P2P-Kredite — etwas zum Nachdenken

Ich schaue wenig fern und damit auch nicht sehr viel Fernsehwerbung. Aber eine ist mir in letzter Zeit doch aufgefallen, und zwar von Auxmoney. Die gibt mir zu denken. Ich muss hier wohl nicht erst erklären, was Auxmoney ist, oder allgemeiner, was Peer-to-Peer-Kredite sind. Denn ich behaupte mal ganz kühn, dass so ziemlich jeder, der einen Blog wie diesen hier liest, schon einmal mit dem Thema konfrontiert wurde. Ich habe auch schon mit dem Gedanken gespielt, in P2P-Kredite zu investieren, aber der besagte Fernsehspot hält mich davon ab.

Man sieht einen Typen, der begeistert auf einem Motorrad seine Runden dreht. Dann bringt er es zu dessen Besitzer, einem älteren Herrn zurück mit den Worten: „Wow — geiles Bike“ und dann „Ich nehm’s.“ Auf die Frage „Hast du denn überhaupt Geld?“ antwortet er „Ich nicht, aber die.“ Daraufhin erscheinen mit großem Getöse viele Reiter am Horizont. Man muss dazu sagen, das Ganze spielt in der amerikanischen Weite. Dann die Stimme aus dem Off: „Du brauchst Geld. Viele geben es. Kredit ab tausend Euro … Hol dir dein Geld auf Auxmoney.de. Alle für einen.“

Das klingt gerade so, als würde das Geld verschenkt werden. Ich kann mir vorstellen, dass die Zielgruppe, die darauf abfährt, sich mal eben so ein „geiles Bike“ mit fremdem Geld zu kaufen, nicht gerade die beste Zahlungsmoral hat, wenn es um Zinsen und Tilgung geht. Wenn schon im Fernsehen mit solchen Spots nach Kreditnehmern gesucht wird, kann das nicht von Vorteil für die Kreditgeber sein. Da können dann noch so hohe Zinsen versprochen werden. Deshalb werde ich nicht in P2P-Kredite investieren. Sicher lässt sich auch hier das Risiko streuen. Aber ich wette, dass jeder, der es wagt, hier irgendwann garantiert Zahlungsausfälle hat. Wenn dann die Gesamtrendite trotzdem noch höher ist als bei risikoärmeren Geldanlagen, dann ist das in Ordnung. Aber die Frage ist doch, ob das langfristig zu schaffen ist.

Titelbild: Matthias Riesenberg / pixelio.de

13 Gedanken zu “P2P-Kredite — etwas zum Nachdenken

  1. Annabella 18. August 2016 / 18:42

    hallo Petra,
    ich habe die Werbung nicht gesehen, aber irgendwie fühlt sich das für mich nicht unbedingt gut an, da lege ich lieber einen kleinen Teil meines Geldes in einen Emerging Markets Bond ETF an, ich muss auch nicht jeden Schnickschnack mitmachen, sehe mich ein wenig bestätigt durch diesen Beitrag. Danke!

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    • Petra Wolff 18. August 2016 / 19:56

      Hallo Annabella,

      ja, ich halte einen EM Bond ETF auch nicht für riskanter. Außerdem hast Du den Vorteil, dass das mit dem Steuer-Zeugs besser geregelt ist.

      Viele Grüße
      Petra

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  2. Bernd 19. August 2016 / 19:41

    Hallo Petra,

    ich teile zwar deine grundlegende Skepsis und fand diese TV-Werbung auch ziemlich abschreckend, rein rational gesehen geht es aus Investorensicht bei einem gut diversifizierten P2P-Investment aber nicht unbedingt darum, dass ausnahmslos jeder Geldempfänger seinen Kredit zurückzahlt oder das Geld für etwas „vernünftiges“ verwendet, sondern dass im Mittel ausreichen viele Leute ihre Kreditanteile inkl. Zinsen zurückzahlen, sodass unterm Strich etwas hängen bleibt. Für Banken war dies ja schließlich lange Jahre eine der Hauptsäulen ihres Geschäfts. Selbst die „bodenständige Sparkasse“ wirbt heute noch mit: „Gönnen Sie sich doch einmal wieder etwas. Hier unsere Kreditmöglichkeiten …“
    Ich bin seit ca. 9 Monaten dabei, mir P2P als Experiment einmal anzusehen und teste 4 ausländische Plattformen und bin mit allen vieren im Plus. Durchschnittliches XIRR vor Steuern ca 15%. Ob dieses „Spiel“ langfristig gut geht, ist natürlich offen.

    Grüße Bernd

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    • Petra Wolff 19. August 2016 / 20:04

      Wahrscheinlich investierst Du vor allem in die baltischen Plattformen, stimmt’s? Ich wünsche Dir jedenfalls viel Erfolg.

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      • Bernd 19. August 2016 / 20:17

        Stimmt, habe mich für Bondora, FellowFinance, Twino und Finbee entschieden, u.a. weil sich diese relativ stark unterscheiden.

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  3. Der Malachit 19. August 2016 / 21:06

    Tja, was soll man als verantwortungsbewusster Investor dazu sagen? Ich würde das vielleicht so ausdrücken. Wer einen Kredit benötigt, der geht zu seiner Bank, dann vergleicht er das Angebot mit denen anderer Banken und sucht sich das günstigste Angebot aus.
    Frage: Warum geht einer, der einen Kredit benötigt, zu einem Anbieter bei dem er wahrscheinlich höhere Zinsen bezahlen muss? Wer sich die Frage selbst beantwortet und immer noch der Meinung ist, dass es sich um ein gutes Investment handelt, der sollte auch das Kleingedruckte genau lesen. Sicher ist, und ich habe das Kleingedruckte nicht gelesen, dass das Ausfallrisiko nicht die Plattform trägt. Hoffentlich ist das Ausfallrisiko wenigstens von einer seriösen Versicherungsagentur abgesichert, die im Fall der Fälle auch zahlt.

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    • Petra Wolff 20. August 2016 / 9:13

      Dass da der eine oder andere Kredit ausfallen wird, ist schon klar. Deshalb streut man ja, und darum sind die Renditen höher, damit das am Ende unterm Strich wieder stimmt. Nur habe ich Bedenken, dass eben durch solche Fernsehwerbung vor allem die Ausfaller angelockt werden. Dadurch wird die insgesamt erzielte Rendte kleiner, so dass man eben auch gleich von vornherein eine etwas sicherere Geldanlage mit nicht ganz so hoher Rendite hätte nehmen können. Ich will hier niemanden belehren oder von seinen P2P-Investments abbringen. Ist eben nur mal ein kleiner Denkansatz.

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  4. Reinsch 20. August 2016 / 9:53

    Es ist schon ein paar Jahre her, dass ich mich bei Auxmoney durch ein paar Kreditanfragen geklickt habe. Fast ausnahmslos solche, die aus besagtem Spot stammen könnten. Jede Menge unbesicherte Konsumkredite, Umschuldungen oder Folgekredite…

    Ich habe dann keinen einzigen Kredit mitfinanziert. Zwar bin ich kein Experte in Bonitätsbewertung, aber sehr wahrscheinlich kommen diese Anfragen ja von Menschen, die von den „normalen“ Banken keinen Kredit mehr bekommen.
    Und wenn nun eine Bank mit professionellem Risikomanagement und Rückversicherung ihrer Kredite denen ihr Geld nicht anvertraut – warum zur Hölle sollte das für mich eine gute Idee sein?

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    • Petra Wolff 20. August 2016 / 18:12

      Ja, das frage ich mich auch. Meine Überlegung ist weiterhin: Wenn etliche Kredite ausfallen, was kann man dann noch für eine Gesamtrendite erwarten? Sicherlich eine, die man auch mit risikoärmeren Anlagen einfacher erzielen würde. Andererseits gibt es bereits eine Menge Erfahrungsberichte im Internet über das Investieren in P2P-Kredite. Für meinen Geschmack gehen die aber noch nicht lange genug.

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  5. plutusandme 21. August 2016 / 22:45

    Wir haben dort mal „Spielgeld“ riskiert und verloren. 3 Investment haben wir getätig. Einer viel sofort aus. Ein Zweiter nach 18 Monaten nur der 3. hielt seine 5 Jahre durch. Druchschnittsrendite unter 2%. Zwar keine Verluste gemacht, da die Ausfaller ja durch die Masse aufgefangen werden, aber das Thema ist bei uns erledigt.
    Da sehe ich es jetzt ähnlich wie Malachit. Es gibt Banken für Kredite und wenn die das Risiko nicht wollen, warum soll es eine Gruppe Privater übernehmen ? Aber es gibt ja wohl einen Markt dafür, sonst würde es ja nicht funktionieren.

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    • Bernd 22. August 2016 / 15:00

      Genau so gibt es Leute, die aufgrund schlechter Erfahrungen mit der Telekom-Aktie nie wieder Aktien angefasst haben. Hier stellt sich aber vor der Frage, ob das die richtige Anlageklasse ist doch zunächst die Frage: War ich ausreichend diversifiziert? Das Geld nur auf 3 anstatt auf 100 P2P-Teilkredite aufzuteilen erhöht natürlich das Risiko beachtlich.

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  6. Mogli 10. September 2016 / 19:19

    @Bernd
    Wer die Telekom-Aktie angefasst hat, hat schnell begriffen, dass er keine Ahnung von Aktien hat.
    In so einem Fall ist es dann auch gut, wenn man keine Aktien mehr anfasst.

    Die Telekom ist ein staatlicher Monopolist gewesen, dessen Management keine Ahnung von Marktwirtschaft hat, und der Börsengang ist so plump gewesen, dass nur ein DAA (dümmster anzunehmender Anleger) solchen Versprechungen folgt.

    Der erste Pferdefuß war die fest versprochene Dividende, die damit faktisch in den Kaufpreis provisionspflichtig eingepreist war. Die nächste zu schluckende Kröte waren die weiteren Anteile, die bei der KfW geparkt waren, und später den Marktpreis verwässern sollten und mit jeder Tranche auch haben.
    Ich habe damals händeringend nach Put-Optionsscheinen auf die Telekom (über 100€) gesucht, es gab aber nur solche Scheine, die utopisch weit aus dem Geld (unter 70€) waren. Dass man sich trotzdem mit 60€-Put-OS auf die Telekom eine goldene Nase verdienen konnte, hat in meinem ganzen Börsenverein damals nicht geglaubt.

    Der große Telekom-Werbeträger Manfred Krug hat übrigens nicht in die Aktie, sondern in Ost-Immobilien investiert.

    Mogli

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  7. Ralf 17. September 2016 / 14:28

    Auxmoney ist für den Anleger eine sehr riskante Sache. Habe damit schon viel verloren obwohl ich nur in Kredite mit sehr guten Ratings investiert habe. Die Kreditbeschreibungen scheinen auch schöne moderne Märchen zu sein. Oder wer kontrolliert, wofür das Geld hinterher wirklich verwendet wird? Das riecht förmlich alles nach Unseriösität. Ich habe mein Lehrgeld bezahlt.

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