Sind Blogger Prostituierte?

Da gibt es immer wieder Zeitgenossen, die Blogger mit Prostituierten verwechseln – natürlich im übertragenen Sinne. Wer über das Thema Finanzen schreibt, macht doch sicher für Geld nahezu alles, oder?

Zwar hat Bloggerin noch vor ein paar Wochen darüber geschrieben, wie dumm Konsumschulden sind, und empfohlen, einen Notgroschen anzusparen für die unvorhergesehenen Klassiker wie kaputte Waschmaschine, Jobverlust oder dergleichen. Aber hey, das Internet ist so schnelllebig! Da fällt es doch gar nicht auf, wenn auf dem gleichen Blog morgen steht: Hau die Kohle ruhig auf’n Kopp, denn für den Notfall gibt’s Kredit! Für genügend Provision lässt sich Schreiberline sicher mit ein-zwei forschen Mails davon überzeugen, morgen mal eben das genaue Gegenteil zu gestern zu empfehlen.

Anders kann ich es mir nicht erklären, dass ich immer wieder solch ein „Zeug“ bekomme. Erst vor zehn Tagen Mail von einem großen Kreditvermittler:

Hallo Petra,

Guter Rat ist teuer heißt es. Zum Glück gibt es ihn bei dir umsonst. Ich bin Caroline S… und finde, deine Seite petrawolff.blog sehr gut. Ich finde ferner, du solltest dich dafür belohnen.

Bei … bekommen deine Kunden guten Rat umsonst und du verdienst daran!

Wenn du wissen willst, wie das geht, dann ruf mich einfach an oder meld dich noch heute beim Partnerprogramm an und fange mit einem Startguthaben von 20€ an.

Schöne Grüße

Ich habe darauf nicht reagiert. Ich habe schon öfter Mails von der gleichen Firma bekommen und mit freundlicher Absage beantwortet. Da die sich wohl nicht die Mühe machen, meine Mails zu beachten, muss ich es mit deren ja dann auch nicht.

Eine Woche später die „Nachfass-Mail“:

Hallo

gerne würde ich dich daran erinnern, dass du heute noch deinen ersten Kredit vermitteln und deine Kunde zu ihren Träumen verhelfen kannst.
Unsere Vorteile sprechen für sich selbst:
• top Konversionsraten
• überdurchschnittliche Provision
• langjährige Expertise (seit 2007)
• ständige Erweiterung der teilnehmenden Banken und Sonderaktionen

Ruf mich an oder melde dich sofort an. Warum Zeit verschwenden, wenn man sofort Geld verdienen kann?

Schöne Grüße

Meine Güte! Wie kann ich denn nur so dumm sein, auf die Kohle zu verzichten? Dreimal dürft ihr raten.

Grundsätzlich habe ich nichts gegen Empfehlungsprovision, im Gegenteil, ich baue solche Links immer wieder ein – gut gekennzeichnet. Aber ich empfehle nur Dinge, die ich auch selbst nutzen würde. Und ja, manchmal schreibe ich auch über einen kostenpflichtige Service von jemand anderem, weil ich die Idee interessant finde. Auch bezahlte Artikel finde ich in Ordnung, sofern der Inhalt passt. In dem Fall schreibe ich dazu, dass es sich um einen bezahlten Artikel handelt. Anfragen von schmierigen Agenturen, die das verschleiert haben möchten, kanzle ich immer sofort mit klaren Worten ab.

Ich denke und hoffe, dass die meisten Blogger das so handhaben wie ich. Allerdings gibt es überall schwarze Schafe. So kann ich das Misstrauen, das manchmal aus Kommentaren herausklingt, gut nachvollziehen.

Aber um die provokante Frage aus der Überschrift zu beantworten: Nein, die meisten Blogger sind keine Prostituierten!!!

Das wollte ich einfach mal loswerden.

12 Kommentare

  • Für die „Blogger“ im allgemeinen mag das zutreffen. (Ich lese keine Blogs, außer Finanzblogs). Aber für Finanzblogs trifft das schon lange nicht mehr zu.
    Die haben längst die Funktion von den „Bankberatern“ übernommen. In jedem Blog findest du mindestens fünf billige Amazon-Links, Links zu Depoteröffnungen, E-Books, Seminaren, etc.
    Die meisten Bankberater sind nach wie vor von ihrem Tun überzeugt!

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    • Oh verdammt, da habe ich doch glatt vergessen, einen Provisionslink in meinem Artikel unterzubringen!

      Nee, mal Spaß beiseite. Du kannst das natürlich sehen wie Du willst, aber was ist schlimm an Amazon-Links oder sonstigen Links zu Depoteröffnungen, E-Books oder Seminaren, solange sie zum Thema passen und den Inhalten des Blogs nicht widersprechen?

      Damit finanziert sich kein Blogger eine „goldene Nase“. Was niemand sieht, ist der Aufwand, der hinter den Artikeln steckt.
      Was mich nur aufregt, ist die Herangehensweise mancher Anbieter, die möchten, dass Du für sie wirbst: „Ich geb dir Geld, dann musst du es doch machen, egal ob es passt oder nicht.“ Naja, wahrscheinlich ist das normal und ich bin einfach nur zu naiv.

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  • Hallo Petra,

    da hast du ja wieder ein Thema eröffnet. Wahrscheinlich geht es hier in den Kommentaren bald rund 😉
    Stichwort: Blogger dürfen nichts verdienen, die sind dann nicht mehr unabhängig. Aber wer ist das schon.
    Solange alles gekennzeichnet und transparent ist sehe ich darin kein Problem.

    Zum Thema:
    Bei mir kommt in letzter Zeit immer wieder die „Mail-Masche“ an.
    „Sehr geehrter Herr xy, wir sind auf der Suche nach Finanzbloggern. Auf unserer Website xy bieten wir dies und das. Was möchten Sie für einen Artikel und/oder Verlinkung.“

    Während ich mir die ersten Male noch freundlich und detailliert geantwortet habe kommt in der Regel als Antwort: Nichts.

    Daher bin ich jetzt zu folgender Standardantwort übergegangen:

    Sehr geehrter Herr/Frau xxx,

    da ich sehr viele dieser Anfragen bekomme und es sich in 95% der Fälle leider um nichts weiteres als Werbung ohne ernsthafte Absichten handelt bin ich gezwungen die Seriosität ihrer Anfrage zu überprüfen.
    Um die Ernsthaftigkeit ihrer Absichten zu untermauern überweisen Sie mir daher einfach eine Prüfungsgebühr in Höhe von 10€ auf folgendes Konto:

    xxx

    Sollten wir ins Geschäft kommen rechne ich Ihnen diese Gebühr voll auf die Konditionen für unsere Zusammenarbeit an. Andernfalls behalte ich diese ein.“

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    • Naja, Tobias, was du da machst, hat aber auch „Geschmäckle“, wie die Schwaben sagen würden. Ich würde denen außerdem an deiner Stelle auch nicht so ohne weiteres die Kontonummer geben.

      Auch wenn ich so etwas nicht gutheißen kann, bin ich neugierig: Hast Du Erfolg damit?

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      • Hallo Petra,

        ehrlich gesagt finde ich es nur berechtigt. Es kostet mich teilweise 1-2 Stunden herauszufinden ob es sich da um etwas seriöses oder nur um ein Schneeballsystem oder andere unseriöse Angebote handelt, E-Mail formulieren und überlegen ob und wie ich das überhaupt in meinem Blog haben möchte eingeschlossen. Ich mache das ja auch nicht hauptberuflich, so dass es zu meinem Daily Business gehören würde.

        Zu deiner Frage: Vorgestern sind wieder 10 € eingetroffen und ich gehe davon aus, dass es zu einer Kooperation kommen wird. Ansonsten erreicht es seinen Zweck, ich sortiere von vornherein Angebote aus, die es nicht ernst meinen.

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        • Hallo Tobias,
          wow, ertaunlich! Ich lerne ja gerne immer wieder etwas dazu.

          Ich mach das immer so, dass ich, wenn ich nur den Verdacht habe, dass etwas unseriös ist, mich von vornherein nicht weiter damit beschäftige. Seriöse Dinge fliegen dann raus, weil sie inhaltlich nicht passen bzw. meiner Einstellung widersprechen.

          Das muss jeder für sich selbst entscheiden. Du kannst allerdings mit Deiner 10-EUR-Methode zwar ausschließen, dass Dich persönlich jemand übertölpelt, aber nicht, dass jemand so seine unseriösen Inhalte über Deinen Blog verbreitet. Aber ich denke, Du wirst schon die richtigen Entscheidungen treffen.

          Schönen Sonntag!

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          • Hallo Petra,

            ich denke da hast du mich falsch verstanden. Die 10€ sind nicht als Eintrittgeld ins Blog zu verstehen, ich prüfe natürlich dann noch genau auf wen ich mich da einlassen würde.
            Hunderprozentige Sicherheit gibt es bei so etwas natürlich nie, das hast du glaube ich auch schonmal erfahren müssen.

            LG,

            Tobias

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            • Ich hab das schon als „Prüfungsgebühr“ verstanden, nicht als „Eintrittsgeld“. 😉
              Und ja, ich habe bei einem fremden Inhalt schon mal ins Klo gegriffen, aber das war kein bezahlter Inhalt, sondern ein Gastbeitrag. Naja, wer keine Fehler macht, macht gar nichts.

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  • Hallo Petra,
    habe die Mail auch bekommen und nicht darauf reagiert. Auch die Mail danach habe ich bekommen. Zu den affil. Links: Ich schreibe ja immer: Gerade bei Finanzbloggern darf man sich nicht wundern, wenn affiliate Links auftauchen :P. Aber eins ist klar, es muss auch zum Blog, Lesern und den Werten passen. Ich schaue wie du immer ganz genau, welche Anfragen wirklich passen. Deswegen habe ich auch ganz wenige bis gar keine „sponsored“ Artikel im Jahr. Und sonst werden die klar markiert. Immer wieder sehe ich nicht gekennzeichnete Artikel. Das ist Schleichwerbung und sollte gekennzeichnet sein. LG Johannes

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  • Hallo Petra,

    ich sehe das etwas kritischer.
    Grundsätzlich habe ich nichts gegen Monetarisierung eines Blogs.
    Ich habe das jahrelang zu anderen Themen selber betrieben.

    Aktuell habe ich etwa 60 Finanzblogs in meiner Feedly RSS Liste.
    Da finden sich schon viele bei denen man den Eindruck hat, dass es weniger um Austausch oder Weitergabe von Informationen geht, als viel mehr um die Möglichkeit Affiliate-Links zu platzieren.
    D.h. es wird Content speziell für das platzieren von Links generiert.
    Insbesondere dann wenn die Posting-Frequenz hoch und das bisherige Anlagevolumen gering ist, macht das schon misstrauisch.

    In solch einer Gemengelage wird es schwierig sofort zu erkennen welche Quelle vertrauenswürdig ist und welche nicht.
    Gerade bei finanziellen Angelegenheiten finde ich Vertrauen sehr wichtig insbesonders dann wenn Einsteiger mit Slogans wie: „So gelangst Du zur finanziellen Freiheit.“, „Finziell frei werden mit ETFs“ usw. usf. adressiert werden.

    Gerade bei den Summen über die oftmals geschrieben wird, muss man nicht auch noch die letzten 20 Mäuse pro Monat aus dem Blog holen. Ich fände ein Blog welches vollständig auf Monetarisierung verzichtet schlichtweg glaubwürdiger und seriöser.

    Tatsächlich war ich vor 14 Tagen kurz davor meine durch DSGVO und sonstige regulatorische Gängelung selbstauferlegte Internet-Abstinenz aufzugeben um genau ein solches vollständig werbefreies Blog aufzusetzen. Ich habe es dann aber nach 10 Stunden WordPress-Gefummel und dem Versuch rechtskonform zu publizieren entnervt aufgegeben und mich darauf besonnen wie viel Zeit ich duch den Verzicht auf eigene Webseiten gewonnen habe.

    Insofern danke ich allen, die ihren Weg und ihre Gedanken teilen und möchte diesen Kommentar lediglich als Anregung verstanden wissen. Vielleicht folgt ja irgendwer meinen Argumenten. 🙂

    Viele Grüße

    Gefällt 1 Person

  • Hallo Petra,

    natürlich dürfen Blogger auch Geld verdienen. Ich merke es jedoch an mir selbst, wenn das vielleicht jahrelang erworbene Vertrauen durch dubiose beworbene Produkte einmal angekratzt ist, kann man es nur noch sehr schwer zurückgewinnen.
    Ich denke der Blogger schädigt am meisten sich selbst, wenn er nicht Maß hält und es übertreibt.

    Viele Grüße,
    Ruben

    Gefällt 1 Person

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