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Levermann-Experiment

Levermann-Experiment 2.0: Kauf CR Capital, Besonderheiten bei der Bewertung

Meine letzte Levermann-Auswertung hatte ich vor einer Woche durchgeführt, nach dem Börsenschluss am Freitag, 05.02. Als Ergebnis daraus habe ich am Montag Aktien der CR Capital Real Estate (ISIN: DE000A2GS625) gekauft.

Damit sind insgesamt acht der zwölf Plätze in meinem kleinen Levermann-Depot besetzt. Ich zeige nun wieder die aktuelle Depotübersicht, gehe danach auf Besonderheiten in der Bewertung meines Neuerwerbs ein und stelle die Firma vor.

Inhalt

Levermann-Depot, Stand vom Freitag, 12.02.2021

NameinvestiertWert
ALZCHEM1.239,001.254,00
CR CAPITAL1.152,801.166,20
DERMAPHARM1.367,041.517,04
FINLAB1.250,801.587,10
HELMA1.212,001.237,50
MUTARES1.397,301.616,24
PROCREDIT1.341,001.260,00
VIB VERMÖGEN1.232,191.224,30
Depotwert:10.862,38
Cash:4807,87
Gesamtwert:15.670,25

Vier von meinen zwölf vorgesehenen Plätzen sind also noch frei. Genügend Cash ist dafür vorhanden.

Besonderheiten in der Levermann-Bewertung

Die Aktie der CR Capital Real Estate ist ein Beispiel dafür, dass automatisch durchgeführte Auswertungen Fehler haben können. In diesem Fall lieferte mein Excel-Tool nämlich noch keine Kaufempfehlung. Erst nach manueller Korrektur hatte die Aktie die erforderlichen 7 Punkte.

Wie bin ich dann überhaupt auf diese Aktie gestoßen? Oder anders gefragt: Gibt es eine Methode, solche Fälle aufzuspüren, für die eine manuelle Korrektur der Auswertung lohnen könnte?

Es geht hier um Aktien, zu denen auf den Finanzseiten die Daten für das letzte abgeschlossene Geschäftsjahr nicht oder nur unzureichend angegeben sind. Damit sind dann auch einige Bewertungskriterien nicht aktuell.

Mit dem abgeschlossenen Geschäftsjahr ist das überhaupt besonders jetzt so eine Sache. Eigentlich ist für die Firmen das Geschäftsjahr 2020 längst beendet. Aber da die Daten dafür noch nicht vorliegen – sie kommen meistens erst im März – gilt noch 2019 als letztes abgeschlossenes Jahr. Mit dieser Ungenauigkeit leben auch die Levermann-Auswertungen – sowohl meine als auch professionell angebotene, wie die vom Aktien.guide*.

Allerdings gibt es Unternehmen, für die sogar die Daten für 2019 nur unzureichend auf den Finanzseiten bzw. in den Datenbanken der dazugehörigen Datenlieferanten eingepflegt sind. Dann identifizieren automatische Auswertungen noch 2018 als letztes abgeschlossenes Geschäftsjahr.

Und hier habe ich angesetzt. Unter solchen Aktien habe ich gesucht. Das beantwortet die Frage, wie ich auf CR Capital gestoßen bin.

Es handelt sich dabei meistens um sehr kleine Firmen. Zwar ist es riskanter, in Aktien kleinerer Unternehmen zu investieren, dafür haben diese aber oftmals ein höheres Steigerungspotenzial. Deshalb habe ich mich in diesem Experiment wieder auf kleine Unternehmen beschränkt.

Meistens lassen sich fehlende Daten aus dem jeweils letzten Geschäftsbericht gewinnen und diesen Bericht inklusive Jahresabschluss findet man in der Regel auf der Webseite des Unternehmens im Bereich „Investor Relations“.

So korrigiere ich Auswertungen manuell. Im Fall von CR Capital Real Estate kamen nach der Korrektur insgesamt tatsächlich 7 Punkte heraus.

Ein Patentrezept, um solche Treffer zu landen, gibt es allerdings nicht. Es ist zum Teil Glückssache. Ich orientiere mich meistens daran, ob es Schätzungen und ein bis zwei positive Analystenmeinungen gibt und ob die Kursentwicklung über die letzten sechs Monate gut aussieht. Das könnten Kandidaten für manuelle Nachkorrekturen sein.

Was für eine Firma ist CR Capital Real Estate?

Ich schaue mir nicht nur die (korrigierte) Levermann-Bewertung, sondern auch die Firma an sich an. Womit verdienen die dort ihr Geld?

Nach eigener Aussage auf deren Webseite investieren sie in innovative Unternehmen entlang der Immobilienwertschöpfungskette.

Wow – solche Wortkompositionen gibt es wohl nur in der deutschen Sprache!

Was verstehe ich denn unter „Immobilienwertschöpfungskette“? Ich nehme es wörtlich und frage mich: Wie kann man aus Immobilien Wert schöpfen?

Erstens kann man bauen. Zweitens kann man kaufen, aufwerten und wieder verkaufen.  Drittens kann man verwalten und vermieten. Das geht mit Wohn- oder Gewerbeimmobilien. Das ist das, was ich mir in meinem gesunden Halbwissen unter „Immobilienwertschöpfungskette“ vorstelle.

Und so in etwa sieht es laut Webseite der CR Capital AG auch aus. Dort sind drei Segmente aufgeführt:

  • Terrabau
  • CR Global Care
  • CR Financial Services

Terrabau baut eben. CR Global Care wertet auf. CR Financial Services macht Finanzkram. Genau so steht es natürlich nicht dort, sondern etwas gehobener ausgedrückt. Die Originaltexte tragen Anzug und Krawatte und meine Texte eher Freizeitkleidung.

Was soll man auch auf so eine Webseite schreiben? Ob ihr Geschäft nun besonders innovativ ist, wie in ihrer Selbstdarstellung betont, geht daraus nicht hervor.

Ich sehe das so: Immobilien werden gebraucht, Immobilien sind begrenzt. Wenn man davon Ahnung hat und gut wirtschaftet, ist das ein gewinnträchtiges Geschäft und fertig.

Die CR Capital AG sind die Leute mit der Kohle dahinter. Ihr Geschäft besteht aus Investitionen. Deshalb gilt die Aktie im Sinne der Levermann-Bewertung als Finanzaktie.

Levermann-Bewertung im Detail

Dieses Mal kann ich das nicht mit der Auswertung des Aktien.guide vergleichen, weil CR Capital AG darin nicht ausgewertet wird.

Beim letzten Mal hatte ich eine besonders ausführliche Levermann-Auswertung in mehreren Varianten gezeigt. Es ging dabei um HELMA Eigenheimbau. (siehe Levermann-Experiment 2.0: Heute in superlanger Deluxe-Variante)

Da ich Schätzungen zur CR Capital AG nur aus einer meiner zwei verwendeten Datenquellen habe, gibt es heute nur eine einzige Auswertungsvariante. Hier der „Spickzettel“ mit der Erklärung der einzelnen Kriterien: Levermann-Strategie kurzgefasst – das Original.

Und hier die Auswertung:

RoE 2019          

RoE = Jahresergebnis : Eigenkapital

Jahresergebnis 2019 = 92,5 Mio. € (Quelle Geschäftsbericht 2019, Konzern-Gesamtergebnisrechnung, Zahl gerundet)

Eigenkapital 2019 = 125,1 Mio. € (Quelle Geschäftsbericht 2019, Konzern-Bilanz, Zahl gerundet)

RoE = 92,5 : 125,1 = 0,739 = 73,9%

+1 Punkt

EBIT-Marge 2019

Wird bei Finanzunternehmen nicht betrachtet.

0 Punkte

Eigenkapitalquote 2019

91,4% (Quelle: Geschäftsbericht 2019 – ganz vorne unter „auf einen Blick“)

+1 Punkt

KGV mehrjährig

KGV = aktueller Kurs : Durchschnitts-EPS von 2017 bis 2021e

EPS 2017 = 1,57 € (Geschäftsbericht 2018, vorne “Kennzahlen” – wegen Split halbiert)

EPS 2018 = 2,13 € (Geschäftsbericht 2019, vorne “auf einen Blick“)

EPS 2019 = 24,69 € (Geschäftsbericht 2019, vorne “auf einen Blick“)

EPS 2020e = 12,06 € (de.marketscreener.com per 06.02.2021)

EPS 2021e = 11,16 € (de.marketscreener.com per 06.02.2021)

EPS-Durchschnitt: 10,32 €

Aktueller Kurs: 33,40 € (Xetra 05.02.2021, 17:36:22, Quelle onvista.de)

KGV = 33,40 € : 10,32 € = 3,24

+1 Punkt

KGV aktuell

KGV = aktueller Kurs : EPS 2020e

= 33,40 € : 12,06 € = 2,77

+1 Punkt

Eigentlich sind diese KGV-Zahlen für solche Beteiligungsunternehmen ziemlich gewagt. Besonders hohe oder niedrige Ergebnisse können durch außergewöhnliche Geschäftsvorgänge wie z. B. massive Verkäufe oder Neubewertung von Bestand verursacht werden. Aber bei solchen Unternehmen besteht das meiste Geschäft aus „besonderen“ Vorgängen. Allerdings habe ich kein besseres System, also nehme ich es so hin.

Analystenmeinungen

Anzahl Analysten: 1

Note: 10 (Kaufen)

Quelle: de.marketscreener.com per 06.02.2021

+1 Punkt

Reaktion auf Quartalszahlen

Datum für Zahlen: 03.02.2021 (Quelle News-Meldung von der Webseite der CR Capital AG)

Das ist kein offizielles Quartalszahlendatum. Aber an diesem Tag wurde ein vorläufiges Ergebnis für das Geschäftsjahr 2020 verkündet. Zitat:

Starkes vorläufiges Ergebnis für das Geschäftsjahr 2020

Nahezu unbeeinflusst von der COVID-19 Pandemie konnte CR Capital den erfolgreichen Weg in 2020 fortsetzen und weiter profitabel wachsen. Nach vorläufigen, noch ungeprüften Zahlen erzielte die Gesellschaft ein Jahresüberschuss von 45 Mio. EUR. Die Eigenkapitalquote wird bei über 90 % und der NAV bei über 42 EUR je Aktie erwartet.

Ich halte es für legitim, dieses Datum für das QZ-Kriterium heranzuziehen.

Benchmark: SDAX

Quelle für die Kurse: onvista.de

Schlusskurse CR Capital:

02.02.2021: 29,50 € (Xetra)

03.02.2021: 31,30 € (Xetra)

Entwicklung = 6,10%

SDAX:

02.02.2021: 15.569,92 (Xetra)

03.02.2021: 15.676,57 (Xetra)

Entwicklung = 0,68%

QZ-Reaktion = Entwicklung Aktie – Entwicklung SDAX = 6,10% – 0,68% = 5,42%

+1 Punkt

Gewinnrevision

Aktuelles Jahr:

EPS 2020e vor 4 und vor 2 Wochen: 6,35 €

EPS 2020e jetzt: 12,06 €

Entwicklung: 89,9%

Nächstes Jahr:

EPS 2021e vor 4 und vor 2 Wochen: 7,62 €

EPS 2021e jetzt: 11,16 €

Entwicklung: 46,5%

 (Quelle: de.marketscreener.com per 06.02.2021)

+1 Punkt

Kursentwicklung über sechs Monate

05.08.2020: 31,20 €

05.02.2021: 33,40 €

Entwicklung = 7,05%

(Quelle: onvista.de, Xetra-Schlusskurse)       

+1 Punkt

Kursentwicklung über ein Jahr

05.02.2020: 40,80 €

05.02.2021: 33,40 €

Entwicklung = -18,14%

(Quelle: onvista.de, Xetra-Schlusskurse)       

-1 Punkt

Kursmomentum

Entwicklung über 6 Monate +1 Punkt und Entwicklung über 1 Jahr -1 Punkt, also steigend

+1 Punkt

Dreimonatsreversal

Wird nicht betrachtet, da Small Cap.

0 Punkte

Gewinnwachstum

EPS 2020e = 12,06 € (Quelle: de.marketscreener.com per 06.02.2021)

EPS 2021e = 11,16 € (Quelle: de.marketscreener.com per 06.02.2021)

Entwicklung = -7,5%

-1 Punkt

Levermann-Score

1+0+1+1+1+1+1+1+1-1+1+0-1 = 7

7 Punkte

Die Aktionärsstruktur der CR Capital AG

Dieses Unternehmen hat eine Marktkapitalisierung von nur gut 100 Mio. €. Wem gehört es eigentlich? Hier bin ich auf eine Aufteilung gestoßen, die mich ein wenig überrascht hat: Über die Hälfte der Aktien wird durch die MPH Health Care AG gehalten. Der Rest ist im Streubesitz.

MPH ist mir bereits über den Weg gelaufen. MPH steht für Mittelständische Pharma Holding. Das ist auch so eine Firma, die in andere investiert, aber vor allem im Medizinbereich.

Deren Aktie hatte ich tatsächlich in meinem ersten Levermann-Depot, und zwar vom 25.08.2016 bis zum 10.07.2017. Sie hatte mir eine Rendite von über 30% gebracht. Momentan hat sie jedoch negative Levermann-Bewertungen.

Das ist nur ein Kuriosum nebenbei und spielt für meinen Kauf der CR Capital AG keine Rolle.

Noch ein Argument für CR Capital

Als ich die Meldung vom 03.02. gelesen habe, um zu entscheiden, ob ich den 03.02. als Datum für die Reaktion auf Zahlen akzeptiere, ist mir noch etwas aufgefallen.

In der Meldung stand, dass ein NAV von über 42 € je Aktie erwartet wird. NAV steht für Net Asset Value. Auf Deutsch: Nettoinventarwert. Der Aktienkurs vom 06.02. war jedoch nur 33,40 €. Man würde demnach also weniger zahlen als das Ganze wert wäre. Wenn das mit dem NAV stimmt, ist das für mich noch ein Argument für diese Aktie, auch wenn das mit der Levermann-Bewertung nichts zu tun hat.

Alles zu diesem Experiment

Depotübersicht und Transaktionsliste, Verlinkung zu allen Levermann-Artikeln, auch zum vorigen Experiment Levermann-Depot:

Experiment Levermann-Depot

Aktuellere Informationen über meine Auswertungsergebnisse

Hier auf meinem Blog schreibe ich immer erst eine Woche nach meiner Auswertung über die durchgeführten Käufe oder Verkäufe und alles was damit zusammenhängt.

Aber jeweils gleich am Sonntag nach meiner Levermann-Auswertung informiere ich in meinem Newsletter (neben anderen Themen) vorab über meine geplanten Transaktionen, also noch bevor ich sie selbst ausführe. Die dazugehörigen Auswertungsdetails zeige ich in Kurzform. Wenn dich das interessiert, hier erfährst du Weiteres zum Newsletter.

Fertige Auswertungen

Für über 6.000 Aktien der ganzen Welt stellt der Aktien.guide* wöchentlich automatisch erzeugte Levermann-Auswertungen zur Verfügung. Darüber hinaus werden Auswertungen nach einer weiteren Strategie (HGI = High Growth Investing) bereitgestellt.

Für 195 Aktien gibt es das Ganze gratis. Ansonsten sind die Preise dafür äußerst fair. Hier sind sie einsehbar: Preismodelle zum Aktien.guide*.

Im Aktien.guide kann man auch gezielt nach Aktien suchen, bei denen einzelne Kennzahlen besonders gut ausgeprägt sind, z. B. Aktien mit hoher Eigenkapitalrendite usw. Auch wenn man nicht streng nach den dort ausgewerteten Strategien investiert, kann ein derartiges Tool recht nützlich sein, um Ideen für lukrative Investments zu finden.  

Disclaimer

Das alles hier ist keine Empfehlung zum Nachmachen. Überhaupt betreibe ich dieses Levermann-Depot nur aus Spaß nebenbei. Außerdem kann ich mich in meiner Argumentation auch irren. Dann ist es eben so.

Mit * gekennzeichnete Links sind Affiliate-Links. Für jeden Abschluss darüber erhalte ich eine kleine Provision.

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