Einfache Aktienanlage: Starter-Depot trifft auf Supertool

Supertool

Als Kontrastprogramm zum „Nur-ETFs-sonst-schlechtere-Performance“-Mantra der eingefleischten ETF-Choralisten hatte ich exemplarisch einen Weg beschrieben, wie man zur Auswahl der ersten Einzelaktien für ein kleines, solides Depot vorgehen kann, ohne zu große Risiken einzugehen. Das Ganze hatte ich in einer kleinen Artikelserie („Einfache Aktienanlage“) abgehandelt.

Heute schreibe ich doch noch einen weiteren Artikel dazu, denn ich habe nun meine mittels eigenem Excel-Tool analysierten Daten mit einem anderen Tool gegengecheckt. Das Ding hat mich wirklich begeistert, denn es hat noch mehr Möglichkeiten und noch vielseitigere und trotzdem übersichtliche grafische Darstellungen als meine Excel-Anwendung.

Nun will ich euch nicht weiter auf die Folter spannen:
Es handelt sich dabei um den Aktienfinder:


https://aktienfinder.net/

Wer Englisch bevorzugt, kann übrigens die englische Variante des Aktienfinders besuchen, die inhaltlich und technisch mit der deutschen identisch ist.
https://dividendstocks.cash/

Diese Webanwendung ist intuitiv bedienbar, und man findet hier nahezu alles, was das Fundamentalanalyse-Herz begehrt. Man kann filtern und Rankings bilden bis der Arzt kommt, und hat neben umfangreichem Zahlenmaterial, das in breiter Tabellenform angezeigt wird, grafische Darstellungen, in denen man trotz der vielen Daten fast auf einen Blick sieht, was Sache ist.

Aktienfinder-Aufbau – die kürzeste Erklärung

Im Wesentlichnn dreiteilig, von oben nach unten:

  1. Filter-, Ranking- und Merkzetteleinstellungen
  2. Ergebnistabelle (passende Aktien)
  3. Grafische Darstellungen zur in der Ergebnistabelle ausgewählten Zeile

Meine Checks mit dem Aktienfinder

Ich hatte für meine Artikelserie zur einfachen Aktienanlage jeweils eine Liste von Aktien zu fünf verschiedenen Themen mit meinen eigenen Mitteln analysiert und dann meine Favoriten festgelegt.

Das sind die Themen, jeweils zum entsprechenden Artikel mit der Aktienliste verlinkt:

Schritt 1: Listen nachgebaut über Merkzettel

Ich habe mir jeweils einen Merkzettel dazu angelegt und die entsprechenden Aktien, soweit im Aktienfinder vorhanden, hineingesteckt. In der Tabellenansicht habe ich dann noch die Spaltenanzeige auf die für mich interessantesten Angaben eingeschränkt, so dass das alles auf einen Bildschirm passt. Über den Button „Spalten anzeigen“ kann man nämlich für jede einzelne Spalte einstellen, ob man sie dort sehen will oder nicht.

So sieht das Ganze für das Thema Essen aus:

Aktienfinder Merkzettel Essen

Schritt 2: Zahlen und Grafiken angeschaut und mit meinen Ergebnissen verglichen

Zu Dividendenrendite, Ausschüttungsquoten und der Angabe, seit wie vielen Jahren die Dividende immer wieder gesteigert wurde usw., brauche ich wohl nichts zu erklären.

Eine Besonderheit besteht hier in den überaus praktischen Kennzahlen

  • Stabilität Dividende
  • Stabilität Gewinn
  • Stabilität Cashflow

Was das genau ist, wird auf der Handbuch-Seite zum Aktienfinder gut erklärt, deshalb habe ich es einfach von dort übernommen:

Die Korrelation im Sinne Stabilität der Dividende. Reicht von -1 (jedes Jahr weniger Dividende) bis +1 (jedes Jahr mehr Dividende). Grün falls der Wert mindestens 0.8 beträgt. Rot falls negativ

Das Gleiche gilt für Gewinn und Cashflow.

Nun zu den Grafiken. Um Grafiken zu einer Aktie zu sehen, klickt man einfach in die dazugehörige Tabellenzeile. Dann werden im unteren Bereich entsprechende Chartdarstellungen erzeugt.

Aktienfinder Charts

Jede Grafik ist so eine Art interaktiver Chart. Man kann die einzelnen anzuzeigenden Angaben in der Legende an- und abschalten. Durch Mouseover sieht man dann noch die konkreten Zahlen. Hier am Beispiel der Darstellung von Gewinn, Cashflow und Dividenden zu General Mills:

Aktienfinder Chart

Sofort aufgefallen ist mir dabei, dass sogar die Auswirkungen von Trumps Steuerreform mit passenden Korrekturbeträgen zu Gewinn je Aktie berücksichtigt sind. Das ist etwas, was in meinen Betrachtungen eine Schwäche darstellte, da ich diese Zahlen nicht einfach automatisch auslesen konnte und zu faul war, das in mühevoller Kleinarbeit für die einzelnen US-Aktien auf allen meinen Listen herauszufinden.

Schritt 3: Mein Ergebnis inklusive schonungsloser Selbstkritik 😉

Ich konnte den Großteil der Schlüsse, die ich aus meinen vorherigen Untersuchungen gezogen hatte, durch den Aktienfinder bestätigen. Keine Aktie ist in allen Belangen perfekt, aber das ist normal. Dazu hat man ja dann seinen eigenen Kopf, um eine Entscheidung zu treffen.

Bleiben wir zum Beispiel beim Thema Essen. Ich hatte Unilever und General Mills als meine Favoriten herausgestellt. Das würde ich anhand der Daten des Aktienfinders auch tun.

Unilever

Im Aktienfinder ist nur die niederländische Aktie vorhanden, ich hatte die britische betrachtet, aber es ist der gleiche Konzern, spielt also keine Rolle.

Die Stabilitätskennzahlen sind:
Dividende: 0,20 (naja)
Gewinn: 0,95 (super)
Cashflow: 0,34 (geht so)

Der Chart dazu:

Aktienfinder Chart Unilever

General Mills

Stabilität Dividende: 0,96 (super)
Stabilität Gewinn: 0,93 (super)
Stabilität Cashflow: 0,96 (super)

Hier der Chart dazu:

Aktienfinder Chart General Mills

Allein nach den Stabilitätskennzahlen würde General Mills um Längen gewinnen. Das relativiert sich jedoch, wenn man die Bilder betrachtet. Bei Unilever kommt noch hinzu, dass die ein riesiges Geschäftsfeld haben, das noch weit über Essen hinausgeht. Solche Dinge, die nicht in vergleichbaren Zahlen darstellbar sind, sollte man auch noch in Betracht ziehen.

Ich werde hier nun nicht meine Themen-Listen im Einzelnen durchgehen, denn das wäre langweilig, sondern nun zur Rubrik „Schonungslose Selbstkritik“ kommen.

Also: Wo sind mir Fehler unterlaufen? Sind diese Fehler wirklich schlimm?

Eine Sache hatte ich ja bereits erwähnt, die Bereinigung um den „Trumpschen Steuereffekt“, was ich überhaupt nicht beachtet hatte. Und da hau ich auch gleich aufs (vermeintlich) Schlimme. Hier ein Zitat aus einem Leserkommentar:

Dass z.B. US Unternehmen letztes Jahr massive Einmaleffekte im Bereich der deferred taxes durch die Trumpsche Steuerreform hatten, juckt dich nicht oder? Warum schreibst du z.B. bei J&J den Kommentar „Gewinneinbruch, viel zu hoch bewertet“ ohne überhaupt mal zu schauen was YE2017 passiert ist?

Tief bedröppelt (Echt jetzt? Quatsch!) habe ich mir die Aktie von Johnson & Johnson besonders aufmerksam im Aktienfinder angeschaut und musste feststellen: Ja, meine Bemerkung mit dem Gewinneinbruch und dem Aussortieren dieser Aktie aufgrund dessen war unberechtigt. Aber: Hätte ich Johnson & Johnson nun auf meine Favoritenliste gesetzt? Nö! Also was soll’s? Perfekt geht’s ohnehin nicht.

Ansonsten hätten die Abweichungen in den US-Analysen kaum eine Auswirkung auf meine letztendlich getroffene Auswahl gehabt, soweit ich das einschätzen kann, also sofern ich die Aktien auch im Aktienfinder vorgefunden habe.

Der Vollständigkeit halber will ich noch erwähnen, dass ich im Bereich Kleidung meine Favoriten (Macy’s und Kohl’s) nicht gegenschecken konnte, weil sie nicht im Aktienfinder enthalten sind. Wer weiß, ob ich da zu anderen Schlüssen gelangt wäre. Die anderen Aktien meiner Liste zum Thema Kleidung, zu denen ich die Analysen vergleichen konnte, haben mich jedenfalls nicht vom Hocker gerissen.

Nachtrag 04.09.2018: Inzwischen ist auch Macy’s in den Aktienfinder aufgenommen worden. Auch hier würde ich bei meiner zuvor getroffenen Auswahl bleiben.

Fazit

Meine Fehler, oder sagen wir besser Abweichungen, halten sich soweit in Grenzen, dass das keine Auswirkungen auf meine Entscheidungen gehabt hätte.

Mehr zum Aktienfinder?

Zunächst etwas zur Aktienanzahl: Aktuell sind 629 Aktien aus Nordamerika, Europa, Asien und Australien darin enthalten, vor allem Qualitätsaktien und stark nachgefragte Titel. Und tatsächlich findet man zwar nicht alle, aber die meisten Aktien von Interesse darunter wieder. Die Liste wird außerdem ab und zu um weitere Aktien ergänzt.

Den Aktienfinder kann man, ohne sich zu registrieren, anhand einer Auswahl von 40 Aktien ausführlich testen. Wenn man sich einen kostenlosen Account anlegt, stehen doppelt so viele, also 80 Aktien zur Verfügung. Das sind nicht irgendwelche Verlierer-Werte. Darunter findet man auch schon sehr gute Investitionsmöglichkeiten. Für die Nutzung des vollen Umfangs wird ein faires Preismodell auf monatlicher Basis angeboten, ohne ein Abo dahinter. So ist es z.B. möglich, den Premiumzugang einfach nur für einen Monat zu buchen, um in Ruhe Recherchen zur Aktienauswahl für ein langfristiges Investment damit durchzuführen.

Was ich vom Funktionsumfang in diesem Blogartikel gezeigt habe, ist nur ein winziger Ausschnitt. Es wäre sehr umständlich, den ganzen Aktienfinder in allen Einzelheiten in einem Blog-Artikel zu erklären. Zum einen wäre ich dazu auch viel zu bequem, zum anderen hat Torsten das selbst schon per Video getan, z.B. in diesem hier:

Egal, wie ausgefeilt ein Analyse-Tool auch ist, es ist immer nur ein Hilfsmittel. Für den Rest benutze deinen Kopf. Du wirst sowieso niemals die perfekte Aktie finden, weil es so etwas nicht gibt. Solche Tools sind aber eine großartige Unterstützung, denn sie helfen, eine Menge Zeit zu sparen.

Und natürlich noch der obligatorische Satz: Das hier ist keine Anlageberatung.

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