Levermann-Depot — Einer ging und zwei kamen

Nach wie vor bleibt es schwierig, das Depot zu füllen, wenn man wie ich immer 7 Punkte nach der Levermann-Bewertung für einen Kaufkandidaten verlangt. Aber ich verfolge mein kleines Experiment ganz tapfer weiter. Zuerst zeige ich den Stand des Depots bei der letzten Bewertungsrunde am vergangenen Wochenende.

Davor gab es noch am 13.07.2016 eine Dividendenzahlung von Heliad Equity in Höhe von 23,12 EUR. So sah das Depot am Wochenende aus:

Levermann-Depot

Nach der turnusmäßigen Bewertung wollte Publity nun gehen. Nach unten korrigierte Gewinnschätzungen führten zu einem Minuspunkt bei den Revisionen und bei einer KGV-Bewertung. So fiel die Gesamtpunktzahl auf 3. Also habe ich gnadenlos verkauft.

Dafür bekommt bet-at-home nun ein Comeback. Hier musste man nach der Bewertung durch mein Tool ein wenig nachkorrigieren, denn in den Daten, die von OnVista zu den vergangenen Gewinnen je Aktie gezogen wurden, war der vor kurzem durchgeführte Split noch nicht berücksichtigt. Nachdem ich die entsprechenden Zahlen manuell korrigiert habe, kam die Aktie nur noch auf 6 Bewertungspunkte. Ich habe dann allerdings manuell eine Minus-Eins-Bewertung beim KGV auf Null korrigiert, weil der tolerierbare Bereich nicht sehr viel überschritten wurde. Ich finde das angemessen, so hatte diese Aktie also 7 Punkte und wurde gekauft.

Kauf Nummer Zwei ist Voestalpine. Hier wurden zunächst beim automatischen Einlesen keine Angaben für RoE, EBIT-Marge und Eigenkapitalquote gefunden. Die Aktie hatte aber in den anderen Kriterien insgesamt schon 6 Punkte. So ging ich der Sache auf den Grund und stellte fest, dass die fehlenden Daten für das letzte Geschäftsjahr einfach noch nicht bei OnVista verfügbar waren. Also habe ich mir von der Webseite des Unternehmens den letzten Geschäftsbericht besorgt und die benötigten Zahlen selbst ermittelt. Das kam dabei heraus: RoE = 10,6%, EBIT-Marge = 8,0%, Eigenkapitalquote = 40,3%. So gab es also für RoE und EBIT-Marge jeweils Null Punkte, aber für die Eigenkapitalquote den fehlenden Punkt, um auf die Gesamtzahl von 7 zu kommen.

So sieht das Depot nun aus:

Levermann-Depot

Alles zum bisherigen Verlauf und zum Tool findet Ihr hier: Experiment Levermann-Depot

nächster Levermann-Artikel: Kleine Umfrage zum Levermann-Tool

11 Gedanken zu “Levermann-Depot — Einer ging und zwei kamen

  1. Alex 25. Juli 2016 / 21:27

    Hallo Petra,

    wieso fliegt Publity raus? Die letzte Mitteilung war doch durchweg nur positiv und Verbesserungen gegenüber 2015
    Vorläufige Zahlen H1 2016:
    „- Nettogewinn in H1 2016 um mehr als 40 Prozent auf 4,2 Mio. Euro gestiegen – Ergebnis je Aktie 0,69 Euro
    – EBIT um 60 Prozent auf 6,4 Mio. Euro erhöht; Umsatzplus von rund 100 Prozent auf 11,6 Mio. Euro“

    Ich verfolge gespannt deine Umsetzung der Strategie, ich hatte auch mit der Methode geliebäugelt oder mit anderen wie Magic-Formula etc, aber mir war das dann doch zu strickt methodisch und somit fahre ich meine eigene Mischstrategie, aber dann kann ich mal schauen ob du mich schlägst mit deinem Levermann-Depot oder nicht 😉

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    • Petra Wolff 25. Juli 2016 / 21:46

      Hallo Alex,

      ja, das mag alles sein, aber die Fakten, die Du anführst, gehen nicht in die Bewertungsroutine ein. Publity fliegt eben raus, weil die Aktie nicht mehr genügend Punkte hat. Hier geht es auch nicht danach, was ich persönlich als richtig empfinde. Ich probiere einfach diese Strategie aus. Es ist ein Experiment mit einem kleinen gesonderten Depot. Ich bin bisher weder Befürworterin noch Gegnerin dieser Vorgehensweise. Ich denke, dass ganz interessante Ideen darin stecken, sehe aber einiges daran auch kritisch. Aber ich bin auch gespannt, ob ich meine anderen Geldanlagen damit schlagen werde.

      Viele Grüße
      Petra

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      • Alex 25. Juli 2016 / 21:49

        Naja du schreibst ja publity fliegt raus wegen „korrigierte Gewinnschätzungen“ und ich habe mich nur gefragt was sich genau negativ geändert haben soll an irgendwelchen Fundamentaldaten, außer das der Aktienkurs selber nachgegeben hat…

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        • Petra Wolff 25. Juli 2016 / 22:10

          Also: Bei der Bewertung vor zwei Wochen stand bei OnVista eine Schätzung für den Gewinn pro Aktie im aktuellen Geschäftsjahr von 5,28, bei der aktuellen Bewertung stand dort 4,59. Ähnlich verhält es sich mit den Zahlen für das nächste Geschäftsjahr: vorher 7,37, jetzt 6,70. Also handelt es sich um Gewinnrevisionen nach unten, was einen Minuspunkt bringt. Nun könnte es auch sein, dass in anderen Quellen keine Korrektur nach unten stattgefunden hat. Das ist eben so ein „weiches“ Kriterium. Hier kann man sich einfach nur auf eine Datenquelle festlegen und gut ist. Das ist übrigens auch einer meiner Kritikpunkte an der Strategie.

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          • Alex 25. Juli 2016 / 23:23

            Danke für die Erklärung.
            Also ich weiß jetzt nicht, was im Buch gesagt wird wie häufig man kontrolliert, aber ich denke es macht keinen Sinn aufgrund geschätzter Zahlen die Strategie zu fahren. Bei Onvista hab ich es mal nachgeschaut und die geschätzten Daten werden von FactSet geliefert. Keine Ahnung wie die rechnen, aber das kann sich täglich ändern. Das hat nichts mit Gewinnrevision des Unternehmens selber zu tun. Da es ja immer noch mehr als eine Verdopplung zu 2015 erwartet wird, verstehe ich nicht wie das ein negativer Punkt sein soll in der Strategie und somit rausfliegt…
            Die Analysten liegen ja ständig daneben, also macht es aus meiner Sicht nur Sinn, das nach aktuellen Quartalszahlen zu kontrollieren, was ja dann auch weniger Aufwand macht.
            Aber ich will dir da nicht reinreden 😉 Wie du schon sagst, das ist ein Minuspunkt auf welche Daten man sich bezieht und wie genau man alles nachprüft.

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            • Petra Wolff 26. Juli 2016 / 9:22

              Im Buch wird diese Vorgehensweise für die Gewinnrevisionen als eine Möglichkeit beschrieben. Ob die geschätzten Zahlen von Analysten kommen oder vom Unternehmen selbst, steht da nicht. Da wird sich FactSet auch sicher nicht in die Karten schauen lassen. Und wie schon mehrfach gesagt: Ich führe das einfach als Experiment durch- Du brauchst also mit Deinen Argumenten keine offenen Türen einzurennen 😉 , denn sonst bin ich doch Value Investor und gebe nichts auf Analystenmeinungen.

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          • Jenny 11. August 2016 / 23:17

            Gibt es eigentlich eine Möglichkeit, die Gewinneinschätzungen der Vergangenheit nachzulesen? Bei OnVista oder anderswo? Kann ich also, wenn ich mir heute die Fundamentaldaten einer Aktie zum ersten Mal ansehe, gleich sehen, ob es in letzter Zeit eine Gewinnrevision gab?

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            • Petra Wolff 12. August 2016 / 11:47

              Für die Gewinnschätzungen der Vergangenheit kenne ich leider keine verlässliche Quelle. Es gibt so etwas bei 4-traders.com unter „Revisions“. Aber ich finde, das ist eher „mit Kanonen auf Spatzen schießen“, und zum automatischen Auslesen taugt das nicht. Am Anfang habe ich das zusätzlich benutzt, aber nun habe ich genügend Werte und bleibe bei meiner einfacheren Methode. Das ist ohnehin eines der „weichen“ Kriterien, bei dem es keine Genauigkeit geben kann.

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  2. Chris 26. Juli 2016 / 13:04

    Hallo Petra,

    Kann man schon eine Tendenz erkennen, mit welcher Strategie (Levermann oder Value investing) man besser fährt? Ich lese gerade das Buch von Ihnen. Ich habe das Buch noch nicht zu Ende gelesen, aber die meisten der Bewertungskriterien kommen doch auch bei Frau Levermann vor. So würde ich erwarten, dass sich die Performanz beider Strategien ähnlich verhält?

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    • Petra Wolff 26. Juli 2016 / 16:03

      Hallo Chris,
      nach erst 6 Monaten Levermann-Strategie würde ich noch keinen ernsthaften Vergleich anstellen wollen und können. Bisher fahre ich aber mit meinem Haupt-Depot besser. Ja, einige Kriterien von Susan Levermann passen auch für Value Investoren, trotzdem haben Schätzungen und Kursschwankungen einen für meinen Geschmack etwas zu großen Einfluss. Und ehrlich gesagt, habe ich das Hin- und Her, das es bisher in meinem Levermann-Experiment gab, so nicht vorausgesehen.
      Viele Grüße
      Petra

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  3. Chris 27. Juli 2016 / 10:25

    Ja, das Hin- und Her empfinde ich auch als störend. Ich lese jetzt Ihr Buch zu Ende, die Ausrichtung auf mittel- und langfristige Investments gefällt mir besser.

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