Kategorien
Levermann-Experiment

Besseres Bewerten im neuen Levermann-Experiment

In meinem Levermann-Artikel von vor zwei Wochen hatte ich beschrieben, wie ich es schaffen möchte, dass das neue Levermann-Experiment entspannter verläuft. Dazu gehört, im Einzelnen mit etwas mehr Augenmaß zu bewerten anstatt nur stur auf die per Excel-Tool automatisch ermittelten Scores zu achten. Denn schließlich ist das Tool mein Knecht und nicht umgekehrt. Heute zeige ich dazu zwei konkrete Beispiele. Aber zunächst wieder der Gesamtüberblick.

Keine Verkäufe oder Käufe, aber Dividendenzahlungen

In meinem Newsletter am vorigen Wochenende hatte ich bereits darüber informiert, dass es in dieser Woche auch wieder keine Käufe oder Verkäufe geben würde.

Aber es gab Dividenden, und zwar folgende zwei Zahlungen innerhalb der letzten vierzehn Tage:

  • Mutares: 98,28 €
  • ProCredit: 23,85 €

Levermann-Depot Übersicht vom 04.06.2021

NameinvestiertWert
A.S. CRÉATION TAP.1.198,291.248,00
ALZCHEM1.239,001.364,00
BET-AT-HOME.COM1.203,001.028,30
CLIQ DIGITAL1.191,001.111,85
CR CAPITAL1.152,801.118,60
DERMAPHARM1.367,041.698,00
FINLAB1.250,801.410,10
HELMA1.212,001.420,00
MUTARES1.397,302.095,95
PROCREDIT1.341,001.562,40
VIB VERMÖGEN1.232,191.400,70
VILLEROY & BOCH1.207,001.356,00
Depotwert:16.813,90
Cash:286,49
Gesamtwert:17.100,39

Das Vergleichsdepot, welches von Anfang an voll in einen SDAX-ETF investiert ist, in den Lyxor SDAX (DR) UCITS ETF (ISIN: LU0603942888), hat momentan einen Wert von 16.413,70 €.

Beispiele für manuelle Bewertungskorrekturen

Beispiel 1: Dermapharm (ISIN: DE000A2GS5D8)

Wenn ich mich streng nach meiner Auswertung vom letzten Wochenende gerichtet hätte, hätte ich diese Aktie verkaufen müssen, denn in allen meiner vier Berechnungsvarianten kamen nur 3 Punkte heraus. Auch im Aktien.guide*, den ich zum Vergleich immer gerne heranziehe, waren es nur 3 Punkte.

Wie setzt sich dieser Score zusammen?

Zunächst sind da hervorragende Werte in den ersten drei Kriterien Eigenkapitalrendite, EBIT-Marge und Eigenkapitalquote, also bis hier +3 Punkte. Dann werden jedoch für die beiden KGV-Kriterien, die in allen Varianten um die 30 bzw. 25 liegen, jeweils ein Punkt abgezogen. So bleibt bis dahin nur noch +1 Punkt.

Weiterhin sind es nun sechs Analysten mit „Kaufen“ bzw. „Aufstocken“ anstelle der bisher vier von vor einigen Wochen. So dreht sich die Bewertung dafür von +1 auf -1 Punkt. Damit sind wir wieder bei 0 Punkten.

Für die schöne Kursentwicklung über 6 Monate bzw. ein Jahr gibt es jeweils +1 Punkt und einen weiteren, weil die geschätzten Gewinne des nächsten Geschäftsjahres über den geschätzten Gewinnen dieses Jahres liegen. Alle anderen Kriterien bringen 0 Punkte. So kommen wir also auf insgesamt 3 Punkte. Das ist eigentlich ein Verkaufssignal.

Das ist in Anbetracht der guten Renditekennzahlen und der ansteigenden Gewinne, die wahrscheinlich übers aktuelle bis ins nächste Geschäftsjahr weiterhin gesteigert werden, ziemlich unverständlich.

Zum einen empfinde ich das Analysten-Kriterium als eines der schwammigsten überhaupt.

Die andere Sache sind die Gewinnrevisionen. Hier geht es darum, ob die Gewinnprognosen für das aktuelle und das nächste Geschäftsjahr gesteigert, gesenkt und ungefähr gleich gehalten wurden. Um das rechnerisch zu ermitteln, wird hier immer der Zeitraum über bis zu vier Wochen betrachtet. So gab es dafür im April noch +1 Punkt. In den letzten beiden Bewertungsrunden flachte das etwas ab, so dass nur noch 0 Punkte herauskamen. Die Entwicklung der Prognosen über die letzten Monate sieht jedoch wie folgt aus:

Grafische Darstellung der Gewinnrevisionen. Trend zeigt Steigerungen.
Quelle: de.marketscreener.com 28.05.2021

Das ist insgesamt ein Aufwärtstrend und dafür gebe ich manuell +1 Punkt. Außerdem sehe ich die Sache mit den Analysten nicht so verbissen.

In Anbetracht der guten Werte in den ersten drei Kriterien (RoE über 26%, EBIT-Marge über 18% und Eigenkapitalquote über 26%) kann ich das ruhig machen. So bleiben mindestens 4 Punkte in meiner Levermann-Bewertung und ich kann die Aktie halten.

Beispiel 2: VIB Vermögen (DE000A2YPDD0)

VIB Vermögen hatte in allen meinen automatischen Bewertungen ebenfalls nur 3 Punkte. Hier kommt in der Variante mit der alternativen KGV-Berechnung unter Verwendung meiner zweiten Quelle für die Schätzungen ein mehrjähriges KGV von 12,07 heraus. Das liegt so nahe am Grenzwert von 12 zwischen +1 und 0 Punkten, dass ich mir hier erlaube, +1 Punkt manuell zu vergeben, womit dann in dieser Variante insgesamt 4 Punkte herauskommen und die Aktie gehalten werden darf.

Außerdem gibt es in meinem Anlageuniversum momentan sowieso keine Aktien mit einem Levermann-Score ab 7 (auch nicht mit Auge zudrücken), die noch nicht in meinem Depot sind.

So bleibt also alles ganz entspannt wie es ist.

Zahlen und Transaktionen wöchentlich aktualisiert

Die stehen wie immer auf dieser Seite:

Experiment Levermann-Depot

Aktuellere Infos

Möglicherweise wird es noch Wochen und Monate dauern, bis ich irgendetwas aus meinem Levermann-Depot verkaufen und etwas Neues dafür kaufen werde. Vielleicht geht es aber auch schneller.

In meinem Newsletter informiere ich unter anderem über meine geplanten Transaktionen in diesem Depot, noch bevor ich sie selbst ausführe. Der dazugehörige Blog-Artikel erscheint immer erst eine Woche später. Die nächste Auswertung ist schon am kommenden Wochenende (Freitag, 11.06.2021).

Disclaimer

Das hier ist weder Anlageberatung noch Empfehlung. Ich sehe es als Spiel abseits meiner sonstigen Investments an.

Mit * markierte Links sind Affiliate-Links. Ich bekomme Provision, wenn du etwas darüber kaufst oder abschließt. Dir entstehen dadurch jedoch keine Nachteile.

Eine Antwort auf „Besseres Bewerten im neuen Levermann-Experiment“

Liebe Petra,

vielen Dank für die tollen Infos auf dem Blog, das sehr informative Buch und das Tool. Ich habe mich durch alles, was ich zur Levermann Methode finden konnte, durchgearbeitet und mein eigenes Portfolio begonnen (noch im Musterdepot). Ich finde es interessant, dass die Methode besser mit deutschen Small Caps zu funktionieren scheint und nicht so gut mit internationalen Large Caps. Ich frage mich, ob es daran liegen könnte, dass diese weniger Punkte für einen Kauf benötigen. Das Argument mit der Diversifizierung und dass es vielleicht besser ist, wenn nicht zuviele die gleichen kleinen deutschen Aktien nach derselben Methode handeln, aus deinem Buch konnte ich gut nachvollziehen. Ich suche jetzt zusätzlich auch bei den small/mid caps ab 500 Mio. Marktkapitalisierung weltweit (also etwas größer als die 300 Mio. von Levermann), die aber auf jeden Fall 7 Punkte für einen Kauf benötigen, auch wenn sie sehr viel größer sind. Die Auswahl ist in Deutschland gerade extrem klein, es bietet sich also an, es so zu versuchen…
LG Sabine

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.