Wohlstandswegweiser: Ideen für Aktieninvestments finden

Die letzten Tage war ich etwas angeschlagen, denn die Rüsselseuche hatte mich gepackt. Aber was soll’s: Kommt von selbst, geht von selbst. Am besten hilft vitaminreiche Ernährung, genug trinken, frische Luft, ausschlafen und ein ausreichend großer Vorrat an Tempo-Taschentüchern.

Wer steckt denn eigentlich hinter Tempo-Taschentüchern? Ist das nicht eine Idee für ein gutes Aktieninvestment? Wow, nun liefert mir schon der Schnupfen eine Investment-Idee und auch gleich noch einen Blog-Artikel. Denn das Ganze lässt sich noch weiter ausbauen.

Es ist doch eine super Herangehensweise, wenn man Möglichkeiten zur langfristigen Geldanlage sucht: Einfach mal so schauen, was immer wieder gebraucht wird, ganz einfache unspektakuläre Dinge. Selbst Warren Buffett sagt ja immer wieder: Investiere nur in Dinge, die du verstehst.

Gerade wenn man mit Aktieninvestments anfangen möchte, ist so etwas doch sehr sinnvoll. Und ja, ich weiß, es gibt auch noch die Möglichkeit, mittels ETFs bzw. mit kleinen Summen ab 25 EUR monatlich in ETF-Sparpläne und damit sehr kostengünstig in breit gestreute Aktienkörbe zu investieren. Dagegen ist überhaupt nichts einzuwenden. Aber erstens wurden darüber bereits auf verschiedenen Blogs wirklich gute Artikel veröffentlicht, zweitens möchte vielleicht nicht jeder in ETFs investieren, und drittens schließt auch das eine das andere nicht aus.

Kurz die „Tempo-Aktie“ angeschaut

Ich bleibe jetzt mal bei meiner Idee und schaue gleich als erstes auf die Tempo-Taschentücher. Das Produkt ist einfach prima. Bei anderen Dingen, wie z.B. Toilettenpapier (siehe Artikel: Ein besch…eidener Deal) schaue ich nicht auf Marken, aber bei Tempo-Tüchern bestehe ich darauf, das Original zu kaufen. Sicher tun das viele andere auch.

Es ist dank Google und Wikipedia leicht herauszufinden, dass die Marke Tempo zwar aus Deutschland stammt, aber heute dem schwedischen Konzern Essity gehört. Der Markenname Tempo wird bei uns umgangssprachlich für Papiertaschentücher benutzt, was schon ein „Burggraben“ (Begriff von Warren Buffett) ist.

Essity wurde erst 2017 vom schwedischen SCA Konzern abgespalten und ist deshalb auch erst recht kurz börsennotiert. Auf der Webseite von Essity erfährt man, dass die auf drei Produktgruppen fokussiert sind, nämlich Personal Care (Windeln für alle Altersgruppen), Consumer Tissue (Tempo-Taschentücher, Küchentücher, Toilettenpapier) und Professional Hygiene. Darunter sind neben Tempo andere recht bekannte Marken.

Weiterhin beabsichtigen sie, langfristig stabile und wachsende Dividenden an die Aktionäre auszuschütten. Aus der Liste der zehn größten Aktionäre sieht man, dass es sich vor allem um Versicherungen und Pensionsfonds handelt, jedoch keiner mehr als 10% hält. Zusammen kommen die zehn größten Aktionäre auf 29,5%. Es gibt A- und B-Aktien. Diese unterscheiden sich darin, dass die A-Aktien mehr Stimmrechte haben. Dafür sind die B-Aktien günstiger. Sie berechtigen zur gleichen Dividende wie die A-Aktien.

Nun schaue ich mir ein paar konkrete Zahlen an. Der aktuelle Aktienkurs (15.03.2017 zum Börsenschluss) ist 225,30 SEK. Die Dividende für 2017 beträgt 5,75 SEK. Also ergibt das bei diesem Kurs eine Dividendenrendite von knapp 2,6%. Davon gehen noch Steuern ab. Dummerweise zuerst schwedische Quellensteuern, die mit 30% recht hoch sind. Davon werden auf unsere Kapitalertragsteuer nur 15% angerechnet. So bleibt unterm Strich nur noch eine Dividendenrendite von grob gerechnet 1,5%. Als Kurs-Gewinn-Verhältnis kommt mit obigem Kurs und einem Gewinn pro Aktie von 11,56 SEK etwa 19,5 heraus. Das ist allgemein betrachtet nicht supergünstig. Kimberley Clark, der Hersteller des amerikanischen Gegenstücks Kleenex liegt mit dem KGV etwas über 17. Essity hat jedoch eine gesunde Eigenkapitalquote von über 28%, während Kimberley Clark gerade mal um die 4% hat. Auch scheint Essity viel rentabler zu arbeiten. Ich will jetzt nicht noch mehr Zahlen auftischen, denn dieser Artikel soll keine vollständige Analyse darstellen, sondern nur eine Idee illustrieren.

Mein Fazit: Mir gefällt es, wie das Unternehmen Essity aufgestellt ist, allerdings ist mir der Preis für ein Investment zu hoch. Ich denke jedoch, dass es sich lohnt, das mal auf eine langfristige Beobachtungsliste zu setzen.

Nun etwas allgemeiner

Wie wäre es nun, weitere derartige Ideen zu suchen? Zum Aufbau des ersten Depots aus Einzelaktien könnte man z.B. so vorgehen:

1 Frage dich: An wie vielen verschiedenen Unternehmen will (und kann) ich mich beteiligen? Eine Einzelposition sollte nicht unter etwa 1.000 EUR betragen. So lassen sich die Transaktionskosten ganz gut im Rahmen halten. Ich finde, 5 bis 10 verschiedene Aktien sollten es schon sein, also ab 5.000 EUR Minimum ist der Aufbau eines Aktiendepot OK. Sinnvoll ist es natürlich, immer weiter zu sparen, um dann nach und nach Mittel für weitere Positionen oder vielleicht Nachkäufe zur Verfügung zu haben.

2. Ideen für Investments: Jeder muss essen, braucht ein Dach über dem Kopf, natürlich Kleidung, wenn nötig medizinische Hilfe und etwas, um von A nach B zu kommen. Damit haben wir schon fünf Ideen zusammen, für Dinge, die immer wieder gebraucht werden. Nun lassen sich passende Investments suchen. Schon mit den ersten fünf Positionen kannst du nicht nur über Branchen, sondern auch Länder streuen. Sicher fallen dir weitere naheliegende Dinge ein. Ideen kannst du einfach aus deinem Alltag gewinnen.

3. Dieses Depot soll ein solides Investment darstellen. Also ist es wohl am besten, nach Unternehmen zu suchen, die schon eine gewisse Größe haben und immer wieder Gewinne machen, damit eine Pleite so gut wie ausgeschlossen ist. Das bedeutet natürlich, dass es sich dabei, was das Wachstum angeht, nicht um Überflieger handeln wird. Die Kurse werden, wenn überhaupt, nur langsam steigen. Deshalb finde ich Dividenden hier sehr wichtig. Das ist ein schönes passives Einkommen.

Das ist natürlich nur eine Idee, wie man mit der Aktienanlage beginnen und langsam dort hineinwachsen kann. Natürlich wird es auch mit solchen soliden Aktien mal nach unten gehen, und wahrscheinlich nicht zu knapp. Durch diese konservative Herangehensweise wird es jedoch etwas einfacher (wenn auch nicht wirklich einfach) sein, durch das erste Tal in der Anlegerlaufbahn hindurchzukommen, ohne groß Federn lassen zu müssen.

Auf der Wohlstandskarte


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Viel Spaß beim Investieren!

Dieser Artikel ist nicht als Anlageberatung zu verstehen.

3 Kommentare

  • Hallo Petra, wieder mal eine sehr logische und nachvollziehbare Herangehensweise. Ähnliche Gedanken hatte ich vor einiger Zeit ebenfalls. Ich habe mir alle Unternehmen notiert, von welchen ich fast täglich Produkte nutze und ich damit sehr zufrieden bin. Einfach mal durchklicken, die Unternehmen kommen unter Punkt 3. https://www.amh1989.de/investieren/meine-strategie/ Grüße Alexander

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  • Hallo Petra,
    danke wieder einmal für den sehr interessanten Artikel.
    Zur schwedischen Quellensteuer noch ein Hinweis:
    Ich habe seit ein paar Jahren H&M im Depot (mittlerweile ein Trauerspiel!), wobei meine Bank (ING-DiBa) nur 15 % Quellensteuer ausweist. Und die werden ja dann auch noch angerechnet.
    Also bei mir sind es keine 30 %.
    Gruß
    Norbert

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    • Hallo Norbert,
      vielen Dank für Deine Anmerkung bzgl. schwedischer Steuer. Ich selbst habe keine schwedischen Aktien im Depot. Habe in der Übersicht des Bundesfinanzministeriums nachgesehen. Dort steht das mit den 30 bzw. 15%. Aber wer weiß, auf welcher Grundlage das dann wirklich berechnet wird. Ich habe es aufgegeben,immer alles bis ins letzte Detail nachvollziehen zu wollen. Ist mir ein zu ungünstiges Aufwand-zu-Nutzen-Verhältnis.
      Viele Grüße
      Petra

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