Anlagestrategien richtig bewerten

StrategieKennst Du das auch? Du hast ein Buch oder einen Artikel gelesen, in dem jemand seine Anlagestrategie vorstellt.

Stellt sich nun die Frage: Was tun mit den neu erschlossenen Informationen? Ich will hier einfach mal beschreiben, wie ich vorgehe.

Das ganze passt meistens in eine der folgenden vier Schubladen:

  • vernünftig
  • vielversprechend
  • zu schön, um wahr zu sein
  • unglaubwürdig

Zunächst ein paar Beispiele:

Kategorie „vernünftig“


Souverän investieren mit Indexfonds und ETFs: Wie Privatanleger das Spiel gegen die Finanzbranche gewinnen von Gerd Kommer

Kategorie „vielversprechend“


Der entspannte Weg zum Reichtum (dtv Sachbuch) – von Susan Levermann

Kategorie „zu schön, um wahr zu sein“


Die Börsen-Zauberformel. Wie Sie den Markt mit Leichtigkeit schlagen – von Joel Greenblatt

Kategorie „unglaubwürdig“


Aktien und Rohstoffe erfolgreich traden. So nutzen Sie das Wissen der Insider – von Larry Williams

Meine Vorgehensweise

Ich stelle mir nach dem Lesen eines Buches zunächst immer die Frage: Was bedeutet das für meine eigene Anlagestrategie? Werde ich sie ändern, probiere ich das Neue nebenher aus oder lasse ich es bleiben?

Zum grundlegenden Ändern meiner Strategie kann ich gleich folgende Antwort geben: Ich müsste schon durch die neu gewonnenen Erkenntnisse einen sehr schlimmen Fehler in meiner bisherigen Strategie erkennen, um sie umzustoßen. Das ist mir seit vielen Jahren nicht mehr passiert, was ein gutes Zeichen ist. Trotzdem bin ich für neue Ideen, die meine Strategie ergänzen, immer offen, sofern ich sie als sinnvoll einschätze. Für mein Hauptdepot, dessen Idee im langfristigen Value Investing besteht, bedeutet das konkret, dass ich durchaus den einen oder anderen Indikator zur Bewertung von Kaufkandidaten oder meiner bereits im Depot befindlichen Aktien zusätzlich heranziehe.

Ansonsten ist das meistens so: Ich habe das neu gelesene Buch „in eine der beschriebenen Schubladen“ gesteckt. Je nachdem, wo es gelandet ist, unternehme ich weitere Schritte:

Vernünftige Ideen setze ich zusätzlich zu meiner bisherigen Strategie um. So habe ich zum Beispiel zusätzlich zu meinem Value-Investing-Depot einen Wertpapiersparplan eingerichtet, der regelmässig in verschiedene ETFs investiert. Das ist als zusätzliche Altersvorsorge gedacht.

Über vielversprechende Ideen denke ich eine Zeitlang nach, konkretisiere die beschriebene Strategie, dass sie für mich passt. Dann probiere ich sie aus. Des Risikos dabei bin ich mir bewusst. Als Beispiel habe ich in diesem Jahr ein kleines Levermann-Depot gestartet. Ich habe mir einen ersten Versuchszeitraum von drei bis fünf Jahren vorgenommen. Danach werde ich entscheiden, ob ich es weiter betreibe oder auflöse.

Bei der Kategorie „zu schön, um wahr zu sein“ bin ich sehr vorsichtig. Ich verwerfe sie zwar nicht von vornherein, führe aber soweit es mir möglich ist, umfangreiche Untersuchungen dazu durch. So ist es geschehen mit der von Joel Greenblatt beschriebenen Strategie. Ich hatte in diesem Blog darüber berichtet. Danach gibt es folgende Möglichkeiten: Nach meinen Untersuchungen wandert die Strategie in die Schublade der vielversprechenden Ideen und wird vorsichtig ausprobiert oder eben nicht. In dem Fall, dass nicht, besteht noch die Möglichkeit, dass sie in die Schublade „unglaubwürdig“ verrutscht, oder sie bleibt mangels Ergebnissen, wo sie ist. So ist es mit Joel Greenblatts Idee geschehen. In beiden Fällen lasse ich die Finger davon.

Das als Beispiel für „unglaubwürdig“ aufgeführte Buch von Larry Williams ist so ein Fall, der von „zu schön, um wahr zu sein“ dorthin verrutscht ist. Warum? Larry Willams versucht, in diesem Buch weiszumachen, dass man nur ein paar Dinge aus dem COT-Report (seine sogenannten Insider-Informationen) beachten muss, und schon kann man sich mit Rohstoffkontrakten Riesengewinne ertraden. Das hat er sogar schön anhand von Beispielen erklärt. Ich hatte mir damals die Mühe gemacht, mir zusätzliche Daten genau zu den Beispielen zu besorgen und den jeweils betrachteten Zeitraum auszudehnen. Dabei stellte ich fest, dass die Beispiele optimal gewählt waren, was hinterher ziemlich einfach ist. Die Gesetzmäßigkeiten, die er daraus ableitete, konnte ich durch meine Daten widerlegen. Was ich auch bemerkenswert fand, ist, dass er immer davon ausgegangen ist, dass zum Höchststand verkauft wird, so nach dem Motto: Hier hätte man x% Gewinn gemacht. Dabei weiß doch jeder, dass man zu keinem Zeitpunkt wissen kann, ob der aktuelle Stand der Höchststand ist.

Fazit

Es gibt einige gute Strategien. doch nicht jede ist für jeden oder eben für mich geeignet. Es ist mir lieber, viel Zeit in eine Idee gesteckt zu haben, wonach sich diese als unbrauchbbar erwiesen hat, als damit eine Menge zu verlieren.

Bild: Tony Hegewald / pixelio.de

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s