Mein Tool zur Levermann-Strategie – der Beginn

ToolMein letzter Beitrag ist nun schon einige Wochen her. Inzwischen habe ich an einem Tool zur Automatisierung der Aktienbewertung nach der Levermann-Strategie gebastelt. Mein Tool ist zwar noch nicht fertig, taugt aber schon zur ersten Benutzung. Heute möchte ich nun über meine ersten Ergebnisse bzw. über einige interessante Aspekte, die mir aufgefallen sind, schreiben.

Meine Anforderungen an mich bzw. an mein Tool

Zunächst möchte ich mich auf kleine europäische  Unternehmen konzentrieren, weil ich dort die besten unentdeckten Perlen vermute. Deshalb habe ich bisher nur die Checkliste für Small Caps umgesetzt. Ich habe zunächst mit einer Liste von rund 300 Aktien begonnen. Mein Tool zieht sich die benötigten Daten (vor allem Zahlen) von dazu geeigneten Seiten aus dem Internet und berechnet dann jeweils die Punktebewertung nach Susan Levermann. Details zur Levermann-Strategie kann man in meinem vorigen Beitrag nachlesen. Meine Aktienliste lässt sich dann nach der Punkteanzahl sortieren. Nun kann es vorkommen, dass nicht immer alle benötigten Angaben verfügbar sind. In dem Fall zeige ich zusätzlich an, wie viele Punkte der Checkliste aufgrund fehlender Angaben nicht berechnet werden konnten. Außerdem kann ich nach Klick auf die Punktezahl alle einzelnen Angaben zur Bewertung sehen und ggf. die fehlenden Daten manuell aus anderen Quellen heraussuchen und ergänzen.

Welche Webseiten verwende ich wofür?

Ich verwende folgende Seiten:

  1. finanzen.net – von hier lese ich die meisten Kennzahlen, wie Ergebnis nach Steuer, Eigenkapitel, operatives Ergebnis, Umsatz, Gewinn pro Aktie usw. aus, zusätzlich Schätzungen, das Datum der letzten Quartalszahlen, und den aktuellen Kurs
  2. de.finance.yahoo.com – für das Abfragen historischer Kurse
  3. consorsbank.de – für Analystenmeinungen und Gewinnrevisionen

Mein erstes Testergebnis

Insgesamt habe ich als Ergebnis meiner heutigen Abfrage unter diesen über 300 Aktien nur fünf gefunden, die eine Punktezahl von sieben aufwiesen und damit kaufenswert sind. (Mehr als sieben Punkte kamen nirgends heraus.) Bei drei von meinen fünf Aktien fehlten sogar zunächst noch Angaben, die ich manuell heraussuchen und nachtragen musste. Erst dann kam ich auf eine entsprechende Punktezahl. Das fand ich erstaunlich, hatte ich doch nach der Lektüre des Buches von Susan Levermann mit mehr Kaufmöglichkeiten gerechnet. Hinzu kommt noch, dass sich zwei von den fünf gefundenen Aktien bereits in meinem Zweitdepot befinden, weil ich sie schon vorher, unabhängig von diesen Betrachtungen, herausgepickt hatte.

Feststellungen zu den Daten

Eigentlich ist es einleuchtend, dass einige Bewertungskriterien, wie z.B. RoE, EBIT-Marge usw. eindeutig sein sollten, während andere, z.B. Schätzungen eher „weiche“ Kriterien sind. Deshalb gibt es nicht „die“ Levermann-Punktezahl, denn je nachdem welche Datenquellen man verwendet, kann das Ergebnis abweichen. Deshalb habe ich die von meinem Tool verwendeten Datenquellen genau festgelegt, nachdem ich sie sorgfältig ausgesucht habe.
Dabei habe ich bisher finanzen.net immer als eine der umfangreichsten und verlässlichsten Quellen empfunden. Allerdings muss ich nun feststellen, dass hier eine Schwäche bei der Darstellung des operativen Ergebnisses (=EBIT) besteht. Ich sage nicht, dass das hier immer falsch angegeben ist, habe aber schon einige Beispiele gefunden, wo dort ein völlig absurder negativer Wert steht, obwohl die Angaben von Umsatz bzw. Gewinn nach Steuer, auch Gewinn pro Aktie etc. völlig normal aussehen. Habe das in den verdächtigen Fällen genauer überprüft, indem ich mir die richtigen Zahlen aus den Originalberichten der Unternehmen herausgesucht habe. Mein Fehlerverdacht wurde meistens bestätigt. Ich will damit nicht finanzen.net in Misskredit bringen. Insgesamt halte ich das nach wie vor für eine gute Seite. Fehler passieren eben. Ich denke jedoch nicht, dass es aufgrund dieses möglichen Fehlers so wenig kaufenswerte Aktien in meiner Liste gibt, denn ich habe mir die Aktien mit einer Punktezahl von fünf noch einmal genau auf dieses Problem hin angesehen. Es könnte ja sein, dass statt einer -1 nach Korrektur eine +1 für die EBIT-Marge herauskäme, was dann am Ende 7 anstatt nur 5 Punkte bedeuten würde. Habe dort keinen solchen Fall gefunden. Trotzdem sind sicher einige berechnete Punktezahlen wegen des möglichen Fehlers bei der EBIT-Marge zu niedrig.

Fazit bzw. mein weiteres Vorgehen

Ich werde eine zweite Variante meines Tools ausprobieren, in der ich einige Zahlen von der Seite der Consorsbank anstelle von finanzen.net verwende. Dort wird zwar nicht ganz so umfangreiches Zahlenmaterial angeboten, jedoch was ich benötige, ist auch dort weitgehend vorhanden und sieht korrekt aus. Außerdem werde ich die Auswahl der auszuwertenden Aktien erweitern, damit überhaupt die Chance besteht, genügend Kaufpositionen für ein Levermann-Depot zusammenzubekommen.

Nachtrag im Juli 2017
Nett zu lesen, wie das mal angefangen hat. Inzwischen ist diese Tool-Version Geschichte.

Foto: Rainer Sturm / pixelio.de


nächster Levermann-Artikel: Vorhaben für 2016: Ein Levermann-Depot starten

16 Gedanken zu “Mein Tool zur Levermann-Strategie – der Beginn

  1. Der Malachit 22. Dezember 2015 / 12:40

    Hallo Petra!
    Aus meiner Sicht scheint es wieder ein gigantischer Aufwand zu sein, den du dir auferlegst. Hoffentlich lohnt das und zahlt sich in Euro und Dollar aus. Wenn ich da so an die Chartanalytiker denke, dann ist das, na sagen wir einmal, ziemlich interessant. Aber bei einem Hobbie schaut man ja auch nicht so genau auf die Zeit. Ich wünsche dir jedenfalls ein Frohes Fest und ein erfolgreiches Neues Jahr.
    Der Malachit.

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    • Petra Wolff 22. Dezember 2015 / 12:56

      Hallo Malachit,
      so gigantisch ist der Aufwand nun auch wieder nicht. Ja, es macht zunächst natürlich Aufwand, mein Tool so zu bauen, dass ich damit zufrieden bin. Aber ich schlage damit gleich zwei Fliegen mit einer Klappe: zum einen habe ich dann als Ergebnis eben diese Aktienauswahlhilfe, zum anderen habe ich inzwischen schon eine Menge neuer Programmierfertigkeiten hinzugewonnen, die mir unabhängig von der ganzen Aktienstrategie nutzen, sozusagen als Investition in mich selbst.
      Von Chartanalyse mit dem ganzen Hokuspokus mit Tassen und Untertassen und Kopf-Schulter-Formationen usw. halte ich überhaupt nichts. Aber die in dieser Strategie beschriebenen Kriterien sind für mich ziemlich einleuchtend und passen überhaupt gut in meine bisherige Vorgehensweise.
      Dir auch ein frohes Fest und ein gesundes und erfolgreiches 2016!

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  2. Ulli 31. Dezember 2015 / 13:23

    Welche Programmiersprache nutzt du denn um dir Informationen von anderen Webseiten zu ziehen?

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  3. Svenglückspilz 10. Januar 2016 / 10:18

    Oh das ist hochinteressant, meine Versuche mit selbstaktualisierten EXCEL-Listen hab ich nicht weitergemacht. Die Börse Frankfurt App sonst immer sehr übersichtlich und gut mit Daten versorgt hat gerade den Datenanbieter gewechselt und jetzt sind sehr sehr viele Felder z. B. Dividende noch leer 😦
    Gibt es bei Finanzen Net eine einfache Möglichkeit sich Daten runterzulassen (händisch) und die könnte man dann ja per EXCEL/OpenOffice auswerten. Für praktische Tipps wäre ich dankbar?
    VG

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    • Petra Wolff 10. Januar 2016 / 11:28

      Es kommt darauf an, was du unter einer einfachen Möglichkeit verstehst. Einen schön geordneten Download kenne ich dort nicht. Natürlich kannst du immer alles, was auf einer Seite in Tabellen dargestellt ist, über Excel-Makros automatisiert abrufen und auswerten. Ohne Programmierkenntnisse geht das aber kaum.
      Mein Tool arbeitet nicht mit Excel, es ist komplett selbstgeschrieben, ruft sich gezielt geeigente URLs z.T. von Finanzen.net, Yahoo-Finance und Consorsbank zu den einzelnen Daten ab und durchsucht dann den Inhalt der Seite mit Hilfe von regulären Ausdrücken nach den benötigten Angaben. Dann bereitet es mir alles schön übersichtlich auf, führt Berechnungen durch usw.

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  4. Anonymous 5. Dezember 2016 / 9:32

    Hallo,

    kannst du das Tool zur Verfügung stellen, bzw. Hinweise geben wie mann mit c# solche Daten ausliest?

    Gruß
    Nico

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    • Petra Wolff 5. Dezember 2016 / 10:42

      Hallo Nico,

      der Artikel, den Du hier kommentiert hast und meine ersten Versuche mit einem Levermann-Tool sind fast ein Jahr her. Inzwischen habe ich doch lieber eine Lösung in Excel umgesetzt. Ist einfacher zu handhaben. Die steht auf meinem Blog zur Verfügung, und zwar hier: https://petrawolff.blog/artikelserien/experiment-levermann-depot/levermann-tool/

      Das C#-Programm habe ich nicht weiterentwickelt, und ich gebe es auch nicht weiter.
      Wenn Du dennoch mit C# auf :NET etwas eigenes bauen willst, schau Dir zum Auslesen von Webseiten die Klasse WebClient bzw. deren Methode DownloadString an, sowie die Klasse WebBrowser. Damit kannst Du die Webseiten auslesen und danach mit den Daten weiterarbeiten.

      Gruß
      Petra

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  5. Matthias 23. März 2017 / 16:46

    Hallo Petra,

    toller Beitrag, tolle Folgebeiträge und herzlichen Glückwunsch zum aktuellen Erfolg mit dem Depot!
    Du hast in einem Betrag geschrieben, dass du einen Pool von etwa 400Werten analysierst.

    Kannst du mir verraten, wie du diese 400Werte vorselektiert hast? (Ich hoffe, dass ich keinen Beitrag überlesen habe, in dem du es möglicherweise erwähnt hast).
    Macht es Sinn sich bei der Vorauswahl an Indizes (STOXX, MSCI World) zu orientieren?

    Lieben Gruß
    Matthias

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  6. Petra Wolff 23. März 2017 / 18:22

    Inzwischen hat sich meine Auswahl schon X-mal geändert. Ich weiß den genauen Algorithmus von damals nicht mehr.
    Sinn macht, was Du für richtig hältst.

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  7. Matthias 25. März 2017 / 10:31

    Danke 🙂 Aber einen Algorithmus für die Zusammenstellung der 400Werte hattest du? Welche groben Kriterien haben dir dabei geholfen?
    VG
    Matthias

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    • Petra Wolff 25. März 2017 / 11:08

      Aktien aus dem Euroraum, die man in Deutschland gut handeln kann. Das war meine Auswahl.

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