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Levermann-Experiment

Levermann-Experiment 2.0 – Das Depot ist schon halbvoll

Mit frischem Mut habe ich nun wie geplant ein neues Experiment zur Levermann-Strategie gestartet.

Vorher hatte ich mich – wie man so schön sagt – auf den Hosenboden gesetzt und einige Vorüberlegungen und Vorbereitungen dafür getroffen.

Einen Teil davon hatte ich bereits hier veröffentlicht: Levermann-Strategie und wie sie funktionieren kann.

Meine Vorüberlegungen und Vorbereitungen

Anlageuniversum

Das habe ich wieder eingeschränkt, und zwar auf Aktien kleiner Unternehmen aus Deutschland. Erstens weil solche im Verlauf meines ersten Experimentes insgesamt die besten Ergebnisse gebracht hatten, zweitens weil sie nicht von so vielen Analysten beobachtet werden, so dass es dabei nicht auf „Konsens“ ankommt. Dadurch besteht die Chance, dass die Analystenmeinungen und Schätzungen besser zu gebrauchen sind. Drittens beschränke ich mich auf das eigene Land – ich pfeif auf den Home Bias – , weil meiner Meinung nach die für mich zugänglichen Datenquellen für diese Unternehmen bestimmt verlässlichere Levermann-Daten liefern als für ausländische kleine Exoten.

Bewertungsgenauigkeit

Im Zusammenhang mit Bewertungen innerhalb der Levermann-Strategie von Genauigkeit zu sprechen ist eigentlich ein Witz, weil sehr viel von Schätzungen und Meinungen abhängt, die sehr unterschiedlich ausfallen können.

Bisher hatte ich darauf plädiert, sich auf eine Variante bzw. ein Set von Datenquellen festzulegen und dann strikt dabei zu bleiben. Mein Grund dafür war: So fällt Disziplin leichter. Sonst würde man in Versuchung geraten, immer gerade diejenige Version zu wählen, die einem selbst am besten passt.

Nach nun fünf Jahren frage ich mich, ob übertriebene Disziplin in diesem Spiel nicht eher schädlich sein kann. Ja, ich weiß, Quant-Investing-Puristen werden nun aufstöhnen, aber egal.

Was spricht eigentlich dagegen, verschiedene Versionen von Bewertungen zu vergleichen? Meiner Meinung nach überhaupt nichts, Das Ganze lässt sich dadurch flexibler gestalten und bei ganz krassen Abweichungen fallen Fehler bestimmt eher auf.

Ich betrachte nun verschiedene Versionen und nehme mir heraus, mich für einen Kauf zu entscheiden, wenn nur eine davon genügend Punkte aufweist.

Genauso kann ich mir überlegen, dass ich erst dann verkaufen muss, wenn alle Bewertungsversionen das signalisieren.

Außerdem finde ich es überhaupt nicht plausibel, warum ich Aktien eines eigentlich fundamental starken Unternehmens verkaufen soll, weil z. B. die Gewinnschätzungen, die bereits auf einem hohen Niveau sind, nicht noch weiter angehoben werden. So etwas ist nicht schlimm, kann aber als Zünglein an der Waage den Score auf „Verkaufen“ springen lassen.  

Interessant ist diese Frage vor allem dann, wenn keine neuen Kaufkandidaten bereitstehen. Dann passiert mit dem Depot genau das, was beim Stresstest durch die Corona-Krise mit meinem vorigen Experiment passiert ist: Alles trudelt hinaus und nichts Neues kommt herein. Das kostet Performance.

Bei meinem eingeschränkten Anlageuniversum habe ich ohnehin weniger Aktien nach Kaufkandidaten zu durchsuchen, so dass ich das besser als bisher beurteilen kann.

Was ich mit verschiedenen Versionen zur Bewertung meine, zeige ich im Folgenden noch an einem Beispiel.

Praktische Umsetzung in meinem Excel-Tool

Ich habe mein Levermann-Tool erweitert, so dass ich nun Schätzungen aus zwei Quellen parallel verarbeite, und zwar für beide bereits enthaltenen Versionen zur KGV-Berechnung. So bekomme ich dadurch also – je nachdem, was die Daten hergeben – vier verschiedene Berechnungen angezeigt, mit denen ich weiter arbeiten kann.

Aus Spaß habe ich noch die relative Variante für die Kriterien 9 bis 11 (zur Kursperformance) eingebaut. Diese zeige ich nur zur Info mit an. Was das genau ist, hatte ich ebenfalls im weiter oben verlinkten Artikel beschrieben.

Die Tabellenblätter sind dadurch noch breiter geworden, aber das ist nicht so schlimm, weil ich das alles in die Detail-Anzeige integriert habe. Es läuft dadurch insgesamt nicht langsamer.

Trotzdem sollte man das nicht als Orakel ansehen, sondern zusätzlich das eigene Hirn bemühen. Das ist das Ding zwischen den Ohren – bei den meisten jedenfalls. 😉

Die ersten Schritte im Levermann-Experiment 2.0

Die Einrichtung zum Start

Für mein neues Experiment habe ich ein Startkapital von 15.000 € festgelegt. Ich habe alle Aktien aus dem vorigen Spiel verkauft bis auf die folgenden vier:

  • Dermapharm
  • FinLab
  • Mutares
  • ProCredit

Für diese habe ich Pseudo-Käufe zu deren jeweiligem Endwert von 2020 angesetzt. Also habe ich genau so viel Cash auf dem Verrechnungskonto gelassen, dass damit zusammen das Startkapital von 15.000 € herausgekommen ist.

Den Überschuss habe ich abgezogen. Der reicht für ein kleines ernsthaftes Investment oder ich kann mir „einen Bunten“ davon machen. Wie auch immer – zurück zum Thema.

Die erste Bewertungsrunde

Die habe ich am vorigen Wochenende durchgeführt, also mit den Werten vom Börsenschluss am 08.01.2021.

Aufgrund meines Ergebnisses habe ich zwei Aktien gekauft, und zwar AlzChem Group und VIB Vermögen.

Ich zeige hier als Beispiel die Bewertungsvarianten für die Aktie der AlzChem Group.

Kriterium 1 – Eigenkapitalrendite: 29,5%, also +1 Punkt

Kriterium 2 – EBIT-Marge: 6,6%, also 0 Punkte

Kriterium 3 – Eigenkapitalquote: 17,4%, also 0 Punkte

Kriterium 4 und 5 gibt es bei mir in zwei Berechnungsvarianten. Zu beiden verwende ich Schätzungen aus zwei verschiedenen Datenquellen. Also gibt es hier vier Möglichkeiten. Für diese Aktie stimmen die Schätzungen aus beiden Datenquellen jedoch überein. So kommen folgende Werte und damit Punktebewertungen heraus:

Kriterium 5 – mehrjähriges KGV:

Version 1 – sowohl Quelle 1 als auch Quelle 2: 11,6, also +1 Punkt

Version 2 – sowohl Quelle 1 als auch Quelle 2: 12,7, also 0 Punkte.

Kriterium 5 – aktuelles KGV:

Version 1 – sowohl Quelle 1 als auch Quelle 2: 14,3, also 0 Punkte

Version 2 – sowohl Quelle 1 als auch Quelle 2: 14,3, also ebenfalls 0 Punkte

Kriterium 6 – Analysten: Es gibt drei, die alle Kaufen empfehlen, also +1 Punkt

Kriterium 7 – Reaktion auf Quartalszahlen: +2,8% (Benchmark ist der SDAX), also +1 Punkt

Kriterium 8 – Gewinnrevisionen: Werden in zwei Varianten durch die beiden verschiedenen Quellen ermittelt.

Quelle 1: keine signifikanten Änderungen, also 0 Punkte

Quelle 2: lässt sich nicht bestimmen, weil das die erste Auswertung anhand von Quelle 2 ist, so bestehen keine Vergleichswerte von vor 2 bzw. 4 Wochen. Bleibt offen, also 0 Punkte.

Kriterium 9 – Kursentwicklung über 6 Monate: +13,3%, also +1 Punkt

Kriterium 10 – Kursentwicklung über 1 Jahr: +4,6%, also 0 Punkte

Kriterium 11 – Kursmomentum: Kriterium 9 zeigt nach oben und Kriterium 10 nicht, also steigendes Momentum, d. h. +1 Punkt

Kriterium 12 – Dreimonatsreversal: wird bei Small Caps nicht betrachtet, also 0 Punkte

Kriterium 13 – Gewinnsteigerung: Da die Schätzungen für Quelle 1 und 2 übereinstimmen, für beide das Gleiche, und zwar +36%, also +1 Punkt.

Damit haben wir für die vier verschiedenen Bewertungsmöglichkeiten (2 Versionen kombiniert mit 2 Datenquellen) für die Gesamtpunktezahl die Ergebnisse: 7, 7, 6 und 6.

Es ist eine 7 dabei, also konnte ich kaufen.

Levermann-Depot aktueller Stand vom Freitag, 15.01.2021

NameinvestiertWert
ALZCHEM1.239,001.237,50
DERMAPHARM1.367,041.432,32
FINLAB1.250,801.392,40
MUTARES1.397,301.406,20
PROCREDIT1.341,001.267,00
VIB VERMÖGEN1.232,191.226,40
Depotwert:7.981,82
Cash:7.172,67
Gesamtwert:15.154,49

Mein Depot ist nun also zur Hälfte gefüllt. Ich sehe wieder zwölf Positionen vor.

Aktien.guide ist auch dabei

Als zusätzliche Quelle für mein Levermann-Experiment 2.0 habe ich einen Zugang zum Premium-Bereich auf aktien.guide spendiert bekommen, worüber ich mich sehr freue und wofür ich mich herzlich bedanke.

So kann ich auch noch damit vergleichen, sofern ich die gewünschte Aktie in diesem Portal finde. Vielleicht mache ich dadurch weniger Fehler, mal sehen.

Demnächst werde ich hier auf dem Blog vereinzelt Levermann-Bewertungen von Aktien.guide mit meinen eigenen vergleichen.

Alles zum Levermann-Experiment 2.0

Und natürlich auch zum alten Experiment findest du auf dieser Seite, die ich ungefähr wöchentlich aktualisiere:

Experiment Levermann-Depot

Disclaimer

Der hat sich gegenüber dem der alten Version nicht geändert: Ich empfehle das hier nicht zum Nachmachen.

5 Antworten auf „Levermann-Experiment 2.0 – Das Depot ist schon halbvoll“

Hallo Petra,

freut mich, dass es mit dem Experiment in veränderter Form weitergeht.
Das finde ich gar nicht schlimm. Man muss sich schließlich auch weiterentwickeln.
Bin gespannt wie es sich diesmal entwickelt.

LG,

Tobias

Hallo Petra,

ich finde „VfB Vermögen“ nicht. Meinst Du vielleicht VIB Vermögen??? Hättest Du da eine WKN oder ISIN für mich?

Gruß,
Thomas

Warum setzt Du das nicht auf Wikifolio um? Wenns läuft kannst Du dabei bleiben und hast direkt eine weitere passive Einnahmequelle (siehe Qualität, angelehnt an Susan Levermann von Leise)?

1. Ich möchte das „in echt“ haben und dokumentieren.
2. Wenn es gut läuft, kann ich mit einem echten Depot auch dabei bleiben und bin nicht den Restriktionen von wikifolio unterworfen. Außerdem ist dann alles, was ich damit erwirtschafte, meins.
2. Und „passive“ Einkommensquelle? Hahaha.

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