Anderthalb Jahre Levermann-Experiment

Aus diesem Anlass möchte ich wieder mal ein kleines Zwischenfazit ziehen. 2016 hatte ich mit dem experimentellen Depot angefangen. Zuerst fiel es mir schwer, überhaupt genügend passende Aktien zum Kauf zu finden. Es dauerte mehr als ein halbes Jahr, bis alle zwölf Depotpositionen zum ersten Mal besetzt waren. Auf dem Weg dorthin gab es etliche Wechsel. Nach einem Jahr war es ganz gut gelaufen, es stand bei insgesamt +28,8%. Nach einem weiteren halben Jahr steht es jetzt immerhin bei +55,2%.

Transaktionen

Es ging schon ziemlich hin und her. Im letzten halben Jahr hat sich das scheinbar ein klein wenig beruhigt. Hier sind die konkreten Zahlen:

Jan-Jun 2016 Jul-Dez 2016 Jan-Jun 2017
Anzahl Käufe 15 12 7
Anzahl Verkäufe 7 8 7
davon mit Gewinn 1 3 4

Der gesamte Wertverlauf

Es heißt ja „Hin und her macht Taschen leer“. Ich zeige hier den gesamten Wertverlauf des „Hin und her“-Levermann-Depots:

levermann2017-06-30

Im Vergleich dazu stelle ich den Verlauf eines Depots dar, in dem die gesamte Summe gleich am Anfang in einen thesaurierenden SDAX-ETF investiert und dann in Ruhe gelassen worden wäre. Diesen Vergleich hatte ich bisher jeweils nach einem halben und einem ganzen Jahr angestellt. Der betrachtete ETF ist dabei immer derselbe, und zwar COMSTAGE-SDAX-TR-UCITS-ETF (ISIN: LU0603942888).

sdax-etf-2017-06-30

Diese Investition stünde heute bei +25,3%. Hier ein zusammenfassender Vergleich:

Ende Jun 2016 Ende Dez 2016 Ende Jun 2017
Levermann-Depot +0,6% +28,8% +55,2%
SDAX-ETF-Depot +1,7% +10,6% +25,3%

Vielleicht stimmt das mit dem „Hin und her“ und den leeren Taschen nicht immer. Es kommt wohl u.a. auf den Betrachtungszeitraum an.

Bisherige Spielregeln

Ich hatte für mein Experiment abweichend von der Originalstrategie, wie sie Susan Levermann in ihrem Buch Der entspannte Weg zum Reichtum beschrieben hat, folgende Regeln festgelegt:

  • Als Kaufpunktezahl müssen es immer mindestens 7 Punkte sein, unabhängig von der Marktkapitalisierung.
  • Verkauft wird immer ab 3 Punkten abwärts.
  • In Grenzfällen entscheide ich selbst, ob ich einen Punkt noch manuell vergebe.
  • Im ersten Jahr hatte ich als zusätzliche Bedingung festgelegt, dass das Unternehmen eine Dividende zahlen muss. Dafür hatte ich keinen Extra-Bewertungspunkt eingeführt, sondern es einfach so festgelegt: Kauf bei mindestens 7 Punkten, nur wenn eine Dividende gezahlt wird.
  • Auch wenn alle Regeln zum Kauf erfüllt sind, liegt die Entscheidung bei mir, ob ich kaufe. Beim Verkauf geht es jedoch ausschließlich nach den Punkten.

Änderungen nach einem Jahr

Ich hatte eine zweite Variante für die beiden KGV-Kriterien eingeführt. Seit diesem Jahr richte ich mich nach dieser neuen Variante. Ich hatte das damals ausführlich erklärt. (Siehe mein damaliger Artikel Das Tool zur nächsten Levermann-Runde)

Außerdem habe ich nach einem Jahr mein zusätzliches Dividendenkriterium wieder verworfen, darf also auch Aktien ohne Dividende ins Depot aufnehmen.

Änderungen ab jetzt

An meinem Regelwerk werde ich nichts ändern. Ich werde jedoch mein betrachtetes Aktienuniversum nach und nach vergrößern. Bisher bin ich mit meinen Depotpositionen im Euroland geblieben. Nun werde ich so langsam meine Fühler weiter ausstrecken. Aber ich denke, der größte Anteil wird in Deutschland bzw. ein wenig in anderen Euroländern bleiben. Ich pfeife auf den Home Bias. Es ist sicherlich so, dass ich hier die meisten Möglichkeiten finde, weil es einfach mehr Informationen zu diesen Aktien gibt.

Das Excel-Tool zum Experiment

Das Tool ist mit dem Experiment mitgewachsen. Im Laufe der Zeit hat es mich immer wieder vor neue Herausforderungen gestellt. Zuerst war es instabil und „rumpelig“, jetzt läuft es gleichmäßig durch. Mit dem letzten Update kamen sogar noch Makros zum automatischen Erweitern der Aktienliste hinzu.

Zuerst war es nicht für andere Währungen als den Euro gedacht, so langsam klappt aber auch das, obwohl in der derzeitigen Version auch bei ausländischen Währungen noch ein Teil der Betrachtungen auf Euro-Basis durchgeführt wird. Aufgrund der Irrungen und Wirrungen zur Frage „Darf man auf diese Weise automatisch Daten von Webseiten abrufen?“ erweitere ich das Programm gerade ohnehin um bedenkenlose Datenquellen. Dabei kann ich den Umgang mit Fremdwährungen noch weiter verbessern.

Fazit

Gut dass ich das Spiel nach dem ersten halben Jahr nicht aufgegeben habe. Bisher läuft es prima. Trotzdem bin und bleibe ich skeptisch. Ich beobachte, dass die Levermann-Strategie immer beliebter wird. Auch die Download-Zahlen meines Tools gehen keineswegs zurück, im Gegenteil. (Wenn ich doch nur für jeden Download einen Euro bekäme… 😉 )

Worauf ich auch gespannt bin ist die Reaktion des Depots auf den nächsten Crash. Vielleicht findet dann eine Beruhigung des Levermann-Hype statt, und nach ein wenig abwärts geht es dann wieder so schön aufwärts wie vorher. Vielleicht stellt sich die ganze Strategie aber auch als nicht mehr wirksam heraus. Wer weiß das schon.

Alle Infos zum Experiment Levermann-Depot

Ausgehend von der Seite Artikelserien / Experiment Levermann-Depot findet ihr alles, was damit zusammenhängt. Von dort aus gibt es auch einen Link zur übersichtlichen Aufstellung aller Artikel zu diesem Thema jeweils mit kurzer Zusammenfassung und einen Link zum Download des Excel-Tools und der dazugehörigen Dokumentationen, die ich sorgfältig erstellt habe, um nicht so viele Fragen dazu einzeln beantworten zu müssen und dadurch mehr Zeit zur Verbesserung des Tools zu haben.

Sonstiges

Wie immer: Das hier Gezeigte soll keine Anregung zum Nachmachen sein. Auch das Excel-Tool dient nur als Anschauungsmaterial, wie so etwas umsetzbar ist. Benutze deinen eigenen Kopf und bilde dir dein eigenes Urteil.

Titelbild: Andreas Hermsdorf / pixelio.de

nächster Levermann-Artikel: Levermann-Dienstag: Pharma, Puppen und Excel-Tool

16 Gedanken zu “Anderthalb Jahre Levermann-Experiment

  1. nmll4962 1. Juli 2017 / 15:17

    Liebe Petra. Herzlichen Dank für deine Arbeit. Ich habe dir auch schon mal was gespendet. Ich hoffe, es hat für ein schönes Abendessen zu zweit gereicht. Ich glaube, dass die Methode Levermann dauerhaft funktioniert, auch und vor allem wenn mehr Leute sie anwenden. Je mehr Leute die Levermann Aktien kaufen, desto rascher steigen sie ja. Die „Magic Formula“ von Joel Greenblatt funktioniert ja auch schon seit dreissig Jahren und schliesslich ist die Levermann Methode nichts anderes als eine viermal strengere Greenblatt-Methode. Was allerdings passieren könnte, ist, dass zu wenige Kaufkandidaten zu finden sind. Es sollte ja jetzt zu einer Korrektur im Dax kommen. Da bin ich mal gespannt, wie sich die Levermann Aktien halten. Weiterhin viel Erfolg!

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    • Petra Wolff 5. Juli 2017 / 23:56

      Danke und Entschuldigung dass der Kommentar erst jetzt von mir wahrgenommen wurde, aber der lag im Spam. Mal sehen, bin auch gepannt, wie es weitergeht.

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  2. Yves Riesen 2. Juli 2017 / 9:49

    Hallo Petra, ich habe heute das Makro zur Pflege der Aktienliste laufen lassen. Leider wird der Teil „URL-Teil finanzen.net“ nicht aktualisiert. ISIN ist korrekt. Hat jemand das gleiche Problem?

    Grüsse

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    • Petra Wolff 2. Juli 2017 / 20:38

      Hallo Yves,

      kann das Problem nicht nachvollziehen. Es hat mir auch niemand sonst gemeldet.
      Kannst du mir eine spezielle ISIN nennen, für die das bei dir nicht funktioniert?

      Gruß
      Petra

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      • Alexander 3. Juli 2017 / 16:48

        Hallo Petra,

        ich hab soeben auch eine Antwort von Onvista bekommen..
        Ein Abruf ist nicht erlaubt, da onvista die Daten auch durch kostenpflichtige Verträge bezieht und diese somit durch einen automatischen Abruf nicht preisgibt.
        Somit fällt Onvista raus, da ein Abruf auch verfolgt werden kann und auch zu Schadensersatzforderungen führen kann.

        mfg

        Alex

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      • yriesen 3. Juli 2017 / 16:59

        Hallo Petra

        Das Problem scheint mein Chache Speicher gewesen zu sein. Hie und da muss der mal geleert werden, dann geht es auch wieder

        Gruss Yves

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  3. MOEXX 4. Juli 2017 / 9:41

    Ich habe noch einen Tipp für das Excel-Tool um die Arbeitszeit ein wenig zu verkürzen.
    Bei jeder Prozedur die Bildschirmaktualisierung am Anfang deaktivieren und zum Schluss wieder aktivieren.
    Also bei jedem Sub oder Funvction mit application.screenupdating = false beginnen und mit application.screenupdating = true enden.
    Dann wird der Bildschirm nicht bei jeder Veränderung aktualisiert und die Rechnerleistung wird nur für das Berechnen benötigt.

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  4. Ask 7. Juli 2017 / 22:48

    Hallo Petra,

    analysierst du die Werte täglich oder nur Freitags?

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      • Ask 7. Juli 2017 / 23:28

        Du bist Klasse! Was denkst du über Aktienguide ? Dort sind auch Aktienempfehlungen allerdings 1 mal die Woche aber vom Levermann Strategie her ist dort alles so wie es sein muss oder?

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