Levermann-Dienstag: Klumpen, na und?

In der letzten Woche hatte jemand in der Facebook-Gruppe zur Levermann-Strategie geschrieben, dass er Dürkopp-Adler Anfang August aufgrund gesunkener Punktezahl verkauft hatte, und nun ist diese Aktie rasant gestiegen. Ja das passiert. Das ist mir auch so gegangen. Weiterhin wurde dann noch Energiekontor erwähnt, kurz zuvor noch mit Kaufpunktezahl, und nun futsch. Auch das betrifft mein Levermann-Experiment. Ich war also schon darauf vorbereitet, nach meinem Bewertungswochenende wohl eine Veränderung vornehmen zu müssen.

Also stelle ich das wieder in gewohnter Weise in Vorher-Nachher-Manier dar und beschreibe ausführlich, was mir dazu sinnvoll erscheint. Sollte ich einen interessanten Aspekt vergessen haben, schreibt mir einfach einen Kommentar unter diesen Artikel.

Vorher: Stand vom letzten Freitag, 29.09.2017

Depotübersicht

Transaktionen

Der Verkauf

Auch bei mir hat es nun Energiekontor erwischt. Die Gewinnschätzungen sind gesenkt worden, der Kurs ist gefallen usw. Das hat ganz schon „reingesemmelt“. So gibt es nach meiner Bewertungsvariante nur noch einen Punkt, also mit Pauken und Trompeten durchgefallen. So habe ich, wie es die Strategie vorsieht, verkauft.

Zurückbekommen habe ich dafür 892,01 EUR. Gekostet hatte mich diese Position (am 18.04.2017) insgesamt 1.038,81 EUR. Damit wurde ein Verlust von 146,80 EUR realisiert.

Der Kauf

Diesmal hatte ich sogar drei Kaufkandidaten auf dem Schirm, für die mir mein Excel-Tool 7 oder mehr Punkte ausgerechnet hat, was ich dann durch manuelles Nachprüfen bestätigen konnte. Das sind:

  • (erneut) Dürkopp-Adler (ISIN: DE0006299001): 7 Punkte
  • S IMMO (ISIN: AT0000652250): 9 Punkte
  • Redrow (ISIN: GB0007282386): 9 Punkte

Dürkopp-Adler hat nur nach meiner angepassten Bewertungsvariante, was das KGV angeht, diese hohe Punktezahl. Worin diese Anpassung besteht und warum ich das so mache, hatte ich am Anfang diesen Jahres beschrieben. Und weil ich zu faul bin, alles immer noch einmal zu wiederholen, verlinke ich den betreffenden Artikel hier gleich für diejenigen, die mein Experiment noch nicht so lange verfolgen: https://petrawolff.blog/2017/01/06/das-tool-zur-naechsten-levermann-runde/

Die anderen beiden sind – wie kann es anders sein – Immobilienfirmen, einmal aus Österreich und einmal aus Großbritannien. Die scheinen momentan irgendwie für die Levermann-Strategie prädestiniert zu sein. Nun würden wieder Einwände kommen, dass Immobilienfirmen doch zu Finanzwerten zu zählen sind, weil Susan Levermann das in ihrem Buch erwähnt hätte. Aber ich bleibe in dieser Hinsicht Querulantin und bewerte hier wie „normale“ Firmen, weil die eben nicht nur Geld hin und her schieben, wie es Banken und Versicherungen tun. Und selbst wenn ich S IMMO bzw. Redrow mit dem Maßstab für Finanzfirmen bewerten würde, käme trotzdem eine Kaufpunktezahl heraus. Ist in diesem Fall also sogar egal.

Gekauft habe ich nun nicht Dürkopp-Adler, was für die Streuung bezüglich Branchen besser gewesen wäre, sondern S IMMO. Damit ist der „Immobilien-Klumpen“ in meinem Experiment noch weiter gewachsen. Warum habe ich das getan? Der Handel mit Aktien von Dürkopp-Adler ist mir wegen des engen Marktes zu unbequem. Wenn es die einzige kaufenswerte Aktie gewesen wäre, hätte ich das hingenommen, aber so hatte ich die Wahl. Und da ich bereits vier britische Immobilenfirmen im Depot habe, habe ich mich für die Aktie aus Österreich entschieden, die sich übrigens für mich von allen dreien am besten handeln ließ.

So habe ich gestern 91 Stück S IMMO zu einem Kurs von 15,09 EUR gekauft und 9,95 EUR Spesen bezahlt. Damit hat diese Position insgesamt 1.383,14 EUR gekostet.

Nachher: Stand von heute, 03.10.2017

Depotübersicht

Klumpenrisiko!

Sieben von den zwölf Positionen in diesem Depot sind nun aus dem Immobilien-Sektor. Ich gebe ehrlich zu, dass ich so etwas normalerweise nicht tun würde. Aber es ist ein Experiment ohne Wenn und Aber. Keine Party dauert ewig, und so wird auch diese „Levermann-Party“ irgendwann ihr Ende finden. Ich weiß jetzt schon, dass mein Kater danach nicht allzu groß sein wird. Noch möchte ich aber ein wenig weiterfeiern, aber alles eben nur in kleinem, nicht existenzbedrohenden Rahmen. Deshalb werde ich auch heute nicht auf den folgenden Abschnitt verzichten.

Achtung

Das hier gezeigte Depot ist nur ein Teil eines von mir durchgeführten Experimentes, über das ich in einer Artikelserie berichte. Es soll keine Empfehlung zum Nachmachen sein. Jeder ist für seine Handlungen selbst verantwortlich und sollte immer seinen eigenen Kopf benutzen.

Weitere Ressourcen

Facebook-Gruppe von Denis: Die Levermann Aktienstrategie
wikifolio von Leise: Qualität, angelehnt an Susan Levermann
Original-Lektüre von Susan Levermann: Der entspannte Weg zum Reichtum
Mein neuestes Buch: Das Praxisbuch zur Levermann-Strategie
Alles zum Experiment: Experiment Levermann-Depot

Fortsetzung folgt wie immer in 14 Tagen.

nächster Levermann-Artikel: Levermann-Dienstag: Werden die Kurse durch veröffentlichte Depots beeinflusst?

23 Kommentare

  • Zum Klumpenrisiko möchte ich anmerken, dass es sich relativiert, so lange eine Branche besser läuft als der Markt. Da Du Dir des Risikos bewusst bist, würdest Du außerhalb des Experiments beim geringsten „Schwächeanfall“ der Branche sicherlich schnell reagieren oder einfach mal eine Gewinnposition schließen oder ein „lahmes Pferd“ auswechseln.
    Wenn Du keine Regel in deinem Experiment hast, die den Anteil von Branchen begrenzt, ist der Klumpen doch auch OK.
    Theoretisch soll man ja seine Investitionen auf den gesamten Markt verteilen. Praktisch fährt man aber besser, wenn man bestimmte Branchen meidet, also ein „Loch“ ausbildet.

    Mein Depot ist sehr techniklastig und im Finanzbereich unterrepräsentiert. Ebenso bin ich auf den inländischen- und dem US-Markt fixiert. Der Kursverlauf gibt mir dabei aber Recht.

    Was die Signalwechsel angeht, so gestatte ich mir, bei negativen Signalwechseln meiner Aktien weitere Infos zu dem betroffenen Wert einzuholen, und mir eine eigene Meinung zur weiteren Kursentwicklung zu bilden. Letztendlich habe ich noch die Verlustbegrenzung durch den Stoppkurs.

    Mogli

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  • As the rates rise, the financial values also but the real estate values lower and thus so much to decrease the exhibition

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  • Hallo Petra,
    auch ich musste diese Erfahrung machen mit Energiekontor. Dazu kam allerdings auch noch Accento Real Estade. Und das gemeine an der Sache war das Leise Wikifolio genau diese beiden Pos. aufgelöst hat und der Kurs somit auch nochmal richtig in den Keller ging. Obwohl er das ja zu vermeiden versucht. Vielleicht sollte ich nächstes mal einfach nicht so zögerlich sein und sofort handeln, das hätte in diesen beiden Fällen richtig Geld gespart…
    Dem Tag, an dem du dieses Experiment beenden wirst, dem sehe ich schon mit Trauer entgegen. Auch wenn sich die Trades in vielen Dingen ähneln die ich mache so gibt es mir immernoch ein wenig Sicherheit auch wirklich alles richtig angewendet zu haben. Sollte das dann irgendwann mal nicht mehr so sein und dann auch noch ein solcher „Renditeeinbruch“ wie gehabt folgen, dann fange ich zu zweifeln an und dann geht das in „Schiet“ über.
    Aber naja, noch geht es ja weiter…
    Gruß
    Pauly

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  • Böse Strategie, produziert einfach Klumpen !

    Natürlich ist es auf den ersten Blick etwas beunruhigend so stark auf eine Branche fokussiert zu sein. Die Strategie ist jedoch auch trendfolgend was sich hier widerspiegelt – und das macht sie in meinen Augen aus.
    Problematisch ist zunächst, dass mehrere Punkte der Strategie neu interpretiert werden. Das EBIT hat im Immobereich und auch im Bereich Private Equity (Finlab) eine andere Bedeutung (Abschreibungen). Das betrifft nicht nur die Marge (S IMMO: 137 %) sondern letztendlich auch RoE und vor allem das KGV. Letztendlich ist jedoch auch das egal, weil der „besoffener Penner“ (Markt) in bullischen Phasen nur ein niedriges KGV und ein ausreichendes RoE wahrnimmt und kauft (Trendfolge).
    Man sollte dennoch ein Blick auf die Cash-Flow Werte werfen und sich bei Immowerten vielleicht nicht auf das Verkaufssignal der Strategie verlassen. Wenn es Alternativen gibt, werde ich tauschen, insbesondere die Briten, da der Markt dort schlechter ist.

    Ansonsten halte ich von händischen Eingriffen nichts. Die Strategie hat sich bewährt (vgl. auch Leise) und wurde von Susanne Levermann optimiert (sie hatte die Möglichkeiten dazu). Auch gab es damals schon Immowerte und Mischkonzerne mit wechselndem Portfolio auch (Berkshire, Siemens, …). Bitte feiere weiter !

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    • Hey Johannes!
      Wärst du so nett, deinen Kommentar näher zu erläutern?
      Ich habe ihn so verstanden, dass auch deiner Sicht iGz Petras Ansatz die Immo-Werte auf jeden Fall weger der (weniger vorhandenen) Cash-Flows zu Finanzwerten zählen sollten und immer 0 Punkte bekommen müssten, richtig oder falsch?!
      Wäre klasse, wenn du eine Art Rechenbeispiel zeigen könntest, wie sich das Ebit eben auch nachteilig auf KGV oder wie du schreibst respektive Marge auswirkt (und eben auch RoE).
      Danke und Grüße, Toni

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    • Was bei den Immo-Firmen auffällig ist, sind die hohen EBIT-Margen. Die anderen Werte finde ich, halten sich doch im Rahmen. Außerdem ist das Ganze keine exakte Wissenschaft.
      „Die Strategie hat sich bewährt“ – naja, wirklch? – warten wir ab bis nach dem nächsten richtigen Crash, denn so etwas hat die Levermann-Strategie bisher noch nicht gesehen, dafür gibt es sie einfach noch nicht lange genug. Und was Frau Levermann in ihrer aktiven Zeit verfolgt hat, ist nicht genau die später in ihrem Buch veröffentlichte Strategie, denn die hat sie extra für Privatanleger ausgedacht. Das ist eben der Grund, warum ich es nach wie vor als Experiment betrachte. Aber ich feiere gern noch weiter. 😉

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  • Herzlichen Glückwunsch zu S IMMO! Petra mir geht es genauso. Bei mir ist am Montag „Schloss Wachen“ rausgeflogen weil nur noch 3 Punkte. Bei der Auswahl der neuen Werte habe ich mich auch für S IMMO entschieden, auch wegen GB Risiko. Und ich hab auch etwas unwohlsein wegen dem großen Immo Klumpen im Depot. Aber – es läuft aktuell. 🙂
    Auf weiterhin gute Erfolge mit dieser Strategie!
    Grüße, Stefan

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  • Den entgangenen Gewinnen sollte man nicht nachtrauern.
    Leider verfolgt man aber Kurse von Aktien, die man schon verkauft hat, immer noch. Man bleibt ja interessiert.

    Ich gucke z.B. häufiger auf die Kursentwicklung von Tesla (aus meiner Sicht überbewertet) und Bitcoins (aus meiner Sicht Pyramidenspiel) als auf mein Depot, obwohl ich in diese Werte überhaupt nicht investiert bin.

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    • Ich schaue nur selten darauf, wie sich von mir verkaufte Aktien danach weiterentwickeln. Das kommt höchstens vor, wenn eine Aktie wieder eine Levermann-Kaufpunktezahl erreicht. Oder man muss einfach die richtige Einstellung dazu finden: Es ist nicht zu ändern.
      Auf Wertentwicklung von Aktien außerhalb meines Depots schaue ich nur, wenn ich an diesen Aktien interessiert bin, und bei Bitcoins bin ich ganz Deiner Meinung. Das ist „den letzten beißen die Hunde“. Sicher ist die Idee, die hinter Bitcoin steckt, genial, aber die Entwicklung des angeblichen Wertes, naja …

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  • Ich bekomme bei Redrow keine 7, sondern eine 6:

    EKR: 19.66% +0
    EBIT-Marge: 18.88% +1
    Eigenkapitalquote: 49.7% +1
    KGV 5: 10.08 +1
    KGV akt: 8.34 +1
    Analysten: 13 und Bewertung 7.5 -1
    Quartalszahlen: 06.09.2017 -2% -1
    Gewinnrevision: Akt Jahr 6.67%, Nächstes Jahr 7.32% +1
    Kurs 6Mon: 8% +1
    Kurs 12Mon: 8% +1
    Momentum: +0
    Dreimonatsreversal: +0
    Gewinnwachstum: 10% +1

    Gesamt: 6 Punkte

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    • Deine Zahl für EKR (RoE) bzw. EBIT-Marge stammt nicht aus dem aktuellen Geschäftsjahr, sondern aus 15/16. Dadurch hast Du bei Eigenkapitalrendite 0 Punkte, wo ich 1 Punkt habe. Ein weiterer Unterschied besteht in der Reaktion auf Quartalszahlen. Welche Benchmark benutzt Du bzw. welche Börse für die Ermittlung der Redrow-Kurse?

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  • Hallo Petra, hallo Toni,

    entschuldigt die späte Antwort:
    EBIT-Margen > 100 % sind für mich NaNs (not a number). Die EBITs kommen zu einem großen Teil durch Zuschreibungen (gut) zustande oder aus zyklischen Abschreibungseffekten (schlecht) und weniger aus Gewinnen aus Umsätzen (?!). Das gefällt mir nicht, denn i.A. kann das über längere Zeit nicht funktionieren. Trotzdem halte ich Persimmon, Barratt und auch S-IMMO. Warum ? Weil es der Immobranche sehr gut geht. Die Vermögenswerte steigen im Wert seit Jahren stark an (Konzentration in Ballungszentren, niedrige Zinsen …). Das beschert diesen Firmen Gewinne ohne dass sie viel tuhen müssen und erklärt die hohen EBIT-Margen und niedrigen Gewinne. Mir was bisher nicht klar was ein Vermögenszuwachs mit Einnahmen zu tun hat, aber auch daraus ergeben sich Zuschreibungen (https://www.haufe.de/finance/finance-office-professional/gewinn-und-verlustrechnung-und-sonstiges-gesamtergebnis-4621-gewinne-bzw-verluste-aus-der-neubewertung-von-sachanlagen-und-immateriellen-vermoegenswerten_idesk_PI11525_HI1675511.html).
    Wenn mir die EBIT-Marge nicht gefällt, dann kann mir das KGV auch nicht gefallen, da es dann viel zu niedrig ist, egal was die Strategie sagt. Als ich kaufte, hatten alle Werte 9 Punkte. Wenn man keine Alternative hat, muss man sich halt die Aktie näher ansehen und die Ab- und Zuschreibungen rausrechnen (Funds From Operation, vgl. REITS). Interessent ist, dass Levermann auch aus allen Immo-Aktien die schönsten findet und nicht z.B. eine Vonovia (EBIT > 300 % und zyklisch).

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    • Hallo Johannes,

      danke für Deine ausführliche Antwort. Deiner Meinung nach müsste man also statt der EBIT-Marge eine „EBITDA-Marge“ berechnen und die Zuschreibungen vom Gewinn nach Steuern auch wieder abziehen, um dann daraus das KGV zu berechnen.

      OK, kann man machen, aber meine Meinung dazu: Die Levermann-Strategie ist nun einmal keine exakte Wissenschaft. Man könnte an sehr vielen Stellen das noch weiter und weiter differenzieren, z.B. die Bewertungsbereiche für das KGV branchenabhängig machen und was nicht noch alles. Aber ich finde, das ist alles nur vorgegaukelte Genauigkeit.

      Ich bezweifle, dass das für die gesamte Strategie wirklich bessere Ergebnisse bringen würde. Auch würde der Aufwand, es zu überprüfen, ob solche Differenzierungen bessere Ergebnisse bringen, sehr sehr hoch sein. Ich möchte diesen jedenfalls nicht betreiben. So bleibe ich also bei meiner Devise: Im Zweifelsfalle die einfachere Lösung verwenden!

      Gruß
      Petra

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  • Pingback: Levermann-Dienstag: So mag ich das – Sparen, anlegen, frei sein

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