Original-Levermann-Experiment: Einfach so weiter


Wieder sind zwei Wochen um. Auch in dieser Runde besteht kein Änderungsbedarf. Das freut mich, denn je weniger Hin und Her es gibt, desto weniger Transaktionskosten fallen an.

Deshalb zeige ich heute zunächst nur den aktuellen Stand nach der letzten Auswertung. Anschließend noch ein paar Gedanken zum „Levermann-Strategie-Phänomen“.

Levermann-Depot Übersicht vom Freitag, 26.04.2019

Levermann-Strategie Depot-Übersicht

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Das Levermann-Strategie-Phänomen

Ich staune immer wieder, welche Faszination die Levermann-Strategie insgesamt auslöst, und das obwohl sie in letzter Zeit doch eher schlecht bis mäßig lief und Anleger meistens nicht so viel Geduld aufbringen, solche Phasen durchzuhalten.

Ich erkläre mir das so, dass der brennende Wunsch nach einer Strategie mit Outperformance dahintersteckt. Die Leute wollen es einfach glauben. Möglicherweise ist die Levermann-Strategie gerade deshalb eine Kandidatin zur Erfüllung jenes kühnen Traumes, weil sich mit vertretbarem Aufwand kaum die Daten für ein echtes Backtesting dazu beschaffen lassen. Somit lässt sich nicht das Gegenteil beweisen.

Seit ich mein Experiment durchführe, stoße ich immer wieder auf „Levermann-Forscher“, die auf der Suche nach ausreichenden Daten sind. Manche wenden sich damit auch an mich. Allerdings bin ich beim Berechnen von Levermann-Auswertungen schon seit den letzten Jahren immer sparsamer geworden. Ich werte immer erst nur meine eigenen Depotpositionen aus. Wenn kein Verkauf nötig ist, erhebe ich keine weiteren Daten. Also habe ich keine hinreichende Datenmenge für tiefergehende „Studien“.

Wenn ich doch mal etwas austauschen muss, konsultiere ich seit einigen Monaten zunächst die Seite von Tobias (langfristig gedacht), denn er zieht jede Woche Daten zu tausenden Aktien und führt Levermann-Bewertungen durch. Die Gesamtpunktezahlen veröffentlicht er. Er verwendet ohnehin mein Excel-Tool. So muss ich das Gleiche also nicht noch einmal laufen lassen. Also berechne ich das dann nur für die besten Werte seiner Liste, sehe damit die Details und korrigiere, wenn nötig. Das Tool denkt schließlich nicht mit, und manchmal fehlen auch einfach Daten in den ausgelesenen Quellen.

Letzte Woche gab es einen interessanten Gastbeitrag zur Untersuchung der Effektivität der Levermann-Strategie auf Tobias‘ Blog. Da hat sich Herr Walter Schwarz sehr große Mühe gegeben, die Daten eines Zeitraumes mehrerer Monate mit verschiedenen Methoden auszuwerten und darzustellen. Hut ab vor diesem Fleiß! Ich habe das sehr gern alles durchgelesen und angeschaut. Aber ganz ehrlich: Mehr als ein paar imposante Zeichnungen und Korrelationskennzahlen sowie ein Vergleich zwischen einem fiktiven Levermann-Depot und einem Benchmark-Depot, wie sie beide in der Realität nicht umsetzbar sind, gibt diese Analyse auch nicht her.

Ich mache mir deshalb gar nicht erst solche Mühe, sondern spiele das Ganze einfach weiter in der Wirklichkeit durch. Dabei stecke ich meine Energie lieber ab und zu in die Verbesserung meiner eigenen Hilfstools.

Alles zu meinem Experiment Levermann-Depot

Hier findest Du immer den aktuellen Stand, kommst zu sämtlichen Artikeln und findest alle Transaktionen, die seit Beginn des Experimentes stattgefunden haben: Artikelserien / Experiment Levermann-Depot

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2 Kommentare

  • Michael Wonner

    Hallo Frau Wolff,

    ein interessantes Experiment, das ich hier immer wieder gerne mitverfolge. Sie scheinen eine inzwischen sehr kritische Einstellung gegenüber der Levermann-Strategie zu haben. Ich kann diese bislang nicht teilen, kann aber auch nicht Ihre Langzeiterfahrung vorweisen. Dass aber besonders viele Menschen an der Strategie Interesse haben, ist aber kaum verwunderlich. Das Buch von Frau Levermann doch in verständlicher und unterhaltsamer Weise, auf welche Kennzahlen man als Anleger besonders achten sollte. Es hat Sie dazu angeregt ein eigenes Buch dazu zu schreiben (womit Sie die Aufmerksanmkeit weiter erhöht haben). Als Langfriststrategie wird die Aktienanlage mit dieser Strategie auch für Normalsterbliche mit vertretbarem Arbeitsaufwand und Mitteln handhabbar.

    Ihr Experiment scheint mir durch Ihre Änderungen / Anpassungen jedoch leider etwas verwässert und nur noch schlecht mit der originalen Strategie vergleichbar, man würde es eigentlich als nicht wissenschaftliches experimentelles Vorgehen bezeichnen, die Versuchsanordnung durch abweichende Punktevergaben bzw. -Signalanweisungen so zu ändern. Die Strategieabweichungen sind recht stark und entwerten leider die Ergebnisse. Die Aussage das historische KGV nicht berücksichtigt würden, kann ich nicht nachvollziehen.

    Ein kurzer Check Ihres Portfolios führt bei mir bei Auswertung nach der originalen Strategie derzeit zu folgenden Ergebnissen (wo aufwändigere Rechercheerfordernis für mich bestand, habe ich unsichere Titel entfallen lassen):

    Kaufen
    Deutsche Konsum Reit-AG`X, DE000A14KRD3
    Foot Locker Inc.`F, US3448491049
    Southwest Airlines Co.`S, US8447411088
    United Continental Holdg. Inc.`B, US9100471096

    Verkaufen
    Alliance Resource Partners LP`F US01877R1086
    Big Yellow Group PLC, GB0002869419
    Eckert & Ziegler Str.-u.Med.AG`X, DE0005659700
    MONTEA SCA`F, BE0003853703
    Warehouses De Pauw S.C.A.`F, BE0003763779

    Halten
    Altri SGPS S.A.`M, PTALT0AE0002
    Viacom Inc. B`S, US92553P2011

    Wenn daran man Spaß hat, könnte man noch folgende eigene Erwägungen zu den vorgeschlagenen „Kaufen“-Aktien anstellen:
    Viacom: uninteressant, da ein großer Anteilseigner sich seit langer Zeit gegen einen Zusammenschluss mit CBS wehrt, deshalb stagniert der Kurs im wesentlichen.
    Amerikanische Fluglinien: aufgrund der weiteren Entwicklung zur Boing 737 zu unsicher, insbesondere bei der SouthWest, die fast nur dieses Modell fliegt…

    Da also nicht nach der Stategie gehandelt wird, kann eine Enttäuschung über die Ergebnisse hier durchaus nachvollzogen werden (z.B. Warehouse, recht dramatischer Sinkflug, ohne entschlossene Gegenmaßnahme, trotz klarem Verkaufssignal)

    Mein Fazit: ich halte bisher die Stategie im Prinzip für tauglich und werde sie weiter probieren unter Hinzuziehung eigener undogmatischer Überlegungen und Recherche.

    Ihnen wünsche ich noch viel Erfolg bei Ihren weiteren Trading-Entscheidungen.

    Mit freundlichen Grüßen

    M. Wonner

    Gefällt mir

    • Hallo Herr Wonner,

      vielen Dank für das ausführliche Feedback. Ich gehe gern auf Ihre Anmerkungen im einzelnen ein.

      Meine kritische Haltung zum Thema: Die habe ich von Anfang an. Die hatte ich auch, als es nur nach oben zu gehen schien, und als alle anderen um mich herum „Hurra! Das ist der Beweis, dass es funktioniert“ geschrien haben. Auch in meinem eigenen Buch mache ich kein Geheimnis aus meiner kritischen Haltung. Aber ich finde die Strategie trotzdem faszinierend.

      Verwässerung durch meine Anpassungen: Das sehe ich nicht so. Abweichungen in den Bewertungen kommen eher durch verschiedene Datenquellen, die benutzt werden, zustande. Im Grunde genommen berechne ich nur eines der Kriterien anders als im Original. Diese Abweichung wirkt eher beruhigend. Ansonsten halte ich mich an die Vorschläge von Susan Levermann. Was die Punktevorgaben angeht, bin ich zwar etwas strenger, aber auch das führt in der Regel zu weniger hektischem Handeln, wodurch Kosten vermieden werden. Optimale Einstiegs- oder Ausstiegspunkte gibt es ohnehin mit solch einer Strategie nicht.

      Mein Vorgehen ist kein wissenschaftliches experimentelles Vorgehen: Ja, stimmt. Das habe ich auch niemals behauptet. Es ist einfach ein spielerisches Experiment.

      Zu Ihren Ergebnissen für meine derzeitigen Depotpositionen:
      Ja, das kann durchaus sein. Wie schon vorher erwähnt kommt es auf die Quellen an. Außerdem habe ich dieses Wochenende keine Bewertungen durchgeführt. Das mache ich alle vierzehn Tage, und das ist erst am nächsten Wochenende wieder dran.

      Zu Ihren eigenen Erwägungen für die Kaufaktien: Ja, finde ich sinnvoll. Bei einer Kaufentscheidung nehme ich mir auch das Recht heraus, trotz Kaufpunktezahl eine Aktie aus gutem Grund nicht zu kaufen. Zu Ihren genannten Beispielen: Die Flugaktien sind schon vor den Problemen mit den Boeing-Maschinen in meinem Depot gelandet.

      Zitat: „Da also nicht nach der Strategie gehandelt wird, kann eine Enttäuschung über die Ergebnisse hier durchaus nachvollzogen werden.“ Doch, hier wird nach der Strategie gehandelt. Es gibt eben nicht DIE Levermann-Punktezahl. Enttäuschung? Nein. Enttäuscht kann ich nur sein, wenn ich bestimmte Erwartungen gehabt hätte.

      Sie halten die Strategie für tauglich und werden sie weiter probieren. Na dann viel Erfolg! Ich spiele dieses Spiel auch weiter.

      Viele Grüße
      Petra Wolff

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