss. Die Höhe der Dividende wurde zuletzt bereits bestätigt.
Gruß
Alex

Habe bisher nur flüchtig über Mattel bei finanzen.net geschaut. Sieht ganz gut aus, ist aber insgesamt trotz allem noch recht hoch bewertet. Hat aber starke Marken. Zahlt gute Dividende, die mir gemessen am Gewinn doch auch recht hoch erscheint. Ich bin da ehrlich gesagt ein wenig hin- und hergerissen. Hatte allerdings noch keine Zeit, mir das ausführlicher anzuschauen.

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