Woher bekommt man einen Goldesel?

Gold Reichtum Vermögensaufbau Altersvorsorge Rente

Wer noch zwanzig Arbeitsjahre oder etwas mehr vor sich hat, der kann sich später freuen, wenn die Kaufkraft seiner Altersrente noch mehr als die Hälfte der Kaufkraft seines jetzigen Einkommens beträgt. Da fragt sich der eine oder andere vielleicht: „Woher bekomme ich einen Goldesel, um nicht in Altersarmut abzurutschen?“

Für dieses Problem gibt es schon eine Menge vorgefertigter Lösungen in Form von sogenannten Altersvorsorgeprodukten: Riester-Rente, Rürup-Rente, fondsgebundene Rentenversicherung oder betriebliche Altersvorsorge usw. Es ist immer noch besser, irgendein Produkt von diesen abzuschließen, als überhaupt nichts zu tun.

Ich möchte hier auch gar nicht auf die einzelnen Details dieser verschiedenen Möglichkeiten eingehen, sondern ein Beispiel für solch einen Vertrag anhand von konkreten Zahlen zeigen, um das dann mit einer anderen Idee zu vergleichen, die ich im Anschluss daran vorstellen möchte.

Die Eckdaten einer betrieblichen Altersvorsorge (Pensionskasse)

Aus einem realen Angebot von 2004:

  • monatliche Einzahlung von 100 EUR direkt vom Brutto (= Gehaltsumwandlung vor Abzug von Steuern und Sozialabgaben). Das entspricht also etwa 50 EUR vom Netto.
  • Laufzeit: von August 2004 bis April 2036 (knapp 32 Jahre, gesamt 38.100 EUR brutto, 19.050 EUR netto)
  • Ergebnis: entweder eine Einmalzahlung von rund 54.000 EUR oder ab dann 220 EUR monatlich

Im Zeitverlauf dargestellt würde das etwa so aussehen:

Verlauf Pensionskasse

Ist das nun ein Goldesel? Ein kleiner vielleicht. 😉

Was machen die Versicherungen eigentlich? Kann ich das nicht selbst besser?

Was machen die Versicherungen eigentlich nach Abzug ihrer großzügigen Provisionen und Kosten, um das Geld so anzulegen, dass es diesen Gewinn erwirtschaftet?

Sie bedienen sich der Kapitalmärkte.

Kann ich das nicht selbst viel besser und kostengünstiger tun?

Die Antwort ist: Ja, auf ganz einfache Art und Weise über ETF-Sparpläne.

Was ist das genau, und wie funktioniert das?

ETF steht für Exchange Traded Fund. Das bedeutet übersetzt nichts anderes als börsengehandelter Fonds. So etwas investiert in der Regel in einen Index. Und wenn man in einen ETF über einen weltweit breit gestreuten Aktienindex investiert, beteiligt man sich damit an den größten Unternehmen der ganzen Welt. Ein gutes Beispiel für einen derartigen Index ist der MSCI World. Der investiert in die 1.600 bedeutendsten globalen Unternehmen. Dass die alle gleichzitig pleitegehen, ist sehr unwahrscheinlich.

Nun kann man so etwas über Sparpläne erledigen. Das heißt, man zahlt monatlich einen festen Betrag in einen derartigen ETF-Sparplan ein. Das einzurichten ist genauso einfach, wie einen Dauerauftrag aufzugeben. Diese monatliche gleichbleibende Zahlung sorgt dafür, dass man, wenn die Kurse hoch sind, also das Ganze teurer wird, weniger Anteile kauft, und wenn die Kurse fallen, das Ganze billiger wird, mehr Anteile kauft, völlig automatisch. Dadurch erzielt man einen guten Durchschnitt. Man kauft insgesamt nicht zu teuer und auch nicht zu sehr hin und her schwankend.

Der gesamte Verlauf des MSCI World Index von seiner Auflage im Jahr 1969 bis heute (auf USD-Basis) sieht so aus:

MSCI World Index

In der Tat unter großen Schwankungen, denn es gab ja schon die eine oder andere Finanzkrise. Aber insgsamt ist der Trend immer aufwärts gerichtet. Und das ist auch eine Gesetzmäßigkeit, denn es steckt die Weltwirtschaft dahinter. Wenn die zusammenbricht, dann haben wir ganz andere Probleme als unsere Altersvorsorge.

ETF-Sparplan vs. Pensionskasse

Nun stellt sich die Frage: Wie wäre es gelaufen, im Vergleich zur Pensionskasse, wenn man die 50 EUR (netto) monatlich in solch einen ETF-Sparplan auf den MSCI-World investiert hätte? Hier der Verlauf von 2004 bis heute:

Vergleich Pensionskasse vs. MSCI World

Es ist langfristig gesehen bedeutend besser, aber der Preis dafür ist ein Risiko in Form von mehr Schwankungen. Wenn man das jedoch aushält, also die Disziplin aufbringt, die Sache nicht anzurühern, einfach laufen zu lassen, dann wird sich das langfristig immer auszahlen.

Zoomen wir etwas heraus und schauen uns den gesamten Zeitverlauf an. Wie würde sich das Ganze fortsetzen? Niemand weiß natürlich im Vorfeld, wie sich genau die einzelnen Aktienkurse in den nächsten Jahren entwickeln. Aber man kann davon ausgehen, dass sich die globalen Aktienmärkte um im Schnitt 7% effektiv pro Jahr erhöhen. Das ist schon eine sehr konservativ angesetzte Schätzung. Das heißt, wenn man das hochrechnen würde, wäre der Verlauf etwa so:

Vergleich Pensionskasse vs. MSCI World Prognose

Natürlich nicht ganz so glatt und idealisiert wie hier dargestellt, sondern mit mehr Ecken und Kanten wie auch schon das erste Stück, schwankend um diesen Trend herum. Aber man würde langfristig wirklich viel besser abschneiden, womit man schon sagen kann, dass das schon ein recht ordentliches Investment ist.

Goldesel

Weitere Informationen

Ich habe hier nur an der Oberfläche des Themas „Passives Investieren“ gekratzt und das Ganze nur in einer sehr stark vereinfachten Darstellung zusammengefasst.

Wer diese Informationen noch weiter vertiefen möchte, dem empfehle ich, unbedingt das Buch Souverän investieren mit Indexfonds & ETFs von Gerd Kommer zu lesen.

Als Amazon-Partner verdiene ich an qualifizierten Käufen.

Meine Empfehlungen für Online-Depots

Wer noch kein günstiges Online-Depot hat, kann gern eins über einen der folgenden Links eröffnen. Wenn du das tust, erhalte ich dadurch eine Provision. Dich kostet das jedoch keinen Cent extra.

Ich empfehle nur Dinge, die ich selbst nutze und mit denen ich zufrieden bin. ETF-Sparpläne habe ich selbst neben Einzelaktien nur bei comdirect. Die anderen beiden nutze ich bisher nur für direkte Aktieninvestments.

Bei comdirect und Consorsbank sind ETF-Sparpläne ab monatlich 25 EUR zu einer Transaktionsgebühr von 1,5%, bei der ING DiBa ab 50 EUR zu einer Transaktionsgebühr von 1,75% möglich.

Depotwechsel_728x90

Direkt-Depot Big Size 728x90

8 Kommentare

  • Hallo Petra,

    ich verfolge dich schon seit geraumer Zeit und bin von deinen Ausführungen und Denkanstößen immer mindestens angeregt. Bei diesem Artikel erschließt sich mir der Nutzen bzw. der Sinn allerdings nicht… Ich verstehe deine Definition von „Goldesel“ nicht – weder die BAV, noch der ETF Sparplan bildet ein passives Einkommen ab, welches du als „Goldesel“ definierst.
    Darüberhinaus bist du hier im „Apfel und Birnen“-Vergleich und schlägst leider genau in die Kerbe wie die „FInanztest“ o.Ä. Ich erwarte (und bin ehrlich gesagt deswegen hier, weil ich es von dir auch so kenne) Detailtiefe und Weitsicht.
    Worauf du hier nicht eingehst:

    – Welchen Nutzen hat die Versicherung? Welchen Nutzen der Sparplan?
    – Was bedeutet die Garantie, die in der BAV steckt, welche Schwankung bedeutet der ETF-Sparplan?
    – Wie sieht die steuerliche Situation in der Anspar- als auch Auszahlungsphase aus?
    – Welche Zahlung entnimmst du dem ETF Sparplan in der Auszahlungsphase?
    – Wie lange lebst du also um zu wissen, wie viel Geld du entnehmen darfst?
    – Politische Entscheidungen in der Zukunft: Betriebsrentenstärkungsgesetz vs. Einkommenssteuersatz auch auf Kapitalerträge
    – etc.

    Was ich nicht mag: Pauschale Aussagen und einseitige Darstellungsweisen. Ja, ein BAV Vertrag mag die geringere Rendite erwirtschaften. Aber deswegen ist er nicht weniger sinnvoll. Der uninformierte Leser ist nicht in der Lage differenziert eine Entscheidung zu treffen, wenn die Informationsgrundlage einseitig ist. Und genau darin sehe ich deine Aufgabe… Deswegen bitte ich dich freundlich dich nochmal gscheid hinzusetzen oder es dann (nicht böse gemeint) lieber doch zu lassen.

    Gefällt mir

    • Vielen Dank, dass du dir so große Mühe gegeben hast, den Beitrag so ausführlich zu kommentieren.
      Ich könnte nun Punkt für Punkt auf deine Anmerkungen eingehen.

      Das hätte ich sicher auch getan, wäre da nicht dein letzter Absatz: meine Aufgabe???, nochmal gscheid hinsetzen ???, oder es zu lassen ??? Ich bin äußerst amüsiert.

      Schau mal auf den Titel dieses Blogs. Da steht unter anderem „frei sein“. Das ist bei mir Programm.

      Gefällt mir

  • Finde auch sehr schade, dass ich mit dem Vergleich, der so toll angelesen werden konnte, ohne Steuerberücksichtigung ins leere läuft.
    Bei der bAV durch Gehaltsumwandlung handelt es sich ja um eine nachgelagerte Besteuerung. Zudem zieht mir die GKK Beträge in der Auszahlungsphase zu 100% ab. Mit einem vermutlich etwas günstigeren Rentensteuersatz. In der Auszahlungsphase hält dann die gesetzliche Kasse jeden Monat die Hand
    auf. Beim ETF muss ich später als Rentner auch GKV, Soli und KAP Steuer abdrücken. Ob es den Soli dann noch gibt oder die KAP Steuer bei 30% liegen wird steht in den Sternen.

    Gefällt 1 Person

    • Die Bemerkung ist berechtigt. Aber wie du ja schon selbst festgestellt hast, steht es in den Sternen, was da steuertechnisch usw. genau passiert. Aber das ist ja nicht nur für ETFs so. Wer weiß, wer bis zur Fälligkeit der BAV politisch das Sagen hat, und auf was für Ideen die dann kommen.

      Gefällt mir

  • Pingback: Altersvorsorge einrichten in 10 Minuten | Sparen, anlegen, frei sein

  • Wie so immer ist es nicht schwarz oder weiss. In beide Konzepte kann man investieren und sollte man, nicht alles aus eine Karte setzen. Petra, da in D immer noch gilt, Aktien sind riskant, gilt das auch für ETF (wobei ETF auch für Rohstoffe, Immobilien, Anleihen etc existieren), und damit ist dein Artikel tatsächlich Gold wert. Skeptigern sei gestagt, investiert doch 10/20% von Eurer monatlichen Vorsorge in einen ETF-Plan und macht selbst die Erfahrung, aber bitte langfristig denken.
    Petra, danke Dir für die vielen Beiträge

    Gefällt 1 Person

  • Klasse Infos.

    Lieben Dank!

    Toll wäre mal was über die Planung der Steuer, und wie man als Privatanleger vielleicht mehr raus holen kann.
    Auch gerne als Buch! 😉

    Gefällt mir

    • Meine Meinung dazu: Langfristig sind die Steuern nicht planbar. Man könnte Betrachtungen anstellen, wie es wäre, wenn sich die Regelungen nicht ändern würden. Aber was soll das wert sein? Die Steuergesetze werden doch immer wieder mal geändert.

      Beispiele aus der Vergangenheit, an die ich mich noch gut erinnern kann: Freibeträge werden geändert, bisher gesenkt. Angefangen hat das mal mit jährlichem Freibetrag von 6000 DM, also umgerechnet etwas mehr als 3000 EUR. Heute gelten nur noch 801 EUR. Kursgewinne waren früher nach einer gewissen Haltedauer steuerfrei. Dann kam das Halbeinkünfteverfahren, dann die Kapitalertragsteuer von 25% plus Soli usw. Anleihezinsen wurden früher höher als 25% versteuert, dann mit der Kapitalertragsteuer auch wieder anders. Vor 2018 gab es steuerhässliche ETF und Quellensteueranrechnung. Grundsätzlich galt, dass thesaurierende ETFs meist einen Steuervorteil hatten. Jetzt gibt es Abzüge am Jahresende nach einem auch wieder „ausgeklügelten“ System. Da werden dann mitunter Buchgewinne versteuert, also Gewinne, die man noch gar nicht realisiert hat.
      Wer weiß, was da in Zukunft noch alles kommt. Also nicht planbar.

      Ich denke, an diese Materie würde sich nicht einmal ein Steuerexperte herantrauen, denn auch der hat keine Glaskugel. 😉

      Gefällt mir

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.