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Katze auf LSD – etwas zur finanziellen Motivation

Ich fühle mich momentan wie eine Katze auf LSD. Ich streune durch die Gegend und freue mich darüber, dass alles so hell und bunt ist. Aber es sind keine Halluzinationen und ich habe auch nichts eingeworfen – es ist einfach pure Lebensfreude. Was hat das auf einem Finanzblog zu suchen? Eine Menge, schließlich ist das Ziel doch Freiheit und Lebensfreude, oder? Lass mich zunächst ein wenig ausholen.

Noch vor zwei Wochen war ich fast blind. Richtig gut sehen konnte ich zwar noch nie, aber in letzter Zeit ist es sehr schnell steil bergab gegangen. Wer das nicht aus eigener Erfahrung kennt, kann sich die Situation kaum vorstellen. Ich erkläre das am besten so: Von Woche zu Woche geht irgendetwas nicht mehr, das vorher noch ging, oder wird zumindest sehr viel schwerer. Dinge, die für „normale“ Menschen selbstverständlich sind, werden zum Abenteuer. Beispiele: Den richtigen Bus nehmen, mit der Zahnpasta die Zahnbürste treffen, Lebensmittel einkaufen usw.

Nun gut, das mit den Lebensmitteln gestaltete sich manchmal auch witzig, so lernte ich leckere Sachen kennen, die ich richtig sehend nie gekauft hätte. Und ja, man kann fragen, wenn man nicht weiter weiß, aber nicht immer ist jemand zur Stelle.

Wenigstens habe ich mich mit Dingen beschäftigen können, die mir Spaß machen: Schreiben (Bloggen), ein wenig an meinen Excel-Tools herumbasteln und Lesen. Klingt seltsam in Anbetracht der Situation. Aber Hochkontrastmodus und riesengroße Schrift sowie ein Lesegerät, unter das man Schriftstücke und Bücher legen kann, machten es möglich. Ansonsten war schwarz auf weiß für mich nur grauer Matsch, wie die restliche Welt auch.

Dann kam die glückliche Wende – nach langem Warten die rettende Operation. Schwer und riskant – aber ein Hoffnungsschimmer. Und was soll ich sagen: Meine Bestellungen beim Universum* wurden nicht nur erfüllt, sondern übererfüllt. Komplikationslos, das Ergebnis der Hammer! Ärzte und Petra am Strahlen. Die Oberärztin, die mich operiert hatte, kam mit ein paar Studenten im Schlepptau, um diesen „seltenen Fall“ zu zeigen.

Die ganze Situation war schon schwer genug – über Wochen und Monate hinweg. Wenn ich mir dann noch finanzielle Sorgen hätte machen müssen – nicht auszudenken! So kriege ich nun also die Kurve zum Finanzthema.

Wie schafft man es, die eigene finanzielle Situation so in den Griff zu bekommen, um sogar mit solchen oder ähnlichen Krisen fertig werden zu können, ohne als Sozialfall „bitte, bitte“ machen zu müssen? Oder auch: Wie lebt man stressfreier, kann einen ungeliebten Job ohne weiteres hinwerfen, ohne gleich etwas Neues suchen zu müssen? Wie kann man ohne die Konsequenzen fürchten zu müssen, einfach „Nö!“ zum Chef sagen?

Das Prinzip ist leicht verständlich: Geld verdienen, nicht alles ausgeben, sondern einen Teil davon sparen. Daraus Rücklagen bilden als Polster für den Notfall und darüber hinausgehendes Kapital gut investieren, dass es Früchte in Form von passivem Einkommen trägt.

Jaja, höre ich schon manche sagen, das geht doch sicher nur mit einem gut bezahlten Akademiker-Job! Darauf kann ich nur entgegnen: Nein, das funktioniert auch mit eher durchschnittlichem Einkommen.

Bei mir war das so, dass ich nach dem Studium nicht sofort einen supertollen Job mit angemessener Bezahlung gefunden hatte. In Wahrheit hatte ich zunächst gar keinen Job gefunden. Ich hatte einfach keine Ahnung, wie das geht. Ja, ich hätte mich vorher kümmern müssen, aber hätte-hätte-blabla. Ich war in meiner grenzenlosen Naivität einfach davon ausgegangen, dass mir nach einem passablen Abschluss auch ein angemessener Job zustand, aber Pustekuchen!

Als ich dann endlich doch über Umwege (Maßnahme „sponsored by Arbeitsamt“ mit anschließendem Praktikum) eine Anstellung gefunden hatte, war diese zwar hoch interessant und anspruchsvoll, aber nur tief bezahlt. Irgendwie schienen alle aus meinem Umfeld mehr zu verdienen und dafür weniger Stress zu haben als ich.

Von so einem Einkommen konnte man doch nicht noch sparen, das wäre zu viel verlangt gewesen. Das dachte ich damals und schmiss mein Gehalt mit beiden Händen regelrecht zum Fenster hinaus – für lauter Blödsinn. Am Ende des Monats rutschte ich fast immer in den Dispo. War ja kein Problem, denn im nächsten Monat ist ja immer wieder neues Geld „nachgewachsen“.

Zum Glück bin ich nach einem Jahr irgendwie aufgewacht. Ich fragte mich: Wie kann das sein, dass ich obwohl ich arbeite und – wenn auch in bescheidenem Maße – Geld verdiene, schlechter mit meinen Finanzen zurechtkomme als noch in meiner Studienzeit? Ich suchte nach Antworten und fand das Buch „Der Weg zur finanziellen Freiheit“ von Bodo Schäfer*. Damals – Ende der 1990er Jahre – war es hier noch so ziemlich das einzige zu diesem Thema. Mit den heutigen Erfahrungen stimme ich nicht allem daraus zu. Insbesondere sind seine Ausführungen über Renditen von Aktieninvestments völlig an den Haaren herbeigezogen.

Aber wie die Sache mit dem Sparen funktioniert, ohne dass das große Mühe macht, ist darin prima beschrieben. Überhaupt habe ich daraus gelernt, die richtige Einstellung zu finanziellen Dingen zu entwickeln. Erstens: Geld ist nicht schlecht und reiche Menschen sind es auch nicht automatisch. Geld verdirbt nicht den Charakter, sondern verstärkt ihn nur. Zweitens: Da am Ende eines Monats nie etwas übrig bleibt, einfach am Anfang des Monats sparen! Das versteht man darunter, sich selbst zuerst zu bezahlen. Immer gleich zehn Prozent vom Einkommen beiseite zu legen, ist ein guter Anfang. Die merkt man meistens nicht. Danach von jeder Gehaltserhöhung mindestens fünfzig Prozent auf den Sparbetrag aufschlagen. So hat man sowohl mehr Geld für seine Ausgaben zur Verfügung als auch eine höhere Sparrate.

Ich merkte schnell, dass das tatsächlich funktioniert. Nebenbei hörte ich auf, mein Geld zu verschwenden und vermisste dabei nichts. Ab und zu schaffte ich es dann auch, eine Gehaltserhöhung zu bekommen. Kurios dabei war, dass ich das sportlich angehen konnte. So funktioniert das dann auch einfacher. Wenn man etwas nicht muss, sondern kann, geht man viel entspannter an die Sache heran und das Ergebnis wird meistens besser.

Mein Polster für schlechte Zeiten hatte ich relativ schnell aufgebaut. So konnte ich mich lukrativeren Geldanlagen jenseits des Tagesgeldes widmen. Nach vielem „Try and Error“ bin ich letzten Endes vor allem bei Dividendenaktien gelandet, die für passives Einkommen in Form von Ausschüttungen sorgen.

Heute ist mein Dividendendepot zwar noch nicht so groß, dass ich mit den Dividendeneinnahmen meinen gesamten Lebensunterhalt bestreiten könnte, jedoch reicht es bereits für einen guten Teil. Ansonsten lebe ich vom Schreiben. Das betreibe ich auch als überwiegend passives Einkommen, denn ich lasse mich in der Regel nicht eins zu eins für einen Text bezahlen, sondern veröffentliche ab und zu ein Büchlein und bekomme meinen Obolus für jedes verkaufte Exemplar. So müssen das nicht unbedingt Bestseller sein, sondern sich nur immer mal wieder verkaufen, dann läppert es sich schon zusammen.

Manchmal verdiene ich auch etwas für Programmieraufträge, aber ich glaube, das lasse ich lieber ganz sein, denn irgendwie fühlt es sich an wie mein alter Job. Den hatte ich immerhin fast zwanzig Jahre lang durchgehalten, denn meistens hat er Spaß gemacht. Aber letzten Endes hatte ich „die Schnauze voll“ und war auch nicht mehr bereit, überwiegend nach der Pfeife von irgendjemand anders zu tanzen.

Eines Tages saß ich frustriert im Zug auf dem Weg nach Hause von einer meiner unsinnigen wöchentlichen Dienstreisen zur Hauptniederlassung und fragte mich: Was, wenn ich da einfach nicht mehr hinfahre? Dieser Gedanke ließ mich nicht los, so spann ich ihn weiter. Einen anderen Job zu suchen wäre für mich nur ein Wechsel von einer Zwangsjacke in eine andere gewesen. So setzte ich mich zu Hause hin und überlegte, ob es nicht ganz ohne ginge, wenn ich einfach aus meiner bis dahin nur nebenberuflichen Selbstständigkeit eine hauptberufliche machen würde.

Ich finde es besser, mich überwiegend mit Dingen zu beschäftigen, an denen ich Spaß habe. So schreibe ich, was ich will, und programmiere vor allem an meinen eigenen Tools, und zwar genau so, wie ich sie haben möchte. Ohne vorher jahrelang immer auf die Finanzen zu achten und abseits vom „Mainstream“ (Sparguthaben und Versicherungen) anzulegen, wäre mir das nicht möglich.

Nun wird nicht jedem solch ein gesundheitlicher (Fast-)Totalausfall passieren wie mir und ich möchte mir auch nicht (mehr) ausmalen, wie es werden würde, wenn es kein gutes Ende genommen hätte. Und selbst nach einer gelungenen OP könnte sich so mancher nicht das Spiel „Katze auf LSD“ gönnen (natürlich drogenfrei), also zunächst entspannen und genießen, sondern müsste sofort wieder in seinen Job zurück.

Vielleicht motiviert dich meine kleine Geschichte, deine eigenen Finanzen in den Griff zu bekommen. Ich wünsche dir viel Erfolg dabei und vor allem sehr viel Gesundheit.

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14 Antworten auf „Katze auf LSD – etwas zur finanziellen Motivation“

Petra, was für eine Geschichte! Und glücklicherweise ist die OP geglückt! Vielen Dank, dass du uns hast teilhaben lassen und alles alles Gute für die Zukunft.

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Ich wünsche Ihnen alles Gute und vor allem Gesundheit!! Lese ihre Artikel mit Freude! Leider (oder zum Glück) verläuft das Leben nicht immer „linear“ ebenso wie das Investieren…sich diesbezüglich „linear“ Aufzustellen und „regelbasiert” zu Handeln ist aber schon sinnvoll: Regel Nr.1: Anfangen; Nr.2:Durchhalten..Nr.3: Wieder Aufstehen…und ein Quentchen Glück :-))
In diesem Sinne
Grüße aus Trier

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Toller Beitrag Petra. Glückwunsch und noch eine gute Erholung für deine Gesundheit. Ich finde deinen Beitrag hochmotivierend und liefert viel Inspirationen! Gerne mehr davon!
Liebe Grüße, Manuel

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Viel Kraft und Gesundheit für die Zukunft!!!
Mir erging es in damals finanziell ähnlich. Nach der ersten Ausbildung, habe ich gelernt mit wenig Geld auszukommen und sogar was zurückzulegen.

Letztendlich habe ich mich nicht selbstständig gemacht, sondern habe vor 11 Jahren den Beruf und damit auf eine 75% Stelle gewechselt.
Wegen Corona habe ich mich breitschlagen lassen, wieder Vollzeit zu arbeiten…
Die Arbeit macht Spass, aber wenn ich Zuhause sitze, fühlt es sich leer und falsch an.

Ich werde auf jeden Fall meine Arbeitszeit nächstes Jahr wieder reduzieren ! Meine Freizeit widme ich zwei Ehrenamter, einem Garten und Sachen die mir Spass machen.

PS. Durch deinen Blog habe ich vieles gelernt. Meine erste Aktien habe ich dank dir gekauft 🙂

Glück Auf, bis demnächst

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Liebe Petra, genau darum geht es bei der Geldanlage – man erkauft sich damit das Recht auch einmal „Nein“ zu sagen. Finde deinen Text wirklich sehr inspirierend. Ich persönlich habe jetzt meine wöchentliche Arbeitszeit auf 30 Stunden reduziert. Das hätte ich mich ohne finanziellen Puffer niemals getraut.
Glückwunsch auch zu der erfolgreichen OP, vermutlich wirst du dadurch jetzt noch produktiver als du ohnehin schon bist?!

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Liebe Petra Wolff,
wie toll, dass Ihre Augen OP so wunderbar gelungen ist!
Ihr Blog ist immer lesenswert, auch wenn ich mich seit 1995 von Aktienkäufen verabschiedet habe…schade eigentlich…ich könnte heut´ anders dastehen… aber da ist eine so tief versteckte Angst und auch Ablehnung in meinem Unterbewusstsein…und da komm ich nicht ran.
Aber, wie gesagt, ich liebe Ihren Blog dennoch … und der heutige Titel, „Katze auf LSD“, ist wieder mal echt gelungen! Viel Freude weiterhin bei den Streifzügen!

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Hi Petra, ich wünsche dir für deine Zukunft viel Gesundheit – und nie wieder einen gesundheitlichen Totalausfall. Auch ich hatte einen; mein Herz wollte nicht mehr Anfang des Jahres; auch bei mir ist noch mal alles gut gegangen!

Seit einigen jahrne lese ich nun deinen Blog und möchte dir für das vermittelte Wissen danken. So viel wertvolle Information – und das kostenlos. Vielen, vielen Dank!

Stefan

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Liebe Petra,

herzlichen Glückwunsch zur gelungenen OP. ich hoffe, dass du mit deinen Augen nun keine Beschwerden mehr haben wirst.

Danke für die Infos auf der Website und in den Mails.

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Liebe Namensvetterin,
ich habe hier noch nie etwas kommentiert, aber lese deinen Blog schon seit Jahren. Ich hatte keine Ahnung, dass du fast blind gewesen bist und mir kamen fast die Tränen als ich deine Geschichte las. Du hast wirklich genug mit dir selbst zu tun und umso bewundernswerter ist es, dass du uns an deinem Wissen teilhaben lässt. Ich habe mich in der ganzen Zeit nie gefragt wie es dir eigentlich geht. Ein schönes Beispiel dafür, dass ich oft nur das mitkriege, was mich eben persönlich interessiert. Jedenfalls wünsche ich dir viel Kraft für alles was noch kommen wird und freue mich mit dir, dass die OP geglückt ist.

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Uuuh, was lese ich da! Herzlichen Glückwunsch zum erfolgreichen Eingriff. Bitte, wenn möglich, mit Allem weiter so wie vorher. Alles erdenklich Gute!

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