ETFs – auch nur ein Hype?

In meinem vorigen Blog-Artikel „Dann bin ich eben out!“ hatte ich einige Finanz-Hypes aufgezählt, an die ich mich bewusst erinnern konnte, und die sich alle im Nachhinein als Übertreibungen herausgestellt haben. In einem Kommentar dazu zählte ein netter Leser weitere Beispiele auf. Eines davon hat mich ein wenig zum Nachdenken angeregt, und zwar „2017: Exchange Traded Funds“. Oder kurz ETFs.

Befinden wir uns in einem ETF-Hype?

Der Begriff ETF, oder ausgeschrieben Exchange Traded Funds, besagt lediglich, dass der Fonds an der Börse gehandelt wird, im Gegensatz zum früheren Konzept, Fondsanteile nur direkt vom Emittenten, also der Fondsgesellschaft kaufen bzw. auch nur an die Fondsgesellschaft verkaufen zu können.

ETFs sind in Deutschland seit April 2000 für Privatanleger verfügbar. Irgendwann, Anfang der 2000er Jahre, war das auch zu mir vorgedrungen, und ich kann mich noch gut erinnern, dass ich damals dachte: „OK, dadurch, dass es nun an der Börse gehandelt werden kann, ändert sich am Produkt selbst ja nichts, es bleibt nach wie vor ein Fonds. Man kann einfach nur schneller rein und raus, wie das inzwischen dank der sich immer mehr durchsetzenden Direktbroker auch mit Aktien der Fall ist.“

Die Idee des passiven Investierens in Indexfonds, was insbesondere über solche ETFs ermöglicht wird, hat sich erst später bei uns verbreitet, und wurde auch mir erst so ab etwa 2015 bewusst. In den letzten drei Jahren sind immer mehr Blogs, Youtube-Kanäle und Facebook-Gruppen zum Thema „Geldanlage“ entstanden. In dieser „Szene“ nimmt natürlich auch das Thema ETF zu Recht einen großen Platz ein.

Das geht auch an der Finanzindustrie nicht vorbei, also werden immer mehr ETFs aufgelegt. Wenn es innerhalb relativ kurzer Zeit sehr viel Neues von irgendetwas gibt, dann ist mit hoher Wahrscheinlichkeit auch eine Menge Mist darunter. Deshalb kann ich den Gedankengang, dass wir uns möglicherweise in einem ETF-Hype befinden, durchaus nachvollziehen. Aber ein Hype ist es nur dann, wenn man ohne nachzudenken in alles investiert, das irgendwie ETF heißt.

Schau auf den Inhalt

Wenn ich es schaffe, die „Guten“ von den „Schlechten“ zu unterscheiden, kann es mir doch egal sein, wie viel „Schlechte“ es gibt. Wie erkenne ich denn nun einen „Guten“? Anhand einer einfachen Kriterienliste:

  1. Es handelt sich um einen passiv gemanagten Indexfonds, der einfach nur einen sehr breiten Aktien-Index eins zu eins nachbildet und im Kursverlauf kaum vom Index abweicht.
  2. Die jährlichen Verwaltungskosten belaufen sich auf weit unter 1%, je niedriger desto besser.
  3. Der Fonds existiert schon seit mehr als fünf Jahren.
  4. Die Fondsgröße beträgt mindestens 100 Mio.

Die letzten beiden Kriterien versprechen, dass der Fonds mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit weiterhin bestehen bleiben wird, weil er für die Fondsgesellschaft ein lohnendes Geschäft darstellt.

Weitere Kriterien, z.B. welche Methode zur Abbildung des Index verwendet wird, d.h. ob vollständig repliziert, optimiert oder swap-basiert, ob es besser ist, in ausschüttende oder thesaurierende Fonds zu investieren, ob größere Einmalanlagen oder Sparpläne vorzuziehen sind usw., hängen von der persönlichen Situation des einzelnen Anlegers ab. Außerdem von der eigenen Einstellung und Risiko-Fähigkeit. Diese stellt sich jedoch erst dann heraus, wenn es zum ersten Mal so richtig abwärts geht. Ein weiterer wichtiger Faktor ist die Disziplin des Anlegers. Ganz allgemein kann man sagen: Je weniger Disziplin, desto mehr Automatisierung, wie sie sich z.B. durch ETF-Sparpläne erreichen lässt.

Die Unterscheidung von „gut“ und „schlecht“ meine ich hier natürlich nur im Kontext von langfristig erfolgreicher Geldanlage. Besser wären die Bezeichnungen „gut zu langfristiger Geldanlage geeignet“ bzw. „schlecht zu langfristiger Geldanlage geeignet“. Kurzfristig sieht die Sache ganz anders aus, aber es ist eben so, dass auch Hypes immer relativ kurzfristiger Natur sind.

Fazit

Solange du deinen eigenen Kopf bemühst, sinnvoll auswählst und nicht zu viel dafür bezahlst, erliegst du keinem Hype. Ob wir nun momentan einen Hype von „schlechten“ ETFs haben, ist egal, solange man die „guten“ auswählt.

Der Klassiker zum Thema „Investieren in ETFs“:

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Titelbild dieses Artikels: Radka Schöne / pixelio.de

Ein Kommentar

  • Grundsätzlich meine ich, dass ETFs nach Möglichkeit vollständig repliziert sein sollten. Das hat natürlich den Nachteil, dass der ETF echte Aktien handeln muss. Aber dafür habe ich dann auch die echten Aktien und nicht eventuell ein komplett anders Gebilde im Depot, welches ich mir nicht gewünscht habe.

    Zweitens gilt hier wie bei Derivaten: Um so einfacher ,um so besser.

    Drittens: Nicht zocken. Ein 3x Leverage auf den DAX hört sich toll an, weil ich dann ja anscheinend an Gewinnen dreifach profitiere. Tatsächlich kann ein Hebel langfristig nach hinten losgehen, da die Kurse Schwanken und der Hebel täglich angepasst wird.
    Aber wer Aktien als Vermögensaufbau sieht braucht auch keinen Hebel, hier reicht eine seriöse langfristige Investition in Aktien und/oder Fonds/ETFs.

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