Die ersten fünf Käufe im Graham-Depot

Heute möchte ich etwas zu den ersten Käufen in meinem Graham-wikifolio schreiben. Bei der Auswahl der Unternehmen achte ich darauf, dass alle fünf Qualitätsregeln und mindestens zwei der Bewertungsregeln erfüllt sind. Die genauen Kriterien sind unter „Handelsidee“ zu meinem wikifolio beschrieben. Ich bin der Meinung, dass es nur in Phasen tiefer Depression ausreichend Aktien geben wird, die gleichzeitig allen zehn Regeln genügen, um damit ein diversifiziertes Depot zu füllen. Es ist schon recht schwierig, überhaupt Aktien zu finden, die „nur“ auf die Qualitätsregeln passen. Und da Qualität meistens nicht billig ist, wird es dann mit den Bewertungsregeln eng. In diesem Sinne habe ich die Aktien für die ersten Käufe ausgewählt.

Amadeus FiRe — Zwerg mit schnell wachsenden Gewinnen

Mit einer Marktkapitalisierung von unter einer Milliarde Euro ist Amadeus verglichen mit den anderen ein Zwerg. Bei den Qualitätskriterien sticht ein durchschnittliches Gewinnwachstum von rund 25% besonders hervor. Sicher wird das in Zukunft nicht immer so hoch sein. Es sind auch schwächere Wachstumsjahre dabei. Aber insgesamt geht es recht gleichmäßig aufwärts. Ich habe das auf dem Datenblatt in einem Säulendiagramm visualisiert. Es gab dabei innerhalb der letzten zehn Jahre überhaupt nur einmal einen Gewinnrückgang.

Als Wermutstropfen fällt das hohe KBV auf. Übrigens berechne ich es vereinfacht als Quotient aus Marktkapitalisierung und Eigenkapital. Das ist zwar nicht ganz exakt nach Benjamin Graham, denn es gibt Unterschiede zwischen „tangible book value“ (laut seinen Originalkriterien) und dem Eigenkapital. Aber meistens werden Eigenkapital und Buchwert synonym verwendet. So nehme ich mir hier diese Freiheit heraus. Zum hohen KBV, das man normalerweise schon als Überbewertung interpretieren könnte, lässt sich rechtfertigend sagen, dass das Geschäftsfeld „Personalvermittlung“, in dem Amadeus vor allem tätig ist, nicht so viel Kapital benötigt wie produzierende Industrieunternehmen.

Die Dividendenrendite ist recht hoch. Doch es fällt auf, dass hier der gesamte Gewinn pro Aktie als Dividende verwendet wird. Es wäre sicher nicht von Vorteil, wenn das immer so gehandhabt werden würde, aber ich denke, dass das derzeit verkraftet werden kann. Es geht nicht an die Substanz, und wahrscheinlich hat dieses Geschäftsfeld nicht jedes Jahr großen Investitionsbedarf. Aber das sollte man beobachten.

Hier das komplette Datenblatt von Amadeus FiRe: amadeus.pdf

BIC — Kleinkram ganz groß

Manchmal sind es Firmen, die schon immer so selbstverständlichen Kleinkram herstellen, über den man gar nicht nachdenkt. Hier haben wir ein richtig schönes langweiliges Investment, wie ich es mag. Ein Large Cap mit einem soliden durchschnittlichen Gewinnwachstum von 8,3%, das nicht allzu tiefe Dellen aufweist. Eine hohe Eigenkapitalquote kommt noch dazu. Die Bewertung ist auch nicht allzu übertrieben.

Das Datenblatt zu BIC: bic.pdf

Viscofan — weil die Wurst eine Pelle braucht

Ich wäre niemals von selbst darauf gekommen, in eine Firma zu investieren, die Kunstdärme herstellt. Ich wusste vorher nicht einmal, dass es ein Unternehmen gibt, das so etwas als Spezialgebiet hat.

Besonders positiv fällt auch hier das Gewinnwachstum auf. Darüber hinaus das äußerst vorteilhafte Verhältnis vom Fremdkapital zum Nettoumlaufvermögen. Dem gegenüber steht bei der Bewertung ein recht hohes Verhältnis von Marktkapitalisierung zu Nettoumlaufvermögen.

Viscofan-Datenblatt: viscofan.pdf

V.F. Corp. — Wrangler, Lee, The North Face usw. — groß und solide

Die Qualitätskriterien sind alle recht gut erfüllt. In keinem ist der Wert überragend, aber alles in allem in Ordnung. Die Bewertung geht gerade so. Das Verhältnis von Marktkapitalisierung zu Nettoumlaufvermögen ist besonders hoch. Aber irgendwas ist ja immer …

Datenblatt zu V.F.: vf.pdf

Tiffany — Juwel fürs Depot

Stolze 8 von 10 Graham-Punkten bringt diese Aktie, wobei der achte Punkt für das KGV-Kriterium (siehe Regel 2) daher kommt, dass der Gewinn in einem Jahr ziemlich eingebrochen ist, was das maximale KGV der letzten fünf Jahre so sehr erhöht hat, dass es leicht ist, mit dem aktuellen KGV unter 40% davon zu bleiben. Die Qualitätskriterien sind wieder alle erfüllt trotz Straucheln im Gewinnwachstum. Dafür ist das Verhältnis von Umlaufvermögen zu kurzfristigen Verbindlichkeiten ziemlich vorteilhaft.

Tiffany-Datenblatt: tiffany.pdf

Ich werde das Portfolio nach und nach mit weiteren geeigneten Aktien füllen.

Titelbild: Simone Hainz / pixelio.de

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