Die allerwichtigste Anlageregel

Wer bin ich, dass ich es mir anmaße, einen Artikel unter dieser superlativen Überschrift zu verfassen? Nein, ich habe nicht die Weisheit mit Löffeln gefressen. Aber in der letzten Zeit ist mir mal wieder eine Sache bewusst geworden.

Je länger ich diesen Blog schreibe, desto mehr Kommentare und E-Mails erhalte ich. Das macht Spaß, denn es sind wirklich sehr interessante dabei, auch einige Anregungen vor allem zu meinem Levermann-Experiment oder dem Tool dazu. Ich setze jedoch nur sehr wenig davon um. Der Grund dafür ist meine allerwichtigste Anlageregel, die ich hier vorstellen möchte.

Sie lautet:

Definiere deine Regeln, halte dich daran und ändere sie nicht andauernd!

Ich finde diesen Grundsatz kann und sollte man auf sehr vieles anwenden. Ich nehme hier als erstes Beispiel mein Levermann-Experiment. Seit ich es gestartet habe, kommen immer wieder Kommentare derart: „Aber man muss doch…“ oder Vorschläge zur Änderung der Strategie, wie z.B. das eine oder andere Kriterium anders zu gewichten, zusätzlich Stop-Loss einzubauen oder sonstwas zu ändern.

Ich halte es für wichtig, sich eben nicht dauernd zu solchen Änderungen verleiten zu lassen. Deshalb lehne ich Vorschläge, die an der Bewertungslogik etwas ändern, zunächt immer ab, egal wie gut sie auch sein mögen. Änderungen nehme ich wenn überhaupt nur selten vor. So habe ich z.B. nach einem Jahr die KGV-Logik geändert und mein zusätzliches Dividendenkriterium wieder aufgehoben. Das war hier auch schon alles. Die laufenden Verbesserungen am dazugehörigen Excel-Tool ändern ja nichts an der Bewertungslogik.

Als zweites Beispiel will ich mein Graham-Depot nennen, das ich als wikifolio „Zehn Regeln nach Benjamin Graham“ führe. Das hat sich bisher noch nicht mit Ruhm bekleckert, es dümpelt eher so vor sich hin. Na und? Es läuft noch nicht einmal ein Jahr. Die dafür ausgewählten Aktien lassen auch nicht erwarten, sich ausgerechnet nach Aufnahme in dieses Depot zu Kursraketen zu entwickeln. Trotzdem lasse ich es mir nicht im Traum einfallen, etwas Grundlegendes daran zu ändern. Es ist eben längerfristig ausgelegt, und ich bleibe bei meinen zuvor definierten Regeln.

Als drittes Beispiel will ich noch mein echtes Haupt-Depot nennen. Auch hier habe ich für jede Position eine klare Strategie, die ich mir schon beim Kauf überlege und aufschreibe. Dazu gehört, ob dieses Investment langfristig bestehen und Dividenden liefern soll oder zunächst nur für bis zu drei-vier Jahre gedacht ist, mit Plan für den Ausstieg. Ein „Ich-kauf-mal-eben-diese-Aktie-und-schaue-was-passiert“ gibt es dabei nicht. Dadurch vermeide ich es, einer Panik zu erliegen, wenn sie dann irgendwann kommt.

Ich hoffe, ich habe euch mit diesem Artikel ein wenig zum Nachdenken angeregt. Und ich freue mich natürlich auch weiterhin über Kommentare und Anregungen, auch wenn ich davon nur wenige umsetze.

Titelbild: Alfred J. Hahnenkamp / pixelio.de

8 Gedanken zu “Die allerwichtigste Anlageregel

  1. Jogi 7. Juli 2017 / 17:19

    Sehr gut 🙂
    Meine Regel klingt ähnlich:
    „Höre niemals auf Andere, nur auf dich selbst“
    Regel 2: RM und MM beachten.
    Regel 3: Factsheet führen.
    Regel 4: Konsequent die eigenen Signale handeln(psychische Stärke)

    Gruß Jogi

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      • gatowman 10. Juli 2017 / 18:50

        RM= Risikimanagement, MM= Money Management 🙂
        LG

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  2. Jogi 7. Juli 2017 / 17:20

    Ach nochwas:
    System erst optimieren, wenn es aus den Kennzahlen läuft, DD >30% als Beispiel.

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  3. Dietmar 8. Juli 2017 / 3:34

    Ich liebe Deine lockere und trotzdem seriöse Schreibe, Petra. Und ich denke man könnte in der Überschrift zum Artikel das ‚Anlage‘ weglassen oder durch ‚Lebens‘ ersetzen. Kann man, muß man aber nicht weil’s nichts ändert 😀 Bleib Dirtreu so wie ich Dir treu bleibe.

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  4. Alexander 8. Juli 2017 / 12:10

    Ich halte es ebenfalls für sehr wichtig, sich an seine Regeln zu halten. Bei meinem Depot ist es ähnlich, ich schätze die Kommentare und Leser-Mails sehr, aber ich habe meine Regeln grob umrissen und ändere nur sehr selten etwas. Ich überprüfe regelmäßig meine Vorgaben und mache dann nichts 🙂

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    • Petra Wolff 8. Juli 2017 / 14:20

      Hallo Alexander,
      habe dich im Finanzrocker-Podcast gehört, hat mir sehr gut gefallen.
      Zwischen deinem Depot und meinem Hauptdepot gibt es Überschneidungen. Bei diesen Werten ist mir die Kursentwicklung auch ziemlich egal, weil ich die auch als langfristige Investments wegen der Dividenden habe. Mach weiter so und viel Erfolg.
      Viele Grüße
      Petra

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  5. Anonymous 17. Juli 2017 / 13:18

    Hallo Petra,

    Ich finde es gut so wie Du deine Dinge angehst.
    Wichtig ist das man an seinen Prinzipien treu bleibt und sich von äußeren Dingen nicht beeinflussen lässt.

    Dein Blog dient für mich meinen Horizont zu erweitern und so wie Du ihn schreibst spricht er mich voll an.

    MfG Lars

    MfG

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