Aus Kursverlust Gewinn machen?

EuronenVorsicht, trockenes Steuerthema! Und dann ist mir noch bei der ursprünglichen Fassung dieses Artikels ein ziemlich grober Fehler unterlaufen. Zuerst wollte ich den ganzen Artikel löschen, aber nun habe ich ihn überarbeitet. Also wundert Euch nicht, wenn einige Kommentare, die darunter stehen, nun nicht mehr passen, denn die bezogen sich auf den ursprünglichen Text.

Worum geht es hier eigentlich? Ich will einen ganz legalen Steuertrick beschreiben, wie man Aktienkursverluste unter bestimmten Bedingungen gewinnbringend für sich ausnutzen kann.

Nehmen wir einmal an, ich habe eine Aktie im Depot, die sehr schön gestiegen ist, und die ich nun verkaufen möchte, um den Gewinn zu realisieren. Nennen wir sie spaßeshalber die Aktie der Super AG. (Bezeichnungen wie Aktie A, Aktie B usw. sind mir zu langweilig.) Sagen wir, ich habe 100 Stück Super AG zu je 30 Euro gekauft. Also hat mich das Ganze 100 mal 30 Euro, also 3000 Euro plus Spesen gekostet. Als Spesen nehme ich 0,25% vom Kaufwert plus 5 Euro Grundprovision, das kommt bei den meisten Direktbrokern in etwa hin, also Spesen von 3000 Euro * 0,0025 + 5 Euro = 12,50 Euro.

Kaufkosten Super AG = 3012,50 Euro.

Nun ist die Aktienkurs seit meinem Kauf auf 40 Euro gestiegen, also der Kurswert beträgt bei 100 Stück momentan 4000 Euro. Ich sehe es als beste Lösung für diese Position an, sie zu verkaufen. Dafür kann es nach meiner Strategie verschiedene Gründe, z.B. Überbewertung o.ä., geben. Der Verkauf würde mir nun also 4000 Euro abzüglich Spesen bringen. Die Spesen lägen etwa bei 15 Euro. (4000 Euro * 0,0025 + 5 Euro = 15 Euro). Also wäre der Verkaufserlös:

Verkaufserlös Super AG = 3985 Euro.

Der daraus resultierende Kursgewinn wäre damit:

Kursgewinn Super AG = 3985 Euro – 3012,50 Euro = 972,50 Euro.

Nehmen wir nun an, ich habe ein insgesamt ziemlich großes, vor allem auf Dividenden ausgerichtetes Depot, so dass mein Freistellungsauftrag von 801 Euro jährlich bereits durch erhaltene Dividendenzahlungen aufgebraucht ist. Ich müsste also diesen Kursgewinn vollständig versteuern. Das hieße, 25% Abgeltungsteuer zuzüglich Solidaritätszuschlag von 5,5% bezogen auf den Steuerbetrag und evt. noch Kirchensteuer, die ich in meinem Beispiel weglasse. Das wären also Abzüge von

Abgeltungsteuer = 972,50 Euro * 0,25 = 243,13 Euro
Solidaritätszuschlag = 243,13 Euro * 0,055 = 13,37 Euro
Abzüge gesamt = 256,50 Euro

Diese Abzüge kann ich einsparen, wenn ich eine andere Aktienposition (oder auch mehrere) habe, die sich entsprechend weit im Minus befindet. Nennen wir sie der Anschauung halber die Langfrist AG. Nehmen wir an, davon habe ich ebenfalls 100 Stück zu je 30 Euro gekauft. Der Aktienkurs der Langfrist AG ist aber inzwischen auf 20 Euro gefallen. Die Langfrist AG ist nun aber eine Firma, deren Aktien ich trotz des Buchverlustes nicht verkaufen möchte. So eine Situation kommt durchaus vor, da die Märkte nun einmal hin und her schwanken und die Gründe dafür oftmals nicht rational sind. Die Langfrist AG könnte z.B. ein sogenannter Dividenden-Aristokrat sein, also ein Wert, den man wegen der Dividenden hält und so gut wie nie verkauft.

Die Idee ist nun, vor dem Verkauf der Super AG die Aktien der Langfirst AG zu verkaufen und kurz danach, das kann innerhalb einer Minute sein, wieder zurückzukaufen. Bis auf ein paar Spesen, die man dafür gezahlt hat, hat sich an der Depotsituation dadurch zunächst nichts geändert. Nun noch das Ganze in Zahlen:

Kaufkosten Langfrist AG = 3012,50 Euro.
Verkaufserlös Langfrist AG = 1990 Euro (Spesen von 10 Euro wurden abgezogen)
realisierter Verlust = 1022,50 Euro.
Rückkaufkosten Langfrist AG = 2010 Euro (2000 Euro Kurswert plus 10 Euro Spesen)

Ich habe nach dieser Transaktion also die gleiche Anzahl Langfrist AG wie vorher im Depot. Allerdings habe ich in meinem „Verlusttopf“ einen Betrag von 1022,50 Euro zu stehen. Das Schöne daran ist, dass dieser mit kommenden Gewinnen aus Aktienverkäufen verrechnet wird, so dass nur der danach übrig bleibende Gewinnbetrag versteuert werden muss, sofern noch etwas übrig bleibt. In unserem Beispiel würde nun also der Gewinn aus dem nachfolgenden Verkauf der Super AG steuerfrei bleiben. danach würde sogar noch ein Rest von 1022,50 Euro – 972,50 Euro = 50 Euro im Verlusttopf stehen bleiben, der bei einem weiteren Verkaufsgewinn verrechnet werden würde.

Ich hätte also durch zusätzliche Ausgaben für Spesen in Höhe von lediglich 20 Euro für Verkauf und Rückkauf der Langfrist AG Steuern für den Verkauf der Super AG in Höhe von 256,50 Euro gespart. Also:

Gesamtersparnis = 256,50 Euro – 20 Euro = 236,50 Euro.

Wo ist der Haken?

Wenn ich die zwischendurch verkaufte und zurückgekaufte Position der Langfrist AG innerhalb der nächsten Zeit nun doch verkaufen würde, sofern sie ihren Verlust oder auch nur einen Teil ihres Verlustes wettgemacht hätte, wäre dieser Trick keine so gute Idee, denn der Kursanstieg seit dem zwischenzeitlichen Verkauf- und Rückkaufkurs würde beim Verkauf als Gewinn zählen. Ich würde also die Steuern, die ich vorher gespart habe, nun doch noch zahlen. Außerdem hätte ich zusätzlich Transaktionsgebühren für das Hin und Her bezahlt. In Zahlen:

Nehmen wir der Einfachheit halber an, der Kurs steigt wieder auf den allerersten Einstiegskurs, also auf 30 Euro. Damit hätten die 100 Stück einen Kurswert von 3000 Euro. Ich hatte sie aber zwischenzeitich für 20 Euro pro Stück verkauft und bei genau diesem Kurs wieder zurückgekauft. Gegenüber dem ersten Kauf hat sich der Wert für mich zwar nicht verändert. Allerdings zählt nun für die Besteuerung die Veränderung gegenüber meinem Rückkauf. Also:

Kaufkosten Langfrist AG = 2010 Euro (10 Euro Spesen sind enthalten)
Verkaufserlös Langfrist AG = 2987,50 Euro (12,50 Euro Spesen wurden abgezogen)
Kursgewinn = 977,50 Euro.

Angenommen, ich habe noch die 50 Euro aus meinem Verlusttopf und es war noch kein Jahreswechsel, also es gibt keinen neuen Freistellungsauftrag. Dann werden nach der Verrechnung mit den 50 Euro Restverlust nun die verbleibenden 972,50 Euro voll versteuert. Ich zahle dafür also nun die vorher eingeparten 256,50 Euro.

In diesem Fall also: Außer Spesen nichts gewesen! Ich hätte insgesamt nichts gewonnen, sondern zusätzlich noch die Transaktionskosten gezahlt.

Und wann lohnt sich dieser Trick?

Ganz einfach: wenn es sich bei der zwischenzeitlich verkauften Position um Aktien handelt, die ich für immer halten will, oder zumindest für viele Jahre.

Noch ein Tipp:

Wenn man es schafft, es so einzurichten, dass der Freistellungsbetrag für Dividendenzahlungen verwendet wird, und Aktiengewinne mit vorher wie beschrieben realisierten Verlusten verrechnet werden, ist das optimal. Der Verlusttopf wird sogar über den Jahreswechsel hinaus beibehalten.

Noch der unvermeidliche Nachsatz: Das ist keine Beratung.

Titelfoto: Andreas Hermsdorf / pixelio.de

11 Kommentare

  • Ich möchte gerne zwei kleine Ergänzungen machen:

    * Es ist nicht so geschickt, einen so großen Verlust (wie im Beispiel) zu realisieren, dass er den Freibetrag komplett aufzehrt, denn damit verschenkt man steuerfreie Gewinne! Viel besser wäre es, die Beträge vorher so auszurechnen, dass am Ende Einkünfte von ca. 800 Euro übrig bleiben.
    * Weiterhin muss man bedenken, dass Verluste aus Aktien nur durch Gewinne aus Aktien ausgeglichen werden können! D.h. wer vorher Gewinne ausschließlich aus Dividenden/Zinsen hatte, kann diese nicht durch Aktienverluste ausgleichen. In einem solchen Falle würden am Ende trotzdem die Gewinne aus den Dividenden zu versteuern sein, der Aktienverlusttopf aber ins Folgejahr übertragen. Also: VORSICHT !!

    Ich habe übrigens (Zufall!) gerade heute einen Beitrag auf „Der-Privatier“ veröffentlicht, in dem ich den genau entgegengesetzten Fall beschreibe, d.h. wenn der Freibetrag noch nicht ausgeschöpft ist. Besonders geeignet für die noch nicht ganz so großen Depots (auch für noch-nicht-Verdiener, wie Kinder und Studenten). Falls es interessiert: http://der-privatier.com/steuerplanung-2015/

    Gruß, Der Privatier
    P.S.: Auch das ist KEINE Beratung.

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    • Hallo Peter,
      schön, hier mal wieder von Dir zu hören bzw. zu lesen. Du hast Recht, den Verlust sollte man natürlich nur dann realisieren, wenn danach noch genügend Dividenden kommen. Also auf mein Beispiel angewendet, sollten nach dem realisierten Verlust von 1500 Euro und der danach steuerfrei erhaltenen Dividende in Höhe von 800 Euro noch Dividenden bzw. Gewinne von mindestens 700 Euro erzielt werden, oder wenn man den Rest vom Verlust ins nächste Jahr überträgt, sollten es dann im kommenden Jahr Gewinne in Höhe des Freistellungsauftrages plus des übertragenen Verlustes sein. Wäre sonst schade um den verschenkten Freistellungsauftrag.
      Habe Deinen Artikel soeben gelesen, ist ja genau der gegenteilige Fall, wenn man zu viel Freistellungsauftrag hat. Gefällt mir gut.
      Viele Grüße
      Petra

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  • Ich glaube du hast da etwas falsch geschrieben. Bei meinen Brokern können Aktienverluste (also Verlusttöpfe) nur mit Kursgewinnen, NICHT aber mit Dividendenausschüttungen verrechnet werden. Bin mir ziemlich sicher, dass das generell so ist!
    Grüße

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  • Ooops, da ist mir ja ein ziemlich dummer Fehler unterlaufen. Ich habe mal eben genauer recherchiert. Es ist tatsächlich so wie ihr sagt, Max und Fred. Schade, wäre auch zu schön gewesen … Da dieser Artikel nun keinen Sinn mehr macht, werde ich ihn löschen. Da sieht man es wieder einmal. was passiert, wenn man sich auf nur eine Quelle verlässt.

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  • Naja – Du musst den Beitrag ja nicht gleich löschen!
    Denn schließlich kann man ja aus Fehlern am meisten lernen. Nicht nur Du, sondern auch die Leser.
    Und dass Deine Annahmen nicht so ganz korrekt waren, hatte ich Dir ja auch schon in meinem ersten Kommentar geschrieben.

    Aber die Grundidee ist ja durchaus richtig und sinnvoll ! Habe ich übrigens dieses Jahr recht ausführlich praktiziert. Aber eben nicht in der Kombination Aktien-Verluste und Dividenden-Einnahmen.
    Aber sämtliche Einkünfte aus Dividenden, Zinsen und Kurs-Gewinnen lassen sich durchaus mit Verlusten aus allem, was keine Aktien sind (Anleihen, Zertifikate, Derivate…) kompensieren.

    Wobei ich allerdings noch die Kurs-Gewinne aus Aktien als „besonders wertvoll“ betrachte und sie nicht mit anderen Verlusten ausgleiche, sondern auch darauf achte, dass ich entsprechende Aktien-Verluste habe.

    Hört sich alles kompliziert an. Ist es aber nicht und kann sich durchaus lohnen.

    Gruß, Der Privatier

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  • Es ist geschafft, ich habe den Artikel überarbeitet.

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  • Der Beitrag ist schon ein paar Monate alt, aber ich habe ihn gerade erst entdeckt.

    2 Anmerkungen:

    1. Verkauf und sofortiger Neukauf von Aktien zum Zwecke der Anhäufung verrechenbarer Verluste kann vom Finanzamt als „Gestaltungsmissbrauch“ eingestuft werden, falls es mal im Depot rum schnüffelt. Legal, aber dennoch verboten … tolle Sache.

    2. Wer Dividendeneinkünfte mit realisierten Kursverlusten verrechnen will, kann dies sehr wohl tun. Und zwar mit Fonds. So ganz falsch war der ursprüngliche Artikel also gar nicht – nur dass es eben nicht bei Aktien möglich ist, sondern bei Fonds. Hier gilt aber auch wieder Punkt 1: nicht übertreiben mit dem Umschichten oder nachvollziehbare Begründungen abseits der Steuerersparnis parat haben. Bei Fonds hat man zusätzlich den Vorteil: keinerlei Kosten für Kauf/Verkauf/Tausch über die bekannten Fondsplattformen.

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    • Hallo Peter,

      vielen Dank für Deinen Beitrag. Zu 1: Es ist relativ unwahrscheinlich, dass das Finanzamt im Depot „herumschnüffelt“. Denn in der Regel ist es doch so, dass man durch die Abgeltungssteuer, die die Bank automatisch abführt, das dem Finanzamt gegenüber nicht im Detail angeben muss, und die Bank das mit dem Verlusttopf schon richtig verrechnet. Aber davon abgesehen, war der Beitrag auch nur rein theoretisch. Ich selbst führe solche Aktionen nicht durch.
      Punkt 2 war mir bisher nicht bekannt, ist aber für mich irrelevant. Trotzdem interessanter Zusatz.

      Viele Grüße
      P.

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  • Hallo Petra
    Wenn du es komplett verstehen möchtest , schau doch beim Privatier unter A/B/C/D mal nach .
    Hier haben der Peter und ich schon mal einen Gedankenaustausch zu den jeweils zu
    berücksichtigenden anfallenden Steuern und den sich daraus resultierenden Mehrwert
    bzgl. Verrechnungsmöglichkeiten hinsichtlich Aktiengewinnen / Aktienverlusten , Zinsgewinnen / Zinsverlusten sowie die Verrechnungsmöglichkeiten von Derivaten ( Zinspapiere / ETFs u.s.w. )
    besprochen . Allerdings ist die Verrechnungsmethode der Bank bei einen gegeben
    Freistellungsauftrag leider eine andere ( jedoch für einen Sparer , der sich innerhalb des
    Sparerpausch-Freibetrages 801,00 Euro bewegt ) vorteilhaftere Sichtweise .
    Bei den Kommentar vom 03.04.2016 ( anderer Peter ) liegt dieses daran , das hier einmal ein
    Derivat ( Fonds , ETF , o.ä. ) betrachtet wird , die Zinszahlungen natürlich auch diesen
    Steuertopf zugeordnet werden und nur aus diesen Grund eine Verrechnung stattfinden kann .
    Bei Aktiengewinnen kann eine Verlustverrechnung nur mit Aktienverlusten geschehen .
    Problematisch ist hier evt. die richtige Reihenfolge . A/B/C/D .
    Ich hoffe dir hiermit etwas weiter geholfen zu haben . Deine Denkansätze und deine Mühen
    sehe ich jetzt schon eine lange Zeit und finde es immer sehr erstaunlich und auch richtig ,
    wieviel Sorgen du dir um DEIN Geld machst . So ist es richtig , dont loose .
    Und auch den Spruch , lieber eine Stunde über Geld nachgedacht , wie eine Stunde für Geld
    arbeiten zu gehen , ist hier sicherlich richtig .

    LG Det

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