Keine Angst vor Opportunitätskosten!

Auch wenn ich hier auf meinem Blog sehr oft über das doch etwas riskante Levermann-Experiment schreibe, das ich für mich nur als Spiel nebenbei ansehe, investiere ich in der Hauptsache völlig anders: unspektakulär, ja schon fast langweilig. Neben laufenden ETF-Sparplänen kaufe ich einzelne Aktien großer, meiner Meinung nach fundamental gesunder Unternehmen, die schöne Gewinne erwirtschaften und einen Teil davon in Form von Dividenden an mich ausschütten.

Es kommt zwar ab und zu vor, dass ich einen Kursgewinn mitnehme, andererseits verkaufe ich nicht mit Verlust. Für mich zählen nur realisierte Gewinne als echte Gewinne und genauso auch nur realisierte Verluste als echte Verluste. Solange ich die Minusposition nicht verkaufe, verliere ich kein Geld. Einige halten das für einen Fehler, denn

Das verursacht doch Opportunitätskosten!

Ja, das mag ein durchaus legitimer Einwand sein. Was ist damit gemeint? Opportunitätskosten sind keine Kosten, die ich direkt begleichen muss, sondern solche, die mir indirekt entstehen, in diesem Fall durch entgangene Gewinne, die ich mit einer anderen Möglichkeit (Opportunität) erhalten hätte. Wenn ich also die im Minus notierende Aktie mit Verlust verkauft hätte und stattdessen für das verbleibende Geld eine andere gekauft hätte, dann hätte ich möglicherweise mehr wieder aufgeholt als durch das Festhalten an der „roten“ Position. Diese Differenz, also einen Gewinn, der mir dadurch, dass ich die andere Möglichkeit ausgeschlagen habe, entgangen ist, nennt man Opportunitätskosten.

Was sage ich nun dazu?

Hätte, hätte und hätte gehören in die Toilette!

OK, vielleicht ein etwas zu derber Spruch. Was ich damit ausdrücken will, ist: Es gibt immer eine Menge von Möglichkeiten, und man wird in den meisten Fällen überhaupt nicht in der Lage sein, die optimale Variante zu wählen, denn man kann das in dem Moment nicht wirklich wissen. So wird man strenggenommen immer Opportunitätskosten haben. Übertriebene Anstrengungen zu deren Vermeidung können ihrerseits wieder Kosten verursachen. Jeder muss das im Einzelfall für sich selbst entscheiden. Ich jedenfalls halte mich an meine eigenen Vorgaben und gut ist.

Übrigens…

weise ich auch im Levermann-Experiment in der Transaktionszusammenfassung am Jahresende immer die bis dahin erzielten echten, also realisierten, Gewinne aus. Habe die entsprechende PDF-Datei für 2017 gestern fertiggestellt und hochgeladen, hier zu finden unter „Bisherige Transaktionen“: Experiment Levermann-Depot

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Titelbild dieses Artikels: Jorma Bork / pixelio.de

7 Kommentare

  • Hi Petra, so hat jeder seine eigene Meinung und Anlagestrategie.

    In meinem Depot gibt es nur Einzelaktien und je nach Markteinschätzung, einige Derivate.
    Bei mir gilt für jeden Titel im Depot das Risk- und Moneymanagement und dazu gehören Stoppkurse.
    Eine obligatorische Maßnahme, die mich gut über den Neuer-Markt-Crash gebracht hat. Zwar habe ich damals auch Buchgewinne abgeben müssen, aber nicht schmerzlich an Substanz verloren, sondern nur die Gewinne der letzten Wochen eingebüßt. Als dann reihenweise die Stoppkurse gerissen wurden, habe ich vorsichtshalber fast alle Positionen glattgestellt. Mit einem günstigen Broker, -den Du auch hast-, geht Das ohne deftige Handelsspesen.
    Die Stoppkurse setzte ich mit klarem Kopf und ohne Panik. Wenn es dann eng wird, wird der Verkauf automatisch ausgeführt.

    Das freie Kapital lege ich dann wieder an. Dazu muss ich keinen neuen Titel auswählen, denn ich habe ja andere, gute Pferde im Stall und stocke gern gut laufende Positionen auf. Zu viele Titel im Depot machen nur mehr Arbeit bei der Depotverwaltung und jeder neue Titel kann auch böse überraschen.

    Gerade heute hat mir der nachgezogene Stoppkurs bei einem Turbo-Call auf die Dt. Bank, den ich erst vor 2 Tagen eingekauft hatte, aus einem Anfangsgewinn (heute morgen +7,4%) noch einen minimalen Gewinn nach Spesen eingebracht. Ohne Stoppkurs hätte ich heute den vollen Kursrutsch (5,2% x H5,4 = 28%) mitgemacht.

    Ich war übrigens essen, bzw. einkaufen, als der Kurs fiel und der Verkauf ausgeführt wurde. 🙂
    Im Liegestuhl, wie auf dem Levermann-Titelbild sitze ich zwar nicht, aber ich bin genau so entspannt, mein Broker oder meine Wertpapiere wissen nicht, wo ich mich gerade aufhalte.

    Mogli

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  • Hallo Petra,

    hätte, hätte, Fahradkette…

    „Möglichkeit (Opportunität)“. oder „Gelegenheit macht Diebe“?

    Wer hat sich denn diesen finanzmarkttechnischen Werbeslogan „Opportunitätskosten“ ausgedacht?

    Ich habe die Gelegenheit, eine Straftat (Diebstahl) zu begehen. Was kostet mich das Auslassen der Gelegenheit eine Straftat zu begehen?

    Dazu fällt mir nur ein: Nichts ist umsonst. Nicht einmal der Tod. Der kostet das Leben.

    Anders: Ist das hier nicht Warren Buffet? –> Der dümmste Grund eine Aktie zu kaufen ist, weil sie gerade steigt.

    Richtig! Heute ist Freitag. Wüsste ich, wie der DAX am Montag Morgen stünde, wäre ich am Montag Nachmittag reich. Eben: entspannt reich werden! Irgendso ein Hebelprodukt oder Optionsschein auf den DAX wird sich doch mit dem gesicherten Wissen, wie der DAX am Montag Morgen steht, am Freitag Abend schon finden lassen. Oder?

    Warren Buffet invers: Der dümmste Grund, eine Aktie zu verkaufen ist, weil sie gerade gefallen ist.

    Dumm an einer Einzelaktie ist, dass sie ins Bodenlose („Totalverlust“) fallen kann.

    Ich kaufe mir also hier und heute eine Aktie Berkshire Hathaway ‚A‘ für 248.500,00 € und am Montag morgen steht sie bei 99 Cent. Also zum Penny Stock verkommen. Was tun am späten Montag Vormittag? Ehrlich: Null Ahnung. Gefühlt; Da das schon soooo dumm gelaufen ist, warte ich lieber mit dem Verkauf, bis die Berkshire Hatahaway wieder auf 2 € zurückläuft. Das kann in so einem Fall aber 3 Minuten oder auch 120 Jahre dauern.

    Scheint irgendwie intelligent, der Gedanke von Mogli, einen Stop-loss bei der Berkshire Hathaway bei 200.000 € zu ziehen. Diese Trader haben aber nach meiner Erfahrung regelmäßig das Problem, den stop-loss entweder zu eng oder entweder zu weit gezogen zu haben.

    Würden Sie einen stop-loss von 99 Eurocent bei der Berkshire Hathaway ‚A‘ (ISIN US0846701086) ziehen?

    Hätte, hätte, Fahradkette.

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  • Der „finanzmarkttechnische Werbeslogan“ Opportunitätskosten stammt von… Warren Buffett! 😉

    Und er ist eben nicht unwichtig oder gar unbeachtlich. Denn wer sich über 1% Rendite seiner Sparanlage freut und das über viele Jahre, der verliert eben real Geld. Würde er auf Aktien setzen, hätte er durchschnittlich 7% pro Jahr verdient. Und wenn man nun noch den Zinseszins einbezieht, dann reden wir bei über sehr hohe Summen, die nach 20, 30, 40 Jahren in die Hunderttausende gehen. Nein, das ist nicht unbeachtlich oder egal.

    Ich finde aber den Zusammenhang zwischen unrealisierten Verlusten/Gewinnen und Opportunitätskosten als eher unglücklich. Denn beides hat doch im Grunde gar nichts miteinander zu tun. Einen Abgleich mit Opportunitätskosten kann ich sowohl ziehen, wenn ich Gewinne/Verluste realisiert habe, als auch wenn es sich noch um Buchgewinne bzw. -verluste handelt.

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    • Hallo Michael,
      da stimme ich Dir voll zu. Leider wird das Argument mit den Opportunitätskosten aber sehr oft in genau dem beschriebenen Zusammenhang angeführt. Deshalb eben nicht von so etwas verrückt machen lassen. 😉

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  • @Michael: Mein Lieblingsspruch lautet: Ehe ich mir nochmals eine Kapitallebensversicherung von der Allianz aufschwatzen lassen, kaufe ich mir lieber gleich die Allianz Aktie.
    Da sind wir sicherlich sehr nahe beieinander.
    Da ich mal eine Kapitallebensversicherung besaß und rückblickend einen Sparplan z.B. auf den MDAX inzwischen, im vorgerückten Alter, als die bessere Kapitalanlage ansehe, könnte man die Differenz zwischen den Wertentwicklungen zwischen einer Allianzkapitallebensversicherung und den Kursverlauf der Allianzaktie mit „Oppurtunitätskosten“ umschreiben. Ich selbst war damals jedoch schlicht jung und unerfahren und würde für mich hier lieber den Begriff des Lehrgeldes als „Opportunitätskosten“ (auch wenn den Warren Buffet kreiert haben mag) in Anspruch nehmen wollen.

    Ich hatte aber Petra anders verstanden: Ich habe Aktie A und die steht gerade in meinem Deopt im roten Bereich. Ich tausche Aktie A, WEILrot oder dunkelrot in meinem Depot stehend, gegen Aktie B aus. Dieser Vorgang per se macht Kosten (1xVerkauf 1x Kauf). Ob das klug ist? Aktie A zu verkaufen, *WEIL* sie in der Vergangenheit gefallen ist, wäre für mich *per se* kein Grund (oder eventuell schlicht der dümmste Grund), Aktie A zu verkaufen. Wenn es gute Gründe für den Verkauf gibt, dann eben verkaufen – aber bitte nicht, NUR WEIL sie niedriger als beim Kauf steht – kann ja auch mal wieder steigen. Die Wahrscheinlichkeit, dass Aktie A steigt oder fällt ist auch nicht anders als die Wahrscheinlichkeit für Aktie B.

    Anders: Ein genau im Jahr 1990 begonnener Sparplan auf einen ETF Nikkei (bei 40.000) mag sich, wenn er bis jetzt konsequent durchgehalten wurde, rentiert haben, obschon der Nikkei zwischenzeitlich auch mal bei 10.000 stand. Wollen wir jetzt die Opportunitätskosten meiner Entscheidung, 1990 einen Sparplan auf den Nikkei und nicht auf den MDAX begonnen zu haben, ausrechnen? Wann hätte ich wegen dieser „Opportunitätskosten“ entscheiden sollen, den Sparplan auf den Nikkei (mit Verlust) aufzulösen? Sollte ich heute lieber einen Sparplan auf den Nikkei oder den MDAX beginnen?

    Der Begriff „Opportunitätskosten“ hilft mir als (langfristiger) Aktienanleger nicht wirklich etwas bei den hin und wieder zu treffenden Alltagsentscheidungen.

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  • Weil ich eben im anderen Artikel Kritik schrieb, finde ich, sollte ich auch hier erwähnen, dass mir dieser Abschnitt sehr gut gefallen hat.
    Sympathisch find eich es natürlich auch, weil ich ebenso handele. Ich bin noch nicht allzu alt und in meinem relativ jungen Leben habe ich an der Börse noch nie Verluste realisiert.
    Ich weigere mich irgendwie partout. Bekomme auch immer erzählt, dass es auch Steuertechnisch falsch wäre, aber egal. 🙂
    Danke für diesen Beitrag.

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