ETF-Auflösung in der Krise? Wenn ja, was tun?

Stell dir folgendes Szenario vor: Du steckst jeden Monat Geld für deine Altersvorsorge in einen globalen ETF-Sparplan. Nehmen wir an, das Ganze läuft schon seit ein paar Jahren. Nun hat die nächste Finanzkrise begonnen. In letzter Zeit ist es nur abwärts gegangen. Insgesamt bist du im Minus. Aber du bist zuversichtlich, denn du kaufst jeden Monat immer für den gleichen Betrag die ETF-Anteile, und je weniger die kosten, desto mehr bekommst du. Du sagst dir, so holst du eben Schwung für den nächsten Anstieg.

Nun passiert jedoch etwas, womit du nicht gerechnet hast. Der ETF, den du so beständig bespart hast, kann von der Fondsgesellschaft nicht mehr wirtschaftlich gemanagt werden und wird deshalb aufgelöst. Nach und nach wurde wohl immer mehr Geld von panischen Investoren abgezogen. Deine Anteile werden also zwangsverkauft. Nun sitzt du da mit dem Cash, weniger als du eingezahlt hast und kannst wieder von vorne anfangen.

Ein kleines Beispiel aus der Vergangenheit

Im Jahr 2002 legte die zur Union Investment gehörige UNICO Asset Management den weltweit ersten ETF auf den MSCI World auf. Das war der

UNICO i-tracker MSCI World (WKN: 765435)

Zum 31. März 2008 wurde dieser wieder aufgelöst.

Quellen:

Woher krame ich dieses Beispiel hervor? Ganz einfach, aus eigener Betroffenheit. Ich hatte solch einen Sparplan auf den obigen ETF über 100 EUR monatlich. Allerdings hatte ich diesen erst im Januar 2008 gestartet. Fondssparpläne gab es da schon, aber ETFs und Sparpläne darauf waren damals dem Privatanleger noch ziemlich unbekannt und damit unüblich.

Cortal Consors, wie die Consorsbank damals noch hieß, hatte einen Sparplan auf diesen ETF im Programm und bewarb ihn sogar mit einem Discount auf den Ausgabeaufschlag. Ja, richtig verstanden! Beim Kauf über die Fondsgesellschaft kostete das bis zu 2% Ausgabeaufschlag. Auch wenn es sich um einen Exchange Traded Funds handelte, wurden die Anteile bzw. Bruchstücke nicht wie heute üblich im Xetra-Handel, sondern direkt von der Fondsgesellschaft gekauft.

Ich zeige hier Ausschnitte aus meinen Wertpapierabrechnungen von damals:

Erster Kauf

ETF-Kauf 1

Zweiter Kauf

ETF-Kauf 2

Zwangsverkauf – sie nannten es Einlösung

einloesung

😦 Ich war sauer. Erst machen die einem die Sache mit dem Sparplan schmackhaft und dann: Ätsch, nö doch nicht! Aber im Endeffekt hatte ich nur 17,43 EUR damit verloren. Es hätte schlimmer kommen können.

Vor der Einlösung hatten sie mich natürlich informiert und mir vorgeschlagen, stattdessen einen anderen ETF auf den MSCI World zu besparen, und zwar den

db x-trackers MSCI WORLD TRN INDEX ETF 1C (WKN: DBX1MW),

Dieser war, wie sie schrieben, bereits neu in ihre Sparplanpalette aufgenommen worden. Bestimmt hatte ich mir dazu gedacht: Jaja, und übermorgen war’s das dann auch schon wieder! So war das Thema ETF-Sparplan und MSCI World für mich erst einmal durch und für die nächsten Jahre vergessen.

Den als Alternative vorgeschlagenen ETF von db x-trackers gibt es tatsächlich noch heute und er wäre nicht das schlechteste Investment gewesen.

Ich denke, ich wäre damals noch verärgerter gewesen, wenn ich schon länger in meinen Sparplan eingezahlt hätte und dann „herausgeworfen“ worden wäre.

Wie wahrscheinlich sind ETF-Auflösungen in der nächsten Krise?

Es geht hier um breit gestreute Aktien-ETFs. Der Grund, warum solch ein ETF aufgelöst wird, besteht meistens darin, dass er sich für den Emittenten nicht mehr lohnt. Das Fondsvolumen schmilzt in einer Krise immer zusammen, zum einen, weil die Aktien fallen, zum anderen, weil panische Anleger fliehen. Dadurch entsteht weniger Profit in Form von laufenden Kosten, denn diese werden prozentual auf das Volumen bezogen.

Nun verursacht jedoch ein ETF im Vergleich zu einem klassischen aktiv gemanagten Fonds, dem es übrigens in einer Krise meistens noch schlechter geht, relativ wenig Aufwand. So wird ein großer ETF für den Emittenten auch in einer Krise noch profitabel bleiben. Er verdient dann zwar bedeutend weniger daran, wird darauf aber nicht völlig verzichten. Deshalb wird immer empfohlen, in möglichst große ETFs, die schon lange am Markt sind, zu investieren.

Wie schlimm ist eine ETF-Auflösung wirklich?

Zunächst sieht man das realisierte Ergebnis. Wenn es zur Auflösung kommt, ist es sicher schon eine Weile abwärts gegangen oder das Ganze hat sich nicht so entwickelt, wie vom Emittenten gewünscht. Es ist ziemlich wahrscheinlich, dass die ganze Sache im Minus ist.

Das fühlt sich zunächst nicht schön an. Es scheint irgendwie etwas Endgültiges zu haben, denn der Wert kann sich nun nicht wieder erholen. Das ist jedoch ein Trugschluss. Das Kapital lässt sich sofort in einen gleichartigen ETF stecken, der wegen seiner Größe nicht von der Auflösung bedroht ist. Auch den Sparplan richtet man dann entsprechend darauf ein.

Die Gebühren für einen größeren Einmalkauf sind heutzutage überschaubar, also entstehen dabei nur wenige Zusatzkosten. Früher hätte man noch damit argumentieren können, dass das steuerlich ungünstig werden kann, aber das hat sich mit den neuesten Regelungen, nach denen ein ETF zu jedem Jahreswechsel steuerlich so behandelt wird, als wäre er verkauft und wieder gekauft worden, auch erledigt.

Wenn man also gleich wieder investiert, ist das im Großen und Ganzen so, als hätte sich gar nichts geändert. Vorher hatte man eine ETF-Anlage, die einen bestimmten Wert hatte. Nachdem man das frei gewordene Kapital wieder in einen entsprechenden ETF gesteckt hat, hat diese Anlage etwa den gleichen Wert und wird nach Einrichten des Sparplans genauso bespart wie vorher.

Fazit

Wenn man gleich einen großen und bewährten ETF wählt, ist eine Auflösung und damit Zusatzaufwand, um wieder ein neues passendes Investment einzugehen, relativ unwahrscheinlich. Falls es doch zu einer Auflösung kommen sollte, ist es auch nicht so schlimm.

Heute haben wir viel mehr Informationen über die Möglichkeiten, die ETFs und ETF-Sparpläne bieten, als ich sie damals bei meinem ersten verkorksten ETF-Sparplan-Versuch hatte. Hätte ich damals schon solch eine Webseite wie justetf.com zur Verfügung gehabt oder Bücher, die es heute zum Thema gibt, wäre ich sicher nicht so bockig gewesen. Jedenfalls kann ich heute darüber lachen und freue mich, im Laufe der Zeit einiges dazugelernt zu haben. So habe ich inzwischen schon seit ein paar Jahren neben Einzelaktien auch ETF-Sparpläne.

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Sparplan

Dieser Artikel ist keine Anlageberatung.

13 Kommentare

  • Einzigste sparplan „$Bitcoin“, (vergess einfach den rest den die profis erzählen. Geht euren weg in eurer zeit. Entscheidet mit emotionen!

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  • @Petra
    Würdest Du zustimmen, wenn ich Dein Fazit um folgendes ergänze?
    – ETF sollte bereits 5 Jahre am Markt sein
    – Sollte über mindestens 500 Millionen EUR Volumen haben
    – eine geringe TER
    – nur bei einem der großen Anbieter wie iShares und Co kaufen

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  • Gibt es in Deutschland keine Art von Kurs-Gewinnsteuer für ETF? In Österreich gibt es für Aktien und für ETF eine Kursgewinnsteuer. Kursgewinne müssen mit 27,5 % versteuert werden, können aber mit Verlusten im „laufenden Kalenderjahr“ gegengerechnet werden.

    Beispiel:
    Ich kaufe einen ETF mit einem Einstandspreis von 1000 EUR.
    In der Krise wird der ETF aufgelöst, ich erhalte noch 500 EUR (steuerlich könnte ich nun den Verlust von 500 EUR einen Gewinn gegenrechnen – aber in der Krise unwahrscheinlich das ich einen gutlaufenden anderen ETF verkaufe falls ich überhaupt einen habe – und außerdem, niemals in der Krise verkaufen).

    Ich investiere sofort wieder in einen neuen ETF, Einstandspreis: 500 EUR.
    In fünf Jahren verkaufe ich den ETF für 2000 Euro.
    Steuer fällt für 1500 EUR Gewinn auf Einstandspreis an, Steuersatz 27,5 % von den 1500 EUR.
    Wäre der ETF nicht aufgelöst worden würde die Steuer nur für 1000 EUR anfallen weil der ursprüngliche Einstandspreis bestehen(!) bleibt.

    Macht gleich mal einen Unterschied von 137,50 EUR, gar nicht so unerheblich bei größeren Summen.

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  • Ein größeres Problem als die Auflösung ist mangelnde Liquidität oder das Aussetzen des Handels/Rücknahme von Anteilen. Ist in der Finanzkrise bei Fonds und Immobilienfonds der Fall gewesen. Zuletzt vor ein paar Wochen bei einem Starfondsmanager in Großbritannien (Neil Woodford).

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  • Ich finde, man sollte einem Anbieter die Auflösung verbieten. Der Anbieter hat vor einem Start des Fonds alle Möglichkeiten die Regularien auszuarbeiten. Diese Ausstattung ist beim leisten der Unterzeichnung für beide Seiten klar. Sollte der Anbieter dann in eine weniger rentablen, oder gar negativen Situation sein, ist das sein Problem und er hat das zu akzeptieren. Denn ein Kunde muss ja auch ertragen wenn das Ergebnis negativ ausfällt, weil er am Anfang seine Unterschrift unter die gegebenen Bedingungen setzt. Es ist nicht gut wenn ein Vertrag für eine Seite so einfach geändert werden kann. Der Käufer kann die Bedingungen auch nicht einfach ändern.

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    • Schon wieder verbieten!
      Wenn es sich wirtschaftlich nicht rechnet, dann bleibt nur (geordnet) auflösen oder (ungeordnete) Insolvenz.
      Da ziehe ich ersteres vor!

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      • Die Wirtschaftlichkeit wird vor der Unterzeichnung eingeschätzt. Der Kunde hat das wie ein „Mann“ zu akzeptieren, der Anbieter kann wie im
        „Kindergarten“ sagen, halt, das gilt jetzt nicht.

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        • Ich bin mir 100%ig sicher das im kleingedruckten eines ETF steht, das der Emittent diesen ETF ohne Zustimmung des Kunden in gewisser Frist auflösen kann.

          Wirtschaftlichkeit: Also deine Meinung von Wirtschaftlichkeit einschätzen können ist wirklich Kindergarten und kann nur von einem wirtschaftlichen Analphabeten kommen.
          Es gibt jetzt schon ETFs die mehr als 20 Jahre laufen – und wir soll man die Wirtschaftlichkeit in den nächsten 5 Jahren, gar 20 Jahren voraussagen können?

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          • Genau dieses Kleingedruckte sollte ein als Sparplan angebotener ETF nicht haben dürfen. Es müsste Pflicht sein den ETF so lange aufrecht zu erhalten wie das Konstrukt besteht welches nachgebildet wird.
            Es gab z.B. in der Bausparbranche ähnliche Absichten, man wollte „hochverzinste“ Verträge los werden. Das wurde aber unterbunden und das ist gut so.

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