Börsen-Zauberformel? – Teil 2

ZauberformelVor kurzem hatte ich in Teil 1 über Joel Greenblatts Strategie zur Aktienauswahl mittels Rankings berichtet und mir vorgenommen, eigene Untersuchungen dazu anzustellen. Mich interessierte vor allem die Anwendung in Europa. Möchte heute nun etwas dazu schreiben.

Meine Vorgehensweise

Zunächst brauchte ich eine Liste mit ausreichend vielen geeigneten Aktien aus dem „Euroland“. Zur Berechnung der Rankings nach genau der Methode, die im Buch von Greenblatt erklärt ist, müssen jeweils einige Daten dazu vorhanden sein. Das sind:

Für die Kapitalrendite

  • EBIT
  • Anlagevermögen
  • Umlaufvermögen

Die Berechnung:
EBIT : (Anlagevermögen + Umlaufvermögen)
Je größer diese Zahl ist, desto besser wird das Kapital – hier durch die Summe von Anlage- und Umlaufvermögen ausgedrückt – zur Gewinnerzielung ausgenutzt.

Für die Gewinnrendite

  • EBIT pro Aktie
  • Aktienkurs
  • Fremdkapital pro Aktie

Die Berechnung:
EBIT pro Aktie : (Aktienkurs + Fremdkapital pro Aktie)
Je größer diese Zahl ist, desto mehr (Gewinn) bekommt man für sein Geld. Interessant finde ich hier, dass man nicht nur den Aktienkurs betrachtet, sondern auch noch den Anteil an den Schulden bezogen auf die erworbenen Aktien.

Die Angaben zu EBIT, Anlagevormögen und Umlaufvermögen benötigte ich jahresbezogen, die anderen monatsbezogen. Diese Daten sind in der Form auch nicht auf den üblichen Seiten wie finanzen.net, onvista.de usw. zu finden. Ich habe es jedoch geschafft, sie zu den meisten handelbaren Euroland-Aktien mehr oder weniger automatisch mittels ein paar Excel-Makros unter Benutzung von Web-Abfragen und Berechnungen aus anderen Größen zusammenzutragen. Allerdings nur für die letzten vier Jahre. Als Bedingung habe ich eine Marktkapitalisierung von mindestens 20 Millionen Euro verwendet. Das ist gegenüber den 50 Millionen US-Dollar, die Greenblatt in seiner Strategie verwendet, zwar ein Unterschied, aber sonst wäre die Liste der verwertbaren Aktien einfach zu klein.

Nachdem ich die Aktien der unzulässigen Branchen entfernt hatte, und mich dann noch auf diejenigen beschränkt hatte, für die es möglich ist, die benötigten Daten automatisch zu ermitteln, hatte ich eine Liste von insgesamt nur 471 Aktien. Die meisten davon sind aus Deutschland. Die Liste ist also erheblich kürzer als im amerikanischen Vorbild. Ein einzelnes Heraussuchen der Zahlen aus den entsprechenden Jahresberichten kommt schon aus Zeitgründen nicht in Frage.

Meine Berechnungen und deren Ergebnisse

Habe dann die Rankings für die einzelnen Monate seit Juni 2011 berechnen können. Habe dann für jeden Monat von Juni 2011 bis Juni 2014 die 30 besten Aktien anhand des Rankings ermittelt und jeweils untersucht, welche Kursentwicklung diese innterhalb eines Jahres erzielt haben. Habe dann von allen diesen Kursentwicklungen den Durchschnitt errechnet und bin auf eine durchschnittliche Rendite aller dieser möglichen Käufe von fast 20% gekommen.

Das sieht ja zunächst ziemlich erfreulich aus, jedoch muss man bedenken, dass es in den letzten vier Jahren ohnehin insgesamt fast nur aufwärts ging. Habe deshalb zum Vergleich noch folgendes berechnet:
Alle möglichen Aktienkäufe über die Monatsintervalle des betrachteten Zeitraumes nicht nur auf die besten Aktien beschränkt, sondern auf alle Aktien der Liste bezogen. Hier kam eine durchschnittliche Performance von fast 19% heraus.

Und da aller guten Dinge drei sind, die gleiche Betrachtung noch einmal für den DAX-Performance-Index. Das ergab einen Durchschnitt von über 17%.

Also der Wahnsinnsunterschied ist das nicht gerade. Eine andere Betrachtung ist mir allerdings dabei positiv aufgefallen: Ich bildete für jeden Monat den Durchschnitt aus der Kursentwicklung der kommenden 12 Monate. Das machte ich für die Top-30-Aktien und dann noch einmal im Vergleich dazu für alle Aktien. Während sich dieser Bereich für den Durchschnitt der Top-30-Aktien von -1% bis +42% bewegt, haben wir für die Durchschnitte für alle Aktien der Liste einen Bereich von -11% bis +36%.

Fazit

Da die Untersuchungen nur sehr eingeschränkt möglich gewesen sind, ist mein Fazit: Möglicherweise ist die Strategie von Joel Greenblatt auch im Euro-Bereich brauchbar. Auf jeden Fall lohnt es sich, Aktien mit Bestrankings genauer anzusehen.

Zum Buch: Es ist meiner Meinung nach trotzdem ein lesenswertes Buch. Ich kann zwar nicht beweisen, dass die dort beschriebene Strategie immer funktioniert. Das kann niemand, auch der Autor nicht. Allerdings kann ich die Sache auch nicht widerlegen. Das Buch hat mich immerhin gut unterhalten und zu weiterführenden Überlegungen angeregt. „Die Börsen-Zauberformel“ als Titel ist vielleicht ein wenig überzogen,

Illustration: Bredehorn.J / pixelio.de

3 Kommentare

  • Hallo Petra!
    Die Börse ist in meinen Augen ein Haifischbecken. Wenn man da drin ist, und das mathematische Gestrampel der „Börsenexperten“ versteht, frage ich mich immer, ob die selbst überhaupt daran glauben oder uns nur weiß machen wollen, dass sie den Indesx dadurch schlagen können. Habe irgendwo gelesen, dass vier von fünf genau das nicht einmal schaffen. Dann kassieren sie für ihre aufwändigen, wahrscheinlich wissenschaftlich überhaupt nicht fundierten, sondern sich nur aus metaphysischem Folgeverhalten der Gläubigen ergebenden Marktreaktionen noch Managementgebühren und bezahlen sich mit unserem Geld.
    An der Börse kann man sicher auch reich werden. Aber eine Formel scheint es dafür, meines Erachtens nicht zu geben. Mal geht eine Taktik auf, mal nicht. Die Gebühren bleiben in jedem Fall bei den Veranstaltern hängen. Und diese kleinen abgezwackten Beträge, die sich mit der Zeit zu einem gewaltigen Etwas anhäufen, sind es wohl, die den real messbaren Erfolg des Geschehens ausmachen.
    Habe vorige Woche im Roulette 12 mal hintereinander „Rot“ gesehen, die Woche vorher kam 13 mal, mit zwei „Sero“ dazwischen, „Schwarz“.
    Mit der Taktik, immer die Gefallenen Farbe nach zu setzen und das Geld wieder zu investieren, hätte ich jedes mal 1000 Euro gewonnen. Einsatz ein Euro.
    Ich denke, das verhält sich auch so, wie an der Börse.
    Hätte ich vor zwei Wochen bei 25 Euro, für 1000 Euro 40 „K&S“ gekauft, hätte ich heute bei 37 Euro 600 Euro gewonnen. Die 600 Euro müsste ich allerdings noch mit dem Finanzamt teilen, während die 1000 Euro im Roulette steuerfrei wären.
    Hätte „K&S“ Konkurs angemeldet, wären die eingesetzten 1000 Euro weg. Wenn die 12 mal „Rot“ nicht fallen, verliere ich den einen gesetzten Euro.
    Es ist halt nicht so einfach, reich zu werden.
    Der Malachit.

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  • Moin Petra,
    da hast Du Dir ja sehr viel Mühe gemacht, Respekt. Ich möchte allerdings einen Einwand bringen, weil Du schreibst, der Unterschied zwischen 17% und 19% sei nicht so groß. Doch, ist er, und zwar gewaltig! Greenblatts Strategie besagt ja, die Aktien jeweils nach einem Jahr wieder zu verkaufen und in neue, ganz oben in der dann aktuellen Liste, zu investieren. Das bedeutet, vollständige Wiederanlage (natürlich abzgl. Gebühren, Spesen, Steuern) des Geldes und an dieser Stelle kommt der Zinseszinseffekt zum Tragen. Da machen die 2% in den ersten Jahren wirklich nicht viel Unterschied, aber nach einigen Jahren wirken sich 2 Prozent Differenz ganz enorm aus, das geht langfristig in zwei-, vielleicht dreistellige Prozentbereiche in der Rendite.

    Ansonsten bleibt mir nur ein Lob für Dein Blog, das gefällt mir gut! Mach bitte weiter so.

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    • Danke für das Lob, Michael.
      Klar würde sich der Zinseszinseffekt auf 2% Unterschied stark auswirken, da hast Du Recht. Aber selbst so ein Vorsprung von 2% ist nicht sicher. Nun habe ich auch nur einen sehr kleinen Zeitraum betrachtet. Habe danach noch auf Daten ab 2009 ausweiten können. Das Ergebnis hat sich leider verschlechtert und weist keinen Vorteil mehr auf. Allerdings halte ich auch diese Betrachtung für nicht repräsentativ.
      Greenblatt schreibt in seinem Buch von größeren Unterschieden in der Performance. Das kann man leider nicht nachprüfen. Man muss ihm zugute halten, dass seine Auswahl an Aktien größer und sein betrachteter Zeitraum länger ist. So ist sein Ergebnis durchaus möglich.
      Automatisch würde ich aber nicht nach dieser Strategie handeln. Trotzdem finde ich die Idee solcher Rankings schon reizvoll, man betrachtet dadurch vielleicht Aktien, auf die man sonst nicht gekommen wäre.

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