Die Faulpelz-Formel — ein Remake

bequemSeit einiger Zeit beschäftige ich mich in einem meiner „Experimente“ mit meiner Variante von Joel Greenblatts „Magic Formula“, die ich ganz provokativ „Faulpelz-Formel“ nenne. Ja, ich gebe es zu: Ich hatte mich vor über zwei Jahren schon einmal mit dieser Materie beschäftigt und war zu keinem vernünftigen Schluss gekommen. Oder besser gesagt, mein damaliger Backtesting-Versuch brachte keine überragenden Ergebnisse, wie es das Magic-Formula-Konzept ja eigentlich verspricht, und was auch bereits nachgewiesen sein soll. Was ist an meiner heutigen Herangehensweise besser?

Ich verlinke zunächst einmal die beiden Artikel, die ich vor über zwei Jahren dazu geschrieben hatte:

Was hatte ich damals?

Ich hatte damals eine Liste von weniger als 500 Aktien, über die ich die Rankings gebildet hatte, um jeweils zu entscheiden, welches die rentabelsten Unternehmen mit den günstigsten Aktien sind. Vom Prinzip her hatte ich das schon so berechnet wie heute.

Für das erste Ranking:

Kapitalrendite in % = EBIT : (Anlagevermögen + Umlaufvermögen)

Ich hatte mich damals an diesen beiden Begriffen „Anlagevermögen“ und „Umlaufvermögen“ festgebissen und mir eine Datenquelle gesucht, in der diese beiden Größen wirklich gesondert ausgewiesen waren. Das war gar nicht so einfach. Dadurch war meine Aktienliste, die ich für meine Untersuchungen zur Verfügung hatte, nur so kurz. Doch letzten Endes ist die Summe aus Anlagevermögen und Umlaufvermögen einfach die Bilanzsumme, oder in englischsprachigen Abschlüssen viel sprechender als „Total Assets“ ausgewiesen. Und an diese Zahl kommt man sehr leicht für fast jede Aktie heran, ohne in den einzelnen Jahresabschluss schauen zu müssen.

Für das zweite Ranking:

Gewinnrendite in % = EBIT pro Aktie : (Kurs + Fremdkapital pro Aktie)

Das ist korrekt, aber das Umrechnen auf pro Aktie kann man sich sparen, wenn man statt des Kurses für eine Aktie die gesamte Marktkapitalisierung verwendet. Dann würde man mit folgender Formel das Gleiche berechnen:

Gewinnrendite in % = EBIT : (Marktkapitalisierung + Fremdkapital)

Das Gesamtranking war (und ist auch heute) die Summe der beiden Einzelrankings. Dann hatte ich untersucht, wie jeweils die nach diesem Ranking besten Aktien im Schnitt gegenüber den anderen der Liste bzw. dem DAX abgeschnitten hätten. Dieses Ergebnis war nicht wirklich überragend. Außerdem war das auch nur eine viel zu kurzfristige Untersuchung, siehe dazu meine weiter oben verlinkten Artikel.

Was habe ich heute Besseres?

Heute bin ich in der Lage, eine Aktienliste auszuwerten, die sich von ihrer Größe her nicht vor der von Joel Greenblatt verstecken muss. Es sind über 4.000 Aktien aus der ganzen Welt auf meiner aktuellen Liste. Bei meiner nächsten Auswertung werden es sogar über 4.500 sein, weil ich meinen Algorithmus zur Datengewinnung etwas verbessern konnte.

Meine wenigen Aktien von meiner damaligen Liste liegen irgendwie verteilt dazwischen, und von den Aktien mit dem damaligen Bestranking hätten sicher nur eine oder zwei ein Bestranking innerhalb der großen Liste gehabt, wenn überhaupt.

Es ist in etwa so, als würde man zur Ermittlung eines Weltmeisters, sagen wir im Sprint, nur ein paar zufällig ausgewählte Menschen dieser Welt laufen lassen, anstatt die Spitzenläufer aus jedem Land zu suchen usw. Nun könnte es sein, dass sich in dieser kleinen Teilmenge wirklich ein Weltklasseläufer befindet, der würde dann auch innerhalb der kleinen Auswahl auf einem Bestplatz landen. Es kann aber auch sein, dass in der Gruppe alles nur so „lahme Enten“ wie ich vorkommen, dann lande vielleicht sogar ich auf einem Bestplatz. Mein Ergebnis ist aber insgesamt trotzdem nicht der Rede wert.

Vom Umgang mit Fehlern

Heute steht mir also eine große Liste zur Verfügung. Natürlich kann es vorkommen, dass sich bei der Ermittlung des Rankings Fehler einschleichen. Das kann passieren, wenn die verwendeten Datenquellen fehlerhaft sind. Diese Fehler können im Grunde genommen zwei Ausprägungen haben:

  1. Eine Aktie gelangt nicht unter die ersten Plätze, obwohl sie es müsste.
  2. Eine Aktie gelangt unter die ersten Plätze, obwohl sie es nicht dürfte.

Meine Meinung dazu: Fehler 1 ist überhaupt nicht schlimm, denn es geht ja in der Strategie nicht darum, „die“ allerbeste Aktie zu finden. Es gibt noch genügend andere. Fehler 2 ist dann einfach Pech, aber es ist recht unwahrscheinlich, dass die meisten oder viele der besten Ranking-Plätze solche Fehler enthalten. Wenn man ausreichend streut, also 20 bis 30 Aktien kauft, sollte ein derartiger Einzelfall von den anderen getragen werden.

Warum nenne ich es „Faulpelz-Formel“?

Ich selbst teste diese Strategie mittels eines wikifolios und habe beschlossen, nichts an den automatisch ermittelten Zahlen durch Nachschauen in den Geschäftsberichten bzw. anderen Datenquellen manuell zu überprüfen. Das ist auch der Grund, warum ich meine Variante „Faulpelz-Formel“ nenne.

Ein anderer Grund ist eine weitere Vereinfachung. Joel Greenblatt schließt Banken, Versicherungen und Energieversorger von vornherein aus seinen Betrachtungen aus. Diese Mühe mache ich mir nicht. OK, für die genannten Unternehmen gelten andere Gesetzmäßigkeiten, z.B. ist das EBIT für Finanzdienstleister nicht so eine entscheidenden Größe, und Energieversorger sind meistens strenger reguliert. Diese beiden Dinge ignoriere ich. Das mit der Regulierung ist mir egal, solange gute Ergebnisse erzielt werden. Klassische Finanzdienstleister haben üblicherweise sehr geringe Eigenkapitalquoten, oder anders ausgedrückt, die arbeiten mit sehr viel Fremdkapital. Wenn wir uns nun die Formel zur Ermittlung des Gewinnrendite-Rankings ansehen, erkennen wir, dass ein hohes Fremdkapital eine niedrigere Gewinnrendite bewirkt. Dadurch haben es Banken und Versicherungen im herkömmlichen Sinne ohnehin extrem schwer, in die Bestpositionen zu gelangen. Deshalb muss ich mir nicht die Mühe machen, sie vorher herauszufiltern, und kann auch in dieser Hinsicht ein Faulpelz bleiben.

Übrigens habe ich nicht vor, das wikifolio „Faulpelz-Formel“ investierbar zu machen. Es bleibt einfach ein Musterdepot.

Die genaue Vorgehensweise innerhalb dieses Experimentes

Ganz kurz zusammengefasst: 20 bis 30 Aktien mit Bestranking kaufen, am besten auch noch zu verschiedenen Zeitpunkten. Jede Aktie für ein Jahr halten, ohne darauf zu achten. Nach diesem einen Jahr gegen eine neue Aktie mit Bestranking austauschen oder behalten, sofern die Aktie immer noch ein Bestranking hat. Genauer beschrieben hatte ich das vor kurzem in diesem Artikel: Faulheit mit Strategie

Meine Ranking-Listen

Ich erstelle immer zwei Ranking-Listen, jeweils mit Aktien ab einer Marktkapitalisierung von 50 Mio. EUR. Die erste Liste ist eine globale und die zweite ist eine Liste von Aktien aus dem „Euroland“. Die Euroland-Liste erstelle ich nur interessehalber, um zu sehen, wie die Aktien dieser doch sehr eingeschränkten Auswahl ranken. Für mein Experiment lege ich die globale Liste zugrunde. Ich habe mich testweise bei der Original-Magic-Formula registriert, um zu schauen, welche Aktien dort so unter den besten landen. Es werden dort allerdings nur US-Aktion ausgewertet. Ich konnte aber feststellen, dass es viele Überschneidungen mit den US-Aktien in meinem Top-Ranking gibt. Also gehe ich davon aus, dass ich so ziemlich alles richtig im Sinne von Greenblatt berechnet habe.

Weitere Informationen dazu, sowie eine Auflistung meiner Top-Rankings gibt es in meinem Newsletter, den ich immer etwa alle 14 Tage verschicke.

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Bis bald!

Noch etwas

Die hier gezeigte Strategie ist nur ein Teil eines von mir durchgeführten Experimentes. Es soll keine Empfehlung zum Nachmachen sein. Jeder ist für seine Handlungen selbst verantwortlich und sollte immer seinen eigenen Kopf benutzen.

Titelbild: Hasan Anac / pixelio.de

2 Kommentare

  • Sehr spannend, ich liebe diese strengen, quantitativen Ansätze! Ich schreibe auch gerade an einem Levermann-Tool in Python, mal sehen, was dabei rauskommt!

    Gefällt mir

  • Hallo Petra,

    wie hast du denn den Aktienstamm von über 4000 Titeln aufgebaut? Manuell? Welche Datenquellen verwendest du primär? Falls du hier nicht öffentlich antworten möchtest, dann evtl. per Mail?

    LG Matthias

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