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Fünf Jahre Experiment Levermann-Depot – Endstand

Ich habe es tatsächlich fünf Jahre durchgehalten! Eigentlich ist das im Kontext von Aktieninvestments ein verhältnismäßig kurzer Zeitraum. Diese Fünfjahresperiode hatte es jedoch in sich. Sie enthielt fast alles, was möglich ist: großartige Aufwärtsphasen, seitwärts dümpelnde Ungewissheit und einen Crash. Ein geeigneter Parkour für eine Quant Strategie, die von sich behauptet, in jeder Phase automatisch gut zu funktionieren. Darauf komme ich später noch einmal zurück. Zunächst die Daten und Fakten:

Der Verlauf im Vergleich zum Benchmark-Depot

Wertverläufe des Levermann-Depots und eines Vergleich-Depots aus 2 ETFs über fünf Jahre

Das Benchmark-Depot ist ein Musterdepot aus zwei ETFs, die in etwa meinem Anlageuniversum entsprechen. Es wurde (auf dem Papier) zum gleichen Zeitpunkt mit der gleichen Summe gestartet wie mein echtes Depot und einfach in Ruhe gelassen.

Wie man sieht hat mein Levermann-Depot es im letzten halben Jahr nicht mehr geschafft, den Rückstand aufzuholen, obwohl es wieder eine ansehnliche Performance hingelegt hat.

Während sich das Benchmark-Depot seit Beginn der allgemeinen Aufwärtsbewegung nach dem Crash gleich wieder erholen konnte, war mein Depot zunächst fast leer. Die Levermann-Scores der meisten meiner Aktien waren im Crash unter die erforderliche Punktezahl gefallen,  und so musste laut Regelwerk verkauft werden – natürlich „schön“ im Minus.

Es dauerte ein wenig, bis ich mein Depot wieder mit Aktien mit hohem Score füllen konnte. So verpasste mein Investment also den Anfang der Aufwärtsbewegung.

Die beiden Depotübersichten am 30.12.2020

In beiden Depots wurde mit jeweils 12.000 € Startkapital im Januar 2016 begonnen.

Mein Levermann-Depot

Levermann-Depot Übersicht

Das Benchmark-Depot aus zwei ETFs

Vergleich-Depot Übersicht

Die Transaktionen und deren Kosten

ZeitspanneKäufeVerkäufemit GewinnKosten EUR
Jan-Jun 161571260,44
Jul-Dez 161283207,40
Jan-Jun 17774161,62
Jul-Dez 17775164,63
Jan-Jun 1811126243,38
Jul-Dez 1810122218,90
Jan-Jun 1914112259,75
Jul-Dez 1911114210,08
Jan-Jun 2017174258,95
Jul-Dez 2066385,74
gesamt11098342.070,89

Endlich sieht man, dass die Transaktionskosten seit dem Wechsel zu einem anderen Online-Broker gesunken sind.

Die Performance

Was im obigen Chart nur grob zu sehen ist, ist hier noch einmal in genauen Zahlen dargestellt.

Von Beginn an

Bis ZeitpunktLevermann-Depot2-ETF-Depot
Ende Jun 2016+0,6%+0,6%
Ende Dez 2016+28,8%+14,4%
Ende Jun 2017+55,2%+22,6%
Ende Dez 2017+62,9%+31,0%
Ende Jun 2018+49,4%+32,7%
Ende Dez 2018+25,1%+15,5%
Ende Jun 2019+36,0%+36,0%
Ende Dez 2019+57,0%+50,8%
Ende Jun 2020+9,1%+35,4%
Ende Dez 2020+36,4%+58,9%

6-Monats-Performance

ZeitspanneLevermann-Depot2-ETF-Depot
Jan-Jun 16+0,6%+0,6%
Jul-Dez 16+28,0%+13,7%
Jan-Jun 17+20,5%+7,1%
Jul-Dez 17+5,0%+6,9%
Jan-Jun 18-8,3%+1,2%
Jul-Dez 18-16,3%-13,0%
Jan-Jun 19+8,7%+17,7%
Jul-Dez 19+15,4%+10,9%
Jan-Jun 20-30,5%-10,2%
Jul-Dez 20+25,0%+17,4%

Realisierte Gewinne/Verluste inkl. Dividenden

Hier sind nur die echten Gewinne und Verluste zu sehen ohne Beachtung zwischenzeitlicher Kursbewegungen. Steuern und Transaktionskosten sind darin berücksichtigt.

Zeitspannerealisiert innerhalbrealisiert gesamt
Jan-Jun 16-225,84 EUR-225,84 EUR
Jul-Dez 16+91,13 EUR-134,71 EUR
Jan-Jun 17+1.335,66 EUR+1.200,95 EUR
Jul-Dez 17+2.121,56 EUR+3.322,51 EUR
Jan-Jun 18+1.565,54 EUR+4.888,05 EUR
Jul-Dez 18-920,89 EUR+3.967,16 EUR
Jan-Jun 19-1.214,22 EUR+2.752,94 EUR
Jul-Dez 19+3.006,62 EUR+5.759,56 EUR
Jan-Jun 20-4.888,96 EUR+870,60 EUR
Jul-Dez 20+958,74 EUR+1.829,34 EUR

Vollautomatisch auf dem „entspannten Weg zum Reichtum“?

Das Buch von Susan Levermann heißt Der entspannte Weg zum Reichtum *. Darin stellt sie ihre Strategie vor. Es ist eine sogenannte Quant Strategie, in der es darum geht, durch ein Punktesystem immer einen Korb voll Aktien zu haben, der in seiner Gesamtheit besser performt als der Durchschnitt.

Das heißt aber nicht, dass alle dadurch ausgewählten Aktien zwangsläufig Gewinner sein werden, aber die Gewinner sollen überwiegen.  Über Verkäufe wird ebenfalls regelbasiert entschieden.

So etwas ist der Traum vieler Investoren. Etwas, das ihnen sagt, was und vor allem wann sie es kaufen und verkaufen sollen. Ein schöner Traum – aber zurück zur Realität!

Die Idee dahinter ist aufgrund der überwiegend vernünftigen Kriterien nicht schlecht und zum Großteil funktioniert sie auch – aber eben nicht in jeder Situation.

Der Aufwand für die Auswertungen ist auch nicht unbeträchtlich. Egal, ob man das akribisch genau macht oder eher grob, ob man ein Tool verwendet oder nicht, man muss sich auf jeden Fall regelmäßig darum kümmern.

Ich habe schon seit längerem den Eindruck, dass die Strategie für Aktien kleinerer Unternehmen (Small Caps) besser funktioniert als für große. Außerdem sollte man in Ausnahmesituationen wie dem Corona-Crash die Regeln brechen dürfen und sich dann unabhängig von der Gesamtpunktezahl auf die fundamentale Stärke der ausgewählten Aktien verlassen können. Das ist besser als das System durch vermeintlich hilfreiche Modifikationen zu verschlimmbessern.

Fazit: Vom Prinzip her ja – zumindest phasenweise, aber nicht immer vollautomatisch. Sieh nochmal auf meinen obigen Chart. Das kommt dabei heraus, wenn man auf „Teufel komm raus“ alle Signale befolgt.

Ist das nun das Ende?

Kennst du das? Du schaust einen Film, der ist superspannend, aber dann hat er kein zufriedenstellendes Ende. Ich hasse so etwas!

Das hier ist zwar kein Film, aber ein Ende des Experimentes mit ein paar allgemeinen Bemerkungen bzw. vagen Vermutungen reicht mir nicht.

Ich habe schon seit Wochen ein paar weiterführende Untersuchungen zum Thema „Levermann-Strategie und wie sie funktionieren kann“ angestellt, habe ein paar Tests mit meinen eigenen Daten durchgeführt und Levermann-wikifolios analysiert.

Die Erkenntnisse daraus möchte ich der Welt nicht vorenthalten. Also erscheint dazu zeitnah ein weiterer Blog-Artikel. Ich denke, das wird übermorgen sein.

Kleiner Spoiler: Mein Fünf-Jahres-Experiment ist zwar beendet, aber es gibt einen Neustart. Genaueres dazu demnächst.

Disclaimer

Nein, ich würde diese Strategie noch immer nicht jedem empfehlen, genauso wenig wie ich von so etwas abrate. Mein Standardsatz dazu ist „Nicht hirnlos nachmachen, dann lieber gar nicht!“ Das hier ist keine Anlageberatung. Liest überhaupt jemand einen Disclaimer? Wahrscheinlich nicht.

Alles zum Experiment Levermann-Depot

Und jetzt noch einen guten Rutsch ins neue Jahr!

Mit * markierte Links sind Affiliate-Links.

7 Antworten auf „Fünf Jahre Experiment Levermann-Depot – Endstand“

Hallo Petra,
Vielen Dank für die ausführliche Auswertung. Ich habe während der Zeit vieles gelernt und bin gespannt, wie‘s weiter geht.

Ich wünsche Dir auch einen guten Start ins neue Jahr.

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Habe auch den Disclaimer gelesen 🙂
Ich schaue hier immer wieder gerne vorbei, da es fast immer einen Mehrwert gibt und sich die Themen oftmals von anderen Blogs erfreulich absetzen. Darüber hinaus merkt man, wieviel Zeit du investierst. Ich wünsche dir einen guten Rutsch!

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Hallo Petra,
natürlich fällt der Disclaimer nicht unter den Tisch 🙂
Ich möchte dir auch für deinen Blog danken. Den einen oder anderen Excel-Tipp habe ich gut nutzen können, wenn ich auch meine eigenen Tabellen nutze. Natürlich wäre ein vergleichbarer ETF noch entspannter. Aber wer Excelformeln mag, ist mit der Leverman-Strategie m. E. auch gut beraten.
Meine Jahresrendite beläuft sich für 2020 immerhin auf +51,8%.
Ich wünsche allen weiterhin viel Erfolg!

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Hallo,
habe mit Levermann andere Erfahrungen gemacht: Den Corona-Crash im Frühjahr 2020 hatte ich im Spätsommer ausgebügelt und bin nun exorbitant im Plus. Gerade in der Krise trimmen sich Unternehmen, die in der Levermann-Bewertungsliste auftauchen, auf Effizienz, drücken Kosten, sparen – um nun zum Jahreswechsel kräftig outzuperformen. Beispiel gefällig: Abo Wind, Ökoworld, Reach plc, Games Workshop, Finlab, Wallstreet Online. Sind inzwischen tolle Aktien seit der Corona-Krise.
Schade, dass du so früh das Handtuch geworfen hast und Levermann so kritisch siehst.

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Danke für 5 Jahre mit viel fleißiger, akkurater und transparenter Arbeit. Danke, dass wir daran teilnehmen durften, und dass es scheinbar auch noch weiter geht.

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