Die Levermann-Strategie vorgestellt: Der entspannte Weg zum Reichtum?

EntspannungHeute möchte ich wieder einmal etwas zu einem Buch schreiben, das ich vor kurzem gelesen habe. Es handelt sich dabei um:
Der entspannte Weg zum Reichtum *
geschrieben von Susan Levermann. Ich muss zugeben, dass ich zunächst etwas skeptisch war, als ich erfuhr, dass die Autorin diese Strategie nach ihrer Anlageerfahrung von insgesamt nur acht Jahren als Fondsmanagerin bei der DWS entwickelt hatte. Den Job bei der DWS hatte sie gleich nach Ausbildung bzw. Studium angetreten. Heute arbeitet sie nicht mehr in der Branche. Trotzdem ging ich so unvoreingenommen wie möglich an die Lektüre heran und finde, dass ich etwas verpasst hätte, wenn ich dieses Buch nicht gelesen hätte.

Ich sehe das Ganze als „pseudo-automatisiertes Value Investing“ an. In meinem Haupt-Aktiendepot lege ich selbst vor allem nach Value-Investing-Grundsätzen an und analysiere dazu meine Kaufkandidaten recht ausführlich. Susan Levermann geht in ihrer Strategie aus meiner Sicht recht logisch und effizient vor. Die meisten ihrer Kriterien sind so geartet, dass die Wahrscheinlichkeit, solide unterbewertete Aktien zu finden, recht hoch ist. Sie hat dafür eine Checkliste erarbeitet, die zwischen großen und kleineren Unternehmen sowie Finanzwerten ein wenig variiert.

Die Automatisierung geschieht durch Punktevergabe. Für jedes Kriterium gibt es einen Plus- oder einen Minuspunkt, oder auch null Punkte. Erreicht eine Aktie eine bestimmte vorgegebene Punktzahl, wird sie gekauft. Sinkt die Punktzahl danach unter einen bestimmten Wert, wird wieder verkauft.

Das Buch besteht aus drei Teilen:

  1. Wege durch den Vokabelwald oder Was Sie wissen müssen, um mitdenken zu können
  2. Wie funktioniert Börsenerfolg wirklich? oder Wie Sie im Haifischbecken überleben und die besten Bröckchen abbekommen
  3. Ist Börsenspekulation ethisch oder lässt sich Börsenerfolg mit Moral vereinbaren?

Im ersten Teil werden die verwendeten Begriffe erklärt. Das passiert auf eine sehr unterhaltsame und anschauliche Art und Weise anhand von Beispielen einer neu eröffneten Bäckerei sowie einer Ski-Schule. Selbst wenn man sich nicht für die beschriebene Strategie begeistern kann, lohnt dieser Teil allemal.

Im zweiten Teil werden die Checklisten entwickelt. Die einzelnen Kriterien werden erklärt. Die Autorin bietet nun ihre Checklisten nicht als das Non-Plus-Ultra an, sondern geht auch noch auf ähnliche Strategien anderer Autoren ein. Als Hauptsache kommt dabei heraus, dass es sich um eine Sammlung sinnvoller Regeln handeln muss, die unbedingt eingehalten werden müssen. Nicht zu jedem passen alle Arten von Checklisten. Man darf natürlich ihre Listen um weitere Kriterien ergänzen.

Teil drei ist ganz nett, erklärt wie man unter besonderen ethischen Gesichtspunkten investieren kann und trotzdem eine schöne Rendite erzielt.

Die Strategie samt Checkliste

  1. Die Eigenkapitalrendite im letzten Geschäftsjahr:
    Es gibt +1 Punkt, wenn sie größer als 20% ist, -1 Punkt, wenn sie kleiner als 10% ist, 0 Punkte, wenn sie dazwischen liegt.
  2. Die EBIT-Marge im letzten Geschäftsjahr:
    +1 Punkt, wenn sie größer ist als 12%, -1 Punkt, wenn sie kleiner ist als 6%, 0 wenn sie dazwischen liegt. Für Unternehmen der Finanzbranche, z.B. Banken und Versicherungen, gibt es hier immer 0 Punkte.
  3. Die Eigenkapitalquote im letzten Geschäftsjahr:
    +1, wenn sie größer als 25% ist, -1, wenn sie kleiner als 15% ist, 0 für Werte dazwischen. Für Unternehmen der Finanzbranche: +1, wenn sie größer als 10% ist, -1, wenn sie kleiner als 5% ist, 0 für Werte dazwischen.
  4. Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) über 5 Jahre:
    +1 für kleiner 12, -1 für größer 16, 0 für alles dazwischen. (für ein negatives KGV gibt es -1 Punkt)
  5. KGV für das aktuelle Geschäftsjahr:
    +1 für kleiner 12, -1 für größer 16, 0 für alles dazwischen. (für ein negatives KGV gibt es -1 Punkt)
  6. Analystenmeinungen:
    Wenn es fünf oder mehr Analystenmeinungen gibt, dann ist das ein Kontraindikator, d.h. wenn die Analysten auf Verkaufen einstufen, gibt es +1 Punkt, wenn sie auf Kaufen einstufen, gibt es -1 Punkt, wenn sie auf Halten einstufen, gibt es 0 Punkte. Wenn es jedoch weniger als fünf Analystenmeinungen gibt, zählen diese richtig herum, also +1 Punkt bei Kaufen, -1 Punkt bei Verkaufen und 0 Punkte bei Halten oder bei keinen Analystenmeinungen.
  7. Reaktion auf Quartalszahlen:
    Ist die Reaktion positiv, also gegenüber dem Vergleichsindex mehr als +1%, gibt es +1 Punkt, ist die Reaktion negativ, also gemessen am Vergleichsindes verläuft der Kurs schlechter als -1%, gibt es -1 Punkt, ansonsten zwischen -1% und 1% gibt es 0 Punkte.
  8. Gewinnrevisionen:
    +1 Punkt, wenn um mehr als 5% steigend, -1 Punkt, wenn um mehr als 5% fallend, 0 Punkte, wenn in etwa gleich bleibend (zwischen -5% und 5%)
  9. Kurs heute gegenüber Kurs vor 6 Monaten:
    +1 Punkt, wenn um mehr als 5% höher, -1 Punkt, wenn um mehr als 5% tiefer, 0 Punkte, wenn dazwischen
  10. Kurs heute gegenüber Kurs vor einem Jahr:
    +1 Punkt, wenn um mehr als 5% höher, -1 Punkt, wenn um mehr als 5% tiefer, 0 Punkte, wenn dazwischen
  11. Kursmomentum:
    Es gibt +1 Punkt, wenn es für Kriterim Nr. 9 +1 Punkt gab und für Kriterium Nr. 10 0 oder -1 Punkt gab. Es gibt hier -1 Punkt, wenn es für Nr. 9 -1 Punkt gab und gleichzeitig für Nr. 10 0 oder +1 Punkt. 0 Punkte gibt es in jeder anderen Situation.
  12. Dreimonatsreversal:
    Wenn die Aktie in allen letzten drei Monaten schlechter abgeschnitten hat als der Vergleichsindex, gibt es +1 Punkt, hat sie in allen drei Monaten besser abgeschnitten, gibt es -1 Punkt, ansonsten gibt es 0 Punkte.
  13. Gewinnwachstum:
    Wenn der erwartete Gewinn des nächsten Geschäftsjahres um mehr als 5% über dem des aktuellen Geschäftsjahres liegt, gibt es +1 Punkt. Liegt der erwartete Gewinn des nächsten Jahres um mehr als 5% unter dem des aktuellen, gibt es -1 Punkt, liegt er dazwischen, gibt es 0 Punkte.

Große Aktien (Large Caps) können ab einer Gesamtpunktezahl von 4 aufwärts gekauft und müssen ab 2 Punkten abwärts verkauft werden. Für kleinere Aktien (Small und Mid Caps) gelten als Punktevorgaben 7 bzw. 4.

Zur beschriebenen Strategie gehört es auch, immer mindestens 10 Aktien gleichzeitig zu halten, alle zwei Wochen die im Depot befindlichen Aktien hinsichtlich der Kriterien zu überprüfen und zu verkaufen, was nicht mehr genügend Punkte bekommt. Dafür werden dann neue Positionen von Aktien mit der erforderlichen Mindestpunktzahl aufgebaut.

Woher die Daten nehmen?

Die Kriterien werden im Buch noch genauer im Einzelnen erklärt, und es werden Wege aufgezeigt, wo man die benötigten Angaben findet. Seit dem Erscheinen des Buches gibt es auch zusätzlich bessere Quellen in Internet als die von der Autorin beschriebenen.

Ich habe die Checklisten des Buches (auch die für große Unternehmen usw.) spaßeshalber an meinen Aktien ausprobiert, um einen Eindruck vom Aufwand zu erhalten. Man spielt sich dabei zwar ein, aber etwas Arbeit macht es doch.

Mein Umgang damit

Ich bin zwar kein Fan von völlig automatischen Strategien, aber ich empfinde die hier verwendeten Kriterien als überaus vernünftig. Sie widersprechen meiner bisherigen Vorgehensweise nicht. Die Vorgehensweise der Punktevergabe sehe ich als Bereicherung an. Zwar erreichen von meinen momentan gehaltenen Aktien nur zwei die Kaufpunktzahl nach Levermann und weitere drei bis vier liegen noch über der Verkaufspunktzahl, aber deswegen werde ich nun nicht alles nahezu leer räumen. Vielmehr spiele ich seit dem Lesen des Buches mit dem Gedanken, noch ein zusätzliches Depot mit einem festen Anfangsbetrag auszustatten und daran völlig autark diese Strategie mit meinem zusätzlichen Dividendenkriterium anzuwenden.

Zunächst habe ich mir mal angeschaut, wie sich Wikifolios, die in etwa nach dieser Methode anlegen, insgesamt entwickelt haben. Weiterhin habe ich dadurch auch einen Eindruck gewonnen, welche Werte darin aufgenommen wurden. Ich fand, dass das größtenteils auch auf meine bisherige Strategie bezogen sehr vielversprechende Aktien waren. Es sieht also insgesamt recht gut aus. Allerdings gibt es dieses Buch mit dieser Strategie noch nicht allzu lange, so dass es noch keine sehr langfristigen Erfahrungen damit geben kann. Ich werde mir aber zunächst eine Möglichkeit schaffen, die Punktezahl für eine große Liste von Aktien sozusagen auf Knopfdruck aus dem Web zu ermitteln. Je nachdem, wann ich dazu komme, werde ich hier über meine Fortschritte berichten.

Hier noch der Link zum Buch bei amazon:

Als Amazon-Partner verdiene ich an qualifizierten Käufen.

Titelfoto: Paulwip / pixelio.de


nächster Levermann-Artikel: Mein Tool zur Levermann-Strategie – der Beginn

20 Kommentare

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