Experiment Levermann-Depot: Was passiert damit beim nächsten Crash?

Momentan sieht es gut aus in diesem Spiel. Das Ganze ist mit über 19.000 EUR wieder fast beim Höchststand angekommen. Den hatte es allerdings zwischendurch irgendwann 2017 schon einmal – ein Plus von um die 60 %. Das ist umgerechnet auf die bisherige Laufzeit ein effektiver Jahreszins von knapp 12,5 %.

Was aber wird wohl im nächsten Crash mit diesem Depot passieren? In diesem Artikel geht es um

  • die Depotübersicht vom letzten Freitag, 17.01.2020
  • das Ende des „Levermann-Dienstags“
  • Crash und Levermann-Depot

Depotübersicht vom Freitag, 17.01.2020

Levermann-Strategie Depotübersicht

Es gab vor kurzem drei Dividendenzahlungen von PULTE, VIACOM und BIG YELLOW. Die letzten beiden befinden sich schon nicht mehr im Depot. Das war’s auch schon. Handeln musste ich diesmal nicht, denn alle Aktien hatten einen ausreichend hohen Levermann-Score, um gehalten zu werden.

Das Ende des „Levermann-Dienstags“

„Och nö, schon wieder muss ich einen Blog-Artikel zum Levermann-Experiment schreiben!“ Das ging mir durch den Kopf, als ich am letzten Wochenende feststellte, dass es schon wieder an der Zeit für die 14-tägige Auswertungsrunde war. Dann fiel mir mein Lebensmotto – oder zumindest eins davon – ein: „Einen Sch… muss ich!“ Zeit für Veränderung!

Das Experiment an sich führe ich weiter – wenigstens bis Ende 2020. Auswerten werde ich wie gehabt alle zwei Wochen. Aber ich werde ab jetzt weniger Artikel darüber veröffentlichen. Die Liste der Transaktionen und auch einen halbwegs aktuellen Stand pflege ich jedoch weiterhin auf der zentralen Seite zum Experiment ein: Experiment Levermann-Depot

Extra-Artikel zum Thema Levermann-Strategie schreibe ich von jetzt an nur noch maximal einmal im Monat, überhaupt nur dann, wenn es sich lohnt.

Bei der Levermann-Strategie handelt es sich um sogenanntes Quant oder Factor Investing. Dazu hatte ich gerade am letzten Sonntag einen ausführlichen Artikel veröffentlicht: Quant Investing ist ein zweischneidiges Schwert – nützlich und gefährlich zugleich

Ich möchte meinen Blog von nun an weniger „Quant-Investing-lastig“ (oder Levermann-lastig) gestalten. Ich habe stattdessen einige Ideen für interessantere und vor allem praxisrelevantere Themen. Die Levermann-Strategie mag vielen ganz plausibel und vernünftig erscheinen. Mir erschien sie jedenfalls am Anfang auch so, was der Grund dafür war, dass ich dieses Echtgeld-Experiment überhaupt gestartet habe. Trotzdem halte ich dieses Vorgehen für ziemlich speziell. Deshalb werde ich hier nicht mehr so viel Platz wie bisher dafür einräumen.

Crash und Levermann-Depot

Wirklich wissen kann auch ich es nicht vorher, wie sich die Levermann-Strategie während eines allgemeinen Börsen-Crashs schlagen wird. Seit es diese Strategie gibt, gab es noch keinen Crash, sondern nur Korrekturen. Innerhalb der bisherigen Laufzeit meines Spiels, also in den letzten vier Jahren, ging es im Levermann-Depot besonders 2018 und Anfang 2019 stärker nach unten als im Gesamtmarkt bzw. in der betrachteten Benchmark. In diesem Artikel habe ich u. a. die gesamte Laufzeit im Chart dargestellt: Vier Jahre Experiment Levermann-Depot

Meine Vermutung zum Crash ist folgende:

Wenn es crasht, also die Aktienkurse schnell stark fallen, werden bei den meisten Aktien schnell schlechte Ergebnisse sowohl bei der Kursentwicklung über das letzte Jahr als auch über die letzten 6 Monate herauskommen. So springen zwei darauf basierende Kriterien jeweils von +1 auf -1 Punkt. Insgesamt sinkt der Levermann-Score dadurch also um 4 Punkte. Das reicht meistens aus, dass „Verkaufen“ signalisiert wird.

So wird bestimmt schnell Kahlschlag im Depot angerichtet. In der Zeit wird es schwer sein, überhaupt neue Kaufaktien zu finden. Das mag in der Situation vielleicht ganz gut sein, um weitere schnelle Verluste zu vermeiden. Aber es ist zu befürchten, dass es einige „Spätzünder“ in Bezug auf fallende Kurse doch noch geradeso auf den benötigen Kauf-Score bringen. Da die Auswahl an Kaufkandidaten nicht groß sein wird, wird man dann vielleicht die eine oder andere Position eingehen, die man eigentlich aus gutem Grund lieber vermieden hätte. Schließlich besteht die Grundidee der Levermann-Strategie darin, möglichst immer voll investiert zu sein. Dann stürzen auch diese Aktien noch ab und reißen dadurch die Performance noch weiter in die Tiefe.

Da diese Wertverluste nicht nur Buchverluste bleiben, sondern wirklich Verkäufe auslösen, wird das Kapital, das für neue Investitionen zur Verfügung steht, immer kleiner. Wer also bei der Umsetzung dieser Strategie mit einem kleinen Depot einen ungünstigen Startzeitpunkt erwischt, dem kann es passieren, dass nicht genügend Kapital übrig sein wird, um noch eine ausreichende Anzahl Aktienpositionen kaufen zu können, so dass er letzten Endes mit Verlust aufgeben muss.

Ich weiß nicht, ob ich mit meinen Überlegungen richtig liege. Ich würde mich in diesem Fall sogar freuen, wenn nicht.

Ich denke, nach diesem Abschnitt kann ich mir Disclaimer und Warnungen sparen.

Links

13 Kommentare

  • Hallo Petra,

    irgendwie habe ich das nach deinem Beitrag zum Quant Investing schon vermutet. Ein bisschen schade finde ich es schon, aber Veränderungen müssen auch sein. Dann lese ich halt hier jeden oder alle paar Monate wie es mit Levermann weitergeht und zwischendrin andere Themen.

    LG Tobias

    Gefällt 1 Person

  • Hallo Petra,
    auf die Antwort auf die Crash-Frage im echten Experiment wäre ich auch sehr gespannt. Ich fürchte nur, dass sich deine Erwartungen so oder sehr ähnlich erfüllen werden und hinterher zwar die Einsicht herrscht „ich hab es ja gewusst/befürchtet“ aber dass dies die Verluste auch nicht verhindern konnte.
    Wie wäre es statt dessen mit einer Modifikation oder Weiterentwicklung in Form der Einführung einer angemessen Stopp Loss Marke? Das hätte sicher auch in der Vergangenheit schon die Verluste aus einzelnen Positionen begrenzen helfen.
    Auf die Frage zum Wiedereinstiegszeitpunkt nach dem Crash wird sich sicherlich auch noch ein sinnvoller Ansatz finden lassen.

    Danke für deine Mühe mit diesem Blog!

    Beste Grüße, Rico

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    • Hallo Rico,
      Stop Loss mag vielleicht ein paar Verluste begrenzen, aber auch Gewinne beschneiden, denn alle bisherigen starken Anstiege sind nicht mit einem Mal passiert, sondern immer wieder mit zwischenzeitlichen Rücksetzern. So lange ich dieses Spiel schon betreibe, werde ich immer wieder nach Stop Kursen gefragt – wenn es gut läuft, um die Gewinne zu „sichern“, wenn es schlecht läuft, um die Verluste zu begrenzen. Das kommt für mich nicht in Frage. Außerdem müsste ich dann zwischendurch immer schauen, ob vielleicht ein Stop ausgelöst worden ist und dann wieder nach neuen Aktien suchen. Dann macht das ja noch mehr Arbeit. Ich möchte das aber so entspannt wie möglich haben. 😉
      Viele Grüße
      Petra

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  • Hallo Petra,

    ich verfolge deinen Blog zum Levermann Depot auch schon länger. Ich finde die Idee sehr interessant und habe die diversen Listen die im Internet kursieren auch selbst schon genutzt um neue Ideen für eigene Invests zu finden.

    In deinem Depot ist die Cash Quote in letzter Zeit recht hoch und bei neuen Käufen hast du die Größe der Positionen auch nicht erhöht um die Cash Quote langsam abzubauen. Hat das einen speziellen Grund? Du hast ja in dem Artikel selbst erwähnt, dass die Strategie vorsieht immer voll investiert zu sein.

    Gruß
    Johannes

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    • Hallo Johannes,
      der hohe Cash-Bestand resultiert aus realisierten Gewinnen aus der letzten Zeit.
      Und doch, ich habe die Größe bei den letzten Käufen schon etwas angehoben und werde das auch nach und nach weiter so machen.
      Allerdings möchte ich, dass das halbwegs ausbalanciert bleibt, und ein wenig Reserve für einen realisierten Verlust schadet in dieser Strategie auch nicht.
      Gruß P.

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  • Hallo Petra,

    seit Ende Dezember 2000 hat der MSCI ACWI Small Cap durchschnittlich 9,17% zugelegt. In den letzten 5 Jahren waren es 8,32%.
    Da sind deine 12,5% schon sehr gut. Natürlich verteilt über die letzten 4 Jahre.

    Auf lange Sicht und Zinseszins berücksichtigt, macht das einen riesen Unterschied aus.

    Das du dich mit anderen Thematiken beschäftigen willst, ist ja vollkommen wünschenswert.
    Vielleicht entdeckst du dabei was sehr interessantes, was du mit uns teilen kannst, bzw. vielleicht bekommst du von deiner kleinen Blogger Community neue Ideen oder Perspektiven hinzu.

    Was mir generell aufgefallen ist, ist das du an der Levermann Strategie Veränderungen vorgenommen hast.
    Somit investierst du ja gar nicht mehr nach Levermann sondern nach Leverwolff.
    Es birgt natürlich Risiken, in einer laufenden Evaluation Veränderungen vorzunehmen. Da du jetzt gar nicht weißt, wie die „ursprüngliche“ Strategie im Vergleich zu Deiner performt hat/hätte.

    Wieso hältst du es denn mit deinen Levermann Beiträgen nicht einfach alle 14 Tage kurz und knapp.
    Sprich, entweder, keine Änderung, oder lediglich die Änderung publizieren.
    Natürlich muss du nichts, aber ich kann nur für meinen Teil sagen, dass mich immer wieder auf deine Veröffentlichungen freue.

    Gruß Michael

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    • Hallo Michael,
      „Leverwolff“ – hihi. Naja, so gravierend sind meine Veränderungen auch nicht. Ich ändere auch nicht dauernd am laufenden System.
      Und „die“ Levermann-Auswertungen gibt es ohnehin nicht. Es gibt immer Abweichungen.
      Ich probiere schließlich aus, ob und wie das für mich persönlich funktioniert und nicht irgendwie „urprünglich“. Ich möchte schließlich nicht nur irgendein theoretisches Ergebnis, wie es in sogenannten Studien dargestellt wird, sondern ein echtes,.
      Wer zwischen meinen ab jetzt selteneren Levermann-Beiträgen wissen möchte, ob und was zwischendurch passiert ist, der kann einfach auf der Seite, die ich hier immer wieder verlinkt habe, nachsehen. Denn dort werde ich alles, was passiert – Dividendenzahlungen und Transaktionen – eintragen.
      Gruß P.

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  • Hallo Petra,

    vielen Dank für deine Beiträge zum Levermann-Depot. Ich bin ebenfalls gespannter Mitleser und verstehe dass du weniger Zeit für Artikel aufwenden möchtest. Deine „Graham-style“ Anpassungen finde ich übrigens sehr gut. Das KGV über 5 Jahre zu mitteln gibt einem etwas mehr Sicherheit in diesem Kriterium. Und auch Large Caps erst ab 7 Punkten zu kaufen ist meiner Ansicht nach vernünftig. Denn schließlich schwanken bei sehr volatilen Aktien die Punkte für das 3-Monats-Reversal und die 6M und 1J Performance doch recht stark. Ein 4-Punkte Kaufsignal ist da schnell innerhalb von 3 Tagen zum Sell geworden. Meiner Meinung nach schützt das vor übermäßig vielen Transaktionsgebühren.

    Hast du eigentlich vor dem Start der Serie die Strategie mal Back-getestet? Das wäre sicher eine interessante Studie um zu sehen, wie die Strategie während des 2008er Lehman Crashs performt hat. Auch Frau Levermann, die ja nach eigener Aussage die DWS vor dem Lehman Crash verlassen hat, macht dazu keine Angaben..

    Ich vermute dass ein richtiger Finanzmarkt-crash das Depot stark in Mitleidenschaft zieht. Und da man als Privat-Anleger in der Regel nicht so schnell reagieren kann wie die großen Finanzinstitute wird man wohl auch hier erheblich Miese machen (Auch stop-loss Orders mit Limit werden gerne mal ‚übersprungen‘).

    Bei einem diversifizierten Levermann-Depot und dem Crash einer bestimmten Branche sehe ich eigentlich keine großen Probleme. Der Charme des automatisierten Bewertens ist ja gerade, dass man wenn man den Pool der zu scannenden Aktien nur groß genug macht, einen Korb voller Hoffnungsträger vollmachen kann, die dann gut performen – es gibt fast immer einen Sektor, der unterbewertet ist.

    Bei einem bevorstehenden langanhaltenden Bärenmarkt, denke ich würde die Strategie keine Käufe mehr signalisieren. Alle anderen Depotaktien stehen auf ‚Hold‘ oder ‚Sell‘. Wenn die Gewinne schrumpfen bevor der Aktienkurs stark nachgibt, hat man vielleicht eine Chance dass der Verkauf der Aktien früh signalisiert wird. Dann hätte man viel Cash und kann die nächsten Kaufsignale abwarten.

    Danke für deine vielen Beiträge,

    Grüße Martin

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    • Hallo Martin,

      danke für deinen ausführlichen Kommentar.

      Zu deiner Frage mit dem Backtesting: Nein, ich habe kein Backtesting gemacht. Erstens geht das bei dieser Strategie kaum, weil es manche Daten, die man benötigt, nicht für die Vergangenheit gibt bzw. diese Daten zu viel kosten würden. Zweitens halte ich nicht viel von Backtesting-„Studien“, um irgendetwas nachweisen zu wollen. Sie bilden niemals die Realität ab. Ich habe mich dazu schon öfter ausführlich geäußert.

      Nach meinen bisherigen Erfahrungen mit der Levermann-Strategie habe ich eher den Eindruck, dass Verkäufe recht spät signalisiert werden, weil erst die Kursstürze die Punktezahl herunterreißen. Und ja, in Phasen, in denen es abwärts geht, gibt es wenige Kaufkandidaten. Ich habe zwischendurch schon die Situation gehabt, dass ich nicht alle Depot-Positionen besetzen konnte.

      Viele Grüße

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  • Hallo Petra,

    es wäre ja nur ein kleiner Schritt zu noch mehr Leverwolff: Levermann ist im Kern eine fundamentale Strategie. Wenn ich in normalen Zeiten in den Supermarkt gehe, wähle ich meine Produkte auch nach bestimmten Kriterien aus, wie Preis-/Leistungsverhältnis, Haltbarkeit, Qualität. Und manchmal gebe ich Produkte zurück, bzw. verkaufe sie an den nächsten Nutzer aus guten Gründen weiter. Wenn aber das Dach einstürzt und der Markt zusammenbricht, er alle Waren im Notverkauf anbietet, haue ich dann meine Gebrauchtwaren auch noch raus, weil gerade Anteile an Unternehmen nicht gefragt sind? Eher nicht. Wenn das so ist, muss es also Marktbedingungen geben, wo Leverwollf nicht stoisch ausgeführt wird, sondern z.B. abwarten angesagt ist.

    Covacoro

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    • Die Sachen, die ich im Supermarkt einkaufe, verkaufe ich niemals weiter, sondern esse bzw. verbrauche sie selbst. 😉

      Spaß beiseite, im Prinzip kann ich dir zustimmen. Ich habe allerdings eine ausgeprägte MUSS-Allergie.

      Ich führe das alles einfach weiterhin aus, egal ob solche „Muss-Marktbedingungen“ vorherrschen oder ob alles normal ist, denn die Strategie behauptet, unabhängig von Marktbedingungen zu sein.

      Was ich mir jedoch schon immer herausnehme, ist das letzte Wort vor dem Kauf, d.h. nicht alles was ausreichende Punktezahl erreicht, wird gekauft.

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