Faulheit mit Strategie

Seit etwa einem Jahr teste ich nebenher ohne viel Aufwand meine Variante von Joel Greenblatts „Magic Formula“. Diese hat den Ruf, über Jahre hinweg eine sehr hohe Performance zu liefern. Ich nenne das Ganze meine „Faulpelz-Formel“. Das Prinzip dahinter ist simpel: Man bildet nach bestimmten Kennzahlen ein Ranking über ein „Aktienuniversum“, kauft dann davon die besten und tauscht sie jeweils nach einem Jahr wiederum gegen die zu der Zeit besten Aktien aus. Während Joel Greenblatts Aktienuniversum ziemlich alle US-amerikanischen Aktien ab einer gewissen Größe umfasst, betrachte ich eine große Liste für mich gut handelbarer Aktien der ganzen Welt, insgesamt über 4.000 Stück.

Ich hatte darüber bereits vor ein paar Wochen hier auf meinem Blog geschrieben: Noch’n Experiment: Faulpelz-Formel. Ich teste das Ganze nun seit einem Jahr mittels wikifolio: Faulpelz-Formel. Und gleich bevor hier Fragen kommen: Nein, ich werde dieses wikifolio nicht investierbar machen. Ich verwende es einfach nur als Musterdepot.

Wie bilde ich mein Aktienuniversum?

Ich lade mir einfach bei wikifolio.com die Liste aller bei Lang und Schwarz handelbarer Wertpapiere herunter und extrahiere die Aktien. Ich schließe Aktien mit einer Marktkapitalisierung unter 50 Mio. Euro aus. Weiterhin lasse ich diejenigen Aktien weg, für die ich die benötigten Zahlen nicht automatisch aus meinen verwendeten Datenquellen auslesen kann. Was übrig bleibt, ist mein „Aktienuniversum“. Diese automatisierte Prozedur lasse ich einmal jährlich laufen.

Wie ermittle ich das Ranking?

Ebenfalls vollautomatisch, und zwar wird zu jeder Aktie eine Art Kapitalrendite und eine Art Gewinnrendite berechnet, Über die Kapitelrendite wird ein Ranking gebildet, so dass die Aktie mit der höchsten Rendite auf Platz 1 steht usw. Das Gleiche passiert für die Gewinnrendite. Dann werden jeweils beide Platzierungen addiert. Diejenige Aktie, die in dieser Summe den kleinsten Wert aufweist, steht dann im Gesamtranking auf Platz 1 usw. Diese Berechnung lasse ich alle drei Monate einmal laufen. So habe ich recht aktuelle Zahlen auch für diejenigen Unternehmen, die ihr Geschäftsjahr nicht mit dem Kalenderjahr zum 31.12. abschließen.

Zu den Berechnungen im Einzelnen. Ich verwende das so:

Kapitalrendite = operatives Ergebnis : Bilanzsumme

Gewinnrendite = operatives Ergebnis : (Marktkapitalisierung + Fremdkapital)

In manchen Versionen der Magic Formula werden statt dieser Kennzahlen auch gern RoA und reziprokes KGV verwendet. Ich finde aber die obigen Formeln etwas besser, da das operative Ergebnis nicht von irgendwelchen Steuerregelungen abhängt. Außerdem mag ich es, dass bei der Berechnung der Gewinnrendite auch die Schulden (Fremdkapital) beachtet werden. Weniger Schulden haben positive Auswirkung.

Kauf und Verkauf

Etwa alle zwei Wochen durchlaufe ich folgende Fragen/Entscheidungen:

Frage 1: Gibt es eine bereits eine Aktie, die ich vor genau einem Jahr gekauft habe oder für die ich vor genau einem Jahr entschieden habe, sie noch ein Jahr zu halten?

Antwort auf Frage 1: Nein (Depot ist noch nicht voll): Ich suche mir eine Aktie aus den ersten 30 Plätzen aus, die noch nicht in meinem Depot ist, und kaufe sie. ENDE

Antwort auf Frage 1: Ja: weiter bei Frage 2

Frage 2: Steht diese Aktie im aktuellen Ranking immer noch auf einem der vorderen 50 Plätze?

Antwort auf Frage 2: Ja: Ich behalte diese Aktie für ein weiteres Jahr. ENDE

Antwort auf Frage 2: Nein: Ich verkaufe die Aktie und suche mir dafür eine andere Aktie aus den ersten 30 Plätzen aus, die noch nicht in meinem Depot ist, und kaufe sie. ENDE

Da das Jahr 52 Wochen hat und alle zwei Wochen eine Position (neu) aufgebaut wird, bietet das Depot insgesamt 26 Plätze. Es wird also jeweils knapp 1/26 des Kapitals in jede Position investiert.

Wo ist da die Faulheit?

Ich bin zu faul, die automatisch ermittelten Zahlen zu überprüfen. Wenn dadurch ein Fehlkauf passiert, ist das einfach so. Es handelt sich dabei um eine Quant-Strategie, und eine gute Quant-Strategie kann Fehler ab. Ganz allgemein zu Quant-Investing hatte ich etwas in meinem vorigen Artikel geschrieben: Quant-Investing überall!

Backtesting?

Ich hatte mir überlegt, dass ich vielleicht mal ein Backtesting zu dieser Methode durchführen könnte. Doch auch dazu bin ich zu faul, da bin ich ganz ehrlich. Außerdem ist das Zahlenmaterial, an welches ich herankomme, viel zu ungenau. Es wäre ohnehin fehlerbehaftet. Unternehmen, die inzwischen pleite sind, wären z.B. nicht enthalten.

Ausblick

Auch wenn ich für mein experimentelles wikifolio hier sehr faul vorgehe, muss ich doch zugeben, dass ich mir die eine oder andere Aktie aus meiner Ranking-Liste schon etwas genauer angesehen habe. Es ist sicher nicht überraschend, dass sich gute Gelegenheiten für Value Investoren darunter finden lassen. Ich werde wohl über eine Veröffentlichung der oberen Rankingpositionen nachdenken.

Titelbild: macin / pixelio.de

7 Kommentare

  • Hallo Petra,

    sehr interessant, die Strategie und Greenblatts Renditen sprechen ja für sich, vor allem gefällt mir die Staffelung
    beim Kauf und Verkauf. Mich faszinieren Quants. Passavies Einkommen generieren bedeutet die Entscheidung ein Stück
    weit zu automatisieren, sonst kann ich auch den ganzen Tag Geschäftsberichte lesen.

    Gerade bei der scheinbar einfachen Greenblatt Formel gibt es viele Variationsmöglichkeiten (Was ist Kapital/Gewinn, Staffelung, Intervalle, Anzahlen).

    Darum für alle, die „ein bisschen“ backtesten wollen und portfolio123 noch nicht kennen:

    Nach Anregungen aus diesem Blog bin ich auf das Webtool aufmerksam geworden. Dort hat man alle nur erdenklichen Fundamentaldaten
    (und technische auch). Auch Kriterien, „wie 5% höherer Wert im Vergleich zur Branche/Sektor“ oder „größer/kleiner als der Index“, die
    Daten quartalsweise oder gemittelt über Zeiräume … Das ist schonmal ein cooler Screener. Aber darüber hinaus kann mann Backtests simulieren.
    Natürlich auch mit Rankings, Vorgabe von Aktienanzahlen oder durch screener bestimmt, beliebige Rebalancingintervalle, Berücksichtigung
    von Pauschalgebühren … Als Abschluss kann man die Webapp auch noch dazu bringen via IB (Interactive Brokers) ein echtes Portfolio zu
    steuern (mehr was für Trader).

    Und Nein, ich kriege kein Geld von denen. Ich habe selbst auch kein Vertrag, weil es für mich nicht erschwinglich ist, es kostet
    (mit ~20 Jahre Backtesting) 100 $/Monat, der aktuelle Screener ist billiger.

    ABER: Es gibt 15 Tage unverbindlich zum testen (ohne Abmelden). Universum: USA plus alle darin enthaltenen Sub-Universen, Branchen, Sektoren. Zeitraum in Testphase: 5 Jahre. Man kann alle 6h 50 Backtests machen. Eine Simulation dauert zwei Sekunden.

    Ich habe mit Piotrosky F-Score und Altman Z angefangen (schon fest implementiert). Innerhalb von Sekunden sieht man wie Aktienanzahl,
    Märkte, Branchen, Marktphasen, Rebalancierungsintervalle sich auswirken. Alles mit log der ausgeführten Transaktionen.
    Ich kann die Testphase nur empfehlen, mich hat es gepackt. Zum Glück waren nach 20 min immer schon alle 50 Tests aufgebraucht,
    so dass ich wieder vom Rechner weggekommen bin.

    Der grundlegenden Probleme des Backtestings (survival bias, …) sollte man sich bewusst sein und die wurden ja auch ausgiebig diskutiert.

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    • Hallo Johannes,

      sehr interessant, aber da hat man ja wieder nur die USA-Aktien. Ich beziehe da etwas mehr ein. Zwar habe ich nicht die ganzen technischen Spielereien und Raffinessen, aber die lenken doch letzten Endes nur ab. Da habe ich lieber mein eigenes Aktienuniversum und handhabe das Ganze etwas einfacher. So kann ich z.B. auch eine Liste „Euroland“ erstellen, wenn ich will.

      Viele Grüße
      Petra

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  • Hallo Petra,

    Das Grundkonzept von Greenblatt leuchtet mir absolut ein.
    Er will Qualität kaufen – aber nicht überteuert.

    Dieser Ansatz ist m.E. auch für andere „Anschaffungen“ jeglicher Art nützlich.
    Und um es nicht allzu sehr dem Gefühl zu überlassen sondern was Qualität ist was teuer etc.
    braucht man am besten ein System.

    Für alle Leser des Blogs:
    Wer so was selbst in Excel machen will
    kann die Funktion: RANG.GLEICH nutzen.

    Noch’n Tipp: der Link zum Wikifolio-Anlageuniversum: (Excel
    https://www.wikifolio.com/de/de/hilfe/tutorials-trader/handel-hinweise/anlageuniversum

    Würde mich schon interessieren welche Aktien da oben stehen und wie sie dann abschneiden.
    Habe derzeit den Eindruck auch viele Aktien mit eher mittelprächtiger Qualität werden durch die Geldschwemme nach oben gespült.

    Für Value-Investoren ist das natürlich etwas zum verzweifeln.

    Petra – eine Frage habe ich noch:
    Wie machst Du es bei Unternehmen die sowohl Vorzugs- als auch Namensaktien haben.
    Da müsste man dann die Marktkapitalisierung für beide Typen ermitteln und diese summieren oder?

    Viele Grüße
    Peter

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    • Hallo Peter,

      genau die Datei, die du verlinkt hast, benutze ich als Ausgangsbasis. Denn darin sind fast alle gut handelbaren Aktien enthalten.

      Zu deiner Frage bzgl. Vorzugs- bzw. Stammaktien: Es ist nicht nötig, in meinen Berechnungen diesen „Kopfstand“ mit gesonderten Marktkapitaliisierungen zu machen. Ich verwende die gesamte Marktkapitalisierung des Unternehmens sowie das gesamte operative Ergebnis, Fremdkapital bzw. die Bilanzsumme. Die Zahlen beziehen sich also immer auf das ganze Unternehmen und nicht auf eine Unterart von Aktien. Welche Aktienart ich dann kaufe, entscheide ich einfach. Aber ganz ehrlich: Die Konstellation ist selten, dass nun gerade solch ein Unternehmen ganz oben steht. Ich finde, bei solchen Quant-Strategien sollte man sich nicht allzu sehr den Kopf über solche Details zerbrechen.

      Viele Grüße
      Petra

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  • Hallo Petra,

    wo lädst du dir denn die Liste der bei L&S handelbaren Wertpapiere bei Wikifolio herunter? Ich kann hier keinen Link finden 😦

    LG Matthias

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    • Klick den Link aus dem Kommentar von Peter an. Dann landest du bei wikifolio und du musst nur weiter runter scrollen, dort ist die Excel-Datei verlinkt. OK, sie heißt wikifolio.com Anlageuniverum, ist aber letzten Endes L&S-Anlageuniversum.

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  • Pingback: Levermann-Dienstag: Game over, aber das Loch wurde wieder gestopft | Sparen, anlegen, frei sein

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