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Experiment Levermann-Depot: Warum Aktien mit sieben oder mehr Levermann-Punkten keine Kaufkandidaten sein müssen

Es läuft noch, mein Experiment Levermann-Depot, auch wenn ich in letzter Zeit weniger darüber schreibe. Aber es läuft aus. Nicht in dem Sinne, dass ich jetzt kneife und das Spiel beende, sondern die Aktien verabschieden sich eine nach der anderen aus dem Portfolio.

Die Strategie folgt nun einmal einem Punktesystem und wenn eine Aktie unter eine bestimmte Punktezahl fällt, wird sie verkauft – ohne Pardon. Ich verkaufe ab drei Punkten abwärts. Gekauft werden kann eine Aktie, wenn sie eine Mindestpunktezahl erreicht. Ich habe dafür sieben Punkte vorgegeben.

In den letzten Bewertungsrunden sind die Scores der Aktien in meinem Levermann-Depot nur so gepurzelt, was zum Großteil an der Corona-Krise und deren Auswirkungen liegt. Aktienpreise fallen, Gewinnprognosen werden nach unten revidiert. Das alles geht negativ in die Levermann-Bewertung ein.

Gestern war wieder Levermann-Bewertungstag. Der ist bei mir immer alle vierzehn Tage jeweils zum Wochenschluss. Das Ergebnis des letzten Bewertungslaufes ist ein weiterer Verkauf.

Heute zeige ich das Ganze mal wieder etwas ausführlicher. Ansonsten trage ich alles einfach auf der zentralen Seite zum Levermann-Depot ein.

Depotübersicht vom Freitag, 24.04.2020

Levermann-Depot Übersicht

Da fehlt wirklich nichts. Es sind nur drei Aktien im Depot. Eine davon werde ich nächste Woche auch noch verkaufen.

Geplante Transaktionen

In den letzten Jahren hatte ich zwar meine Transaktionen immer erst nach deren Ausführung bekannt gegeben, denn ich wollte mir selbst die Preise nicht verderben. Aber da hatte die Levermann-Strategie noch sehr viele Anhänger und es handelte sich oftmals um Aktien mit geringem Streubesitz. Das ist jetzt beides nicht der Fall.

Ein Verkauf

Methode Electronics muss kommende Woche gehen. Hier meine Bewertung dazu:

Bewertung: 2020-04-24 Methode Electronics US5915202007

  • RoE 2019: 13,28% –> 0 Pkt.
  • EBIT-Marge 2019: 12,57% –> 1 Pkt.
  • EK-Quote 2019: 56,00% –> 1 Pkt.
  • KGV über (bis zu) 4 Jahre: 16,4 –> -1 Pkt.
  • KGV aktuell: 8,8 –> 1 Pkt.
  • Analysten: Anzahl: 3, Meinung: 8,33 –> 1 Pkt.
  • Reaktion auf Quartalszahlen: Datum: 05.03.2020, Benchmark: Dow Jones 30 Industrial, Differenz: 5,67% –> 1 Pkt.
  • Gewinnrevisionen: aktuelles Jahr: 3,41->3,41->3,17 (-7,04%), nächstes Jahr: 3,59->3,59->3,29 (-8,36%) –> -1 Pkt.
  • Kursentwicklung 6 Monate: -15,75% –> -1 Pkt.
  • Kursentwicklung 1 Jahr: -6,04% –> -1 Pkt.
  • Kursmomentum: –> 0 Pkt.
  • Gewinnwachstum: 3,79% –> 0 Pkt.
  • gesamt: 1 Pkt.

Ich werde diese Aktie also in der nächsten Woche abstoßen.

Käufe?

Eigentlich besteht die Idee dieser Strategie darin, zu jeder Zeit voll investiert zu sein und damit immer die „besten“ Aktien zu haben. Momentan ist es schwierig, überhaupt kaufenswerte Aktien zu finden. Zwar gibt es immer mal wieder Aktien mit sieben oder mehr Levermann-Punkten. Aber nur, weil mein Excel-Tool eine hohe Punktezahl ausgerechnet hat, muss so etwas noch lange kein Kaufkandidat sein.

Beispiele mit hoher Punktezahl und warum ich sie nicht kaufe

Ich schaue einfach mal in die letzte Auswertung, die Tobias auf seiner Seite langfristig-gedacht.de veröffentlicht hat. Die stammt zwar bereits vom 12.04., aber um Ideen für hohe Punktezahlen zu bekommen, ist das OK. Er benutzt dazu mein Excel-Tool und gibt als Ergebnis einfach das wieder, was in der ersten Berechnungsvariante herauskommt, ohne die Daten zu hinterfragen oder Bewertungen im Detail anzusehen. Das soll keine Kritik sein, denn das ist auch für 6.000 Aktien kaum möglich.

In besagter Auswertung hatten die folgenden sechs Aktien 7 oder mehr Punkte:

  • Renewable Energy Group (US75972A3014) (8 Punkte)
  • Kojamo (FI4000312251) (7 Punkte)
  • Lindt (CH001057076) (7)
  • Montea SICAFI SCA (BE0003853703) (7)
  • Plus500 (IL0011284465) (7)
  • CLIQ Digital (DE000A0HHJR3) (7)

Das heißt, ich hätte sie schon bei meiner letzten Auswertung vor 14 Tagen kaufen können. Was hat für mich dagegen gesprochen bzw. was spricht für mich dagegen?

Renewable Energy Group hat und hatte in der Auswertungsvariante, die ich für mein Experiment verwende, nur 6 Punkte anstatt 8. Ich verwende eine andere Berechnung für das KGV-Kriterium über mehrere Jahre. Details dazu sind auf der Übersichtsseite zum Experiment Levermann-Depot unter „Meine Strategieanpassungen“ beschrieben.

Kojamo würde ich als Finanzwert einstufen. Dann bekommt (und bekam) sie einen Punkt weniger, da die EBIT-Marge nicht betrachtet wird. Außerdem kann mein Tool zu finnischen Aktien keine Benchmark auswerten. Die Aktie ist mir nicht vielversprechend genug, um hier manuellen Aufwand zu betreiben.

Lindt hat in meiner Auswertungsvariante nur 5 anstelle von 7 Punkten. Aber das spielt keine Rolle. Da eine Lindt-Aktie schon über 6.000 EUR kostet, kommt sie nicht für mein Experiment in Frage.

Montea wird von mir als Finanzwert eingestuft. Dann fällt der Punkt für die EBIT-Marge weg und die Aktie hatte und hat nur noch 6 Punkte.

Bei Plus500 sind vier Kriterien offen. Das ist mir einfach zu viel Aufwand, die dafür erforderlichen Daten herauszufinden und manuell einzutragen.

CLIQ Digital hat eine Marktkapitalisierung von nur knapp 27 Mio. EUR. Die Aktie wird im Live-Trading mit einem Spread (Unterschied zwischen Verkauf- und Kauf-Preis) von fast 5 % gehandelt, auch zur normalen Handelszeit. Das heißt, nach dem Kauf muss die Aktie 5 % steigen, damit ich bei Plusminus null bin. Nun könnte ich zum Kauf eine Limit-Order aufgeben, um nicht zu viel zu bezahlen. Wenn ich Glück habe, klappt der Kauf dadurch zu einem vernünftigen Preis. Aber wenn die Punktezahl kippt, werde ich die Aktie nicht so schnell ohne zusätzliche Einbuße los. Die Punktezahl kann hier zu schnell kippen, denn die Margen sehen nicht gut aus. Die hohe Punktebewertung basiert meiner Meinung nach auf kurzfristigen Launen. Ich zeige hier die Bewertungsdetails:

Bewertung: 2020-04-24 CLIQ Digital DE000A0HHJR3

  • RoE 2019: 4,70% –> -1 Pkt.
  • EBIT-Marge 2019: 7,55% –> 0 Pkt.
  • EK-Quote 2019: 65,64% –> 1 Pkt.
  • KGV über (bis zu) 4 Jahre: 9,3 –> 1 Pkt.
  • KGV aktuell: 8,8 –> 1 Pkt.
  • Analysten: Anzahl: 1, Meinung: 10 –> 1 Pkt.
  • Reaktion auf Quartalszahlen: Datum: 02.04.2020, Benchmark: SDAX, Differenz: 13,57% –> 1 Pkt.
  • Gewinnrevisionen: aktuelles Jahr: 0,50->0,50->0,50 (0,00%), nächstes Jahr: 0,55->0,55->0,55 (0,00%) –> 0 Pkt.
  • Kursentwicklung 6 Monate: 115,69% –> 1 Pkt.
  • Kursentwicklung 1 Jahr: 62,36% –> 1 Pkt.
  • Kursmomentum: –> 0 Pkt.
  • Gewinnwachstum: 10,00% –> 1 Pkt.
  • gesamt: 7 Pkt.

In meiner aktuellen Bewertung habe ich noch eine Watchlist mit vielversprechenden Aktien durchlaufen lassen und darunter zwei mit sieben oder mehr Punkten gefunden. Das sind:

  • Innoviva (US45781M1018) (7 Punkte)
  • Pan African Resources (GB0004300496) (8 Punkte)

Für Innoviva (ehemals Theravance) sind die Daten bei Marketscreener noch nicht aktuell. Dort zählt das Jahr 2019 noch nicht als abgeschlossen. Deshalb entsteht bei der Ermittlung der Schätzungen für das aktuelle und das nächste Geschäftsjahr ein wenig „Kuddelmuddel“. Diese Aktie ist auch verdammt volatil und die Levermann-Strategie reagiert meistens sehr langsam. Deshalb bin ich nicht so begeistert davon, dass ich hier großen Aufwand in manuelle Nachpflege stecken möchte. Übrigens war diese Aktie schon einmal in meinem Depot. Aber das spielt für meine Überlegungen keine Rolle.

Pan African Resources ist ein Pennystock mit einem Spread jenseits von Gut und Böse und kommt deshalb trotz hoher Punktezahl nicht in Frage. Ein Beispiel aus der Bewertung: erwarteter Gewinn je Aktie im aktuellen Geschäftsjahr: 0,02, im nächsten: 0,03, also eine Steigerung von 50 %. 🙂

Ist Überperformance mit der Levermann-Strategie irgendwann wieder möglich?

Ich habe mir als Benchmark ein aus zwei ETFs bestehendes Vergleichsdepot definiert, in welchem nie Transaktionen durchgeführt werden, natürlich außer den initialen Käufen jeweils eines MSCI-World-ETF und eines ETF über europäische Small Caps.

Während der ersten vier Jahre meines Experimentes hatte das Levermann-Depot die Nase vorn. Zwischendurch, nach dreieinhalb Jahren, war zwar Gleichstand, aber im letzten halben Jahr hatte sich die Levermann-Strategie wieder etwas abgesetzt.

Jetzt ist Levermann hinter das Vergleich-Depot zurückgefallen. Kein Wunder, denn es wurden in letzter Zeit nur noch Verluste realisiert. Jetzt sind nur noch drei bzw. nächste Woche zwei Aktien im Depot, während die „Märkte“ sich schon etwas vom Crash erholt haben und damit auch das voll investierte Vergleich-Depot.

Aber wer weiß, sollte das nur eine zwischenzeitliche Erholung sein und es geht möglicherweise noch einmal ein Stück im freien Fall nach unten, wird ein nur schmal investiertes Depot natürlich im Vorteil sein.

Ich will nicht mutmaßen oder raten, denn meistens liege ich falsch. Ich ziehe das Spiel einfach weiter durch. Ende Juni wird ein weiteres Halbjahr geschafft sein und wie immer wird es eine ausführliche Auswertung dazu geben.

Die Levermann-Landschaft verändert sich

Besonders in letzter Zeit, während es in meinem Levermann-Experiment stärker nach unten ging als sonst, habe ich mich gefragt, was wohl die Betreiber von Webportalen rund um Levermann so machen. Das Ergebnis hat mich keineswegs erstaunt:

Ein Anbieter kostenpflichtiger Levermann-Scores bietet diesen Service inzwischen nicht mehr an. Seine Webseite besteht nur noch aus dem Impressum. Ein anderer hat beim kurzen Draufblicken auf mich den Eindruck gemacht, als hätte er von kostenpflichtig wieder auf kostenlos umgestellt. Aber da habe ich mich geirrt. Ein dritter hat seine Inhalte schon vorher erweitert und sich nicht mehr nur auf Levermann verlassen.

Ich verzichte bewusst auf Nennung von Namen oder URLs, denn das ist nur eine Feststellung und keinesfalls wertend aufzufassen.

Meine Einstellung zur Levermann-Strategie

Ich bin in dieser Situation genauso wenig enttäuscht wie ich in Phasen rasanten Wertanstiegs euphorisch war. Ich bleibe neutral und leicht skeptisch wie immer.

Das geht allerdings nur deshalb, weil ich das Ganze nur im Rahmen eines Experimentes mit einem kleinen Portfolio betreibe. Ansonsten fahre ich eine ganz andere Strategie. Hätte ich mehr in Levermann investiert, hätte ich schon längst die Reißleine gezogen oder würde das vielleicht jetzt tun.  

Mein Depot-Umzug ist komplett

Um langfristig ein paar Transaktionskosten zu sparen, hatte ich vor ein paar Monaten angefangen, mit meinem Levermann-Depot von der Consorsbank zur onvista bank umzuziehen. Allerdings ohne Depotübertrag, stattdessen nach und nach durch Verkaufen auf der einen Seite und Kaufen auf der anderen Seite nach dem Geldtransfer. In letzter Zeit ging das schnell und nun ist das gesamte Levermann-Experiment bei der onvista bank.

Mein Consorsbank-Depot ist nun leer. Ich werde es für meine neue Challenge (Investieren aus dem Nichts) verwenden.

Ausblick

Ich mache mit meinem Levermann-Experiment weiter. Nach Kaufkandidaten schaue ich auch ab und zu zwischendurch. Die beiden Aktien im Depot bewerte ich jedoch erst in vierzehn Tagen wieder.

Disclaimer

Nur der Vollständigkeit halber: Bitte nicht einfach so nachmachen! Aber ich denke, momentan macht das bestimmt keiner mehr einfach so nach.

9 Antworten auf „Experiment Levermann-Depot: Warum Aktien mit sieben oder mehr Levermann-Punkten keine Kaufkandidaten sein müssen“

Hallo Petra,

danke für den ausführlichen Beitrag und wie du Kaufkandidaten für dich nochmal „ausfilterst“.
Dieses Wochenende gibt es bei mir auch wieder eine neue Liste.
Aktuell habe ich viel um die Ohren, ich konnte noch nicht einmal einen eigtnlich schon fast fertigen Beitrag zum Charity-Depot veröffentlichen. Aber bald wird es hoffentlich wieder ruhiger.

Ich wünsche dir weiterhin viel Erfolg, auch mit deinen anderen Experimenten.

LG,

Tobias

Gefällt 1 Person

Hallo Petra,

ich finde gut, dass du weiterhin an deinem Experiment festhältst.
Ein Langzeit Experiment geht halt nun mal auch nur über Langzeit.

Wenn man mal die Performance des Wikifolios „Qualität, angelehnt an Susan Levermann“ heran zieht, weißt dieses eine jährliche Durchschnittsrendite von ca. 17% auf; was ein fantastischer Wert ist. Wenn man dies mit dem SDAX vergleicht hat dieser im gleichen Zeitraum 11% im Jahr performt.

Hier muss man jedoch sagen, dass dort andere Kriterien gewählt werden. Z.B. US Werte sind nicht dabei bzw. gar keine Auslandswerte. Nur deutsche Titel.

Generell ist es interessant zu beobachten, was für unterschiedliche Strategien jeder daraus ableitet.

In der Tat sitzt man laut Levermann Strategie aber momentan auf so gut wie nur Cash.

Ich wünsche gutes Gelingen weiterhin und bleibt alle gesund!

Gefällt 1 Person

Hallo Petra,

danke für den Beitrag! Ich verfolge deinen Blog schon eine Weile und finde gut, dass du weiterhin an dem Experiment festhälst.

Nun ein Frage zu deinem Excel Tool: Ich habe festgestellt, dass es nur noch die Hälfte der Daten aus dem Internet zieht. RoE LJ, EBIT-Marge-LJ, EK-Quote, alle EPS, Kurse vom Vortrag sowie Benchmark (auch Vortag) können nicht mehr gezogen werden.

Hast du das bei dir auch schon festgestellt?

Danke und viele Grüße,

Liken

Hallo Petra,

jetzt geht dem Experiment die Puste wohl aus.
Deine 14-tägigien Auswertungen kommt nicht mehr.

Tobias letzte Liste ist vom 4.5.2020

CLIQ Digital wäre eine gute Investition gewesen übrigens. Seit deinem Beitrag hier ist die Aktie um knapp 30% gestiegen.

Weiterhin ist eine Überperformance mit der Strategie möglich. Stephan Pflug zeigt es mit seinem Wikifolio das im Schnitt +17,9% im Jahr seit Auflage gemacht hat (stand: 23.05.2020); inkl. Börsen Krisen 2016, 2018 und 2020.

Marco K. hat es schon angesprochen. Dein Tool funktioniert glaube ich nicht mehr.

Wie wird es nun weitergehen. Wird das Experiment langsam auf ein Nebengleis gestellt?

Gruß

Michael

Liken

Doch Michael, meine 14-tägigen Auswertungen führe ich nach wie vor durch, nur schreibe ich nicht jedes Mal einen Artikel dazu. Das hatte ich aber übrigens schon vor der Krise beschlossen und hier auch kommuniziert. Das hier ist schließlich kein „Levermann-Blog“.
Und auch mein Tool läuft nach wie vor, jedenfalls bei mir.
Ich trage nach wie vor an jedem Wochenende die aktuellen Zahlen auf der Seite dazu ein: https://petrawolff.blog/experiment-levermann-depot/
Auch die Zahlen von dieser Woche werde ich noch eintragen und es wird auch demnächst wieder einen Blog-Artikel zum Experiment geben.

Liken

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