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Levermann-Experiment 2.0: Ein neuer Kauf und warum ich nicht in der Werbung arbeiten kann

Es ist eine spannende Zeit. Nach und nach verkünden die meisten Unternehmen, wie schlimm oder auch nicht das Geschäftsjahr 2020 abgeschlossen werden konnte. Es gibt dazu endlich konkrete Zahlen und demnächst die entsprechenden Jahresabschlüsse.

So wird es vielleicht einige Änderungen auf dem Spielfeld geben, denn bestimmt sind neue TOP-Scorer dabei, während andere von der Bildfläche verschwinden – natürlich nur aus der Liste mit den hohen Levermann-Bewertungen.

Ich habe in der letzten Woche Aktien von Villeroy & Boch als neunte meiner zwölf vorgesehenen Positionen gekauft. Zunächst zeige ich wie immer meine aktuelle Depotübersicht. Danach gehe ich auf Details zur Levermann-Bewertung meines Neuerwerbs ein.

Inhalt

Levermann-Depot, Stand vom 12.03.2021

NameinvestiertWert
ALZCHEM1.239,001.358,50
CR CAPITAL1.152,801.135,60
DERMAPHARM1.367,041.387,20
FINLAB1.250,801.451,40
HELMA1.212,001.350,00
MUTARES1.397,301.762,20
PROCREDIT1.341,001.557,00
VIB VERMÖGEN1.232,191.228,50
VILLEROY & BOCH1.207,001.276,00
Depotwert:12.506,40
Cash:3.600,87
Gesamtwert:16.107,27

Zum Vergleich: Das voll investierte Benchmark-Depot, bestehend aus nur einem SDAX-ETF hat zum Börsenschluss am 12.03.2021 einen Wert von 15.484,50 €.

Villeroy & Boch in der Levermann-Bewertung

Als ich vor einer Woche meine Auswertungen zum „Levermann-Experiment 2.0“ durchgeführt habe, gab es endlich neue Zahlen zu Villeroy & Boch.

Das ist eine Aktie, die ich schon eine Weile beobachtet hatte. Sie hatte schon mehrere Auswertungsrunden lang 6 Punkte erreicht. Allerdings galt dabei immer noch 2019 als letztes abgeschlossenes Geschäftsjahr und aus eigenen Aussagen des Unternehmens ging hervor, dass das Ergebnis 2020 wohl schlechter ausfallen würde als das des Vorjahres.

Deshalb war ich vorsichtig und wollte auf jeden Fall die neuen Zahlen abwarten, bevor ich manuell aus 6 Punkten 7 machen und die Aktie kaufen würde. Denn ich befürchtete, dass mit den neuen Zahlen vielleicht eine schlechtere Levermann-Bewertung herauskäme, wodurch diese Aktie sehr schnell wieder aus dem Depot verschwinden müsste. Solche Dinge hatte ich im Vorgängerexperiment beobachten können und dieses Mal wollte ich es besser machen.

Am 17.02.2021 hatte das Management verkündet, dass die Ergebnisse doch nicht so sehr eingebrochen waren, wie aufgrund der Corona-Pandemie zuerst erwartet. Im zweiten Halbjahr konnten sie kräftig aufholen. Nun sind die Zahlen dazu auf den Finanzseiten und damit auch in meiner Auswertung gelandet.

Die rein rechnerischen Rentabilitätskennzahlen (RoE und EBIT-Marge) sind zwar recht niedrig, aber insgesamt nicht schlechter als im Vorjahr. Bei dieser Art von Geschäft ist es logisch, dass nicht so hohe Margen herauskommen können als z. B. für Beteiligungsunternehmen oder digitale Geschäftsmodelle. Villeroy & Boch ist eine produzierende Firma. Die brauchen Rohstoffe und einiges an „echter Arbeitskraft“. So sind die Kosten von vornherein höher, womit unterm Strich weniger übrig bleibt.

Deshalb habe ich in meiner Bewertung ein Auge zugedrückt und für die EBIT-Marge von 5,6% anstelle von -1 Punkt manuell 0 Punkte vergeben, die es normalerweise erst ab 6% gibt. So komme ich insgesamt auf 7 Punkte.

Nun die Details meiner Levermann-Bewertung. Schätzungen habe ich nur aus einer Quelle, und zwar de.marketscreener.com und auch nur für das Jahr 2021, für 2022 gibt es noch keine.

RoE 2020

= Ergebnis nach Steuer : Eigenkapital

Ergebnis nach Steuer 2020: 22,6 Mio. €

Eigenkapital 2020: 252 Mio. €

(Quelle: finanzen.net)

RoE 2020: 22,6 : 252 = 8,97%

-1 Punkt

EBIT-Marge 2020

= Operatives Ergebnis (EBIT) 2020 : Umsatz 2020

Operatives Ergebnis 2020: 44,90 Mio. €

Umsatz 2020: 800,90 Mio. €

(Quelle: finanzen.net)

EBIT-Marge 2020: 44,90 : 800,90 = 5,61%

Eigentlich -1 Punkt, gebe manuell 0 Punkte

Anmerkung: Auf der IR-Webseite von Villeroy & Boch wird in den News vom 17.02., also der Zahlenverkündung, ein operatives EBIT von 49,7 Mio. € anstelle der bei finanzen.net angegebenen 44,9 Mio. € genannt. Damit kommt für die EBIT-Marge 49,7 : 800,9 = 0,062 = 6,2% heraus. So würden sogar 0 Punkte herauskommen und meine kleine Nachjustierung wäre überflüssig.

Eigenkapitalquote 2020

EK-Quote 2020: 26,34%

(Quelle: finanzen.net)

+1 Punkt

KGV mehrjährig

= Kurs : EPS-Durchschnitt

Kurs (05.03.2021 Xetra-Schluss): 15,00 € (Quelle: onvista.de)

EPS 2018: 1,27 €

EPS 2019: 3,04 €

EPS 2020: 0,86 €

(Quelle: finanzen.net)

EPS 2021e: 1,21 €

(Quelle: de.marketscreener.com)

EPS-Durchschnitt = (1,27 € + 3,04 € + 0,86 € + 1,21 €) : 4 = 1,60 €

KGV = 15 : 1,6 = 9,4

+1 Punkt

KGV aktuell

= Kurs : EPS 2021e

KGV aktuell = 15,00 : 1,21 = 12,4

0 Punkte

Analystenempfehlungen

2 Analysten, beide geben Note 10 (kaufen)

(Quelle: de.marketscreener.com)

+1 Punkt

Reaktion auf Quartalszahlen

Datum der Zahlen: 17.02.2021

Benchmark: SDAX

Kursentwicklung vom 16.02.2020 zum 17.02.2020 (jeweils Xetra-Schlusskurse): +0,97%

Entwicklung SDAX vom 16.02.2020 zum 17.02.2020: -1,09%

(Quelle für die Kurse: onvista.de)

Differenz (Reaktion auf QZ): 0,97% – (-1,09%) = 2,06%

+1 Punkt

Gewinnrevision

EPS 2021e: 1,21 €

EPS 2021e (sowohl vor 2 als auch vor 4 Wochen): 1,12 €

(Quelle: de.marketscreener.com)

Änderung: +8,04%

+1 Punkt

Kursentwicklung über sechs Monate

Kurs 05.03.2021: 15,00 €

Kurs 04.09.2020: 11,55 €

(beides Xetra-Schlusskurse, Quelle: onvista.de)

Entwicklung: +29,87%

+1 Punkt

Kursentwicklung über ein Jahr

Kurs 05.03.2021: 15,00 €

Kurs 05.03.2020: 13,30 €

(Quelle: onvista.de)

Entwicklung: +12,78%

+1 Punkt

Kursmomentum

Kein Wechsel zwischen Entwicklung über ein Jahr und Entwicklung über sechs Monate

0 Punkte

Dreimonatsreversal

Wird nicht betrachtet, da es ein Small Cap ist.

0 Punkte

Gewinnwachstum

EPS 2020: 0,86 €

EPS 2021e: 1,21 €

(da 2022e noch fehlt)

Gewinnwachstum: +40,7%

+1 Punkt

Levermann-Score – Summe über alle Kriterien

-1+0+1+1+0+1+1+1+1+1+0+0+1 = 7

Vergleich mit dem Aktien.guide

In letzter Zeit habe ich meine Auswertungen immer mit denen vom Aktien.guide* verglichen, sofern die Aktie dort gelistet ist.

Für Villeroy & Boch ist das der Fall, allerdings kam hier am letzen Wochenende insgesamt ein Levermann-Score von -1 Punkt heraus. Wie kann so etwas zustande kommen?

Zunächst einmal stehen bis auf minimale Rundungsabweichungen für die ersten drei Kriterien RoE, EBIT-Marge und Eigenkapitalquote die gleichen Zahlen wie bei meiner Auswertung drin. Da im Aktien.guide alles vollautomatisch läuft und niemand wie ich bei der EBIT-Marge manuell nachgebessert hat, kommen dafür -1, -1 bzw.+1 heraus. (Bei mir waren es -1, 0, +1)

Weiterhin stellt die Datenquelle, die den Aktien.guide beliefert, keine EPS-Schätzungen für 2021 und 2022 bereit. Nun ist es im Aktien.guide so geregelt, dass wenn nur eine Komponente zur Berechnung eines Kriteriums fehlt, das ganze Kriterium nicht berechnet wird und automatisch -1 Punkt bekommt. Also werden dort alle Kriterien, in denen Schätzungen verwendet werden, abgewertet. Das sind KGV mehrjährig, KGV aktuell, Gewinnrevision und Gewinnwachstum. Damit gibt es noch eine Handvoll Minuspunkte, insgesamt -4. (Bei mir gab es dafür +1, 0, +1 bzw. +1)

Die anderen Kriterien liefern die gleichen Punktezahlen wie bei mir. Es gibt in den Daten des Aktien.guide zwar nur einen Analysten, aber auch der sagt „kaufen“.

Zur Reaktion auf Quartalszahlen wurde der CDAX herangezogen anstelle des SDAX, den ich als Vergleichsindex für alle kleinen Aktien aus Deutschland verwende. Aber auch im Aktien.guide kommt eine Differenz von mehr als +2% heraus.

Der rein rechnerisch „schlechte Score“ von -1 beruht also nicht auf schlechten, sondern auf fehlenden Zahlen. Als Vorsichtsmaßnahme für solche vollautomatischen Systeme ist das meiner Meinung nach in Ordnung, denn es geht auf Nummer sicher.

Die Stärke des Aktien.guide* besteht eher in der Berechnung des Scores für große Aktien, überhaupt in der Berechnung für viele Aktien – immerhin mehr als 6.000 Stück. Es werden dort nach und nach immer mehr hinzugefügt.

Villeroy & Boch – das Unternehmen

Für meine Artikel zur neuen Auflage meines Levermann-Experimentes beschränke ich mich nicht mehr nur auf die Kriterienliste und die daraus resultierende Punktezahl, sondern schaue mir auch die Unternehmen etwas genauer an.

Ich finde das besonders interessant, weil ich mich auf kleine Unternehmen aus Deutschland spezialisiere. Da lässt sich bestimmt auch für Investoren, die nicht streng nach einer Levermann-Strategie vorgehen, die eine oder andere interessante Aktie finden. Oftmals von Firmen ganz in der Nähe, mit einem „Ach ja, diese Firma kenne ich“, und großer Freude, wenn sie sich dann auch noch als gutes Investment herausstellt.

Villeroy & Boch ist so eine Firma. Wenn man einen Hersteller von Kloschüsseln und Waschbecken nennen soll, denkt man doch unwillkürlich an Villeroy & Boch. Sie selbst schreiben auf Ihrer Investor-Relations-Seite den Slogan

Unsere Kompetenz: Keramik

(am 12.03.2021 auf https://www.villeroyboch-group.com/de.html)

Ich gebe zu, das klingt ein wenig feiner als „Geschissen wird immer.“ Das würde mir nämlich spontan einfallen, wenn ich mir einen Slogan für Villeroy & Boch oder ein kurzes Argument für den Kauf der Aktie ausdenken müsste. Naja, ich habe nie in der Werbung gearbeitet und habe so etwas auch nicht vor – und das ist gut so.

Aber mal im Ernst, die machen ja noch viel mehr als nur Klosetts. Auf deren „normaler Webseite“ sieht man die Kategorien

  • Bad & Wellness
  • Dining & Lifestyle
  • Fliesen
  • Küche
  • Wohnen

Darunter etliche Produkte – fast alles außer Polstermöbeln und Schrankwänden.

Bei der Aktionärsstruktur fällt der hohe Freefloat von mehr als 80% der Anteile auf. An zweiter Stelle mit über 11% folgt die Villeroy & Boch AG selbst.

Sie zahlen sogar eine schöne Dividende von über 3%, und das ohne sich zu verausgaben. Da überlege ich mir direkt, ob ich mir demnächst noch ein paar Villeroy & Boch für mein ausschüttungsorientiertes Depot kaufe, unabhängig vom Levermann-Experiment.

Alles zum Levermann-Experiment 2.0

Neben der Depotübersicht und dem Stand des Benchmark-Depots sämtliche Transaktionen, Dividendenzahlungen, alles Zahlen aus echten Abrechnungen, etwa einmal wöchentlich aktualisiert, findest du auf dieser Seite:

Experiment Levermann-Depot

Auch die Daten zu meinem vorigen Levermann-Experiment, das über fünf Jahre (von Januar 2016 bis Dezember 2020) lief, sind von der obigen Seite aus verlinkt. Außerdem, was ich aus dem ersten Experiment gelernt habe und im neuen beachten möchte sowie eine Kurzbeschreibung zur Levermann-Strategie.

Wenn du über meine geplanten Käufe und Verkäufe innerhalb des aktuellen Levermann-Experimentes informiert werden möchtest, noch bevor ich sie selbst ausführe, abonniere meinen Newsletter.

Disclaimer

Die Levermann-Strategie ist ziemlich speziell und ich empfehle sie niemandem zum Nachmachen. Ich selbst sehe diese Strategie nach wie vor als Spiel und praktiziere sie deshalb nur innerhalb eines kleineren Extra-Depots.

Mit * markierte Links sind Provisionslinks.

Eine Antwort auf „Levermann-Experiment 2.0: Ein neuer Kauf und warum ich nicht in der Werbung arbeiten kann“

Bei Villeroy&Boch ist ein aktivistischer Investor am Ball und will Expansionsgelüste eindämmen. Er will eine höhere Ausschüttung erreichen.
„Ein aktivistischer Aktionär will mit einer höheren Ausschüttung bei Villeroy & Boch deren Übernahme des Bad-Ausrüsters Ideal Standard verhindern.“
Gut für die Dividenden-Rendite.
siehe finanzen.net am 11.3.

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