Dann bin ich eben out!

Er: „Worüber schreibst du so?““
Ich: „Geldanlage.“
Er: „Ah ja, Bitcoin ist super, hab‘ ich gerade gekauft.“
Ich: „Ich nicht, und das habe ich auch nicht vor.“
Verständnisloser, fast mitleidiger Blick. Ich setz‘ noch einen drauf: „Die Technologie dahinter ist gut. Aber kein Investmentfall für mich. Ich bin raus.“

Oje, wo doch alle mitmachen, sogar Leute, die sich noch nie mit Geldanlage und dergleichen beschäftigt haben. Und ich hab‘ dabei nicht mal das Gefühl, etwas zu verpassen.

„90er Jahre: Windenergie, um 2000: Internet, etwa 2003-05: Nanotechnologie, jetzt: Kryptowährungen“ zähle ich spontan auf, wenn mich jemand nach „heißen Themen“ in der Finanzwelt fragt. Es sind diejenigen Dinge, an die ich mich bewusst erinnern kann, ohne mich auf ganz genaue Zeitspannen festzulegen. Davor gab es natürlich noch viel mehr: Eisenbahn, Luft- und Raumfahrt usw., vor meiner Zeit.

Was haben alle diese „Hypes“ gemeinsam?

Fortschritt! Ja, den kann man nicht leugnen. Irgendwann wird auch meistens etwas mit Hand und Fuß daraus. Eisenbahnen, Luft- und Raumfahrt – klar, selbstverständliche Dinge. Große Windparks gehören heute zum Landschaftsbild. Wir fragen uns, wie wir früher nur ohne das Internet auskommen konnten. Von Nanotechnologie/Biotechnologie habe ich keine Ahnung, aber das wird sich auch in den letzten Jahren rasant entwickelt haben. Und Kryptowährungen? Spricht nichts dagegen, dass sich auch das gut entwickelt, weil eine großartige Idee dahinter steckt.

Aber worauf kommt es beim Investieren an?

Die Spreu vom Weizen trennen! Zu der Zeit, wenn der Hype gerade stattfindet, will irgendwie jeder auf dieser Welle mitschwimmen. Es ist zu viel Schrott dabei, und was kein Schrott ist, ist trotzdem zu teuer. Ich kann mich noch daran erinnern, dass um 2000 herum immer wieder neue Firmen mit Dotcom im Namen oder irgendwas mit IT und Net wie Pilze aus dem Boden schossen und an die Börse gingen, wo sie zu Fantasiepreisen gehandelt wurden. Und nicht nur das. Entsprechende Investmentfonds wurden massenweise aufgelegt und gingen weg wie warme Semmeln. Die meisten dieser Investitionen gingen mit großen Verlusten aus, obwohl sich die Technologie super entwickelt hat. Es reicht eben nicht, das irgendwo draufzuschreiben und fertig. Wenn das schöne Kartenhaus irgendwann zusammenstürzt, zeigt sich, welche Karten doch Trümpfe sind und welche eben nur Luschen. Und selbst die Trümpfe gibt es dann zu angemessenen Preisen.

Nach der Dotcom-Blase, so ab 2003, als sich die Aktienkurse wieder schön erholten, wurden in der „Investmentpornografie“ immer wieder Nanotechnologie-Fonds empfohlen. Heute hört man davon nichts mehr. Ich wette, die meisten dieser Fonds wurden inzwischen wieder geschlossen. Das sagt aber nichts über die Technologie an sich aus.

Ist es heute anders?

„Ja, denn das jetzt ist etwas Besonderes. Das hat ja nichts mit den bisherigen Hypes zu tun.“ Wirklich? Das haben die damals auch immer gesagt. So etwas wie „Wir brechen in eine neue Ära auf.“ „Das sind noch nie dagewesene Dimensionen.“

Ich habe ein wenig den Eindruck, dass sich die Masse der Anleger bei Vergleichen mit früheren Hypes die Ohren zuhält und laut dazu „Lalala!“ singt, wie es kleine Kinder machen, die nicht hören wollen.

Noch eine neue Kryptowährung und noch eine, und noch eine! Und jedesmal wird als Argument das mögliche Steigerungspotenzial angeführt, weil Bitcoin und Co. das bereits vorgemacht haben.

Leute, macht was ihr wollt, aber ich bin raus und bleibe bei Investments mit Substanz dahinter.

Titelbild: Stephanie Hofschlaeger / pixelio.de

11 Kommentare

  • Mir fallen da noch ein: 2005 – Schiffsfonds, 2007 – Immobilienfonds, 201? – Exchange-Traded Fonds

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    • Ja stimmt, aber bei den ETF würde ich dann doch differenzieren. Da gibt es sicher inzwischen auch eine Menge Schrott, aber passiv gemanagte Indexfonds mit sehr wenig Kosten bleiben m.E. eine gute Wahl, um ohne viel Aufwand regelmäßig zu investieren oder mit dem Investieren kleiner Summen anzufangen.

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  • Moin Petra,
    was diese Blasenbildung angeht kann ich dir uneingeschränkt recht geben. Vieles davon erinnert mich dann auch noch an die T-Aktie. Man muss nicht jeden Zug der Lemmige mitmachen, auch wenn es ein schöes „Gruppengefühl“ gibt, so kann es dann am Ende sehr böse werden.
    Ich habe mit Sicherheit schon eine Menge gute Gelegenheiten verpasst, aber garantiert auch noch mehr schlechte Gelegenheiten.
    LG
    Pauly

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  • Hallo,
    ich finde bei Bitcoins am Besten den Vergleich mit der Tulpenhaussee. Auch damals wurde ein vergleichsweise wertlosen Produkt zu extremen Preisen gehandelt.

    Bei Bitcoins ist für mich das Gefährliche, dass ein Bitcoin gar keinen inneren Wert hat. Die Technologie dahinter gehört nicht den Bitcoin-Besitzern. Ein Bitcoin soll nur eine Währung sein.
    Allerdings eine Währung mit so irren Kurssprüngen, so dass daraus wohl nie eine echte Währung werden kann. Wie sollen etwa Gehälter in Bitcoins im Vertrag festgeschrieben werden? Oder soll der Bäcker zehnmal täglich die Preise anpassen? Zudem sind die Transaktionskosten anscheinend sehr hoch, da sehr viel Strom pro Transaktion benötigt wird.

    Ich denke, dass hier mal wieder im großen Stil Kleinanlegern das Geld aus den Taschen gezogen wird. Am Ende werden nämlich die Profiteure des Systems raus sein und wenn es runter geht, bleiben die Kleinanleger alleine unter sich. Und mitten drin ist wieder viel „stupid german Money“.

    Für mich ist es sicher, dass es hier einen Crash geben wird und Bitcoins extrem fallen werden. Nur wann es so weit ist, kann wohl niemand sagen. Vielleicht in einer Woche, vielleicht in einem Jahr oder vielleicht auch erst in ein paar Jahren.

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  • Wer kauft denn eigentlich Bitcoin? Also ich meine ich lese immer etwas von einer Blase, aber ich weiß nur von einer Person die Bitcoin hält und wüsste auch gar nicht wo ich das kaufen kann. Und ich würde mich schon als finanzinteressiert und -versiert bezeichnen.

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  • Ich möchte auf einen Artikel der BaFin zum Thema „Distributed Ledger“ verweisen. https://www.bafin.de/SharedDocs/Veroeffentlichungen/DE/Fachartikel/2016/fa_bj_1602_blockchain.html

    Das ist das übergeordnete Prinzip der Blockchains. Daneben gibt es auch noch andere Technologien wie den Tangle oder Hashgraph. Blockchains sind derzeit nur die am besten erforschteste und bekannteste Technologie.

    IOTA bspw. (Startup aus Berlin) arbeitet mit dem Tangle, um die Defizite der Blockchain zu umgehen. IOTA ist seit vergangener Woche anerkannte Stiftung in Deutschland und wird ihr System als Open Source betreiben. Ziel ist es das Betriebssystem des Internet of Things zu werden. Ethereum (Währung Nr. 2, Sitzt Berlin) hat ebenfalls ein visionäres Ziel: Sie möchten das Betriebssystem des gesamten Internets werden.

    Distributed Ledger ist ein spannender Ansatz, der die Digitalisierung im privaten und öffentlichen Bereich massiv ausweiten kann.

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    • Es ist wirklich Wahnsinn, was es da so alles an Technologien gibt, und das meine ich im positiven Sinn. Aber das sagt ja noch nichts darüber aus, was denn die einzelnen „Währungen“ wirklich wert sein könnten.

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  • Moin Petra,

    es ist schon interessant. Auch ich habe vor einigen Tagen mit jemanden gesprochen der Werbung für Bitcoin usw. gemacht hat. Er meinte auch das Bitcoin eine große Zukunft vor sich haben und ich sollte doch darüber nachdenken in Bitcoins zu investieren. Ich habe genauso skeptisch wie du reagiert. Weil ich das Thema aber doch interessant fand, habe ich mich mal ein wenig in das Thema Bitcoins eingearbeitet,

    Es kann sein das Bitcoins die nächsten Jahre eine große Rolle spielen warden (wer weiß das schon).
    Die Idee dahinter ist gar nicht so schlecht. Aber ich finde auch, dass zurzeit ein sehr großer Hype für Bitcoins herrscht. Und ich finde das Thema ist (noch) nicht für die breite Öffentlichkeit geeignet. Denn wer kennt sich schon mit all den Fachbegriffen aus der Computerwelt aus oder hat lust sich darin einzuarbeiten.

    Ich für meinen Teil werde in den nächsten Monaten ein interessierter Beobachter sein. Aber investieren werde ich erstmal nicht.

    Viele Grüße

    Klaus-Dieter

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  • Dazu möchte ich anmerken, dass niemand Blockchain, Cryptowährungen etc. „verstehen“ muss. Wir haben ja auch nur eine ungefähre Vorstellung davon wie ein Auto funktioniert oder ein Smartphone. Trotzdem nutzen wir es täglich. Das ist nur eine Frage des Designs.

    Und Cryptowährungen werden nicht mehr verschwinden. Warum sollten sie? Klar, wir sind evtl. nicht unbedingt die Zielgruppe. Wir haben eine sichere Währung, ein Rechtssystem, Konten usw. Aber dies gilt bspw. nicht für Menschen in Nigeria oder Indien. Dort spielt die Musik.

    Für viele Mrd. Menschen wird die Blockchain erstmals eine Möglichkeit bieten, Geld sicher zu verwalten. Und das ist das Ziel von Bitcoin. Bitcoin möchte keine Alltagswährung sein. Nein, Bitcoin möchte digitales Gold werden. Eine verlässliche und weltweit akzeptierter Wertspeicher.

    Zu diesem Zweck schießt Bitcoin bereits seit einiger Zeit Satelliten ins All, um unabhängig vom Internet zu werden und um auch Regionen ohne Internetzugang zu erreichen.

    Auch muss Bitcoin als Digitales Gold nicht schnell sein oder günstig. Denn mit Gold handelt – zumindest bei uns – auch keiner. Wer eine schnelle Währung möchte, für den gibt es hinreichend digitale Alternativen (Ripple, Litecoin, ZCash etc.). Je nach Region werden sich unterschiedliche Währungen etablieren, aber eine Weltwährung wird es nicht geben. Dennoch kann Bitcoin als monetärer Wertspeicher eine übergeordnete Rolle spielen, abseits der ganzen technischen Spielereien.

    Und wenn man dies versteht, dann ist die gegenwärtige Marktkapitalisierung sehr gering und ein Wert jenseits der 100.000 Euro absolut vorstellbar. Natürlich nicht morgen oder nächstes Jahr. Aber vielleicht in 5 – 10 Jahren. Und wenn Bitcoin einen solchen Wert erreicht hat, wird auch die von so vielen geforderte Stabilität eintreten.

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  • Pingback: ETFs – auch nur ein Hype? | Sparen, anlegen, frei sein

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