Prepaid-Kreditkarten sind nicht die beste Lösung aus dem Schlamassel

In diesem Artikel sollte es um ein kleines Wegstück am Anfang auf meiner „Wohlstandskarte“ gehen, und zwar aus dem „Land der Schulden“ oder „Geht-so-Land“ als Ausgangspunkt. Zu diesem Thema (zum Glück) relativ ahnungslos freute ich mich über einen Gastbeitrag, in welchem der Autor Prepaid-Kreditkarten als Lösung zum „Überweisen ohne Konto“ präsentiert.

Aufgrund eigener Nichtbetroffenheit und zugegeben eigener Faulheit hatte ich selbst dazu nicht weiter recherchiert und den Gastartikel einfach wiedergegeben. Gegen die Affiliate-Links auf den Seiten des Gastautors hatte ich nichts einzuwenden, da ich davon ausgegangen war, dass diese im Zusammenhang mit einer sehr guten Problemlösung stehen.

Es gibt allerdings eine bessere und günstigere Alternative, die ich deshalb nun über den ursprünglichen Artikel setze. Auf dieser Seite von Finanztip gibt es Infos zum Basiskonto, auf das jeder ein Recht hat. Es ist alles sehr ausführlich beschrieben, deshalb verlinke ich es einfach nur:

Ein Konto für Jedermann

Ich danke euch für die Kommentare zur ursprünglichen Fassung dieses Artikels. Danke für den Link, Klaus.

Ich gebe hier trotzdem der Fairness halber den Gastbeitrag wieder, allerdings als Blockzitat. Außerdem habe ich sämtliche Links zur Seite des Autors entfernt, weil ich nun, nachdem ich mich aufgrund eurer zu Recht kritischen Bemerkungen genauer informiert habe, dessen Inhalt nicht mehr als guten Rat ansehe. Tut mir leid, Jens, aber möglicherweise wusstest du es selbst nicht besser.


Prepaid-Kreditkarten: Der Weg zurück zur finanziellen Unabhängigkeit

„Hartz 4 bedeutet nicht Armut“ behauptet Deutschlands neuer Gesundheitsminister Jens Spahn. Mit diesem Satz hat er eine bundesweite Debatte über die Situation von Menschen in Grundsicherung angestoßen. Deren Problem ist häufig nicht der Mangel an Dingen des täglichen Bedarfs, und die allermeisten haben auch ein Dach über dem Kopf. So gesehen ist Armut in Deutschland sicher nicht vergleichbar mit Armut in Afrika, und sie kann auch jeden unvermittelt treffen.

Was vielen Hartz-4-Empfängern allerdings fehlt, ist die Möglichkeit zur Teilnahme am Zahlungsverkehr – und damit die von den allermeisten für selbstverständlich angesehene Option, ganz normale Überweisungen zu tätigen, online Waren oder Dienstleistungen zu bestellen, Geld am Bankautomaten abzuheben oder im Alltag an der Supermarktkasse bargeldlos zu bezahlen. Eine Überweisung ohne Konto ist bisher so nicht vorgesehen im Wirtschaftskreislauf.

Rund eine halbe Million Menschen in Deutschland lebt nach Auskunft der Caritas ohne Bankkonto. Ihnen wurde häufig nach Arbeitsplatzverlust, Zahlungsschwierigkeiten, Kontopfändungen und negativen SCHUFA-Eintragungen von der Hausbank gekündigt. Ein neues Bankkonto können Sie nicht eröffnen. Miete, Stromrechnungen, die Tilgung alter Schulden: Diese Überweisungen müssen sie mithilfe von Bareinzahlungen bei der Bank anstoßen und dafür happige Gebühren berappen.

Zwischen zehn und 15 Euro werden pro Zahlung fällig, die gehen vom ohnehin knappen Budget schmerzhaft ab. Eine Lösung könnte die Eröffnung eines Bankkontos durch einen Stellvertreter sein – doch dies ist nach deutschem Recht sogar strafbar.

So geraten Menschen in Not und Armut immer weiter in eine soziale und zunehmend existenzielle Abwärtsspirale. Und das, obwohl sie oft noch Freunde und Verwandte haben, die bereit wären, sie zu unterstützen.

Moderne Finanztechniken – im allgemeinen Sprachgebrauch unter dem Sammelbegriff Fintech bekannt – weisen jetzt einen Ausweg. Das Zauberwort heißt Prepaid Kreditkarten. Die aufladbaren Guthabenkarten mit dem feinen Visa- oder Mastercard-Logo sind schon für geringe Monatsgebühren zu haben.

Sie ermöglichen nicht nur die problemlose Teilnahme am bargeldlosen Zahlungsverkehr – inklusive des beliebten Online-Bezahlverfahrens Paypal -, sondern bescheren dem Inhaber auch eine Adresse für eingehende Überweisungen: den so genannten IBAN-Account.

Menschen in Hartz 4 und ohne Konto genießen mit diesem Produkt wieder volle finanzielle Handlungsfähigkeit. Sie können Unterstützungszahlungen von Freunden und Bekannten erhalten, Geld an Automaten abheben, ihre Miete überweisen oder online günstig einkaufen. Die Monatsgebühr für eine Standard-Prepaidkarte liegt zwischen null und drei Euro, Einzelüberweisungen über Western Union oder Azimo kommen auf nur noch 2,99 Euro. So bleibt auch mal etwas Geld für kleine Extras übrig.

Wer mit der Prepaid-Visa- oder Mastercard an der Supermarktkasse zahlt, genießt zudem wieder das ihm zustehende Ansehen als vollwertiges Mitglied der Gesellschaft. Und auch Mobilfunkverträge können vom Guthabenkonto abgebucht werden.

Das Tätigen von Überweisungen ist dabei übrigens denkbar einfach. Der Inhaber einer Prepaidkarte registriert sich online bei einem gängigen Anbieter wie Western Union, Moneygram oder Azimo. Wie bei einem Onlineshop verfügt er anschließend über Benutzername und Password und kann sich in seinem Account einloggen. Dies ist sowohl am Desktop-PC als auch mobil zum Beispiel über ein Smartphone möglich – und einige Anbieter stellen sogar Apps zum Download zur Verfügung. Das Geld wird vom vorhandenen Kartenguthaben abgebucht und ist in der Regel ein bis drei Banktage später beim Empfänger.

Der Erwerb einer gängigen Prepaidkarte ist ohne nervige SCHUFA-Abfrage und zusätzlichen Bonitätsnachweis möglich. Der Antrag wird online ausgefüllt und im Post-Ident-Verfahren abgeschlossen. Nötig ist lediglich ein gültiges Ausweisdokument – also Personalausweis oder Reisepass. Wenige Tage nach der Identifizierung am Postschalter hält der Antragsteller das weltweit gültige Plastikgeld in Händen.

Und noch einen Vorteil bieten Prepaidkarten: Wer bislang Probleme hatte, seine Finanzen in Ordnung zu halten oder zu Kontoüberziehungen neigte, ist vor neuerlichen Finanzkapriolen geschützt. Kontokorrentkredite sind nicht vorgesehen, verbraucht und ausgegeben werden kann stets nur das zuvor aufgeladene Guthaben.

Zurück zu Jens Spahn und seiner provokanten Äußerung zum Armut und Hartz 4. „Mit vollen Hosen ist gut stinken“, möchte man angesichts solcher abgehobenen Worte eines verantwortlichen Politikers ausrufen. Und Norbert Blüm, einst Arbeitsminister und soziales Gewissen der CDU, hat auch schon die entsprechende Entgegnung gefunden: „Armut beginnt nicht, wenn du kein Dach über dem Kopf und nichts zu essen hast.“ Armut in einer wohlhabenden Wirtschaftsnation, das ist in letzter Konsequenz der Ausschluss relevanter Teile der Bevölkerung von der Teilhabe am alltäglichen Leben. Und zu dieser Teilhabe gehören in modernen Zeiten eben nicht nur soziale und kulturelle, sondern auch finanzielle Vernetzungsmöglichkeiten.

Neuartige Fintech-Produkte wie Prepaid-Kreditkarten leisten damit einen wichtigen Beitrag, um Menschen aus Armut und in Hartz 4 wieder zu allseits handlungsfähigen und wertgeschätzten Mitgliedern unserer Gesellschaft zu machen.

Über den Autor

Jens Ischebeck ist Betreiber von Ratgeber-Webseiten. Er stellt auf seinen Seiten Lösungen dar, die in der Regel erst durch die Nutzung des Internets oder von Apps möglich werden.


Mein Senf dazu, nun natürlich geändert

Ich war erstaunt, davon zu lesen, wie viele Menschen kein Konto haben. Von Prepaid-Kreditkarten hatte ich zwar schon gehört, aber die Möglichkeit, darüber auch Überweisungen empfangen zu können, war mir neu.

Wenn das mit den vielen Menschen ohne Konto wirklich so stimmt, dann sollte man diese besser über ihr Recht auf ein Basiskonto aufklären, was ich nun hoffentlich hiermit dank eurer Hilfe geschafft habe, anstatt Prepaid-Kreditkarten zu empfehlen.

Hier noch einmal der Link zu Finanztip mit den Einzelheiten zum Basiskonto:
Ein Konto für Jedermann

10 Kommentare

  • Hi,

    ich lese hier regelmäßig und gerne, aber im diesem Gastbeitrag werden verschiedene Dinge erstaunlich reduziert dargestellt und das finde ich schade. Warum?

    Prepaid-Kreditkarten können womöglich für manche Menschen sinnvoll sein, wie die Inanspruchnahme von P2P-Krediten für manche sinnvoll ist.
    Aber zur Bewertung dessen sollte man u.a. die Basics zum Retailbanking, ZKG, Basiskonten, Kündigungsmöglichkeiten kennen. Im Text wird das entweder nicht, unvollständig oder falsch dargestellt, was schade ist.

    Tatsächlich gibt es einen Rechtsanspruch auf ein Basiskonto für jeden Verbraucher. Das lässt sich nicht einfach so kündigen oder verweigern. Privatbanken erfüllen dies nicht unbedingt, da könnte man einhaken. Sparkassen auch nicht? Wäre mir neu.

    Wer führt denn die Kreditkartenkonten? Der Autor sagt selbst, dass man eine IBAN hat, aber mit einer Bank hat das sicherlich nix zu tun.

    Ohne Analyse würde ich behaupten, dass eine Prepaid-Kreditkarte für die meisten Verbraucher teurer als ein Basiskonto ist. Also blieben diejenigen übrig, die nicht mal ein Basiskonto bekommen. Wer ist das?

    VG
    Jens

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    • Jens Ischebeck

      Hallo Jens,

      zuerst einmal vielen Dank für die kritische Rückmeldung.
      Der Rechtsanspruch auf ein Basiskonto steht außer Frage. Ob dieses Basiskonto immer gleich auf Anhieb gewährt wird, ist manchmal ein Thema.

      In diesem Artikel geht es um prepaid Kreditkarten (=Guthabenkarten) als Ergänzung zu einem Basiskonto oder zu jedem anderen „normalen“ Konto. Es gibt mehrere Anbieter, die eine solche Karten mit eigener IBAN und Kontofunktion offerieren.
      Eines des bekanntesten Produkte ist das britische Viabuy. Dabei handelt es sich um eine Prepaid-Mastercard mit Kontofunktion. Jede Prepaid-Kreditkarte verfügt über eine eigene britische IBAN, unter der Geld in Euro empfangen und auch versandt werden kann. Viabuy ist kein schlechtes Produkt, aber mit einer Einmalgebühr von fast 70 Euro und einer Jahresgebühr von fast 20 Euro nicht gerade billig.

      Mittlerweile gibt es eine Alternative aus dem benachbarten Irland, deren Fixkosten deutlich niedriger ausfallen. Weststein bietet seine Prepaid-Mastercard mit Onlinekonto deutlich günstiger an. Bei Weststein erhalten Sie eine Karte mit irischer IBAN, unter der Sie SEPA-Zahlungen in Euro empfangen und tätigen können.

      Die Ausstellerin der WestStein Prepaid Mastercard internationalen Zahlungskarten ist die e-Geld-Institution „Prepaid Financial Services“ (PFS), die sowohl bei der großbritannischen Finanzbehörde UK Financial Conduct Authority als auch bei der Lettischen Finanz- und Kapitalmarktkommission (FCMC) eingetragen ist. PFS ist die Halterin der „Mastercard International“ Lizenz für die Einführung des Programms für Prepaid Mastercard Zahlungskarten im Europäischen Wirtschaftsraum, einschließlich Lettland. Das Obengenannte garantiert die Sicherheit der Mittel der WestStein Prepaid Mastercard Zahlungskarteninhaber sowie hohe Dienstleistungsstandards.

      Viele Grüße,
      Jens

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    • Im Artikel wird ein Problem dargestellt, das so nicht existiert, nämlich die fehlende Möglichkeit zur Teilnahme am bargeldlosen Zahlungsverkehr für viele Menschen. Auf Jens‘ Einwand erfolgen Ausflüchte, es gehe um die Ergänzung eines Basiskontos. Wer den Artikel durchliest, sieht, dass das schlichtweg die Unwahrheit ist.
      Dass eine Kreditkarte möglicherweise oftmals verweigert wird und eine Prepaid-Karte deshalb in sehr seltenen Fällen sinnvoll sein kann, steht auf einem anderen Blatt und ist natürlich nicht so recht im Sinne des Autors, der sein Geld mit solchen Karten zu verdienen scheint.

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  • Ich lese diesen Blog ebenfalls regelmäßig und gerne. Allderdings fällt dieser Gastbeitrag für mich unter „Thema verfehlt, setzen, sechs!“ Und das aus vielerlei Gründen. Wie im ersten Kommentar bereits erwähnt, gibt es für jeden den Rechtsanspruch auf ein Basiskonto. Wie das nun in der Praxis aussieht weiß ich nicht, aber die Zahl von 0,5 Mio ohne Konto… na ja, lass ich mal so im Raum stehen. Ich versuche es mal möglichst kurz zu fassen. Diejenigen, die in D tatsächlich kein Konto haben dürften wohl derart tief durch’s soziale Netz gefallen sein, dass Online registrieren, Überweisungen und erst recht Online einkaufen ziemlich irrelevant sein dürften. Die meisten Hartz4 Bezieher werden über ein Konto verfügen. Ich glaube kaum, dass Sozialhilfe bar ausgezahlt wird. Die Intention von Jens Ischebeck mag ja durchaus positiv sein (ich unterstelle mal nicht, dass er mit Prepaidkarten Geld verdient) aber die Zielgruppe ist irrelevant klein, dann wird die Zielgruppe wohl kaum über einen Internetzugang verfügen und dann wird die Zielgruppe wohl am allerwenigsten auf den superben Blog „Sparen, anlegen, frei sein“ surfen.
    Es klingt vielleicht etwas zynisch, aber wer noch nicht mal über ein Girokonto verfügt, der hat wohl ganz andere Probleme als die finanzielle Unabhängigkeit zu erlangen. Und daher finde ich die Überschrift auch absolut unpassend.
    Der Blog dreht sich um investieren, anlegen und stock picking. Bitte dabei bleiben, dieser Gastbeitrag hinterlasst einen schalen Beigeschmack und passt so gar nicht zu den anderen Themen

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  • Martin, wenn du auf die verlinkte Seite gehst, siehst du, dass der Autor sehr wohl sein Geld mit der Vermittlung der von ihm beworbenen Karte Geld verdient. Das ist genau die Art von Beratung, die ich auch bei Bank- und Versicherungsberatern so schätze. Nicht.

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  • Nachtrag: zur Thematik möchte ich Petra gerne in Schutz nehmen. Es ist zwar richtig, dass ein/e Betroffene/r kaum auf diesen Blog stoßen wird. Er oder sie kann aber genauso gut von jemand Bekanntem oder einem/einer ehrenamtlichen Helfer/in etwas Interessantes erfahren.
    Außerdem ist Petras Thema die finanzielle Freiheit, die notwendigerweise beinhaltet, dass man sein Leben finanziell geregelt bekommt. Dabei hilft ein Girokonto (!) ganz entscheidend.

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  • Gute Infos zum Basiskonto findet man auf dem gemeinnützigen Portal Finanztip unter https://www.finanztip.de/girokonto/basiskonto/

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  • Für mich liest sich der Artikel sehr nach einem Verkaufs-Text für Prepaid-Karten!?

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  • Pingback: Asche auf mein Haupt! | Sparen, anlegen, frei sein

  • Vielen Dank für eure kritischen und sehr sachlichen Kommentare. Ich fand es zu wenig, einfach nur gegenzukommentieren. Deshalb verweise ich enfach mal auf meine Erweiterungen oben im Artikel.

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