Von Schnäppchen und geprügelten Hunden

HochspannungEnergiekonzerne im Sonderangebot! Das wäre doch mal eine Schlagzeile. Aber stattdessen Krise hier und Krise da. Der sinkende Strompreis, die Energiewende usw. usw. In ein paar Jahren, ja es können durchaus fünf oder mehr sein, hat sich die Lage entspannt. Gewinne und Dividenden steigen wieder von Jahr zu Jahr. Wie schaut doch da der eine oder andere auf den Aktienchart und fragt sich, warum er denn „damals“ nicht gekauft hat, als es doch so günstig war. Dann nimmt er sich vor, eine solche Gelegenheit beim nächsten Mal zu erkennen. Aber wenn es dann soweit ist, hat er wieder zu viel Angst.

Die beiden DAX-Schlusslichter E.On und RWE kosten gerade weniger als ihr jeweiliger Buchwert. Hier die Zahlen:

E.On:
Marktkapitaliserung: 17.160 Mio. Euro
Buchwert: 26.700 Mio. Euro
Hier bekommt man also einen Euro für 64 Cent.

RWE
Marktkapitaliserung: 7.360 Mio. Euro
Buchwert: 9.070 Mio. Euro
Ein RWE-Euro kostet 81 Cent.

Ein anderes Beispiel ist die Aktie von Südzucker. Darüber habe ich schon in meinen Beiträgen

geschrieben. Seitdem hat sich die Situation nicht grundlegend gewendet. Es gab inzwischen mehrmals Ergebnisse. Die konnten den Markt dann nicht mehr schocken. Während es bei den meisten Aktien in letzter Zeit mehr abwärts als aufwärts gegangen ist, ist das bei Südzucker eher nicht der Fall.

Was kostet nun ein Südzucker-Euro?
Marktkapitalisierung: 2.660 Mio. Euro
Buchwert: 3.780 Mio. Euro
Für einen Euro zahlt man hier 70 Cent.

Also haben wir hier drei „geprügelte Hunde“ vor uns, oder anders ausgedrückt, ist hier jeweils schon „Blut auf der Straße“. Und ich gebe zu, dass auch mein eigenes dabei ist, denn ich habe bereits Aktien davon im Depot. Aber so dramatisch ist es auch wieder nicht, denn ich habe in den letzten Jahren recht schöne Dividenden dafür erhalten, und ich brauche das investierte Geld nicht dringend zurück.

Ich werde sogar nachkaufen, denn ich bin davon überzeugt, dass es innerhalb der nächsten fünf Jahre mit allen dreien wieder ordentlich aufwärts gehen wird. So schnell gibt es zu den o.g. Unternehmen wohl keine Alternativen. Bei Südzucker warte ich noch ein wenig, ob die Zahlen im Oktober noch einen signifikanten Einfluss haben, denn ich hätte das gerne noch ein wenig billiger. Also bei einem Kurs von 11,50 oder darunter wäre ich zu einem kleinen Nachkauf bereit. Von E.On werde ich in der nächsten Woche eine kleine Portion nachkaufen, sofern der Kurs in etwa so bleibt oder noch fällt. RWE ist zeitlich noch nicht dran. Darüber denke ich in zwei bis drei Monaten noch einmal nach.

Ist die Sache wirklich so einfach?

Nein, ist sie nicht. Möglicherweise geht es nicht so auf, wie ich es plane, oder es dauert länger, oder die Konzerne brechen vollkommen zusammen, auch wenn es unwahrscheinlich ist, oder oder oder… Auch meine Hände sind ein wenig „zittrig“. Aber ich habe gelernt, durch rationales Denken meine diesbezüglichen Emotionen zu unterdrücken. Also halte ich die Hände still und vor allem auf, um die Aktien einzusammeln. Dabei lasse ich mich nicht aus der Ruhe bringen. Außerdem kaufe ich neben solchen „Schnäppchen“ auch sogenannte „Stabile“, am besten „mit Burggraben“. Ich investiere hier nur Geld, das ich in den nächsten fünfzehn Jahren nicht benötigen werde.

So, sicherheitshalber ein Hinweis: Das mache nur ich persönlich so. Nicht nachmachen!

Foto: Martin Berk / pixelio.de

3 Kommentare

  • Hallo Petra,

    ich möchte Dir hier einmal ausdrücklich zustimmen!

    Das war (zumindest in der Vergangenheit) immer meine Strategie: Wobei ich dann nicht von geprügelten Hunden, sondern lieber von „Fallen Angels“ gesprochen habe. Damit kommt nämlich eher zum Ausdruck, dass es sich einstmals (oder immer noch) um einen „Engel“ gehandelt hat. Also um ein solides, stabiles und unter Umständen auch recht gewinnträchtiges Unternehmen.

    Bei Südzucker und den ganzen Randbedingungen (Rohstoffe, Kartelle, etc.) kenne ich mich gar nicht aus, aber die Energieversorger galten lange Zeit einmal als dividendenstarke und solide Unternehmen. Witwen- und Waisenpapier. Manche haben sie auch Langweiler genannt. Bei RWE habe ich auch kräftige Verluste erlitten, dennoch bin auch ich überzeugt, dass sich die Lage mal wieder bessern wird.

    Mein Fazit meiner langen Börsenzeit für diese Strategie: Mal funktioniert es – mal nicht. Auch große, bekannte Firmen gehen mal den Bach runter. Siehe z.B. General Motors.

    Es kommt eben nur darauf an, dass Du mehr Treffer landest als Verlierer…

    Viel Erfolg weiterhin,
    Der Privatier
    P.S.: Heute traue ich mich an diese Kandidaten nur noch selten ran. Ich brauche ein wenig mehr Stabilität und Sicherheit. Aber deine drei Kandidaten bleiben bei mir auf der Beobachtungsliste.

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    • Danke für Deinen ausführlichen Kommentar, Peter.
      Hauptsache ist, dass man bei seiner Strategie bleibt und sich damit wohl fühlt.
      Ich empfinde die fallenden Kurse als eine Riesenchance. Endlich gibt es mal wieder Kaufgelegenheiten. In den letzten Jahren war es schon gar nicht mehr so einfach, etwas Lukratives zum Investieren zu finden. Ich gehe auch nicht davon aus, dass die Kurse sofort drehen, wenn ich gekauft habe. Das wäre unwahrscheinlich. Aber ich lege mir immer einen Plan zurecht, wie es weitergeht, wie weit es noch fallen muss für den nächsten Nachkauf bzw. wie viel Zeit bis dahin vergehen muss.
      Bisher hat das immer prima funktioniert.

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  • Pingback: Weiter abwärts! | Durch Geldanlage zu finanzieller Freiheit

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