Lass dich nicht vom Weg abbringen!

Kennst du das? Du hast dir vorgenommen, eine Sache auf eine ganz bestimmte Art und Weise durchzuziehen. Du hast lange darüber nachgedacht und hast dir letztendlich einen Weg überlegt, um an dein Ziel zu gelangen. Du hast begonnen, dein Vorhaben in die Tat umzusetzen. Es klappt auch ganz gut, obwohl es sich schwieriger oder auch langsamer anfühlt, als du es dir vorher ausgemalt hast. Und dann kommt jemand daher, der laut seine Zweifel daran äußert, dass dein Weg der richtige ist, oder behauptet, eine Abkürzung zu kennen, die dazu noch viel leichter ist.

Nun fällt es natürlich schwer zu widerstehen. Stopp! Denke besser vorher nach, bevor Du alles über den Haufen wirfst! Derjenige kann es dabei durchaus gut mit dir meinen, aber kennt er die ganzen Zusammenhänge? Oder sieht er doch nur seinen Vorteil und zieht einen eigenen Nutzen daraus, wenn du „die Richtung änderst“?

Bei der Geldanlage in Aktien ist das besonders wichtig. Da gibt es zum einen die Finanzbranche, also Banken und Broker oder besser gesagt, die Personen, die für diese arbeiten. Die haben natürlich schon wegen der Provisionen ein großes Interesse daran, dass du möglichst viel kaufst und verkaufst. Deshalb empfehlen die „Experten“ im Börsenfernsehen jeden Tag etwas anderes, schüren die Ängste weiter, wenn es mal ein klein wenig nach unten geht, oder heizen die Freude schon bei kleinen Kurshüpfern an. Auf der anderen Seite gibt es die Zeitgenossen, die es wirklich gut mit dir meinen und dir deshalb Ratschläge geben. Dummerweise passen diese oftmals nicht zu deiner wohlüberlegten Strategie, können dich aber leicht verunsichern. Besonders schädlich kann sich der Einfluss der „Ich habe X% erzielt, mach es lieber so wie ich“-Typen auswirken, denn es ist zu verlockend, einfach hinterherzulaufen, um das gleiche Ergebnis zu schaffen. Dabei können die Rahmenbedingungen ganz anders gewesen sein, oder es ist einfach nur gelogen.

Ich will damit nicht sagen, dass alle Tipps von außen immer schlecht sind. Ich will nur dazu anregen, alles kritischer zu hinterfragen.

Und ich bleibe bei meiner vorher festgelegten Strategie, woran ich, wenn überhaupt, nur dann etwas ändere, wenn ich es für richtig halte.

Die heutigen öffentlichen Depot-Stände, also am 23.09.2016
Levermann-Experiment: +17,7% mehr
Graham-wikifolio: -0,9% mehr

Titelbild: Horst Schröder / pixelio.de

8 Kommentare

  • Immer wieder erfrischend, Deine Kommentare zu lesen. Danke, dass Du uns an Deinen Gedanken teilhaben lässt.

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  • Das bringt mich auf ein Thema ueber das ich Dich schon mal fragen wollte: Warren Buffet empfiehlt ja einfach einem simplen Index Fund wie Vanguard zu folgen, z.B. der Vanguard World Shares, oder S & P 500, einfach weil eben historisch fast niemand den Index uebertrumpft und Vanguard super billig ist.

    Jetzt koennten einem aber selbst da Zweifel kommen: Was denkst Du z.B. darueber ab einem bestimmten Shiller PE Ratio (oder CAPE ratio) aus Aktien auszusteigen. Zur Zeit naehert er sich mit 27 den ueblichen Hoehen nach denen es meistens crashte, also waere man damit zumindest ueberdurchschnittlich gut beraten, – oder nicht?

    Was den deutschen Markt betrifft interessiert mich auch Deine Meinung ueber die katastrophalen Szenarien die manche voraussagen wenn die Deutsche Bank pleite geht, z.B. die ganzen Diskussionen auf Seiten wie Zero Hedge etc.

    Vielen Dank 🙂
    Christoph

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    • Hallo Christoph,

      zur ersten Frage mit dem Fonds fällt es mir schwer, eine pauschale Antwort zu geben. Ich halte solchen Fonds für langfristige Geldanlage für geeignet, würde allerdings auch nicht gerade in so einer hoch bewerteten Situation eine große Einmalanlage darin tätigen, sondern eher über einen Sparplan immer jeden Monat die gleiche Summe investieren. In so einem Fall würde ich mich um Bewertung überhaupt nicht kümmern.
      Im Fall, dass ich bereits eine große Position habe, die sehr weit im Plus steht, und ich wirklich aufgrund der hohen Bewertung und der Erfahrungen der letzten Jahrzehnte damit rechne, dass der Kurs demnächst einbricht, ist gegen Gewinnmitnahme mit der Absicht, günstiger wieder einzusteigen, überhaupt nichts einzuwenden. Das kann aber auch schief gehen. Wenn es allerdings ein ausschüttender Fonds ist, von dessen regelmäßigen Zahlungen ich einen Teil meines Lebensunterhaltes bestreite, würde ich überlegen, ob der Vorsprung des Kursgewinns vor den Ausschüttungen der nächsten Jahre ausreicht, um das zu tun. So könnte ich ruhig den erwarteten Kursrückgang abwarten, um günstiger wieder einzusteigen.

      Zur zweiten Frage: Darum kümmere ich mich überhaupt nicht. Sollte die Deutsche Bank wirklich pleite gehen, dreht sich die Erde trotzdem weiter, die Menschen werden trotzdem essen, konsumieren, Spaß haben. So wird es auch weiterhin Sinn machen, sich über Aktien an guten Unternehmen zu beteiligen. Vielleicht gibt’s dann Sonderangebote.

      Viele Grüße
      Petra

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  • Hallo Petra,
    falls Du mich meinst, will ich Dich nicht vom Weg abbringen. Ich arbeite auch nicht für irgendeinen Finanzdienstleiser, sondern bin fast 30 Jahre Privatinvestor und lebe schon viele Jahre von Kapitaleinkünften.
    Den Active-Trader habe ich Dir empfohlen, weil er das bessere Werkzeug zur Verwaltung und zum Handel mit Wertpapieren ist. Deine Bank stellt Dir den AT kostenlos zur Verfügung und auch die Anleitungen dazu bekommst Du gratis.

    Natürlich habe ich verstanden, dass Levermann und Graham zwei getrennte Projekte von Dir sind.
    Levermann machst Du mit Real-Money und Graham mit einem Wickifolio quasi als Paper-Trading.

    Solche Tests mache ich auch lieber mit Real-Money, weil sich dabei die Arbeit auszahlt. Nur wenn es sehr risikoreich ist, oder noch viel Optimierung erforderlich ist, führe ich ein virtuelles Depot.

    Deine Aufteilung in 2 getrennte Projekte ist also völlig OK.
    Deshalb war es von mir auch nur eine Randbemerkung, dass die Käufe in das Graham-Depot den Signalen der Leverman-Strategie widersprechen.
    Deine von mir genannten Kursgewinne mit den letzten Graham-Käufen zeigen, dass Levermann nicht immer richtig liegt. Die 2% Kursgewinn erlauben Dir, den Stoppkurs entsprechend nachzuziehen. Übersteigt Dein Stoppkurs dann den Einstiegskurs, handelst Du quasi schon „mit dem Geld der Anderen“.

    Die Levermann- Strategie ist übrigens nicht besser, als andere Strategien, sie hat eine Trefferquote von ca. 66%.
    Das ist eine Erfolgsquote wie sie Wertpapieranalysten und Charttechniker ebenfalls erreichen. Rechnet man den prognostizierten Zeitrahmen und berechneten Zielkurs genau mit ein, so hat man nur noch eine Treffsicherheit von 20%.

    Auf Dauer bleibt nur der erfolgreich, der von dem prognostiziertem Anstieg einer Aktie einen möglichst großen Teil mitnimmt, und dabei ständig das Risiko verringert.

    lG Mogli

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    • Hallo Mogli,

      au weia, nein, ich will hier weder Dich noch irgendjemand anderen von meinen fleißigen Kommentatoren angreifen. Das wäre ja noch schöner! Eure Kommentare bereichern meinen Blog.

      Ich verteidige auch nicht die Levermann-Strategie, ich probiere sie nur aus. Die Aktien aus meinem Graham-Wikifolio kaufe ich zum Großteil auch in echt, nur nicht genau so wie im Wikifolio, sondern mit Rücksicht auf mein schon bestehendes Value-Depot.

      Auch ich nehme ab und zu Gewinne mit, vor allem bei Investitionen, die von vornherein als mittelfristig geplant waren. Für den einen sind Stoppkurse sinnvoll, für den anderen eher nicht. Jeder muss seine Strategie finden, die für ihn passt und auch dabei bleiben, wenn er erfolgreich sein will, und sich nicht zu sehr ablenken lassen und dabei verzetteln. Das ist es, was ich hier in meinem Artikel ausdrücken will.

      Viele Grüße
      Petra

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  • Ich habe auch Nichts gegen die Levermann-Strategie und erst Recht nicht, gegen ein Value-Depot.
    Ich bin aber der Meinung, die Mischung macht es.
    Meine bevorzugten Value-Positionen lasse ich auch mal atmen, dh . mal ausbauen und mal schrumpfen. Manchmal löse ich ausgepowerte Positionen auch mal ganz auf.

    Stopkurse blenden Emotionen aus, und verhindern, dass sich Leichen im Keller sammeln.
    ZB. hatte ich sehr erfreuliche LPKF im Depot, habe die Position auch lange „gesund“ atmen lassen. Dank Stoppkursen hat sich meine Position ohne schmerzhafte Verluste aufgelöst. Mein Nachbar hat LPKF noch mit unverantwortlichem Verlust im Depot.
    Vor ein paar Wochen hat die Geschäftsleitung ein Statement vor der Presse, und eine Ansprache an die Mitarbeiter gehalten. Was meinst Du, wo der Kurs der Aktie jetzt stehen würde, wenn die Herren Ingo Bretthauer und Kai Benz ihre Texte vertauscht hätten….

    Mit Blick auf frühere Kurszettel und den heutigen Stand bin ich froh, dass ich mit Stopkursen arbeite.
    Früher hatte ich mal Aktien vom Bremer Vulkan, KHD, Karstadt, AEG und anderen Unternehmen, die heute nicht mehr gehandelt werden. Vom Neuen Markt, der mir übrigens viel Freude bereitet hat, mal ganz abgesehen.

    Um beim Thema zu bleiben, heutige Value-Aktien bleiben nicht ewig Value, oder verlieren auf Zeit ihren Status.
    Dafür gibt es schöne Beispiele aus Handelssystemen, die vor 2-3 Jahren die besten Value-Aktien selektiert haben. Fast jede Finanzzeitschrift hat mal solche Value-Indikatoren vorgestellt. In der Rückschau bestätigt sich bestenfalls meine „2/3 Treffsicherheit mit integriertem Ablaufdatum“. 😦

    Ich sage mal, „Mit Value-Aktien kann man gaanz ruhig schlafen.“ Nur wenn man nach dem Aufwachen auf den Depotauszug schaut, kann man schnell einen Herzkasper bekommen. :-O

    Hans

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