Magic Formula oder Börsen-Zauberformel: Neues vom Faulpelz-Formel-Experiment

Einfach zwei Renditekennzahlen zu einer Liste von Aktien ermitteln und dann immer in diejenigen investieren, die dabei am besten abschneiden. Das soll langfristig Überrendite bringen? Joel Greenblatt behauptet das jedenfalls in seinem Buch „Die Börsen-Zauberformel“, das den ambitionierten Untertitel trägt: „Wie Sie den Markt mit Leichtigkeit schlagen.“ Im Original heißt das Werk „The Little Book That Beats the Market“.

So etwas ist eine Herausforderung. So etwas schreit geradezu nach einem Experiment. Denn behaupten kann man viel, auch Backtesten kann man viel: „Hätte man damals, dann hätte man heute…“

Mein Magic Formula Experiment: „Faulpelz-Formel“

Ausprobieren wollte ich diese kuriose Strategie schon gerne, jedoch keinesfalls mit echtem Geld. Das einzige meiner Experimente, in dem ich echtes Geld riskiere, ist mein „Experiment Levermann-Depot“, aber das steht auf einem ganz anderen Blatt.

Das Experiment zur Börsen-Zauberformel von Greenblatt habe ich „Faulpelz-Formel“ genannt und ein gleichnamiges wikifolio dazu angelegt. Es läuft schon seit mehr als zwei Jahren. Hier auf meinem Blog habe ich bisher selten darüber geschrieben, weil es dazu meistens nicht viel zu schreiben gab. Direkt beim wikifolio und in meinem Newsletter habe ich das aber regelmäßig kommentiert.

Heute schreibe ich etwas darüber, weil ich aufgrund von Beobachtungen und Überlegungen nun eine kleine technische Änderung eingeführt habe und demnächst eine weitere Änderung plane. Doch zunächst der Reihe nach.

Die Renditekennzahlen – Herzstück der Strategie

Die beiden Renditekennzahlen, um die es geht, sind eine Art Kapitalrendite und eine Gewinnrendite. Für eine große Liste von Aktien (mehrere tausend), werden diese beiden Kennzahlen berechnet, und zwar so:

Kapitalrendite in % = EBIT : Bilanzsumme

Gewinnrendite in % = EBIT : (Marktkapitalisierung + Fremdkapital)

Beispiel:
Die XYZ AG

  • hat eine Bilanzsumme von 90 Mrd. EUR.
  • Davon sind 40 Mrd. EUR Fremdkapital.
  • Es wurde ein EBIT von 6 Mrd. EUR erwirtschaftet.
  • Die Marktkapitalisierung beträgt etwa 55 Mrd. EUR.

Dann berechnen sich

Kapitalrendite = 6 : 90 = 0,067 = 6,7%

Gewinnrendite = 6 : (55 + 40) = 6 : 95 = 0,063 = 6,3%

Was sagen diese Kennzahlen aus?

Im obigen Beispiel generiert das Unternehmen bezogen auf die Bilanzsumme, also bezogen auf das Gesamtkapital (engl. Total Assets), einen Gewinn, der 6,7% des Kapitals ausmacht. Als Gewinn wird EBIT (Earnings Before Interests and Taxes) verwendet. Die Kapitalrendite beträgt also 6,7%.

Die zweite Kennzahl setzt den Gewinn zum derzeitigen Marktpreis des Unternehmens ins Verhältnis. Die Marktkapitalisierung ist der Aktienkurs multipliziert mit der Anzahl sämtlicher Aktien. Würde man also alle Aktien des Unternehmens kaufen, müsste man dafür einen Betrag in Höhe der Marktkapitalisierung hinlegen. Dabei würde man dann auch die Schulden übernehmen, also das Fremdkapital. Darum wird diese Zahl noch zur Marktkapitalisierung hinzugerechnet. Der Gewinn wird nun zu dieser Summe, also praktisch zu einer Art Gesamtkosten, ins Verhältnis gesetzt. So ergibt sich die Gewinnrendite.

Unsere Beispielfirma, die XYZ AG, schneidet nicht so gut ab und würde es mit diesen mickrigen Renditen wohl nicht auf die Top-Liste schaffen.

Die Rankings und die daraus resultierende Top-Liste

Diese Berechnungen werden für alle Aktien der Liste ausgeführt. Nun werden Rankings über diese beiden Renditen gebildet. Diejenige Aktie, bei der die Rendite am höchsten ausfällt, steht auf Platz 1 usw. Die beiden Rankings (Platzierungen) werden addiert und es wird ein neues Ranking über diese Summe gebildet. Dabei steht die kleinste Zahl oben. So kann das Ganze fertig aussehen:

Faulpelz-Formel Ranking-Liste

Das Vorgehen

Nun besteht die Strategie darin, immer in die 20 bis 30 Top-Positionen zu investieren und diese jeweils für ein Jahr zu halten. Die Idee dahinter ist, dass man dadurch immer in die Aktien der rentabelsten und gleichzeitig relativ günstigsten Unternehmen investiert. Wahrscheinlich werden diese meistens steigen.

Ich hatte mir überlegt, dass ich das immer etwa alle zwei Wochen mit einer Aktienposition des Depots mache. So komme ich innerhalb eines Jahres auf 26 Aktien im Depot. Neben der Streuung durch die Anzahl gibt es noch eine Streuung der Kaufzeitpunkte. Die Ranking-Liste ermittle ich monatlich. Das mache ich vollautomatisch und ich nehme auch keine manuellen Korrekturen vor. Darum heißt es Faulpelz-Formel. Wenn durch Fehler in den Quelldaten Fehler in den Rankings entstehen, dann ist das einfach so.

Was bisher geschah

Im ersten Jahr: Depotaufbau

Angefangen hatte ich das Ganze im Mitte Oktober 2016. Im ersten Jahr, also bis zum Oktober 2017 habe ich dann alle zwei Wochen eine Aktie anhand meiner Ranking-Liste ins Depot gelegt. Am Anfang habe ich die Rankings über 1.000 Aktien gebildet. Inzwischen sind über 5.000 auf meiner Gesamtliste.

Im zweiten Jahr: die erste Austausch-Runde

Ab Oktober 2017 begann die erste Austausch-Runde. Alle zwei Wochen habe ich diejenige Aktie betrachtet, die ich vor etwa einem Jahr gekauft hatte. Wenn sie sich nicht mehr unter den ersten 50 Positionen meiner dann aktuellen Ranking-Liste befand, habe ich sie verkauft und dafür eine neue aus den 30 oberen Positionen gekauft. Sofern sie jedoch noch eine Top-Platzierung hatte, habe ich sie behalten.

Den Verlauf dieser Austauschrunde hatte ich in einer Übersicht festgehalten und dazu jeweils die realisierten Gewinne bzw. Verluste berechnet. So sah das Ganze aus:

Magic Formula Faulpelz-Formel Austausch-Runde 1

Die zweite Austausch-Runde läuft bisher schlecht

Seit Oktober 2018 läuft nun die zweite Austausch-Runde. Darin sieht es bisher eher rot aus.

Magic Formula Faulpelz-Formel Austausch-Runde 2

Das ist die Stelle, an der ich mich mächtig freue, kein echtes Geld in diese Strategie gesteckt zu haben.

Auch der Wertverlauf des wikifolio sieht insgesamt nicht besser aus, nur zeitlich etwas verschoben:

Magic Formula Faulpelz-Formel wikifolio

Aber mich interessieren vor allem die Ergebnisse unterm Strich, deshalb sind mir meine Tabellen wichtiger als der Kursverlauf.

Warum läuft es in letzter Zeit so schlecht?

Laut Joel Greenblatt kann es durchaus vorkommen, dass es mehrere Jahre hintereinander gibt, in denen es sehr schlecht läuft, schlechter als der Gesamtmarkt. Also heißt es: einfach auf das System vertrauen und abwarten. Vertraue ich einem System, das auf einer Backtesting-Studie über einen Zeitraum von nur 17 Jahren basiert? Nicht wirklich. Darum wird dieses Experiment nur ein Spiel bleiben.

Ich habe mir in den Listen der Vormonate die Aktien auf den oberen Plätzen der Ranking-Liste etwas genauer angesehen. Bei den meisten dachte ich: Schrott! Aktien, die seit Jahren fallen und jetzt schon fast Penny Stocks sind. Warum sollte es gerade in dem Jahr, in dem ich die Aktie halte – Ranking-Liste hin oder her – plötzlich aufwärts gehen?

Wie haben es solche Schrott-Aktien nach oben auf die Liste geschafft und warum bin ich in der ersten Runde weitgehend davon verschont geblieben? Meine Vermutungen: Am Anfang hatte ich die Daten von einem anderen Finanzportal gezogen, auf dem weniger Aktien zur Verfügung standen. Möglicherweise haben die eben nicht jeden Schrott in ihre Datensammlung aufgenommen.

Dazu kommt, dass das EBIT, welches für die Berechnung der Renditekennzahlen verwendet wurde, immer das des letzten abgeschlossenen Geschäftsjahres war. Bei „schlimmen Aktien“ sinkt das EBIT jedoch von Jahr zu Jahr, so dass die Renditeberechnung dann auf falscher Grundlage passiert und dadurch höher ausfällt als sie dürfte.

Ob das die Ursache für die schlechte Performance der letzten Zeit ist, weiß ich nicht. Wenn ich mir mein wikifolio anschaue, so ist nicht alles totaler Schrott, was sich darin befindet. Trotzdem schadet es sicher nicht, etwas gegen Schrott auf der Top-Liste zu tun.

Meine Änderung für eine bessere Ranking-Liste

Ich habe mir überlegt, ab jetzt statt des EBIT des letzten abgeschlossenen Geschäftsjahres immer den geschätzten Wert für das aktuelle Jahr zu verwenden. Aktien ohne solche Schätzung fliegen raus.

Meine Datenermittlung und Berechnung habe ich inzwischen entsprechend geändert und am vorigen Wochenende damit die neue Ranking-Liste erstellt. Wenn ich mir stichprobenartig einige Top-Positionen davon ansehe, habe ich irgendwie einen besseren Eindruck als von den Listen der letzten Monate. Gestern habe ich in meinem wikifolio das erste Mal anhand dieser neuen Liste gehandelt. Der Ausschnitt ganz oben stammt übrigens aus dieser neuen Liste.

Ausblick

Die aktuelle Auswertungsrunde, welche bis Mitte Oktober 2019 läuft, werde ich weiterhin alle 14 Tage durchführen wie bisher, nur anhand der anders erzeugten Listen. Danach werde ich auf einen monatlichen Rhythmus wechseln. Ich verringere die Anzahl der Aktienpositionen im Depot auf 24 und behandle jeweils einmal monatlich zwei Aktien in der Austauschrunde. Warum? Na, du ahnst es: „Faulpelz-Formel“ eben.

Alle Links auf einem Haufen

Disclaimer

Das hier ist keine Anlageempfehlung, sondern einfach nur ein spielerisches Experiment.

Ich lasse es völlig entspannt so nebenbei weiterlaufen.

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5 Kommentare

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