Zweieinhalb Jahre Experiment Levermann-Depot

Levermann-Experiment

Heute ist ein „Jubiläumsartikel“ dran, wie bisher nach jedem halben Jahr. Wenn man sich den Verlauf des Ganzen so anschaut, lief das in letzter Zeit alles andere als optimal. Aber solche Phasen muss es eben auch geben.

Da das Depot inzwischen nicht mehr nur aus Small Caps besteht wie am Anfang, sondern sogar überwiegend aus Large Caps, hielt ich es für angebracht, ein anderes Vergleich-Depot zu definieren. Darüber hatte ich vor kurzem bereits etwas geschrieben: Levermann-Dienstag: Neues Vergleich-Depot

Das bisherige Depot, mit dem ich alle halbe Jahre verglichen hatte, bestand nur aus einem ETF auf den SDAX. Es passt aufgrund der inzwischen hohen durchschnittlichen Marktkapitalisierung der „Levermann-Aktien“ nicht mehr. Darüber hinaus ist der besagte ETF inzwischen von thesaurierend auf ausschüttend umgestellt worden.

Das neue Vergleich-Depot

Es wird ein Musterdepot betrachtet, das zur gleichen Zeit wie mein Levermann-Experiment gestartet worden, und in das die gleiche Ausgangssumme von 12.000 EUR am Anfang jeweils zur Hälfte in einen ETF auf den MSCI World und einen auf kleine Unternehmen aus Euroland investiert worden wäre. Die beiden ETFs sind:

  • ISHARES CORE MSCI WORLD UCITS ETF (IE00B4L5Y983)
  • ISHARES MSCI EMU SMALL CAP UCITS ETF (IE00B3VWMM18)

Dieses Depot soll keine Arbeit machen, sondern die allerbequemste Variante darstellen. Deshalb findet kein Rebalancing statt. Es wird einfach in Ruhe gelassen.

Der Verlauf beider Depots im Vergleich

Ich hatte im oben verlinkten Artikel zwischendurch bereits die beiden dazugehörigen Onvista-Musterdepots „gescreenshottet“ und versucht, sie mal schnell nebeneinander in passendem Maßstab darzustellen. Für den heutigen Artikel habe eine ordentlichere Grafik erstellt, und natürlich gibt es diesmal auch genaue Zahlen.

Levermann-Depot Verlauf

Transaktionen

Innerhalb des letzten halben Jahres ging es leider abwärts und im Vergleich zu vorher recht viel hin und her. Nach der letzten Levermann-Bewertung hatte ich zwei Positionen auflösen müssen und dafür bisher nur eine neu besetzen können. Nach längerer Zeit tritt mal wieder der Fall ein, dass ich nichts Passendes gefunden habe. Hier nun noch einmal die Transaktionsanzahlen von Anfang an:

Zeitspanne Anzahl Käufe Anzahl Verkäufe davon mit Gewinn
Jan-Jun 16 15 7 1
Jul-Dez 16 12 8 3
Jan-Jun 17 7 7 4
Jul-Dez 17 7 7 5
Jan-Jun 18 11 12 6

Performance von Beginn an

Bis Zeitpunkt Levermann-Depot 2-ETF-Depot
Ende Jun 2016 +0,6% +0,6%
Ende Dez 2016 +28,8% +14,4%
Ende Jun 2017 +55,2% +22,6%
Ende Dez 2017 +62,9% +31,0%
Ende Jun 2018 +49,4% +32,7%

6-Monats-Performance

Schon nach zwei Jahren dieses Spielchens hatte ich festgestellt, dass die Performance des Levermann-Depots gegenüber dem damaligen SDAX-Vergleich-Depot etwas nachgelassen hatte (siehe Zwei Jahre Experiment Levermann-Depot). Deshalb finde ich es interessant, rückwirkend die halbjährliche Performance des Levermann-Depots der des neuen Vergleich-Depots gegenüberzustellen:

Zeitspanne Levermann-Depot 2-ETF-Depot
Jan-Jun 16 +0,6% +0,6%
Jul-Dez 16 +28,0% +13,7%
Jan-Jun 17 +20,5% +7,1%
Jul-Dez 17 +5,0% +6,9%
Jan-Jun 18 -8,3% +1,2%

Keine weitere Spielregeländerung

Auch wenn es in letzter Zeit mit diesem Spiel nicht so super läuft, und der nächste Verlust wahrscheinlich demnächst realisiert werden wird, werde ich keine Änderung an meinen speziellen Spielregeln vornehmen.

Ich kaufe also weiterhin ab 7 Punkten aufwärts, außer es handelt sich um eine Aktie, bei der ich das Quartalszahlenkriterium mangels ausreichender Bekanntgabe von Terminen weglasse, in dem Fall reichen mir 6 Punkte (siehe Zwei Jahre Experiment Levermann-Depot – Eine Änderung bezüglich des Quartalszahlen-Kriteriums). Verkauft wird ab 3 Punkten abwärts. Ich bewerte alle 14 Tage, und es gilt immer die Punktezahl zum entsprechenden Wochenschluss. Dazwischenliegende Punktebewertungen zählen nicht. Ich verwende eine abgewandelte Berechnung für das KGV-Kriterium (siehe Das Tool zur nächsten Levermann-Runde – Die zweite Variante für das mehrjährige KGV-Kriterium). Im Grenzfall entscheide ich über manuelle Vergabe eines Punktes. Die endgültige Entscheidung, ob ich die Aktie kaufe, treffe ich selbst. Beim Verkauf richte ich mich nach den Punkten.

Wird nach drei Jahren Schluss sein?

Wer dieses Experiment von Anfang an verfolgt, wird sich vielleicht erinnern, dass ich geschrieben hatte, ich würde es für mindestens drei Jahre durchführen wollen. Ende 2018 sind diese drei Jahre um. Ich werde mich zwar nicht verpflichten, aber bisher spricht nichts dagegen, es darüber hinaus fortzusetzen. Es wird für mich aber immer nur ein Spiel bleiben, das ich niemandem zum Nachmachen empfehle. So, zu mehr Disclaimer habe ich heute einfach keine Lust.

11 Kommentare

  • Hallo Petra.

    Zunächst großen Dank für deine Engagement und stringentem Durchhaltevermögen bei deinem Experiment. Dein Buch hat mir damals viel geholfen.

    Zu deiner aktuellen Vergleichsgrafik habe ich eine Frage? Wurden die Transaktionskosten und ggf. anfallenden Steuern über dem Freibetrag berücksichtigt?

    Für den weiteren Verlauf seines Experiments drücke ich dir die Daumen und freue mich schon auf weitere tolle Beiträge von dir hierzu.

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    • Hallo David,

      ja, Steuern und Transaktionskosten werden hier immer berücksichtigt. Ich verwende die Zahlen aus meinen echten Abrechungen. Bei der Bank, wo ich dieses Experiment durchführe, habe ich überhaupt keinen Freibetrag, denn dieser wird für mein Hauptdepot bei einer anderen Bank verbraucht.

      Viele Grüße
      Petra

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  • Vielen Dank für die rasche Antwort!

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  • Schönes Zwischenfazit! Dankeschön dafür.
    Interessant fand ich, dass grob jeder zweite Verkauf mit Verlust passiert und trotzdem eine sichtbare Outperformance gegenüber den ETFs zu sehen ist. Also scheint die Strategie somit nicht alles falsch zu machen, wenn man dadurch auch immer wieder 1-2 „Durchstarter“ findet. 😉

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    • Naja, die Sache mit der Outperformance hat im letzten halben Jahr etwas gelitten. Aber das ist bei jeder Strategie mal so. Die gute Performance insgesamt kommt wirklich von ein paar Durchstartern. Deshalb sehe ich einen einzelnen Verlust auch niemals als dramatisch an, auch wenn das mit manchen Positonen durch die Strategiebedingungen ziemlich dumm gelaufen ist. Aber warten wir’s ab, so ein richtiger „schwarzer Schwan“ war noch nicht dabei. Wenn die Sache allerdings so etwas übersteht, beginne ich vielleicht, an meinen Zweifeln zu zweifeln.

      Gefällt 1 Person

  • Ein sehr interessantes Experiment… ich liebe solche Beispiele aus der Realität!

    Vor fast einem Jshr wollte ich auch das Levermann Projekt starten, habe mich dann aber doch kurzfristig dagege entschieden. Deswegen finde ich es toll das du es so konsequent ( zwar mit einigen Änderungen, aber völlig in Ordnung) durchziehst.

    Gruß Vita ( Finanz-Kroko)

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  • Sehr geehrte Frau Wolf,

    vielen Dank für Ihr öffentlich publiziertes Levermann-Experiment. Wäre es eine Idee und wäre die leicht zu realisieren, zur Depot-Performance die Volatilität hinzu zu stellen? Aus Ihrer Graphik scheint mir hervorzugehen, dass die gegenüber dem Vergleichsdepot zuletzt nachlassende Performance mit einer gegenüber dem Vergleichsdepot ansteigenden Volatilität einhergeht. Offen gestanden hätte ich das nicht erwartet, da mit der Levermann-Methode eigentlich eher Aktien im Aufwärtstrend gekauft werden, die eine eher niedrige Volatilität haben sollten. Möglicher Weise zeigt sich hier aber eine von mir schon lange vermutete Schwäche der Levermann-Methode, dass Liquiditätsverknappungen eher spät (nämlich bei Durchschlag in Gewinnrevisionen und neuen 26-Wochen-Tiefs) erkannt werden. Bei Trendwechseln würde man also etwas spät verkaufen. Wenn wir jetzt so einen Trendwechsel hätten, würde sich Ihr Depot also demnächst leeren. Bin gespannt.

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    • Danke für den Vorschlag, aber ich sehe keinerlei Mehrwert darin, die Volatilität noch darzustellen. Es würde schon etwas Aufwand machen, den ich nicht betreiben möchte. Zur anderen Bemerkung: Ich sehe da keinen Zusammenhang zwischen Levermann und niedriger Volatilität, vielleicht übersehe ich da aber auch etwas. Ansonsten ja klar, jede Strategie hat Schwächen. Mal sehen, ob das trotzdem langfristig funktioniert. Bin auch gespannt.

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  • Hallo zusammen,

    Petra, erstmal vielen Dank für deine vielen tollen Artikel!

    Nach einer Weile des mitlesens habe ich mich Mitte letzten Jahres entschieden, selbst ein Levermann-Experiment zu starten und möchte euch kurz an meinem, ja quasi ziemlich genau 1-Jahres-Fazit teilhaben lassen.

    Der Zeitpunkt, zu dem ich begonnen habe, war wohl leider ziemlich ungünstig und in der aktuellen Marktphase bin ich definitiv nicht überzeugt von dieser Strategie. Es kommt in den letzten Monaten fast ständig vor, dass neu gekaufte Positionen vielleicht erstmal ins Plus laufen, dann drehen, aber noch genug Punkte haben und wenn sie dann tief im Minus stehen, aufgrund der Punkte verkauft werden müssen. Mein Depot ist inzwischen mit zweistelliger Prozentzahl im Minus und vor einer Weile hab ich entschieden die Anzahl an Positionen zu reduzieren, um die Größe jeder einzelnen Position nicht zu weit verkleinern zu müssen (Stichwort Verhältnis zu den Gebühren).
    Die Phase, in der Petra soviel Plus anhäufen konnte, dass das Depot jetzt immernoch bei fast 50% plus liegt, trotz deutlicher Korrekturen, hatte ich leider nicht. Und den „Grundstock“ des Depots schwinden zu sehen, ist schon nicht soo leicht, Experiment hin oder her. Noch ziehe ich das ganze recht konsequent durch, aber bin nicht sicher, wie lang noch.

    Allen Experimentierenden viel Erfolg,
    Gruß,
    Mic

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    • Hallo Mic,
      das ist ja schade, aber so etwas kann natürlich passieren. Wenn man sich meinen Verlauf so ansieht, hätte es auch passieren können, dass man genau am Höchstpunkt einsteigt, und wäre dann jetzt auch in zweistelliger Prozentzahl im Minus. Man muss sich das Risiko immer bewusst machen. Garantie gibt es nie.
      Viele Grüße
      Petra

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  • Hallo Petra, danke dass du uns teilhaben lässt an deinen Erfahrungen! Ich mag deine ehrliche und offene Art!
    Ich denke wie du: JEDE Strategie hat Phasen wo sie schlechter performt als der Markt. Das kann man aushalten oder alles anzweifeln. Ein ungünstiger Einstieg kann überall passieren.
    Ich habe das letzte halbe Jahr auch überlegt ob Levermann noch richtig für mich ist und habe meine zweite Strategie stärker verfolgt.
    Zu den Durchstarten: ich denke die werden weniger werden je mehr Large Caps im Depot sind. Dafür wird es Träger, ruhiger werden.
    Ich persönlich frage mich ob das noch die Grundidee von Frau Levermann ist.
    Mir sind aber auch große Unternehmen lieber. Mid Cap oder kleinere Large Caps.
    Viel Erfolg euch allen!
    Stefan

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