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Experiment Levermann-Depot: ein quirliges Hündchen

André Kostolany beschrieb das mit der Börse einst so:

Ein Mann geht auf der Straße spazieren. Er hat einen Hund dabei. Und wie sich Hunde verhalten, läuft er vor und kommt wieder zu seinem Herrchen zurück. Dann läuft er wieder vor und sieht, dass er zu weit gelaufen ist, und kommt wieder zurück. So geht es die ganze Zeit. Am Ende kommen sie beide am gleichen Ziel an. Doch während der Mann schön langsam einen Kilometer zurückgelegt hat, ist der Hund herumgerast und hat vier Kilometer zurückgelegt. Der Mann ist die Wirtschaft und der Hund ist die Börse.

Ich erzähle die Story weiter.

Der Hund aus der Geschichte von André Kostolany steht für passives Investieren mittels ETFs. Ja, er rennt vor und zurück wie in der Geschichte beschrieben. Nun hat dieser Hund noch einen kleinen Freund dabei. Ein ganz junges, quirliges Hündchen. Dieses rennt um den großen Hund herum, mal prescht es schneller voran, mal bleibt es weiter zurück. Dieses Hündchen ist die Levermann-Strategie.

Jetzt ist eine sehr wichtige Zeit. Seit die Levermann-Strategie existiert, hat es so etwas noch nicht gegeben. Das Buch Der entspannte Weg zum Reichtum* von Susan Leveermann ist erst nach der Finanzkrise von 2008 erschienen und danach hat es noch etwas gedauert, bis die Strategie bekannt geworden ist. Ich selbst bin erst Ende 2015 darauf aufmerksam geworden und fand es faszinierend, nach einem Punktesystem zu handeln. Ich wollte ausprobieren, wie sich das anfühlt, allerdings nicht mit zu hohem Einsatz, denn so vernünftig die Kauf- und Verkaufkriterien auch klingen, eine gewisse Skepsis habe ich nie ablegen können.

Immer standen bzw. stehen zwei Fragen im Raum: Schneidet diese Strategie langfristig gesehen wirklich viel besser ab als der Gesamtmarkt, so dass sich der Aufwand lohnt, anstatt einfach nur ETFs zu kaufen und zu halten? Oder bleibt sie in einem Crash bzw. Bärenmarkt total auf der Strecke?

2016 und 2017 ging es aufwärts und zwar wesentlich stärker als der Gesamtmarkt. Ende 2018 gab es schon einmal eine Abwärtsphase, aber die ist nichts gegen die jetzige Situation. So kam es, dass mein Levermann-Depot und ein passendes Vergleich-Depot aus zwei ETFs nach dreieinhalb Jahren auf genau dem gleichen Stand waren. Danach ging Levermann wieder in Führung. Im aktuellen Crash ist das Levermann-Depot jedoch gegenüber dem ETF-Depot zurückgefallen. Ich bin damit wieder ungefähr auf seinem Anfangswert von vor vier Jahren angekommen. Es war letzte Woche sogar etwas darunter, in dieser Woche hat es sich wieder ein klein wenig erholt.

Das Levermann-Depot ist eben wie ein kleines quirliges Hündchen, das noch mehr vor und zurück läuft als der Kostolany-Hund. Nun ist die Frage, ob dieses Hündchen vielleicht sogar abhandenkommen oder wieder zurück auf den richtigen Weg finden wird. 😉

Momentan kegeln da die Aktien nur so mit Verlust hinaus und es gibt kaum Ersatz mit Kaufsignal. Es sind zwar noch acht von den zwölf Positionen besetzt, aber in der kommenden Woche muss ich weitere verkaufen.

Ich könnte auch einfach alles verkaufen und so meinen Einsatz retten, aber ich bin zu neugierig, wie es weitergeht, also werde ich dranbleiben.

Depotübersicht vom Freitag, 27.03.2019

levermann2020-03-27

Gesamtwert: 12.431,67 EUR

(Vergleich-Depot aus zwei ETFs: 13.504,66 EUR)

Alles zum bisherigen Verlauf

Experiment Levermann-Depot
Auf dieser Seite pflege ich wöchentlich die Transaktionen und den Wert ein.

Disclaimer

Ich weiß nicht, ob eine Warnung in der aktuellen Situation überhaupt nötig ist, aber sicher ist sicher: Macht das nicht nach!

Wer war eigentlich dieser André Kostolany?

Eine Börsenlegende und Autor einiger guter Börsenbücher.

*

Die mit * gekennzeichneten Links führen zu Amazon. Als Amazon-Partner verdiene ich an qualifizierten Verkäufen.

10 Antworten auf „Experiment Levermann-Depot: ein quirliges Hündchen“

Ja, von Kostolanys Gedanken kann man auch nach 100 Jahren wohl noch was mitnehmen. Kleine Frage: Welche 2 ETFs waren Dein Vergleich?

Ich selbst vergleiche der Bequemlichkeit halber seit 4 Jahren das QUINTE Wikifolio (‚Qualität angelehnt an Levermann‘) mit DAX und MDAX. Das Wiki schafft es sogar am letzten Low der Krise (16.03.) in der 4-Jahres-Gesamtrendite immer noch deutlich besser zu sein.

QUINTE = +16,4% (Maximaler Drawdown ca. -40%)
DAX = -16,4% (Maximaler Drawdown ca. -40%)
MDAX = -10,7% (Maximaler Drawdown ca. -38%)

Das sind zwar alles Werte, die einen schlecht schlafen lassen, ich bin aber tatsächlich immer noch beeindruckt von Levermann.

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Hallo Anja,

die beiden ETFs in meinem Vergleich-Depot sind folgende:
ISHARES CORE MSCI WORLD UCITS ETF (IE00B4L5Y983)
ISHARES MSCI EMU SMALL CAP UCITS ETF (IE00B3VWMM18)
Das ist ungefähr das passende Aktienuniversum.

Was die Sache mit „schlecht schlafen“ bei den Levermann-Werten angeht: Ja, wären das nicht so kleine Positionen wie in meinem Experiment, würde ich auch schlecht schlafen.

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Hallo Ihr zwei,

ich bin jemand, der seine Altersvorsorge zu 50% dem Aktienmarkt anvertraut hat.
Mit mittlerweile 50 Jahren hat sich mein Depot, doch zu einer beträchtlichen Größe entwickelt.
Die Volatilität des Marktes hat auch davor nicht halt gemacht.
Auch hier kann ich nur Kostolany zitieren und sagen, dass es in Zeiten wie diesen am besten ist, sich schlafen zu legen. Wieso traue ich mich dies zu sagen, obwohl zum maximalen Drawdown bei ca. 37% ein hoher 6-stelliger „Verlust“ aufgelaufen war?
Wenn man bei der Auswahl seiner Aktien darauf achtet in Firmen zu investieren, die einfache Geschäftsmodelle und langfristige Wachstumstrends im Rücken haben und man diese nicht überteuert eingekauft hat, dann kann man auf Sicht von 5+ Jahren davon ausgehen, dass man im Plus landen wird.
Langfristig steigt ein Investment in Aktien um ca. 10% pro Jahr und das seit mehr als 100 Jahren.

Man kann sich also auch aktuell beruhigt hinlegen und warten bis der Sturm vorüber zieht.
Und er wird es tun!
Wenn man keinen konkreten Plan für solche „schwarze Schwäne“ wie Corona hat, dann ist es auch perfekt in Ordnung einmal NICHTS zu tun.
Einfach nicht nachschauen hilft beim guten Schlaf in volatilen Zeiten.
Dafür regelmäßig überprüfen (mind. 1 x pro Jahr) ob die zukünftigen Aussichten seiner Investments sich fundamental geändert haben (wie bspw. i.d. Autoindustrie o.ä.) und dann entsprechend Depot anpassen.

Alles andere ist Markettiming und das trifft man manchmal und manchmal nicht (und wahrscheinlich öfter nicht;)
Mit dieser Methode ist es mir gelungen jedes Jahr den Markt zu schlagen, mit Ausnahme 2016, als ich mich, trotz besseren Wissens, durch „Ratschläge“ von Experten der Idee zugewandt hatte mein Depot beim Crash Anfang des Jahres durch Cash zu hedgen. Hier ist sowohl beim Timing des Ausstiegs als auch beim Wiedereinstieg so manches eher gegen mich gelaufen, als dann der Brexit noch dazukam.
Im Nachheinein war klar: es wäre deutlich besser gewesen NICHTS zu tun.

In diesem Sinne: frohe Ostern, bleibt gesund und schlaft gut !

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Hallo Jürgen, so wie du mache ich es im Grunde genommen auch. Dazu gibt es auch nicht so viel zu sagen bzw. zu schreiben. Ich kaufe Aktien von guten Unternehmen, halte diese und freue mich über Dividenden. In den letzten Wochen habe ich nichts daraus verkauft, sondern einfach abgewartet. Einen Nachkauf habe ich getätigt und ETF-Sparpläne weiterlaufen lassen. Ich glaube nicht, dass die Abwärtsphase schon vorbei ist. Falls ich mich irren sollte, auch gut.

Das Levermann-Depot ist nur ein kleines Experiment außerhalb meiner sonstigen Aktieninvestments. Mehr nicht.

Wünsche ebenfalls frohe (Rest-)Ostern.

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Hallo Petra, hallo zusammen,

nach nun mehreren Jahren eigener Erfahrung mit der Levermann-Strategie bin ich nach wie vor überzeugt. Ich führe zwei Depots, eines seit Dezember 2016 mit + 13,5% und eines seit Mai 2017 mit + 17,2%. Verglichen mit den oben erwähnten ETF bin ich sehr zufrieden.

Einige Anpassungen habe ich mittlerweile vorgenommen, wie es Frau Levermann selbst vorgeschlagen hat. Wie sie ja schrieb, gibt es nicht „DIE EINE“ Strategie.

Natürlich entwickelten sich meine Depots in den letzten Wochen auch sehr volatil. Frau Levermann schrieb in ihrem Buch, dass sich die die Aktien mit der Strategie besser als der Markt entwickeln sollen. Das kann ich für meine Depots bestätigen.

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Hallo Matthias,
danke für Deinen Kommentar.
Magst du mal kurz deine Anpassungen umreißen?
Außerdem wären noch folgende Dinge interessant:
Wie oft wertest du aus und wie sieht dein „Aktienuniversum“ aus?
Wie viele Positionen hast du im Depot?

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Hallo Petra,

gerne. Erst neugierig machen und dann nichts verraten wäre nicht schicklich… 🙂

Ich handle ausschließlich Aktien, die ich über Onvista analysieren kann. Aus Performancegründen reicht mir eine Quelle für meine Exceltabellen. Termine übernehme ich händisch. Das klingt aufwendig, kommt aber ja nicht so oft vor. Es sind also im wesentlichen Aktien aus dem Dow Jones, Nasdaq, deutsche und vereinzelnd europäische Werte.

Sehr früh habe ich auf das Dreimonatsreversal (meistens war eh bei null) verzichtet, weil es mir nicht schlüssig schien. Die Analystenmeinungen reagieren m. E. nur verzögert zum Markt und sind mir zudem zu aufwendig (Importe von weiteren Webseiten) zu realisieren.
Des Weiteren berechne ich die Kursentwicklungen, inkl. Kursmomentum zum jeweiligen Index. Wie schon erwähnt schrieb Frau Levermann in ihrem Buch, dass sich die Aktienauswahl nach ihrer Strategie lediglich besser als der Markt entwickelt.

In Summe halte ich 10 Positionen, von denen sich die beiden Depots unwesentlich unterscheiden. Ich kaufe Large Caps ab 4 und Small Caps ab 6 Punkten. Verkauft wird, wenn die halbe Punktzahl unterschritten wird.

Die Tabelle mit meinen investierten Aktien aktualisiere ich täglich. Das mag sehr zeitaufwendig klingen, läuft aber in ein bis zwei Minuten automatisiert ab. Wöchentlich würde sicherlich auch ausreichen, sofern keine Quartalszahlen veröffentlicht werden.

Aktuell bin ich u. a. in Apple, Microsoft, Publity, Deutsche Real Estate, BRISTOL-MYERS SQUIBB, Lam Research investiert.

Dem obligatorischen Disclaimer schließe ich mich an!

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Vielen Dank für Deine ausführliche Antwort, Matthias. Deine Modifikationen klingen vernünftig. Ja, das Dreimonatsreversal ist wirklich selten ungleich 0, die Analystenmeinungen übrigens auch. Die entscheidende Änderung ist die Kursentwicklung relativ zum Index.
Die Punktevorgaben von Frau Levermann habe ich auch nicht übernommen. Da habe ich zwischen Kaufpunktezahl und Verkaufpunktezahl auch größere Spannen gesetzt.
Wenn Du die Kalkulation automatisiert hast, ist das tägliche Kalkulieren der investierten Positionen technisch schnell erledigt. Mein Tool liest aus drei unterschiedlichen Quellen und nur mal eben das Depot durchrechnen geht auch bei mir schnell. Allerdings will ich mich einfach nicht jeden Tag darum kümmern. „Entspannter Weg“ ist anders.
Ich wünsche Dir Durchhaltevermögen und Erfolg.

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Hallo Petra,
ich kann Dein Value Investing sehr gut nachvollziehen – mache ich ähnlich. Im Vergleich zu Levermann werden wir damit sicherlich besser durch die Krise kommen. Interessant ist Dein Zitat von Kostolany. Ich möchte das ergänzen: Wer die Aktien nicht bei fallenden Kursten hat, hat sie auch nicht bei steigenden. Ist, glaube ich, auch von Kostolany. Soll heißen, wenn Du Deine Value Aktien jetzt verkaufen würdest, hast Du das Problem des Wiedereinstiegszeitpunktes.
Wenn man davon ausgeht, dass die Krise vorübergeht und die Wirtschaft wieder anzieht, dann ist das jetzt die Jahrhundertchance auf günstigen Einstieg in Value-Titel – jedenfalls habe ich das so gemacht.

Vielen Dank für Dein Levermann-Experiment. Diese Krise ist jedenfalls die Bestätigung, dass die Levermann-Strategie nichts für mich ist.

Gruß Jonas

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