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Mein ETF-Weltportfolio – so hab ich’s gebaut

Meine erste Begegnung mit ETfs lässt sich verkorkst nennen. Das war im Jahr 2008. Ich hatte einen Sparplan auf einen MSCI-World-ETF gestartet. Dieser wurde zweimal ausgeführt. Dann wurde der ETF aufgelöst und meine Anteile eingelöst – für etwas weniger als ich dafür bezahlt hatte. Ich war bockig. Das Thema Investieren in Exchange Traded Funds war für mich zunächst durch – für etwa sieben Jahre.

Nachdem ich jedoch 2015 das Buch Souverän investieren mit Indexfonds und ETFs* von Gerd Kommer gelesen hatte, war ich von dessen passiver Investmentstrategie recht angetan. Inzwischen gab es auch viel mehr ETFs als damals und viele waren schon so groß, dass eine Auflösung eher unwahrscheinlich sein würde.

Also beschloss ich, mir ein Weltportfolio zu konstruieren – wie vom Autor beschrieben. Das wollte ich dann über Sparpläne füllen.

Wer Genaueres zu meiner ETF-Geschichte von 2008 wissen möchte, findet hier mehr Details: ETF-Auflösung in der Krise? Wenn ja, was tun? Damals war übrigens auch Krise.

*

Der zweite Anlauf

Auch wenn mich eine neue Anlagestrategie begeistert, werfe ich nicht gleich alles, wie ich es bis dahin gemacht hatte, über den Haufen. Bis dahin hatte ich in Einzelaktien investiert und war damit im Großen und Ganzen gut gefahren.

Also beschloss ich, gleich mal gegen eine Empfehlung von Gerd Kommer zu verstoßen, und zwar gegen die, nicht in Einzelaktien zu investieren. Über meinen Investmentansatz in Einzelaktien und mein Aktiendepot hatte ich vor ein paar Tagen geschrieben: Investieren kann so einfach sein – egal ob Crash oder nicht.

Mein „Weltportfolio“ baute ich parallel dazu auf. Zunächst musste ich es planen. Also nahm ich mir das Schema aus dem Buch (in der Auflage von 2015) vor und arbeitete es ab.

Risikobehafteter und risikoarmer Depotanteil

Wie viel Risiko würde ich aushalten? Bleibe ich im Crash cool? Naja, einigermaßen. Zumindest weiß ich von mir selbst, dass ich niemals überstürzt handle. So entschied ich mich für 10 % risikoarmen Anteil – wenigstens als Alibi.

Die erste Aufteilung war also fertig: 90 % mit relativ hohem Risiko, 10 % mit relativ niedrigem.

Der risikoarme Anteil

Hierfür kamen laut Empfehlung von Dr. Kommer Anleihen in Frage. Es sollte ein ETF auf kurzlaufende Staatsanleihen mit AAA- bzw. AA-Rating sein.

Der risikobehaftete Anteil

Dieser sollte sich aus vier Teilen zusammensetzen:

  • Aktien aus entwickelten Ländern (55 %)
  • Aktien aus Schwellenländern (25 %)
  • Immobilienaktien global (10 %)
  • Rohstoffe (10 %)

Der Teil „Aktien aus entwickelten Ländern“ sollte aus

  • großen Aktien = Large Caps (50 %)
  • kleinen Aktien = Small Caps (50 %)

bestehen.

Jeder dieser beiden Teile wiederum aus jeweils

  • Nordamerika (40 %)
  • Westeuropa (44 %)
  • Asien und Pazifik (16 %)

Also hangelte ich mich durch alle Verzweigungen und rechnete die Anteile bezogen auf das gesamte Investment aus, natürlich gerundet:

  • Large Caps aus Nordamerika (10 %)
  • Large Caps aus Westeuropa (11 %)
  • Large Caps aus Asien/Pazifik (4 %)
  • Small Caps aus Nordamerika (10 %)
  • Small Caps aus Westeuropa (11 %)
  • Small Caps aus Asien/Pazifik (4 %)
  • Aktien aus Schwellenländern (22 %)
  • Immobilienaktien global (9 %)
  • Rohstoffe (9 %)
  • Kurzlaufende AAA-/AA-Staatsanleihen (10 %)

Dann machte ich mich daran, dieses Gerippe mit Fleisch zu füllen und suchte nach passenden ETFs. Ich wollte möglichst keine synthetischen ETFs und es sollten Ausschütter sein, denn wenn ich mir schon die Mühe machte, so etwas zu konstruieren, wollte ich durch laufende Erträge belohnt werden.

Die Vorgaben waren allerdings nicht zu 100 % erfüllbar.

*

Was machte ich anders?

Passende ETFs auf Asien/Pazifik – jeweils einen über Aktien großer und Aktien kleiner Unternehmen konnte ich nicht finden. Ich entschied mich für den Kompromiss, einen über den Nikkei, also nur Japan, und einen Asia-Pacific ex Japan (ohne Japan) zu verwenden und die Aufteilung in große und kleine Unternehmen für diese Region wegzulassen. Mag sein, dass es heute passende ETFs zur Groß-Klein-Aufteilung gibt, aber ich habe das bis heute so gelassen.

Anstelle eines globalen Immobilienaktien-ETFs wählte ich einen europäischen, weil mir das besser gefiel.

Rohstoffe schütten natürlich keine Erträge aus. Beim Rohstoff-ETF musste ich also auf Ausschüttungen verzichten.

Mit der Auswahl für den risikoarmen Teil konnte ich mich nicht so richtig anfreunden. Wie langweilig! Das konnte ich das Geld ja gleich auf dem Tagesgeldkonto lassen. Letzten Endes entschied ich mich für einen ETF über Anleihen der G7-Staaten mit etwas längerer Laufzeit.

So richtete ich also passende Sparpläne ein und ließ diese in Ruhe laufen, bis auf insgesamt drei Feinjustierungen, bei denen ich jeweils einen ETF gegen einen anderen austauschte. Zwei davon deshalb, weil die Auswahl der sparplanfähigen ETFs erweitert wurde, und ich entscheidend bessere fand. Der dritte Austausch war eine grundlegende Änderung, und zwar entschied ich mich, Rohstoffe völlig aus dem Weltportfolio zu verbannen und stattdessen US-Immobilien hinzuzunehmen. Über das Warum hatte ich einen Artikel geschrieben: Rohstoff-ETFs – ja oder nein? Wie ich das für mich entschieden habe.

Die aktuellen Bestandteile meines Weltportfolios

Diese ETFs werden von mir weiterhin regelmäßig bespart:

  • iShares MSCI North America UCITS ETF (WKN: A0J201)
  • Deka MSCI Europe UCITS ETF (WKN: ETFL28)
  • Xtrackers Nikkei 225 UCITS ETF 1D (WKN: DBX0NJ)
  • iShares S&P SmallCap 600 UCITS ETF (WKN: A0Q1YY)
  • iShares STOXX Europe Small 200 UCITS ETF (DE) (WKN: A0D8QZ)
  • Vanguard FTSE Developed Asia Pacific ex Japan UCITS ETF Distributing (WKN: A1T8FT)
  • iShares MSCI Emerging Markets UCITS ETF (Dist) (WKN: A0HGWC)
  • iShares European Property Yield UCITS ETF (WKN: A0HGV5)
  • iShares US Property Yield UCITS ETF (WKN: A0LEW6)
  • iShares Global Government Bond UCITS ETF USD (Dist) (WKN: A0RGEM)

Warum denn einfach, wenn‘s auch kompliziert geht?  😉

Das denken sich manche vielleicht, wenn sie das hier lesen. Das Rebalancing muss doch der Horror sein, oder? Aber so kompliziert ist das gar nicht. Ich schaue einfach am Ende des Jahres, wie viel Prozente die einzelnen ETFs ausmachen und verteile den monatlichen Sparbetrag neu, so dass Positionen die der Vorgabe „hinterherhinken“ mehr bekommen und für die anderen die Futterzufuhr gedrosselt wird. Das ist alles.

Würden anstelle der Aufteilung auf die einzelnen Regionen nicht auch ein ETF auf den MSCI World und einer auf den MSCI Emerging Markets Index genügen, oder noch einfacher einer auf  den FTSE All World Index?

Ja, natürlich würde das auch reichen, vor allem dann, wenn man erst mit kleineren Sparraten anfängt. Dann wäre eine so kleinteilige Aufspaltung ohnehin nicht möglich.

Ein Vorteil meiner Aufteilung in mehrere ETFs besteht darin, dass das Ganze nicht so USA-lastig ist. In den globalen ETFs stecken immer mindestens zur Hälfte US-amerikanische Aktien.

Das ist im Grunde genommen aber auch nicht so schlimm, denn es geht um weltweit agierende Konzerne. Die meisten haben ihren Sitz in den USA. Deshalb lässt sich darüber streiten, was besser ist.

Ich bleibe jedenfalls bei meiner Aufteilung. Insgesamt reicht dieses Portfolio über fast 4.000 Aktien und über 700 Anleihen und zahlt insgesamt 31 Mal im Jahr an mich, wobei die Beträge von Jahr zu Jahr steigen, schon dadurch, dass die ETFs immer weiter von mir bespart werden.

Fazit

Das hier soll weder zeigen, wie man es machen sollte, noch wie man es nicht machen sollte. Es zeigt einfach nur ein Beispiel aus meiner eigenen Praxis.

Inzwischen gibt es eine neue Version des Buches von Gerd Kommer. Er hat einiges darin überarbeitet und stellt neue Konzepte vor.

Mit * gekennzeichnete Links sind Affiliate-Links, für Käufe oder Abschlüsse darüber bekomme ich eine kleine Provision, die dich nichts extra kostet. Danke.

7 Antworten auf „Mein ETF-Weltportfolio – so hab ich’s gebaut“

Oha, in der Tat: das ist mehr als kompliziert und definitiv schwer zu rebalancen als Mittelschicht-Angehöriger. Übrigens musst du nicht nur die ETFs in ihre Anfangsgewichtung zurücjbringen, sondern auch prüfen, ob denn die Anfangsgewichtung später noch richtig ist im Sinne der Marktkapitalisierung oder des BIP. Das ist immer ein zusätzliches Problem rein regionale ETFs.

Es gibt ja bei Kommer auch deutlich einfachere Möglichkeiten, zum Beispiel den risikoreichen Teil einfach mit nem ETF auf den ACWI bzw. seine IMI-Variante abzudecken.

Ich habe mich für eine 3-ETF-Variante plus Tagesgeld entschieden: https://www.buzznews.de/2018/07/06/aufbau-strategie-und-taktik-meines-weltportfolios-mit-3-etfs-zur-altersvorsorge/

Kleine Ergänzung zu deinem risikoarmen Teil mit Staatsanleihen: Du hast ein wichtiges Kriterium vergessen: Sie müssen zwingend in der Heimatwährung des Anlegers sein, andernfalls sind sie nicht sicher, wie Kommer darlegt.

Small Caps aus Schwellenländern fehlen auch. Die Mischung verschiedener Indexfamilien (vor allem MSCI und FTSE) kann zu Klumpungen und/oder Ausschlüssen bestimmter Länder führen (habe ich in deinem Fall jetzt nicht geprüft).

Viel Erfolg weiterhin damit!

Liken

Danke für deinen Kommentar, über den ich mich sehr gefreut habe.
Weißt du, warum?

Zunächst einmal natürlich, weil du dir damit so große Mühe gegeben hast. Das sehe ich als Wertschätzung.

Zum anderen, und das ist für mich ein noch größerer Grund zur Freude, weil mir dadurch einmal mehr klar geworden ist, wie frei ich in meinen Entscheidungen bin. Du schreibt, was ich alles MUSS. Nö, ich MUSS gar nichts. Ich bin mir der Risiken durchaus bewusst. Mir gefällt mein Portfolio genau so, wie es ist.

Außerdem freue ich mich noch mehr darüber, dass das Rebalancing für mich kein Problem darstellt.
Es ist eben mein persönliches Portfolio und keine Empfehlung.

Ansonsten hast du schon Recht, ein Anfänger sollte einfacher beginnen. Aber ich habe diesen Artikel nicht als Empfehlung für Anfänger geschrieben.

Dir auch viel Erfolg und beste Grüße

Liken

Ich selbst habe drei ETF und finde es schon anstrengend mit dem Rebalancing. Mit zunehmender Gesamtsumme brauchst Du auch immer größere Summen dafür. Wenn Du aber glücklich damit bist, ist es gut. Ich bin nach 20 Jahren Investment in Aktien bei immer einfacheren Depots gelandet.

Gefällt 1 Person

Das wird gemacht, um das Risiko auf dem gleichen Niveau zu halten. Höhere Renditen sind mit höheren Risiken verbunden. ETFs, die „hinterherhinken“, z. B. Anleihen-ETFs halten das Depot etwas stabiler. Es schwankt dadurch insgesamt etwas weniger.
Außerdem gibt es keine Geldanlage, die IMMER am besten performt. Während der letzten Wochen hat z. B. der Anleihen-ETF besser abgeschnitten.

Liken

Hallo Petra,

ich bin hier gelandet, weil ich eine einfache Frage habe, die mir aber niemand beantwortet. Und da du das zumindest implizit hier tust, frage ich dich einfach mal:

Ich hab den Kommer gelesen, ich würde gerne seiner Aufteilung folgen usw., alles klar soweit. Aber wie zum Teu…. identifiziere ich ganz konkrete ETFs? Du hast zum Beispiel geschrieben, dass du den passenden für deinen Asien-Anteil nicht gefunden hast. Aber wie gleicht man denn das, was man sucht, mit dem ab, was so ein ETF beinhaltet? Das sagt irgendwie kein Mensch. Ist denn das so einfach? Gibt’s beim Broker eine Datenbanksuche und ich Kreuz einfach an: Small Caps, Asien, nicht ausschüttend usw.?

Ich hoffe, du hast Lust, mir zu antworten… Vielen Dank schon mal!

Christian

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Hallo Christian,

ja, bei einigen Brokern wie z. B. comdirect, gibt es solche ETF-Filtermöglichkeiten. Aber noch bessere Möglichkeiten hast du auf Portalen, die auf ETFs spezialisiert sind.
Schau dir mal diese beiden hier an:
https://de.extraetf.com/
https://www.justetf.com/de/
Auf beiden hast du jeweils eine ETF-Suche, wo du dann filtern kannst.
Auf dem ersten gibt es sogar fertige Musterportfolios nach Gerd Kommer.

Viele Grüße
Petra

Liken

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