Was aus den zehn Regeln nach Benjamin Graham wurde

zehn Regeln von Benjamin Graham
Zuletzt hatte ich vor gut einem halben Jahr etwas über das Thema geschrieben. Es ist eins meiner Experimente. Es geht darum, Aktien nach den zehn Regeln von Benjamin Graham auszuwählen.

Umgesetzt habe ich das mittels wikifolio. Gestern babe ich die darin befindlichen Positionen überprüft und heute etwas umgeschichtet. .

Die zehn Regeln und das wikifolio

Hier ist das wikifolio.

Nach diesen Regeln werden die Aktien dafür ausgewählt:

Die Bewertungsregeln

1. Das Gewinn-zu-Kurs-Verhältnis sollte etwa doppelt so hoch oder höher sein als die Rendite einer AAA-Anleihe.
2. Das KGV sollte weniger als ca. 40% des höchsten KGV der letzten fünf Jahre ausmachen.
3. Die Dividendenrendite sollte in etwa zwei Drittel der Rendite einer AAA-Anleihe oder mehr betragen.
4. Das Kurs-Buchwert-Verhältnis sollte möglichst zwei Drittel nicht übersteigen.
5. Die Marktkapitalisierung sollte maximal ca. zwei Drittel des Nettoumlaufvermögens betragen.

Die Qualitätsregeln

6. Das Fremdkapital sollte das Eigenkapital nicht übersteigen.
7. Das Umlaufvermögen sollte in etwa doppelt so hoch oder höher sein als die kurzfristigen Verbindlichkeiten.
8. Das Fremdkapital sollte nicht mehr als ca. das Doppelte des Nettoumlaufvermögens betragen.
9. Das durchschnittliche Gewinnwachstum der letzten zehn Jahre sollte in etwa mindestens 7% ausmachen.
10. Innerhalb der letzten zehn Jahre darf der Gewinn maximal zweimal um ca. 5% oder mehr gegenüber dem Vorjahr zurückgegangen sein. Defizite dürfen nicht vorgekommen sein.

Meine bisherigen Erfahrungen

Ich habe das Depot nach und nach aufgebaut. Das gestaltete sich ziemlich zäh. Besonders die Regeln 4 und 5 sind niemals erfüllt, zumindest nicht bei solchen Unternehmen, die gleichzeitig den Qualitätskriterien genügen. Möglicherweise kann man in Zeiten tiefster Depression so etwas finden. Das bringt heute aber niemanden weiter.

Ich habe mich bei der Auswahl der kaufenswerten Aktien auf 7 Punkte beschränkt, also 2 der Bewertungskriterien und alle Qualitätskriterien sollten erfüllt sein. Auch damit war es fast unmöglich, das Depot vernünftig gestreut zu füllen. Aber mit „Auge zudrücken“ ging es dann doch irgendwie.

Das Resultat: Einige der Aktien halte ich für Kompromisse, zu denen es besserer Investmentgelegenheiten gibt. Am Anfang hatte ich einige gute amerikanische Aktien gefunden, z.B. Cisco Systems und Qualcomm, die ich auch in meinem realen Haupt-Depot gekauft habe und mit großer Freude halte, vor allem wegen der schönen Dividendenzahlungen. Aus dem wikifolio hatte ich sie allerdings entfernt, weil Dividenden von US-Aktien dort nicht gebucht werden. Das ist keine Willkür von wikifolio oder Lang und Schwarz, sondern das ist aufgrund gesetzlicher Regelungen für Zertifikate so. Hinter einem investierbaren wikifolio steckt nun einmal ein Zertifikat.

Ich war auch selbst in das wikifolio-Zertifikat investiert. So hatte es den Real-Money-Status. Aber irgendwie empfand ich das leider als totes Kapital. Es hat keinen Cashflow produziert und ich konnte immer wieder in den Aufstellungen sehen, wie sich wikifolio bzw. Lang und Schwarz jeden Tag ihre Zertifikategebühr nehmen, und das dafür, dass ich mir selbst die Mühe mache, die Aktien zu analysieren und auszusuchen. Davon war mein reales Investment natürlich im gleichen Maßstab betroffen. OK, das wusste ich vorher, aber nun hatte ich es immer wieder schwarz auf weiß vor Augen. Das fand ich dann doch irgendwie doof. Also habe ich mein Geld inzwischen abgezogen und direkt in gute Dividendenaktien gesteckt. Ich betreibe das wikifolio also für mich als reines Musterdepot weiter.

Transaktionen im wikifolio

Zunächst habe ich die obigen zehn Kriterien aus heutiger Sicht bei allen zwölf Aktien überprüft. Das kam dabei heraus:

ISIN Name erfüllte Kriterien Datenblatt
DE0005093108 AMADEUS FIRE AG 6 amadeusFiRe201904.pdf
DE0005232805 BERTRANDT AG O.N. 6 bertrandt201904.pdf
FR0000120966 BIC 4 bic201904.pdf
FR0000061129 BOIRON 5 boiron201904.pdf
BE0974256852 COLRUYT NV 2 colruyt201904.pdf
DE0005774103 FORTEC ELEKTRO 5 fortec201904.pdf
DE0005790406 FUCHS PETROLUB SE 7 fuchspetrolub201904.pdf
GB0005576813 HOWDEN JOINERY GROUP PLC 7 howdenjoinery201904.pdf
US4567881085 INFOSYS TECHNOLOGIES 8 infosys201904.pdf
JP3496400007 KDDI CORP. 5 kddi201904.pdf
AT0000938204 MAYR MELNHOF 7 mayrmelnhof201904.pdf
ES0184262212 VISCOFAN S.A. 6 viscofan201904.pdf

Ich beschloss, BIC und Colruyt zu verkaufen und das freie Kapital auf Positonen mit mindestens 7 Punkten umzuschichten oder ganz neue Positionen damit aufzubauen.

Also habe ich mich zunächst auf die Suche nach neuen Investmentgelegenheiten gemacht. Dazu habe ich, wie bereits beim letzten Mal, den Aktienfinder verwendet.

Hier gehts zum Aktienfinder:
Aktienfinder - Tool zum Auffinden profitabler Investments

Und hier hatte ich die Vorgehensweise bei meiner Suche nach Graham-Aktien beschrieben: Graham-Depot: Lamborghinis zum VW-Polo-Preis?

Wieder bin ich auf die Partners Group aus der Schweiz gestoßen. Inzwischen gab es neue Zahlen. Das Ergebnis fiel besser aus als im Vorjahr, trotzdem ist der Preis nicht gestiegen. Alle fünf Qualitätskriterien sind erfüllt und eins der Bewertungskriterien. Das sind zwar insgesamt nicht die verlangten 7 Punkte, aber weil die Qualitätskriterien so mustergültig ausfallen, habe ich einfach einen Zusatzpunkt gegeben und konnte diese Aktie in mein Depot aufnehmen.

Die Verkäufe und Käufe sind inzwischen alle durch. So sieht es nun aus: zum wikifolio

Ausblick

Wie geht es weiter? Mit Geduld. Also lasse ich es einfach in Ruhe, mindestens für ein halbes Jahr, vielleicht auch länger.

Wie stehe ich inzwischen zu den zehn Regeln von Graham?

Die fünf Qualitätsregeln halte ich für sehr sinnvoll, sie sollten wenigstens in etwa erfüllt sein. Die Bewertungsregeln sind aus heutiger Sicht utopisch, besonders Nr. 4 und 5 sind für solide Unternehmen nicht erfüllbar. Dividenden halte ich für wichtig, aber die schaue ich mir lieber im Zeitverlauf über mehrere Jahre an als in einer Momentaufnahme, wie im Kriterium 3.

Für mein echtes, auf Cashflow ausgerichtetes Aktiendepot schaue ich auf die Graham-Kriterien „im weiteren Sinne“, vor allem auf die Qualitätsregeln, plus Dividendenverlauf.

Ich selbst bin nicht mehr in das wikifolio-Zertifikat investiert und empfehle auch nicht, darin zu investieren, schon wegen der Nebenkosten, die tröpfchenweise jeden Tag vom Wert abgezogen werden.


Alles zum Graham-Experiment findest du hier: Artikelserien / Zehn Regeln nach Benjamin Graham

Dieser Artikel befasst sich ausführlich mit wikifolio allgemein: wikifolio: Erfahrungen und Überlegungen

3 Kommentare

  • Die Zeiten seit Benjamin Graham habe sich verändert. Ich bin ziemlich sicher, dass er auch sein eRigeln geändert hätte.

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    • Ja, das sehe ich auch so.

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      • Gilbert Buitenhuis

        Hallo Petra, Wegen den Ãnderungen, ich habe kürzlich das Buch „The American Jubilee“ von Porter Stansberry, ein Finanzberater . Er beleuchtet das Ganze von allen, auch bekannten Seiten, kommt am Schluss zum einleuchtenden Ergebniss, dass es schlussendlich um 2 Sachen geht, die über viele Jahre steigende Dividenden-Ausschüttung und Produkte des alltäglichen Gebrauchs. Also Nahrungsmittel, Reinigungsmittel und Sonstiges wie CocaCola und McDonald. Keinen zyklischen Verbrauch, dafür eher gewohnheitlicher Verbrauch. In gewissem Sinne paradox.

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