Levermann-Dienstag: Werden die Kurse durch veröffentlichte Depots beeinflusst?

Na, seid ihr schon gespannt, wie es mit meinem Levermann-Experiment weitergegangen ist? Völlig ruhig. So bleibt alles wie es ist. Alle Depotpositionen hatten bei meiner Bewertung am Wochenende genügend Punkte. Da hatte ich Zeit, mir einmal mehr Gedanken zur Fragestellung zu machen, ob denn die Beliebtheit der Levermann-Strategie einen Einfluss auf die Kursentwicklung einzelner Aktien haben könnte. Anders ausgedrückt: Steigen die Aktien in veröffentlichten Levermann-Depots wie meinem oder dem wikifolio von Leise vor allem deshalb, weil das Ganze veröffentlicht wurde, oder weil bereits sehr viel in das besagte wikifolio-Zertifikat investiert wurde?

Erstmal der Stand vom letzten Freitag, 13.10.2017

Depotübersicht

Eine „Transaktien“ gab es doch

Es gab eine nachträgliche Verlustverrechnung von 38,71 EUR. Das ist eine Steuererstattung. Für den letzten Verlust, der beim Verkauf von ENERGIEKONTOR am 02.10.2017 realisiert wurde (146,80 EUR – siehe Transaktionsübersicht) wurden 25% Kapitalertragsteuer plus 5,5% Solizuschlag auf den Steuerbetrag zurückerstattet. Das sind genau 38,71 EUR (= 146,80 EUR * 0,25 * 1,055). Diese Rückerstattung gab es, weil ich Anfang August Gewinne realisiert hatte, die voll versteuert worden waren. Ich weiß nicht, ob alle Banken so vorgehen, aber ich finde das ziemlich praktisch. So etwas kam im laufenden Jahr schon öfter vor.

Beeinflusst die Popularität der Levermann-Strategie deren Funktionieren?

Ich weiß es zwar nicht, halte es aber unter bestimmten Bedingungen durchaus für möglich. Nehmen wir das wikifolio-Zertifikat „Qualität angelehnt an Susan Levermann“ von Leise. Dahinter steckt ein reales Anlageprodukt von Lang und Schwarz. Es ist zwar kein Aktienfonds, sondern „nur ein Zertifikat“, also nichts weiter als eine Wette. Während ein Aktienfonds die darin enthaltenen Aktien kaufen muss, ist das bei einem Zertifikat nicht so. Das große Aber besteht darin, dass Lang und Schwarz eine Absicherung dieser „Wetten“ betreibt. Dafür können diverse Finanzprodukte verwendet werden, z.B. Optionen. Allerdings sind im wikifolio vor allem Aktien mit kleiner Marktkapitalisierung, und da bleibt kaum eine andere Möglichkeit, als die Aktien selbst in ausreichender Menge zu kaufen.

In dem genannten wikifolio-Zertifikat sind nun über 34 Millionen Euro angelegt. Also könnten durch die Transaktionen für einige Aktienpositionen innerhalb dieses wikifolios durchaus Kursbewegungen verursacht werden, und zwar in beide Richtungen. Dazu braucht man sich im Vergleich nur die Marktkapitalisierung bzw. den Freefloat der einzelnen Positonen anzusehen.

EYMAXX, FINLAB, M-U-T und PFERDEWETTEN sind momentan die von der Marktkapitalisierung her „kleinsten“ Aktien des wikifolios. Bei EYEMAXX ist Lang und Schwarz sogar bereits in der Liste der größten Anteilseigner angegeben, was auf das besagte wikifolio-Zertifikat zurückzuführen sein müsste. Ich glaube, dass ein Verkauf dieser Aktie aus dem wikifolio einen Kursrutsch auslösen kann. Umgekehrt kann ein Kauf einer anderen sehr kleinen Aktie schon durch die hohe im wikifolio investierte Summe einen Kursanstieg bewirken, wenn die Aktien zur Absicherung wirklich in passendem Umfang gekauft werden.

Wie sieht es mit meinem veröffentlichten Depot aus? Meine kleinen Postionen beeinflussen den Markt wohl kaum, oder? Was würde passieren, wenn sich alle Leser meines Blogs plötzlich ohne darüber nachzudenken mit diesen Aktien eindecken würden oder umgekehrt: verkaufen, wenn ich verkaufe? Abgesehen davon, dass meine Leser für so ein Lemminge-Verhalten viel zu intelligent sind, würde das nur bei ganz kleinen Aktien einen Einfluss haben, denn für sehr breit gehandelte Aktien mit großer Marktkapitalisierung spielen einzelne Privatanleger kaum eine Rolle.

Bei denjenigen Aktien, die gleichzeitig im wikifolio von Leise enthalten sind, komme ich allerdings doch ins Grübeln. Wie „gefährlich“ sind nun meine einzelnen Positionen? Die Zahlen stammen vom vergangenen Wochenende von finanzen.net:

  • ADO PROPERTIES: ist im SDAX, Marktkap. 1,88 Mrd. EUR, Freefloat 61,8% – ist zwar auch im wikifolio, sollte aber kein Problem sein
  • BARRATT DEVELOPMENTS: ist im FTSE 100, Marktkap. 7,71 Mrd. EUR, Freefloat 97,34% – Large Cap, überhaupt kein Problem
  • BET-AT-HOME: im SDAX, Marktkap. 875,36 Mio. EUR, Freeflot 39,34%, Aktie macht 12,6% des wikifolios aus, 12,6% von 34 Mio. EUR sind rund 4,3 Mio. EUR. Das sind bezogen auf den Freefloat von rund 344 Mio. EUR mehr als 1%: Naja, geht wohl mit besorgtem Optimismus noch in Ordnung
  • DT. BETEILIGUNGS AG: im SDAX, Marktkap. 686,01 Mio. EUR, Freefloat 77,34% – ist zwar auch im wikifolio, sollte aber noch in Ordnung gehen
  • EYEMAXX REAL EST.: Marktkap. nur 58,73 Mio. EUR, Freefloat 39,34%; im wikifolio enthalten, Lang und Schwarz aufgrund hohen Anteils direkt angegeben – autsch
  • FERREXPO: im FTSE 250, Marktkap. 1,89 Mrd. EUR, Freeflot: 48,93% – sollte kein Problem sein
  • FINLAB: Marktkap. nur 103,54 Mio. EUR, Freefloat nicht direkt angegeben, dürften aber nicht mehr als 40% sein – Aktie ist auch im wikifolio, also bedenklich
  • PERSIMMON: im FTSE 100, Marktkap. 9,5 Mrd. EUR, Freefloat 96,94% – Large Cap, überhaupt kein Problem
  • POLYTEC: Marktkap. 496,03 Mio. EUR, Freefloat 69,46% – geht wohl gerade noch so in Ordnung
  • S IMMO: ist im ATX, Marktkap. 1,03 Mrd. EUR, Freefloat 77,91% – sollte kein Problem sein
  • TAYLOR WIMPEY: ist im FTSE 100, Marktkap. 7,55 Mrd. EUR, Freefloat 98,74% – Large Cap, überhaupt kein Problem
  • ZAPF CREATION: Marktkap. 106,45 Mio. EUR, Freefloat nicht direkt angegeben, dürften etwa 50% sein – Aktie ist zwar nicht im wikifolio, aber trotzdem ein wenig bedenktlich

Fazit

Ich denke, dass die Beeinflussung der Kurse „kleiner“ Aktien durch veröffentlichte Depotpostionen und vor allem durch wikifolio-Zertifikate mit hohem Anlagevolumen ernst genommen werden sollte.

Was ich hier mit „bedenklich“ bzw. „kein Problem“ bezeichnet habe, bezieht sich einzig und allein auf die mögliche Beeinflussung des Marktes durch Veröffentlichung. Es hat nichts damit zu tun, ob der Kurs voraussichtlich steigen oder fallen wird, sondern ob er überproportional „mitgerissen“ werden könnte, sowohl in die eine als auch in die andere Richtung.

Ich weiß, welches Risiko ich mit meinem Experiment eingehe. Zum Glück hängt nicht mein gesamter Vermögensaufbau davon ab. Wenn ich eine Position neu besetzen muss, gebe ich bei vergleichbaren Levermann-Bewertungen meistens der Aktie des größeren Unternehmens den Vorrang.

Weitere Ressourcen

Facebook-Gruppe von Denis: Die Levermann Aktienstrategie
wikifolio von Leise mit bisher hervorragender Performance: Qualität, angelehnt an Susan Levermann
Original-Lektüre von Susan Levermann: Der entspannte Weg zum Reichtum
Mein neuestes Buch: Das Praxisbuch zur Levermann-Strategie
Alles zum Experiment: Experiment Levermann-Depot

Achtung

Das hier gezeigte Depot ist nur ein Teil eines von mir durchgeführten Experimentes, über das ich in einer Artikelserie berichte. Es soll keine Empfehlung zum Nachmachen sein. Jeder ist für seine Handlungen selbst verantwortlich und sollte immer seinen eigenen Kopf benutzen.

Fortsetzung folgt in 14 Tagen.

nächster Levermann-Artikel: Levermann-Dienstag: Was tun gegen „Sturm im Wasserglas“?

5 Kommentare

  • Vielen Dank Petra,
    das sind für Deine Follower wichtige Informationen. Ich würde Dir raten, Deine Kategorisierungen auch in Deine Tabelle zu übernehmen: Vorteil für uns Follower wäre, dass wir vermutlich die Hände von den bedenklichen Titeln lassen würden … und für Dich, dass Du Dir keine Sorgen machen musst, dass Dir die Follower beim Verkauf zuvor kommen und den Preis runterziehen, bevor Du verkaufen kannst. Eine echte Win-Win-Konstellation … vor allem für uns Follower, zugegeben 😉
    Mach‘ weiter so!
    Gruß Dix

    Gefällt mir

    • Ja, keine schlechte Idee, aber wie ich jedes Mal schon schreibe, sollte jeder immer seinen eigenen Kopf bemühen. Ich denke auch nicht, dass die paar Käufe durch einige Follower das Problem sind. Problematisch wird es eher, wenn so ein Riesen-wikifolio dort ein- oder aussteigt. Für mich habe ich beschlossen: Dann ist das halt so. Ich ziehe mein Experiment weiter durch wie geplant und passe bei der Auswahl neuer Aktien etwas auf die Größe auf.

      Gefällt mir

  • Super Beitrag! Allein aus diesem Grund habe ich für mich persönlich die Levermann Strategie nur auf Large Caps fokussiert und über Branchen und Länder gestreut.

    Gefällt mir

  • Pingback: Levermann-Dienstag: Klumpen, na und? – Sparen, anlegen, frei sein

  • Pingback: Levermann-Dienstag: Was tun gegen „Sturm im Wasserglas“? – Sparen, anlegen, frei sein

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s