Warum der Hund es besser kann

In meinem letzten Artikel hatte ich nur ein kleines witziges Zitat aus einem Buch angeführt. Inzwischen habe ich das Buch zu Ende gelesen und möchte es in diesem Beitrag vorstellen. Es handelt sich um „Den Finanzmarkt verstehen. Anlagestrategie und Börse: Warum der Hund es besser kann“ von Klaus Schredelseker.

Der Autor ist ein österreichischer Professor der Financial Economics. Er lehrt an der Universität Insbruck. Laut Klappentext des Buches gilt er als unkonventioneller Denker in seinem Fach.

Worum geht es?

Im Grunde genommen besteht das Buch aus zwei Hauptteilen, von denen sich jeder mit einem der beiden wohl am meisten verbreiteten Weltbildern des Finanzmarktes auseinandersetzt.

Dabei ist Weltbild 1 dasjenige, das davon ausgeht, dass die Märkte effizient sind, d.h. dass zu jeder Zeit alle derzeit verfügbaren Informatinen in den Aktienkursen enthalten sind. Somit gibt es keine Unter- oder Überbewertungen. Kurse schwanken aufgrund von neuen Gegebenheiten bzw. Informationen, die aber zu jeweils späteren Zeitpunkten erst bekannt werden und nicht vorhersehbar sind.

Weltbild 2 geht davon aus, dass die Märkte nicht informationseffizient sind. So kommt es zu Überbewertungen und Unterbewertungen. Die Kurse schwanken jeweils um den „inneren Wert“ herum.

Das Zitat, dass ich in meinem vorigen Artikel Über Technische Analyse und dazugehörige Software wiedergegeben hatte, stammt aus dem Teil zu Weltbild 1.

Der Untertitel des Buches „Warum der Hund es besser kann“ kommt aus einer Betrachtung, dass man nach Weltbild 1 eine durchschnittliche Performance am Aktienmarkt erzielen würde, wenn man Anlageentscheidungen aufgrund des Verhaltens seines Hundes treffen würde. In etwa so: Man liest die Namen der Aktien vor. Wenn der Hund mit dem Schwanz nach rechts schlägt, wird die Aktie gekauft, wenn nach links, wird nicht gekauft, sondern verkauft, sofern man die Aktie hat.

Überhaupt sind beide Teile zu den verschiedenen Weltbildern gefüllt mit interessanten spieltheoretischen Betrachtungen, die börsenähnliche Simulationen darstellen. So gibt es zum Weltbild 2 z.B. sehr viele ausführlich beschriebene Simulationsspiele, in denen immer mehrere Teilnehmer (meistens bis zu zehn) und deren Informationsstand betrachtet werden. Das geht von „überhaupt keine Information“ bis hin zu „fast vollständige Information“ mit Abstufungen dazwischen. Dann werden Betrachtungen dazu angestellt, zu welchem Preis unter all diesen Voraussetzungen gehandelt werden würde, bzw. wie der Preis sich ändern würde, wenn bestimmte Teilnehmer zusätzliche Infos erhalten würden. Dann wird ausgewertet, wer damit welchen Gewinn bzw. Verlust machen würde. Es ist dabei nicht immer automatisch so, dass jemand der zusätzliche Informationen bekommt, damit besser abschneidet.

Ich fand diese Betrachtungen ganz interessant. Aber es ist klar, dass das alles nur theoretischer Natur sein kann. Die Akteure in diesen Spielen machen z.B. keine Fehler. Alle handeln zu 100% rational. So etwas gibt es in der Realität wohl kaum.

Übrigens macht der Autor auch ein paar Anmerkungen zur Levermann-Strategie, und zwar dass das nicht auf Dauer funktionieren kann, wenn es irgendwann alle so machen. Das ist mir klar. Die Frage ist nur, ob es jemals alle so machen. Meine Vermutung für die nächsten Jahre dazu ist: Das geht noch eine Weile gut. Es verbreitet sich jedoch wie ein Virus. Es wird immer mehr Anbieter von Levermann-Auswertungen geben. Immer mehr Anleger nutzen das. Die Anbieter verdienen damit. Ist auch in Ordnung, denn es macht eine Menge Arbeit, und die Leute wollen es ja so haben. Irgendwann wird das System zusammenbrechen, dann in Vergessenheit geraten oder nur noch belächelt werden. Dann könnte es allerdings wieder profitabel werden, die Sache anzuwenden.

Praktische Vorschläge?

Aber ich will nicht weiter abschweifen, sondern bei der Vorstellung des Buches bleiben. Im letzten Teil versucht der Autor, ein paar Vorschläge zu präsentieren, wie man als Anleger doch noch seinen Nutzen aus dem Aktienmarkt ziehen kann. Dieser Abschnitt ist überschrieben mit „Was tun? Acht konkrete Empfehlungen für vernünftiges Anlageverhalten“. Diese Empfehlungen tragen folgende Überschriften:

  • Vorsicht vor mathematisch exakten Entscheidungsregeln
  • Klare Ziele setzen: Nicht Outperformance, sondern Vermeidung von Underperformance
  • Vermögensanlagen gut diversifizieren
  • Kein Geld ausgeben für eine Sache, die sich nicht lohnen kann
  • Vorsicht vor kovariantem Handeln. Do not herd
  • Die anderen sind nicht dümmer als wir selbst
  • Vorsicht vor dem allzu Offenkundigen
  • Mitmachen lohnt sich und macht vielleicht sogar Spaß

Mein Fazit

Im Großen und Ganzen ein recht lesenswertes Buch, obwohl ich einige Passagen zum Ende hin dann doch als etwas langatmig empfunden habe. Die spielartig beschriebenen Simulationen haben mir gut gefallen. Sie haben einen gewissen Bezug zur Realität, wenn sie auch nicht eins zu eins übertragbar sind. Auf jeden Fall liefern sie gute Denkanstöße. Es ist ein gutes Buch, wenn man seinen Horizont ein wenig erweitern möchte und nicht von vornherein alles als „Geschwafel“ abtut, was nicht ins eigene Anlageweltbild passt. Als Anfängerlektüre zum Thema Aktien und Börse würde ich es jedoch nicht empfehlen. Aber wenn man schon einige Erfahrungen gesammelt hat, ist es sehr bereichernd.

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Titelbild dieses Artikels: Nadine Becker | iNMotion Fotografie / pixelio.de

6 Gedanken zu “Warum der Hund es besser kann

  1. Hallo Petra,

    was ist denn gemeint mit:
    „Vorsicht vor kovariantem Handeln. Do not herd“ ? (meide Herdenverhalten?)

    Und zu welchem Schluss kommt der Autor letztlich bzgl. technischer Analyse?
    Funktioniert diese?

    Meine Vorstellung bzgl. informationseffizienter Märkte ist die daß
    die Marktteilnehmer sehr unterschiedlich sind.
    Manche werden Informationen sehr früh erhalten, andere gar nicht oder sehr viel später.
    Der Aufwand um an manche Informationen zu gelangen wächst.
    Die Kosten halten dann irgendwann nicht mehr mit dem zu erwartenden nur wahrscheinlichkeitstheoretisch begründbaren Nutzen stand.

    Keynes glaube war es der den Börsenmarkt mit einem Schönheitswettbewerb verglichen hat.
    Es geht dabei aber nicht darum, wie „schön“ (=profitabel, aussichtsreich, …) man selbst ein Unternehmen findet, sondern wie es wohl andere (genauer die Masse der relevanten Anleger) finden würden.

    Ich sehe es auch so ähnlich.
    Ein Anleger richtet somit seine Entscheidungen an den mutmaßlichen Entscheidungen anderer Marktteilnehmer aus, wissend, daß diese ähnlich vorgehen. Dadurch wird das System selbstreflektiv..

    Ein langfristig anlegender Value-Anleger wird dabei eher auf Profitabilität der Firma schauen.
    Ein eher kurzfristig orientierter mit Mitteln der technischen Analyse arbeitene Anleger
    wird hoffen daß der Kurs steigt weil er bisher gestiegen ist. (Die Hause nährt die Hause)

    Da Systeme auch nur deswegen schon funktionieren könnten weil die Leute an sie glauben.
    (Sie kaufen z.B. weil ein Kurs seine eine 200 Tage-Durchschnitts-Linie von unten nach oben schneidet…)
    gibt es so etwas wie sich selbst erfüllende Prophezeiungen.

    In der Levermann Strategie stecken ja beide Ansätze drin. Value-Ansätze und technische.Analyse.

    Eine Frage habe ich noch:
    Hast du schon dich schon einmal mit dem Gebert-Indikator befasst.
    Er ist recht einfach und gibt liefert mit recht geringem Aufwand Handlungsanweisungen bzgl. des Gesamtmarktes:

    http://www.daxjaeger-blog.de/p/gebert-indikator.html

    Meine Vorstellung für eine eigene Strategie wäre
    diese Gebert-Strategie mit einer Levermann ähnlichen Strategie bzgl. der Aktien-Selektion zu verbinden.

    Viele Grüße
    Peter

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    • Hallo Peter,

      danke für Deinen ausführlichen Kommentar. Ich sehe vieles so ähnlich wie Du.

      Zu Deinen Fragen:

      Do not herd = meide Herdenverhalten? Ja

      Das Fazit des Autors zu Technischer Analyse, funktioniert diese? Jein.

      Gebert-Indikator: Nein, habe ich mich nicht mit befasst.
      Was hindert Dich daran, Deine Vorstellung von einer eigenen Strategie umzusetzen? Wenn Du das für gut befindest, nur zu, viel Erfolg!

      Gruß
      Petra

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  2. Weiß nicht was ich von diesem Prof. Schredelseker nun halten soll.
    (Stichwort: Kein Geld ausgeben für eine Sache, die sich nicht lohnen kann)
    Heist daß das es sich nicht lohnt sein Buch zu kaufen 😉

    Habe nun einige im Netz verfügbare Aufsätze/Vorträge von ihm gelesen.
    (und bin glaube ich eher mehr verwirrt als vorher…)
    Beispiel:

    http://www.gaechter.cc/uploads/media/fiwi_ak__Schredelseker.pdf

    Ich lese da Dinge wie:
    ————
    Offenbar ist die Vorstellung, dass eine verbesserte öffentliche Information denen,
    deren Informationsniveau dadurch angehoben wird, zu besseren Entscheidungen verhelfe,
    nicht haltbar.

    Zwar gewährt ihnen die Anhebung des Niveaus an öffentlicher Information einen Vorteil, indem sie den wahren Wert des Wertpapiers präziser schätzen können.
    Für die durch die öffentliche Information „Begünstigten“ ist die Wahrscheinlichkeit dafür,
    auf die falsche Marktseite zu gelangen, sogar gestiegen!

    Für den größten Teil der Marktteilnehmer, die lediglich über öffentliche Informationen verfügt, ist es rational, diese nicht zu nutzen.

    Ein Investor, dessen Informationsstand das kritische Informationsniveau I* nicht übersteigt,
    kann, solange er sich seiner Information bedingt, vernünftigerweise nie damit
    rechnen, den Markt „schlagen“ zu können. Eine aktive Informationsstrategie nach dem
    Muster der Fundamentalanalyse wird somit für einen Großteil der Marktteilnehmer von einer passiven (u.U. auch konträren) Informationsstrategie streng dominiert.
    Geht man davon aus, dass es wenige Großinvestoren sind, deren Budgets es ihnen erlauben, in großem Umfang Wertpapier-Primärresearch zu betreiben und die daher zu den bestinformierten Teilnehmen im Markt zu rechen sind, dürfte die I*-Latte sehr hoch liegen.
    Ein Kapitalanleger, der über weniger als schätzungsweise eine Milliarde Euro disponiert, dürfte kaum unter denen zu finden sein, für
    die sich Informationsauswertung lohnt.
    ————

    Meine Frage: Wie kann er dann eine Strategie wie die von Levermann empfehlen?

    Gibt es nicht eine ganze Reihe von Kapitalmarktanomalien die man nutzen könnte?
    https://de.wikipedia.org/wiki/Kapitalmarktanomalie

    In einem anderen Aufsatz oder Vortrag schreibt er:
    (Datum: 1998 – also als die Dot-Com-Bubble so langsam hochkochte)

    http://www.profmay.de/profmay/downloads/schwerpunkt/F1CrashsFadsUndBubbles.pdf

    Das Bild der „Blase“ zeigt sehr anschaulich, worum es geht.
    Jeder, der einmal Polenta oder etwas ähnliches gekocht hat, kennt den
    Vorgang: der Brei beginnt erst langsam, dann immer schneller werdend anzusteigen,
    bis er – unter Ausstoß des ihn treibenden Wasserdampfs – wieder in sich zusammen fällt.
    Wäre es unser Ziel, uns auf der Oberfläche des Breis möglichst weit nach oben
    tragen zu lassen, so wäre es durchaus rational, uns selbst dann auf den Brei zu setzen,
    wenn wir überzeugt sind, daß das, was den Brei bewegt, nur heiße Luft ist.
    Entscheidend ist nur, daß wir Grund zur Annahme haben, der Zusammenbruch ließe noch auf
    sich warten und uns werde es schon gelingen, rechtzeitig abzuspringen. Die Situation
    ist ähnlich einem Kettenbrief…

    Wir müssen es einfach akzeptieren: Wo alle versuchen, raffinierter zu sein als diejenigen, die versuchen, raffinierter zu sein als die anderen und damit als wir selbst, kann
    man garnicht raffiniert genug sein, um so raffiniert zu sein, daß sich die Raffinesse auszahlt.

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    • Ob es sich für Dich lohnt, das Buch zu kaufen, musst Du selbst entscheiden. Mir ist das egal.

      Ich habe es gekauft und gelesen und fand es äußerst interessant. Natürlich ist es keine Anleitung zu guter Geldanlage, aber das erwarte ich von einem Finanzwissenschaftler auch gar nicht.

      Betrachtungen zum Informationsniveau derart, wie Du sie beispielhaft anführst, sind ebenfalls darin enthalten. Sie sind allerdings mittels Beispiel-Simulationsspielen näher erläutert und dann auch nachvollziehbar. Klar sind die Beispiele nur theoretische Modelle. Ob solche Beispiele auch in den von Dir verlinkten Dokumenten enthalten sind, kann ich nicht sagen, weil ich einfach keine Lust habe, das alles zu lesen.

      Ich weiß jedoch nicht, wie Du darauf kommst, dass der Herr Schredelseker die Levermann-Strategie empfehlen würde. In besagtem Buch tut er das jedenfalls nicht, im Gegenteil.

      Ich verstehe auch nicht, was an dem Gleichnis mit der Blase und dem Brei Deiner Meinung nach so grundverkehrt sein soll. OK, es ist keine Anweisung derart: Mach es so und so und Du gewinnst. Aber ich finde das Bild ist durchaus gelungen.

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      • OK – Danke für deine Antwort.
        Die erste Anwerkung war auch eher als Spaß gemeint.
        Ein nicht ganz ernst gemeinter Versuch der praktischen Anwendung der Empfehlungen sozusagen.

        Bzgl. Levermann Strategie hast Du oben geschrieben:

        „Übrigens macht der Autor auch ein paar Anmerkungen zur Levermann-Strategie, und zwar dass das nicht auf Dauer funktionieren kann, wenn es irgendwann alle so machen. Das ist mir klar. Die Frage ist nur, ob es jemals alle so machen.“

        Daraus habe ich geschlossen daß die Strategie funktioniert – solange sie nicht alle anwenden.
        Also somit eine Empfehlung. Aber wenn Du meinst es ist nicht so. OK.
        Du bist hier die Mathematikerin.

        Es erscheint mir auch selbstverständlich daß eine Strategie die wenn sie alle verfolgen keine Gewinner hervorbringen kann. Dieses Szenario erscheint mir aber auch sehr sehr unrealistisch.

        Ich – als nicht Finanzwissenschaftler, sondern eher mit der Naturwissenschaft groß geworden finde es interessant welche Ansichten Professoren ihren Studenten vermitteln.
        Das Bild der Blase bzw. des überkochenden Breies finde ich auch gut.
        Ich habe es aber schon eher als Anleitung verstanden wie man es machen könnte.
        Etwas mulmig wird mir aber schon wenn ich überlege daß solche Ansichten dann bei den zukünftigen Finanzmanagern als Lehrmeinung angesehen werden.
        Aber da haben wir möglicherweise etwas unterschiedliche Meinungen…

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        • Naja, wenn man sich das obige Zitat mit den Informationen einfach nur so durchliest, kann einem leicht ein „Häää???“ herausrutschen. 😉

          Ich denke nicht, dass alle die Levermann-Strategie anwenden werden. Aber sie könnte einfach zu beliebt werden. Keine Ahnung, was sein wird, da hilft ein Mathe-Abschluss leider auch nicht weiter.

          Zu Deiner Anmerkung mit den zukünftigen Finanzmanagern kann ich nur sagen: Hoffentlich gibt es genug Leute darunter, die auch mal den gesunden Menschenverstand benutzen, anstatt bei solch einem „Den letzten beißen die Hunde“-Spiel einfach nur ohne Sinn und Verstand darauf zu zocken, dass sie nicht der Letzte sind, und damit ganze Unternehmen ruinieren.

          Zu dem Buch: Wie gesagt, ich fand es ganz interessant. Es ist aber keine Anleitung, wie man es richtig macht. Es regt einfach nur zum Nachdenken und Über-den-Tellerrand-Hinausschauen an.

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