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Investieren kann so einfach sein – egal ob Crash oder nicht

Wenn mich jemand fragt, nach welcher Strategie ich in Aktien investiere, dann sage ich „Value Investing!“ Das meine ich wortwörtlich: Ich investiere in Werte, denn gute Unternehmen sind etwas wert und durch den Kauf von Aktien gehören mir Teile davon.

Ich behaupte, dass man dazu kein Finanzgenie sein muss, sondern dass ein wenig gesunder Menschenverstand und etwas Lernbereitschaft ausreichen, um damit Erfolg zu haben.

Inhalt

Wie ich ans Investieren herangehe

Zu meiner eigenen Art zu Investieren sage ich auch „frei nach Warren Buffet bzw. Benjamin Graham“. Aber ganz so streng mit „bezahle für einen Dollar nur 50 Cent“ oder meinetwegen auch „für einen Euro nur 50 (Euro-)Cent“ nehme ich es nicht. Wie denn auch? Ich kann nicht sagen, was ein Unternehmen wirklich wert ist. Ich behaupte, dass das kaum ein Außenstehender kann.

Klar ist es der Traum eines jeden Value Investors, Aktien von Unternehmen unter dem zu kaufen, was der darin verfügbare Cash-Bestand plus die echten Vermögenswerte ausmachen, also die Kohle, die es wirklich geben würde, wenn das Unternehmen aufgelöst und das ganze Zeug – Maschinen, Immobilien usw. – unter den Hammer käme. In dem Fall würde man schon dafür mehr bekommen, als man für die Aktien bezahlt hat.

Schöne Idee, aber diese Art des „Unter-Wert-Kaufens“ klappt heute nicht mehr so richtig, auch jetzt nicht, wo die Aktienpreise zum Teil kräftig eingebrochen sind. Mag sein, dass es das zu Benjamin Grahams Zeiten öfter gab, aber heute kann sich jeder sehr schnell über alles informieren.

Man muss sich nicht erst die Geschäftsberichte nach Hause schicken lassen und dann die Zahlen mühsam zusammensuchen. Sie stehen für jeden zugänglich im Internet. So kann jeder die Aktien finden, die es unter Vermögenswert gibt und im Handumdrehen gibt es sie nicht mehr unter Wert.

Ich will nicht sagen, dass man so etwas heute überhaupt nicht mehr findet, aber es scheint mir wie die Suche nach der Nadel im Heuhaufen zu sein. Darauf habe ich keine Lust. Ich bin ja schließlich kein „Under Value Investor“. 😉

Depotvergleich *

Was wertvolle Unternehmen sind

Einen Wert hat ein Unternehmen für mich, wenn es Gewinne erwirtschaftet und das voraussichtlich noch über sehr viele Jahre. Ideal ist es, wenn diese Gewinne auch noch gesteigert werden. Hohe Steigerungsraten sind natürlich prima, aber ein moderates Wachstum bei besonderer Stabilität ist auch nicht zu verachten. Die ganz Großen können kaum noch wachsen, dafür sind sie besonders stabil.

Für mich darf es sogar vorkommen, dass der Gewinn zwischendurch auch mal einbricht, oder im Extremfall wegfällt, sofern der Gesamttrend stimmt. Es gibt Branchen, in denen es normal ist, dass sich gute und schlechtere Geschäftsjahre abwechseln, sogenannte Zykliker. Da geht das gar nicht anders.

Nicht zu jedem Preis

Bewertungskennzahlen wie Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) und Kurs-Buchwert-Verhältnis (KBV) usw. sind ziemlich nützlich, um verschiedene Unternehmen aus einer Branche miteinander zu vergleichen und um einen Eindruck zu bekommen, ob die Aktie eines Unternehmens teuer oder günstig ist. Zu teuer möchte ich schließlich nicht kaufen. So kann ich es nicht lassen, diese konstruierten Kennzahlen zu beachten, aber in letzter Zeit bin ich dabei nicht mehr so streng wie früher.

Man kann eben nicht alle Geschäftsmodelle über einen Kamm scheren. Die Super-Kennzahl oder das Super-Punkte-Verfahren, das über jede Aktie das richtige Urteil fällt, ist bis heute nicht gefunden worden. Zu viele Kennzahlen und Berechnungen täuschen nur eine Genauigkeit vor, die es nicht gibt.

*

Sinnvolle Geschäftsmodelle

Ich muss auch verstehen, womit das Unternehmen sein Geld verdient, natürlich soweit es für mich möglich und sinnvoll ist. Zum Beispiel weiß ich nicht über alle Technologien von BASF bis ins kleinste Detail Bescheid, aber Ausschnitte dazu kann ich durchaus auf deren Webseite nachschauen und verstehen. Ich muss auch nicht alle Handelsgeschäfte von Blackrock verinnerlichen und auch nicht alle Unilever-Suppen mögen.

Mir genügen jeweils ein Eindruck und die Einsicht, dass das höchstwahrscheinlich langfristig so weiterlaufen wird. Außerdem muss es für mich halbwegs moralisch vertretbar sein. Aber es gibt wohl unter den großen Unternehmen kaum zu 100 Prozent „ethische“.

Ich möchte gut geölte Geldmaschinen haben

Besonders wichtig ist mir, dass das Geld, für das ich die Aktien kaufe, gut für mich arbeitet. Das ist nur fair, denn schließlich war es vorher andersherum. Ich möchte also regelmäßig mein Stückchen vom Kuchen abhaben in Form von Dividendenzahlungen. Das ist für mich der zentrale Punkt.

Alle anderen vorher genannten Punkte sind deshalb wichtig, weil sie die Voraussetzung dafür sind, dass das mit den laufenden Dividendenzahlungen, die im Idealfall von Jahr zu Jahr steigen, auch klappt. So etwa ist echtes passives Einkommen: Aktie kaufen, halten und sich Jahr für Jahr über die Dividenden freuen.

Man könnte meine Strategie auch „Dividendenstrategie“ nennen. Das erweckt allerdings oftmals den Eindruck, dass einzig und allein auf die aktuelle Dividendenrendite geachtet wird. Das ist jedoch gefährlich, denn woher soll diese denn kommen, wenn das Unternehmen es nicht mehr schafft, Geld zu verdienen? Anstelle von „Dividendenstrategie“ sage ich deshalb lieber „(einkommensorientiertes) Value Investing“.

*

Die Praxis – mein Aktiendepot

Genug Theorie! Ich zähle jetzt einfach alle Aktien auf, die sich derzeit in meinem Hauptdepot befinden. Wie groß die Positionen sind, schreibe ich nicht dazu, denn Zahlen gehen nur mich und – sofern es sich um Einkommen handelt – das Finanzamt etwas an. Einige sind relativ klein, andere recht groß.

Ich schreibe jeweils die Branche und die Anzahl der Dividendenzahlungen pro Jahr dahinter:

  • 3M (Industrie) 4 Zahlungen
  • Altria (Tabak und Alkohol) 4 Zahlungen
  • AT&T (Telefongesellschaft) 4
  • BASF (Chemie) 1
  • Blackrock (Finanzen, Investments) 4
  • Boston Pizza Royalty Fund (Systemgastronomie, Franchise-Lizenzen) 12
  • British American Tobacco (Tabak) 4
  • Chevron (Öl, Gas) 4
  • Cisco Systems (IT, Netzwerk) 4
  • Deutsche Post (Logistik) 1
  • Ebay (IT-Dienstleistungen, Online-Handel) 4
  • EPR Properties (REIT – Freizeit, Kultur, Schulen) 12
  • Fastenal (Schrauben) 4
  • Fuchs Petrolub (Schmiermittel) 1
  • Gazprom (Erdgas, Energie) 1
  • Genaral Mills (Lebensmittel) 4
  • Illinois Tool Works (Werkzeug) 4
  • KDDI (Telefongesellschaft) 2
  • Kohl’s (Einzelhandel gemischt) 4
  • Münchener Rück (Rückversicherer, Versicherungen)  1
  • National Health Investors (REIT – medizinische Einrichtungen) 4
  • Omega Healthcare (REIT – medizinische Einrichtungen, Pflegeheime) 4
  • One Liberty (REIT – Industrie-Immobilien) 4
  • Packaging Corp. of America (Verpackungen, Displays) 4
  • Qualcomm (Elektronik – in jedem Smartphone) 4
  • Royal Dutch Shell (Öl, Gas) 4
  • Sabra Health (REIT – Pflegeeinrichtungen, medizinische Einrichtungen) 4
  • Siemens (Industrie) 1
  • Simon Property (REIT – Shopping Center und Erlebnis-Zeug) 4
  • Stag Industrial (REIT – Industrie-Immobilien) 12
  • Tanger Factory (REIT – Outlet Center) 4
  • Texas Instruments (Chips, Elektronik) 4
  • Unilever (Lebensmittel, Fertigzeug, Drogerie) 4
  • Ventas (REIT- Gesundheitsbereich) 4
  • Walgreens (Apotheken) 4

Insgesamt bekomme ich durch dieses Depot also 144 Dividendenzahlungen im Jahr.

Natürlich habe ich diese Aktien nicht alle auf einmal gekauft, sondern nach und nach und es werden sicher weitere dazukommen. Außerdem habe ich auch ab und zu „ausgemistet“, Gewinne mitgenommen oder zugunsten der Risikostreuung umgeschichtet. Siehe dazu auch mein Artikel:

Bei Minus sachlich bleiben

Mein Interesse an REITs (REIT = Real Estate Investment Trust) habe ich erst in letzter Zeit entdeckt und natürlich habe ich sie alle noch vor dem Crash gekauft. Deshalb sind sie alle „schön“ im Minus. Für diejenigen darunter, die sich mit Einkaufscentern- und Freizeit-Immobilien befassen, ist das zunächst auch logisch, aber meines Erachtens nur mittelfristig.

Meine Überlegungen dazu sind einfach: Andere Geschäftszweige, die dem bisherigen Geschäft ähneln, jedoch in Situationen wie der aktuellen Corona-Krise sinnvoller sind, sollten sich relativ schnell entwickeln lassen. Dann nutzt man die Einkaufscenter-Immobilien eben für den Versandhandel.

Klar, das würde zunächst Aufwand und Kosten bedeuten, aber langfristig sollte jemand, der es schafft, solch eine Firma zu managen, so etwas auf die Reihe bekommen. Diese Leute sind ja nicht dumm und haben bestimmt noch ganz andere Ideen als ich in meinen naiven Vorstellungen.

Aber für diejenigen REITs, bei denen es in der Hauptsache um medizinische und Pflegeeinrichtungen geht, ist ein großes Minus meiner Meinung nach nicht logisch, sondern vor allem der momentanen „Gesamtunruhe“ geschuldet.

Oh Schreck, Crash! Durchatmen und weiter!

Natürlich habe auch ich einen Schreck bekommen, als ich die Auswirkungen des Crashs in meinem Depot gesehen habe. Einmal tief durchgeatmet und ein zweites Mal hingesehen: Alles noch da, also was soll’s! Ich hatte ohnehin nicht vor, etwas davon zu verkaufen. Also kann es mir egal sein, was ich momentan dafür bekommen würde.

In den nächsten Wochen kamen die gewohnten Dividendenzahlungen. Natürlich weiß ich, dass die aus den vergangenen Gewinnen gezahlt werden und es demnächst enger werden könnte. Aber wenn ich in die Zahlenvergangenheit „meiner“ Unternehmen schaue, stelle ich fest, dass die zum Großteil schon ganz andere Flauten gemeistert haben. Das können sie dieses Mal sicher auch, und sollte eines auf der Strecke bleiben, läuft es dafür bei einem anderen besser als erwartet.

*

*

Nur keine Hektik!

Ansonsten halte ich einfach noch die Füße still. Ich behalte noch Cash zum Investieren übrig, denn ich denke, dass die Gegenbewegung der letzten Tage auch einfach nur ein „Dead Cat Bounce“ sein kann. Was ist das? Der Abpraller einer (schein-)toten Katze, die beim Hinunterfallen auf einer Treppenstufe aufschlägt, um danach noch weiter nach unten zu purzeln, bevor sie dann doch wieder erwacht und wirklich nach oben springt.

Ich kann damit natürlich völlig falsch liegen. Was ist dann? Dann habe ich nicht zu Tiefstkursen gekauft. Ist auch kein Drama, denn so etwas schafft man ohnehin nur selten und gute Kaufgelegenheiten wird es immer wieder geben.

Und sonst so?

Außer dem Hauptdepot investiere ich noch über Sparpläne in verschiedene ETFs. Das habe ich begonnen, nachdem ich das Buch „Souverän investieren mit Indexfonds und ETFs“ von Gerd Kommer * gelesen hatte.

Sparplan *

So habe ich mir ein breit gestreutes Weltportfolio über mehrere Exchange Traded Funds (ETFs) nach Buch-Anleitung konstruiert, das ich regelmäßig bespare. Ein paar Feinjustierungen habe ich daran zwar vorgenommen, aber es ist und bleibt ein regelmäßiges passives Investment. Vielleicht werde ich darüber demnächst einen Extra-Artikel schreiben.

Diese beiden Hauptinvestments, sowohl das Aktiendepot als auch mein Weltportfolio aus ETFs erfordern kaum laufenden Zeitaufwand. Die meiste Zeit verbringe ich damit, mich über Dividendenzahlungen der Aktien und Ausschüttungen der ETFs zu freuen.

Ja aber, was ist denn mit Levermann usw.?

Das ganze Zeug, über das ich ab und zu auf meinem Blog schreibe:

Das sind alles nur lehrreiche Experimente. Wenn sie schiefgehen, kann ich trotzdem ruhig schlafen.

Disclaimer

Das hier ist keine Anlageberatung, sondern meine ganz persönliche Meinung. Mit Aktien und ETFs kann man Geld verlieren. Investiere deshalb nur Geld, das du für mindestens fünfzehn Jahre entbehren bzw. dessen Verlust oder Teilverlust du verschmerzen kannst.

Bonustipp

Um das Investieren zu lernen und gleich von Anfang an in der Praxis umzusetzen, musst du noch keine großen Summen angespart haben. Wenn dich interessiert, wie das funktionieren kann, dann ist möglicherweise mein neuestes Experiment interessant für dich. Hier erfährst du mehr dazu:

Mit * gekennzeichnete Links bescheren mir einen kleinen Cashback, wenn du darüber etwas kaufst oder abschließt. Es wäre ein Gefallen, den du mir tun könntest, ohne dass es dich etwas extra kostet. Wenn nicht, ist es auch kein Drama.

6 Antworten auf „Investieren kann so einfach sein – egal ob Crash oder nicht“

Danke für den Einblick in Dein Depot. Sehr interessant zu sehen und es hat von den Titel her auch viele Überschneidungen mit meinem eigenen (wen wundert’s, wenn ich schon Deinen Blog regelmäßig lese). Bei REITS bin ich zur leichteren Streuung und mangels eigener Kenntnisse oder Überzeugungen auf einen ETF (IE00B1FZS350) gegangen.

Ich selbst werde mich wohl mein Leben lang in jedem Marktzyklus immer besorgt fragen: Waren meine Einzeltitel nicht ein blödsinniger Versuch, den Markt zu schlagen. Kommer sieht es ja definitiv so. Ist aber wohl eher semi-entscheidbar. Wenn ich es nicht schaffe, wird es klar und deutlich erkennbar sein, wie weit ich zurückhinke. Falls doch, wird mein Leben wohl nicht ausreichen, um statistisch signifikant sicher zu sein, ob es nicht nur Glück war. Ich muss aber zugeben, dass die Wahrscheinlichkeit eh‘ mehr in Richtung Fall 1 geht.

Darf ich Dich fragen, wie Dein Depot gegen passende Benchmarks abgeschnitten hat? Also wieviel Prozent jährliche Rendite Du bis heute damit gemacht hast bei wie hohem maximalen Drawdown?

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Hallo Anja, der ETF, den Du zum Investieren in Immobilien-Aktien und REITs verwendest, ist ja genau der aus meinem „Immobilien-Crowdinvesting gegen Immo-ETF“-Spiel. Aber das weißt Du ja als treue Blog-Leserin sicher.

Zur Frage, ob ich mit meinem Aktien-Depot besser abgeschnitten habe als passende Benchmarks: Keine Ahnung, insgesamt wahrscheinlich nicht. Mir kommt es vor allem darauf an, laufendes Einkommen zu generieren, das wächst. Dafür finde ich Einzelaktien besser als ETFs. Es gibt natürlich auch Dividenden-ETFs. Ich habe mir auch schon mehrere angeschaut, aber so richtig gefallen mir die Top-Positionen darin meisten nicht. Außerdem finde ich es äußerst motivierend, wenn die ganzen Dividendenzahlungen eintrudeln.

Ansosnten kaufe ich regelmäßig ETFs (für die Altersvorsorge), da soll es insgesamt noch breiter gestreut sein. Aber auch da möchte ich Ausschüttungen haben.

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