Börsen-Zauberformel? – Teil 1

Vor kurzem stieß ich in einem Forum auf eine Diskussion zu einem Buch mit dem Titel „Die Börsen-Zauberformel – Wie Sie den Markt mit Leichtigkeit schlagen“ von Joel Greenblatt. Die Meinungen dazu waren geteilt, was bei einem so reißerischen Titel meistens zu erwarten ist. Auch die Rezensionen bei Amazon reichen über das ganze Spektrum. So manch einer beschwert sich, dass die Sache in Europa nicht so richtig anwendbar sei. Das machte mich nun doch neugierig. Was sollte das für eine verflixte Strategie sein, die zwar in Amerika, jedoch nicht in Europa funktionierte?

Habe das Buch inzwischen gelesen. Insgesamt ist es sehr unterhaltsam geschrieben und insofern lehrreich, dass es die Börsenwelt sehr schön anschaulich erläutert. Der Grundgedanke, der hinter der Strategie steckt, ist Value Investing, also den Wert von Unternehmen zu erkennen und günstig einzukaufen, um damit Gewinn zu erzielen. Nur wird das hier auf eine für einen Value Investor etwas ungewöhnliche Art und Weise praktiziert. Ich will das mal kurz zusammgefasst darstellen.

Die Idee ist folgende: Unternehmen, die eine hohe Kapitalrendite haben und dazu noch günstig in der Bewertung sind, was einer hohen Gewinnrendite gleichkommt, sind Value Investments. Es wird darum zu einer großen Auswahl von Unternehmen bzw. deren Aktien ein Ranking gebildet. Dieses Ranking ist eine Kombination aus zwei Teilrankings. Das eine sortiert die Unternehmen nach der Kapitalrendite, das andere nach der Gewinnrendite. Je größer die jeweilige Angabe ist, desto kleiner ist die dazugehörige Rankingzahl. Beide Rankingzahlen werden addiert, um das Gesamtranking zu erhalten. Je kleiner, desto besser. Aktien von Banken, Versicherungen und Versorgern sind von dieser Strategie ausgeschlossen, weil hier wohl bei Berechnungen zu den Rankings eigene Gesetze gelten, z.B. was die übliche Verschuldung angeht.

Nun wird davon ausgegangen, dass die Unternehmen mit den besten Rankings die besten Steigerungsaussichten haben. Allerdings kann man zu keinem Unternehmen bzw. zu keiner Aktie mit Sicherheit sagen, dass das klappt, jedoch ist die Wahrscheinlichkeit bei gutem Ranking recht hoch. Deshalb gehört zu der Strategie auch, breit zu streuen. Es wird empfohlen, das Depot jeweils nach und nach auf 30 Aktien aufzufüllen. Der Autor empfiehlt dazu, alle paar Monate ein paar Aktien mit Bestranking zu kaufen. Jede Aktie wird nach einem Jahr verkauft.

Die für die Rankings verwendeten Zahlen sind etwas anders berechnet als die üblichen Kennzahlen, die man sonst auf Börsenseiten findet, wie z.B. KGV usw. Der Autor bietet auf seiner Webseite die Rankings zu über 3000 amerikanischen Aktien fertig an. Um das zu nutzen, muss man sich dort registrieren, ansonsten ist es wohl kostenlos. Das ist also der Grund, warum sich einige Leser beschweren, dass das in Europa nicht anwendbar ist, es wird nicht „auf dem Silbertablett“ serviert.

Obwohl ich meine Kaufkandidaten immer sehr viel sorgfältiger analysiere, als nur ein paar Rankings zu betrachten, und auch Finanzdienstleister und Versorger nicht ausschließe, muss ich doch zugeben, dass die Idee einen gewissen Reiz hat. So wüsste ich gern, welche Ergebnisse man in den letzten Jahren mit dieser Strategie in Euroland erzielt hätte. Darum habe ich bereits damit angefangen, das benötigte Datenmaterial zu allen geeigneten Unternehmen aus dem Euro-Bereich zusammenzutragen, um entsprechende Berechnungen durchführen zu können. Auch wenn ich kein Fan von solchen mehr oder weniger automatischen Strategien bin, ist solch ein Ranking sicher recht nützlich, und sei es nur dazu, Ideen für weiterführende Analysen zu finden.

Über das besagte Buch werde ich mir erst nach Durchführung meiner Untersuchungen ein abschließendes Urteil bilden. Werde demnächst auf Einzelheiten zu meinen Untersuchungen eingehen.

Fortsetzung folgt … bin selbst gepannt.

Titelbild des Artikels: Kokopelli / pixelio.de

4 Gedanken zu “Börsen-Zauberformel? – Teil 1

  1. Alex von Reich-mit-Plan 19. Juni 2015 / 7:43

    Mit Joel Greenblatts Zauberformel habe ich mich auch schon befasst. Sehr interessante Strategie mit sehr guter Überperformance. Deine genannten Nachteile teile ich, vor allem weil ich mich eigentlich mehr auf Dividenden-Aktien konzentriere und eher weltweit orientiert bin.

    Aus diesem Grund habe ich mir ein eigenes Ranking nur mit Dividenden-Aktien erstellt.
    Beschrieben habe ich das in dieser Artikelserie ab Artikel 10 aufwärts.
    http://www.reich-mit-plan.de/2015/01/artikelserie-uebersicht-der-premium-inhalte/

    Vielleicht schaust du dir das mal an. Ist auf jeden Fall eine sehr interessante Strategie. Allerdings muss nicht jedes Jahr das komplette Depot (30 oder 50 Aktien) ausgetauscht werden. Vielmehr betrifft dies nur die Aktien, die aus dem Ranking gefallen sind. Das sind dann vielleicht 4-8 Aktien je Jahr die getauscht werden müssen.

    Gruß
    Alex

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    • Petra-Wolff 19. Juni 2015 / 20:40

      Hallo Alex,

      ich bin ja auch eher langfristig orientiert und habe es in meinem eigenen Depot auf Dividenden abgesehen, manchmal aber auch mittelfristig auf Kursgewinne. Dabei habe ich auch einen gesunden Anteil Papiere anderer Währungen, aber die Euro-Aktien überwiegen.
      Bin damit bisher überaus zufrieden. schaue aber trotzdem auch gerne mal über den Tellerrand hinaus.
      Deshalb spornen solche Strategien wie die von Greenblatt eben meinen analytischen Ehrgeiz an.
      Werde mir Deine Beiträge demnächst auch mal anschauen. Bin in letzter Zeit nur nicht so sehr zum Lesen in anderen Blogs gekommen. Werde das aber jetzt wieder verstärkt tun, denn dieser Gedankenaustaausch macht eben Spaß.

      Gruß Petra.

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